23.11.2002 Schaumauftrieb (Ausrüstung)

Die französischen Behörden fordern, dass Seekajaks in voll geflutetem Zustand - d.h. bei geöffneten Lukendeckeln - noch ein Gewicht von 35 kg tragen können, ohne unter zu gehen.

Ich persönlich würde derzeit nicht dafür plädieren, solch einen - z.B. per Schaumplatten bzw. Ausschäumung erzielbaren - "Restauftrieb" für verpflichtend zu erklären. Mir ist nämlich kein Fall bekannt, bei dem eine Küstenkanuwanderin bzw. ein Küstenkanuwanderer wegen fehlenden Restauftriebs des Seekajaks zu Schaden kam.

Wohl kenne ich Fälle:

Aber solche Fälle können doch nicht dafür herhalten, derartige konstruktive Anforderungen per Verordnung vorzuschreiben; denn grundsätzlich verfügt ein Seekajak - per Definition - über genügend Restauftrieb, nämlich auf Grund der doppelten oder dreifachen Abschottung. Nur dort, wo ein Kajak nicht über solche Abschottungen verfügt, wäre die Forderung nach zusätzlichem Restauftrieb (z.B. über extra Auftriebskörper) diskutabel.

Demgegenüber würde ich es jedoch persönlich begrüßen, wenn die Seekajak-Produzenten solch einen "Restauftrieb" optional in ihre Seekajaks einbauten, sofern nicht schon mittelbar berücksichtigt (so gibt es Seekajaks in PE-Sandwichbauweise, bei der zwischen zwei PE-Schichten ein Schaumkern verschlossen ist, welcher zumindest theoretisch für zusätzlichen Auftrieb sorgt), weil man:

  1. diesen Restauftrieb u.U. benötigen könnte, wenn man insbesondere während einer Tagestour ohne Gepäck - und somit ohne Gepäcksäcke - unterwegs ist und aus welchen Gründen auch immer, das Kajak leckschlägt;
  2. auf diese Weise endlich erreichen könnte, dass die Produzenten sich einmal so nebenbei darüber Gedanken machten, wie das Cockpitvolumen zu vermindern ist, d.h. wie das Cockpit zu gestalten ist, damit bei einer Kenterung im Seegang mit anschließendem Ausstieg nicht so viel Wasser ins Cockpit läuft.

Letzteres könnte nämlich dadurch verhindert werden, dass man an der vorderen und hinteren Schottwand, aber auch unterm Sitz, sowie beispielsweise an den Seiten, am Boden und unterem Kartendeck Schaum (bzw. Auftriebskörper, wie z.B. wasserdichte Röhren, in die man zusätzlich Gepäckstück lagern könnte) anbringt.

Etwaige Befürchtungen, dass ein solcher "Restauftrieb" in Höhe von 35 kg dazu führen würde, dass die Kajaks "großvolumiger und damit windanfälliger" gerieten, sind eigentlich unbegründet. In den Spitzen, Enden und im Cockpit steckt soviel ungenutzter Raum, der ohne weiteres ausgeschäumt werden könnte, ohne dass dadurch die Neukonstruktion eines Seekajaks mit angepasstem, d.h. höheren Volumen erforderlich wäre. Willy Neumann, der als erster deutscher Seekajakhersteller seine Seekajaks mit zusätzlich 35 kg Schaumauftrieb ausrüstet, hat zumindest an seiner "Eski-Robbe" gezeigt, dass dies möglich ist. - Lediglich jene Minimalisten, die Seekajaks mit wenig Volumen paddeln (unter 300 - 350 Liter) und denen es in der Tat wirklich gelingt, jeden Winkel ihres Kajaks mit Gepäck vollzustopfen, würde durch solche eine Ausschäumung Gepäckvolumen verlieren.

Dennoch bleibt ein Problem. Gibt es wirklich einen Schaum, der nicht nur wasserdicht, sondern auch wasserdampfdicht ist? Es wird nämlich immer wieder berichtet, dass im Laufe der Zeit sich in den verwendeten Schäumen Feuchtigkeit ansammelt, die der Luft entzogen würde. Wenn das zuträfe und nicht vernachlässigbar wäre, könnte das natürlich während eines Kajaklebens problematisch werden. Willy Neumann behauptet, dass er Schaum aus der Yachtbranche verwendet, der nach dem Ausschäumen eine wasserdampfundurchlässige Haut bildet. Ob es solch einen Schaum wirklich gibt, vermag ich jedoch nicht zu beurteilen, und ob er den dann auch tatsächlich verwendet, auch nicht.

Text: Udo Beier