24.01.2002 Gewitter-Warnung per Handy (Ausrüstung)

Die Firma SIEMENS hat in Kooperation mit Unternehmen verschiedener europäischer Länder den "BLitz Informations Dienst Siemens" (BLIDS) eingerichtet. Die Warnung über aktuelle Gewitteraktivitäten in einer Region kann per SMS aufs Handy erfolgen.

Mit Hilfe von insgesamt 60 Messstationen verteilt auf Deutschland, Schweiz, Frankreich und angrenzende Länder (davon liegen 18 Stationen in Deutschland und der Schweiz) und eines speziellen Ortungssystems werden 95% aller "Wolken-zu-Erde"-Blitze bis auf 300 Meter genau lokalisiert. Sobald in der Region, die man vorher registrieren lassen muss, ein Blitz einschlägt, wird man vorgewarnt. Der Service kann für einen bestimmten Alarmierungszeitraum von z.B. 24 Std. bzw. 3 Tagen Online gebucht werden und kostet 8,50 bzw. 15,50 Euro.

Genauere Informations über "BLIDS" bietet SIEMENS im Internet an. Dort kann man u.a. entnehmen, dass zur Festlegung der "Alarmierungsregion" vorher Folgendes vorzugeben ist:

  1. einen exakt definierten Ort (z.B. die geografischen Koordinaten), der z.B. entlang der niederländischen, deutschen bzw. polnischen Küste liegt, und
  2. den gewünschte Umkreis (zur Auswahl stehen: 12 km, 25 km und 50 km).

Die für das Kanuwandern relevante "Alarmierungsregion" erfasst maximal eine Revierbreite von 24 km, 50 km bzw. 100 km, was für Wochenendtouren entlang der Küste reichen müsste. Die Gewitter(ent)warnung bei Auswahl des 50-km-Umkreises erfolgt in 4 Schritten:

  1. Warnung: Es blitzt erstmals im 50-km-Umkreis!
  2. Warnung: Es blitzt erstmals im 25-km-Umkreis!
  3. Warnung: Es blitzt erstmals im 12-km-Umkreis!
  4. Entwarnung: Keine Gewitteraktivität n den letzten 30 Minuten im 50-km-Umkreis!

Bei mehr als 3-tägigen Touren müsste jede einzelne 3-Tagesetappe für sich im Voraus angemeldet werden. Wenn dann die Tour ausfällt bzw. man wegen der Wetterlage in die entgegengesetzte Richtung paddelt, hat man die falschen Infos bestellt. Benutzerfreundlicher für das Küstenkanuwandern wäre es daher, wenn die "Alarmierung" sich flexibel am aktuellen Standort des mitgeführten Handys, der bei angeschaltetem Handy den Telefongesellschaften bekannt ist, anpasst. Außerdem müsste es möglich sein, die Anmeldung auch noch kurz vor Antritt der Tour tätigen zu können, um nicht auf den Kosten hängen zu bleiben, wenn die Tour wegen Starkwind ohnehin abgesagt wird bzw. wenn auf Grund der akuten Wetterlage für das Revier sowieso keine Gewittergefahr besteht.

Dieser "BLIDS"-Dienst ist wohl komfortabel, aber vom Preis her zumindest aus Sicht des Küstenkanuwanderns um ein Vielfaches zu hoch; denn wer wirklich Angst davor hat, unterwegs entlang der Küste vom Gewitter überrascht zu werden, kann es billiger haben. Mit Hilfe der Kombination:

"Wetterbericht / Wetterbeobachtung / Routenführung"

kann man i.d.R. so etwas verhindern. Wem dies nicht genügt, der kann zusätzlich bei "Gewitterverdacht" das Radio anschalten und einen Mittelwellensender abhören: Wenn es knistert & knackt, gewittert es in der Nähe!

Blitzeinschläge sind unkalkulierbar, aber - wenn man als Kanute auf dem Wasser getroffen wird - sicherlich tödlich. Gerade beim Küstenkanuwandern ist man dem Gewitter besonders hilfslos ausgesetzt, was manchen die eigene "Ohnmacht" deutlich werden lässt und dazu führen kann, - auch wenn die Wahrscheinlichkeit, vom Blitz tatsächlich getroffen zu werden, noch so gering ist, - in panikartige Angstzustände zu geraten. Ein solcher, jedoch etwas anwenderfreundlicher "BLIDS"-Dienst könnte einen diesbezüglich beruhigen bzw. veranlassen, bei "Blitz-Alarm" möglichst umgehend anzulanden bzw. erst gar nicht ins Seekajak zu steigen. Es ist jedoch zu hoffen, dass diese Entscheidung, zu paddeln oder an der Küste zu bleiben, den Küstenkanuwanderinnen und -wanderern bzw. Fahrtenleiterinnen und -leitern nicht durch einen Vereins-, Verbands- bzw. Gerichtsbeschluss abgenommen wird; denn wer an Land bleibt, statt zu paddeln, und stattdessen zu Fuß, per Anhalter oder mit dem eigenen Auto ins nächste Restaurant, Dorf bzw. Museum will, lebt sicherlich nicht ungefährlicher.

Text: Udo Beier, DKV-Referent für Küstenkanuwandern

Weitere Infos: www.BLIDS.de und www.Euclid.org