29.03.2015 „Notnagel“: Schwimm-Wiedereinstiegsmethode (Ausbildung)

 

Wer mit seinem Seekajak kentert rollt entweder hoch („Eskimorolle“) oder bleibt in seiner Luke sitzen und wartet, bis ein Mitpaddler sein Seekajak anbietet, an dem er sich wieder hoch an die Wasseroberfläche zieht („Eskimo-Rescue) oder steigt aus und anschließend ohne Kameradenhilfe (z.B. „Cowboy-Wiedereinstieg“, „Paddel-Float-Wiedereinstieg“, „Re-Enter & Roll“) oder mit Kameradenhilfe wieder ein:

 

https://www.youtube.com/watch?v=DtJWPBpHefY (Bogenschlag-Rolle),

http://www.youtube.com/watch?v=j9iU3xG7Kio („Eskimo-Rescue“) (T-Variante)

http://www.youtube.com/watch?v=irNzL-S8E90 („Eskimo-Rescue) (Parallel-Variante)

http://www.youtube.com/watch?v=yYPJ4gMjfdI („Eskimo-Rescue) (Passiv-Variante)

www.youtube.com/watch?v=eCC-oX-OsWg („Cowboy-Wiedereinstieg“)

www.youtube.com/watch?v=hkj2S4yxoQI (Paddel-Float-Wiedereinstieg)

www.youtube.com/watch?v=b_kvMCmoZw0 („Re-Enter & Paddle-Float-Roll“)

 

Zum Wiedereinstieg bieten sich im wesentlich die „Parallel-Wiedereinstiegsmethode“ oder die einst von Jürgen Pietsch propagierte „V-Wiedereinstiegsmethode“ an:

 

https://www.youtube.com/watch?v=j-zpJQeiaNc&list=PLAAwPODhQmrmSf1ZNVmCS29MbNKyvTBbO&index=4 (Parallel-Wiedereinstieg)

 

Für welche dieser beiden Methoden nach einer Kenterung wir uns entscheiden, hängt ab von den Gewässerbedingungen, der Lage Seekajaks auf dem Wasser bzw. des „Kenterbruders“ im Wasser und der Ausrüstung des „Kenter-Kajaks“ (hier: mindestens ausgerüstet mit doppelter Abschottung, straff gespannten Rettungshalteleinen und Lenzpumpe) und den persönlichen Präferenz des Retters bzw. des „Kenterbruders“.

 

Der Ablauf der einzelnen Wiedereinstiegsmethoden ist so leicht verständlich, dass es genügt wenn der Retter diese Methoden kennt und in der Lage ist, den „Kenterbruder“ so anzuweisen, dass dieser weiß, was er zu tun hat. Die Anwendung der einzelnen Wiedereinstiegsmethoden setzt jedoch ein gewisses Maß an Geschicklichkeit & Kraft voraus:

 

·         der Retter muss in der Lage sein, das „Kenter-Kajak“ so festzuhalten und zu stabilisieren, dass ein Wiedereinstieg möglich ist;

·         und der „Kenterbruder“ muss in der Lage sein, so geschickt und zügig in seine Sitzluke zurück zu krabbeln, dass dabei weder er und noch der Retter erschöpft die Anwendung der Wiedereinstiegsmethode abbrechen müssen.

 

Was aber machen wir, wenn der Retter nicht in der Lage ist, das „Kenter-Kajak“ solange zu stabilisieren, bis der „Kenterbruder“ wieder in der Sitzluke seines Seekajaks sitzt, bzw. der „Kenterbruder“ nicht in der Lage ist, zurück in die Sitzluke seines Seekajaks zu krabbeln.

 

Für solch einen Fall bieten sich verschiedene andere Wiedereinstiegsmethoden an:

 

·         Parallel-Wiedereinstiegsmethode mit Trittleiter: Der Retter legt ein Seil um den Süllrand des „Kenter-Kajaks“, das so lang ist, dass der „Kenterbruder“ in der Lage ist, dieses Seil als eine Art Trittleiter zu benutzen, die ihn ermöglicht, unter Mithilfe des Retters und unter Einsatz eines Beines den Körper so weit aus dem Wasser zu bringen, dass ein Wiedereinstieg in die Sitzluke eher möglich wird!

·         Schwimm-Wiedereinstiegsmethode: Der Retter legt sich parallel zum „Kenter-Kajak“, erfasst von der Seite die Sitzluke und dreht dann das Kajak so um 90° zur Seite, dass die Sitzluke von ihm weg zeigt und je nach Auftrieb des „Kenter-Kajaks“ mehr oder wenig halb ins Wasser getaucht ist. Das soll den Kenterbruder erleichtern schwimmend zurück in seine Sitzluke zu kommen, um sich dann anschließend vom Retter wieder hoch in die „Normallage“ seines Seekajaks ziehen zu lassen.

 

Aber auch die „Schwimm-Wiedereinstiegsmethode“ kann nicht immer ohne Probleme angewendet werden; denn nachdem der „Kenterbruder“ wieder in seiner Sitzluke sitzt, müsste er sich ganz, ganz dicht zur Längsachse seines Seekajaks beugen, damit der Retter in der Lage ist, ihn wieder samt Seekajak hochzudrehen. Dabei bereitet u.U. die Spantenform des „Kenter-Kajaks“ weitere Probleme; denn manch ausgeprägter U-Spanter bzw. Knick-Spanter lässt sich nicht widerstandslos am „Retter-Kajak“ hochdrehen:

 

http://www.youtube.com/watch?v=yMAZ0PpMA6k (Schwimm-Wiedereinstieg) (sitzend)

http://www.youtube.com/watch?v=m7xz-SpMVzw (Schwimm-Wiedereinstieg) (sitzend)

 

Vor kurzem bin ich auf eine Variante des „Schwimm-Wiedereinstiegsmethode“ gestoßen, bei der der „Kenterbruder“ auf dem Bauch liegend Beine voran in seine Sitzluke steigt, sich anschließend vom Retter hochdrehen lässt, um danach um sich selbst zu drehen, damit er in seiner Sitzluke richtig Platz nehmen kann. Der Vorteil dieser Methode ist es, dass der „Kenterbruder“ von Anfang an ganz dicht nahe der Längsachse liegt und somit vom Retter mit weniger Kraftaufwand hochgedreht werden kann:

 

https://www.youtube.com/watch?list=UUyNgITuDZ_YWn3BqtBWMxug&t=91&v=wE5y_DW2h04 (Schwimm-Wiedereinstieg) (sitzend)

 

Text: Udo Beier