25.10.2002 Ovale Lukendeckel aus Weichplastik (Ausrüstung)

Zur Dichtigkeit von Lukendeckeln äußern sich immer mal wieder Küstenkanuwanderer. Sind diese Äußerungen ausschließlich positiv, so stimmt mich das stets etwas skeptisch, da ja bei dem "Lob" i.d.R. nicht gesagt wird, wie intensiv (Anzahl von Touren) und unter welchen Bedingungen (z.B. Gewässerbedingungen, Temperatur, Verschmutzung, Beladung, Bootstyp) z.B. ein Seekajak mit solchen Luken eingesetzt wird. Jedes Produkt kann nämlich gelobt werden. Manchmal geschieht das auch nur deshalb, weil der Lobende selbst Seekajakhändler bzw. -hersteller ist bzw. sich mit einem lokalen Seekajakhändler sehr verbunden fühlt! Deshalb möchte ich hier kurz auf die negativen Seiten der ovalen Lukendeckel eingehen, die aus Weichplastik sind und von dem britischen Seekajakhersteller Valley Canoe Products (VCP) (Material: PU) bzw. im Auftrag der Firma Lettmann vom finnischen Seekajakhersteller Kajak-Sport (Material: Gummielastomer) produziert und von vielen anderen Kajakherstellern für ihre Seekajaks eingesetzt werden.

Theoretisch sind diese oval Lukendeckel dicht. Aber praktisch können sie - im Gegensatz zu den runden Lukendeckeln aus demselben Material - einem unterwegs, wenn es hinaus aufs Meer geht, Probleme bereiten:

  1. Handhabungsprobleme: Dafür ist der einzelne Küstenkanuwanderer Schuld. Aber die Hersteller machen es ihm auch nicht einfach. Wenn nämlich der ovale Lukendeckel nicht 100%ig passgenau aufgesetzt wird, 1° Verdrehung reichen da schon aus, dann lässt der Deckel Wasser. In der Eile ist ein solche Verdrehung nicht auszuschließen. So lange der Hersteller nicht eine deutliche Markierung an Deckel und auf Deck anbietet, an der die Passgenauigkeit des Deckels überprüft werden kann, wird es dem einzelnen immer mal wieder passieren, dass der Deckel falsch drauf sitzt und somit leckt! Insbesondere bei den Deckeln von Kajak-Sport, die aus sehr weichem Material gefertigt sind, kann es durchaus passieren, dass man beim Festmachen der Deckel es überhaupt nicht merkt, wenn der Deckel mehrere Grad verdreht drauf gepackt ist.
  2. Passprobleme (Deckel-Form): Zumindest bei dem ovalen Valley-Deckel kursiert das Gerücht, dass diese Deckel nicht ganz symmetrisch sind, obwohl sie symmetrisch aussehen. Wer dann den Deckel mal anders drum drauf setzt, braucht sich nicht zu wundern, wenn es leckt! Ich habe folglich bei meinen beiden Seekajaks mit ovalem VCP-Deckel die Deckel so angebunden (dann verliert man sie auch nicht), dass "vorne" immer auch "vorne" ist. Aber wie kriegt man es raus, wo vorne ist? Nun, ich sehe den Unterschied nicht, wohl kann man es nachher merken; denn die richtige Seite ist jene, bei der es weniger leckt!
  3. Passprobleme (Deckel-Qualität): Bei den Deckeln - auch den runden - gibt es produktionsbedingte Qualitätsschwankungen. Gerade bei den Valley-Deckeln aus PU kann es vorkommen, dass sich kleine Blasen bzw. Beulen bilden. Liegen die dann genau dort am Halterungsrahmen, wo das Material abdichten soll, dann können Undichtigkeiten entstehen, die natürlich durch einen Umtausch (2 Jahre Garantie!) leicht zu beheben sind.
  4. Schmutzprobleme: Wer einmal sein Seekajak bei Wind im Sand abgelegt hat, weiß, wie schwer es wieder ist, diesen Sand loszuwerden. D.h. der Rand, über den der ovale Lukendeckel gestülpt wird, ist immer mit Sand verschmutzt. Man kriegt den Sand unterwegs auch kaum weg. Ankippen, Wischen, Pusten, Wässern per Schwamm hilft da nur wenig. Ja, ein Staubsauger könnte es wohl schaffen. Die Folgen einer solchen Verschmutzung fühlt man dann nach einer Tour: Die Sachen im Heck-Stauraum sind leicht angefeuchtet. (Ein saugfähiges Tuch auf dem Boden unter der Luke verhindert übrigens, dass allzu viel Wasser im Stauraum herumschwappt!) Das gilt insbesondere für die Valley-Luke, da sie zwecks bessere Abdichtung nach dem Aufsetzen zusätzlich noch per Daumen in eine Einbuchtung/Nut gedrückt werden müssen, und in der liegt immer etwas Sand!
  5. Passprobleme (Boot): Gerade bei den Valley-Deckeln ist es wichtig, dass der Rand des Deckels in eine Einbuchtung gequetscht wird. Erstaunlicherweise fehlt bei manchen Seekajak-Herstellern diese Einbuchtung völlig bzw. diese Einbuchtung ist so ungleichmässig gestaltet, dass sie praktisch nicht überall für einen dichten Sitz des Deckels sorgt.
  6. Verklebungsprobleme (Halterung): Anscheinend nimmt nicht jeder Seekajakhersteller das Verkleben dieser oval Deckel mit genügend Sorgfalt vor. Die Folge: Manche Deckel sind von Anfang undicht, nur weil die Halterung der Deckel nicht sorgfältig verklebt und abgedichtet wurde. Ich kenne z.B. einen Pintail-Fahrer der die Halterung seiner Lukendeckel vollständig herausnehmen und neu verkleben musste.
  7. Verschleißprobleme (Halterung): Ja, am Anfang sind sie dicht. Aber nach ein paar mal Öffnen und Schließen, spätestens nach 1-2 Saisons, fängt es an zu lecken. Manchmal reicht ein kalter Winter aus. Das in die unvollständigen Verklebungen eingesickerte, Wasser kann nicht ablaufen, gefriert und macht die Verklebung so porös, dass es plötzlich anfängt durch zu lecken.
  8. Verschleißprobleme (Deckel): Das Weichplastikmaterial der Deckel unterliegt der Alterung. Ich habe es wohl noch nicht erlebt, aber andere berichten davon, dass gerade die PU-Deckel von Valley allmählich rissig werden. Wer solch einen Deckel bei sich entdeckt, sollten ihn austauschen. Auch Spritzdecken halten ja nicht ewig. Welcher der Deckel weniger schnell altert, die britischen oder die finnischen, vermag ich nicht zu beurteilen.
  9. Problemfall "Mensch": Dafür kann der Deckel am wenigstens, nämlich dass der Küstenkanuwanderer den Deckel nicht richtig bzw. überhaupt nicht verschließt bzw. ihn unterwegs auf dem Wasser abreißt:

a) Bei jedem zweiten Start aufs Wasser muss ich z.B. feststellen, dass trotz vorheriger Kontrolle z.B. der vorderer runde Deckel nicht richtig drauf sitzt. Ein Schlag mit dem Paddelblatt behebt jedoch das Problem, auch unterwegs auf dem Wasser.

b) Die Deckel passen sich so elegant dem Oberdeck an, dass es mir schon mal passiert ist, dass ich den Deckel nur oberflächlich auf die Halterung legte (zwecks Regenschutz). In der Hektik eines Gruppenstartes in der Brandung ("Der Fahrtenleiter steigt als letzter ein und schiebt zuvor die anderen durch die erste Brandungswelle!") vergaß ich das völlig. Später, bei einem nötig gewordenen Rettungseinsatz rutschte der Deckel dann von der Luke. Trotzdem konnte ich dank des mit wasserdichten Säcken beladenen Stauraums weiter paddeln!

c) Die Luke ist übervoll beladen. Der Deckel schließt wohl. Da das Gepäck ihn jedoch etwas hochdrückt, entstehen Undichtigkeiten.

d) Bei Rettungsübungen habe ich es schon einmal erlebt, wie ein Kenterbruder in der Hektik des Wiedereinstiegs sich am Lukendeckel festhielt und ihn abriss.

Übrigens, ich besaß insgesamt 4 Seekajaks mit ovalem Heck-Lukendeckel von VCP, drei von PH und eines von Pietsch & Hansen. Bei allen Booten hatte bzw. habe ich noch mit Dichtigkeitsproblemen zu kämpfen, nicht bei jeder Tour, aber immer wieder. Warum? Ich kann es nur ahnen! Aber wenn man von der Undichtigkeit weiß, ist das nicht weiter schlimm. Das Boot geht ja deshalb nicht gleich unter. Aber eine Tasse Wasser im Heck reicht schon aus, um alles Gepäck leicht anzufeuchten. Deshalb verpacke ich in meinen Heckstauraum lose nur solche Gegenstände, die auch mal nass werden dürfen.

Die von mir beobachteten Probleme scheinen wohl nicht neu zu sein. Zum einen gibt es immer mal wieder die Empfehlung, die Dichtlippen des Deckels mit Vaseline einzureiben bzw. ein Gummi stramm um den äußeren Rand der Dichtlippen zu spannen, um so Problem 1-4 bzw. 8 in den Griff zu bekommen. Zum anderen hat wohl deshalb auch Lettmann in seinen "Polar" nur die kleineren runden Lukendeckel aus Weichplastik eingebaut. Die Experten, die ihm zum Bau dieses Kajaks rieten, bestanden nämlich darauf, dass keine ovalen Lukendeckel eingesetzt werden.

Gibt es nun für diesen großen ovalen Lukendeckel aus Weichplastik eine Alternative, die komfortabler ist als ein runder Lukendeckel. Ich kenne keine; denn all die Kameraden mit den anderen größeren Lukendeckeln, die per Schraubverschluss, Fahrradschlauch bzw. Riemen plus Neoprendeckel gesichert werden, haben bei Touren, die ich bislang ansetzte, ebenfalls immer wieder mit Dichtigkeitsproblemen zu kämpfen.

Text: Udo Beier