03.01.2003 Ergo-Paddelschaft (Ausrüstung)

In KANU-SPORT berichten M.Keim (Trainingswissenschaftler), K.Pohlen (DKV-Bundestrainer) und Dr.J.Sperlich (Biomechaniker) in dem Beitrag "Praxistipps aus der Sportwissenschaft. Das Kajakpaddel im Kanuslalom" von einigen Erkenntnissen über das Kajakpaddel, die sicherlich auch für Küstenkanuwanderer von Interesse sein dürften, insbesondere da hier auch Aussagen über die Paddel mit Ergoschaft (Knickschaft) zu finden sind.

Solche Paddel verwenden vielfach "Experten". Dadurch hinterlassen sie bei manchem den Eindruck, es handele sich bei den von ihnen verwendeten Paddel um besonders leistungsfähige Ausrüstungsgegenstände. Ein Probepaddeln überzeugte anfänglich auch mich; denn nach mehrstündigem Paddeln hatte ich mich so an das Ergo-Paddel (hier: von Lettmann) gewöhnt, dass mir der Rückgriff auf mein altes Paddel anfänglich recht schwer viel. Aber solche Umgewöhnungsphasen sagen eigentlich nichts über die Leistungsfähigkeit eines Paddels aus. So paddelte ich unlängst längere Zeit mit einem fast 3 m langem Paddel und prompt viel mir auch hier später für kurze Zeit der Rückgriff auf mein nur 2,20 m langes Paddel schwer. Nun, keiner würde auf die Idee kommen, deshalb ein 3 m langes Paddel als besser herauszustellen (höchstens beim Rollen); warum soll das beim Ergo-Paddel dann nicht ebenfalls gelten?

Als wichtige Elemente bei der Auswahl eines Paddels werden in dem Kanu-Sport-Beitrag aufgezeigt:

Über die Bedeutung des Paddelschaft ist Folgendes zu lesen: "Ein elastisches Rohr mit möglichst homogenen Übergang zum ebenfalls elastischen Blatt, liefert hier die besten mechanischen Voraussetzung. Alle Formveränderungen (Knicke, Versteifungen, Verbundelemente u.ä.) werden ... die Homogenität des Paddels negativ beeinflussen und Energieverluste durch den Aufbau innerer Spannungen hervorrufen. Meist werden die Vorteile (z.B. bessere Griffpositionierung) durch die genannten Nachteile mehr als kompensiert. Dies erklärt auch die interessante Beobachtung, dass immer wieder auftretende Veränderungen an den Schäften irgendwann wieder verschwinden."

Zur "Legende vom Ergoschaft" findet man die folgenden Ausführungen:

"Als bei den Weltmeisterschaften 1989 auf dem Savage River Richard Fox mit großem Abstand die Weltmeisterschaft gewann, konzentrierte sich das Interesse der Slalomszene auf sein merkwürdig "krummes Paddel". ... Da biomechanische Messungen am Paddel zu diesem Zeitpunkt nur schwer durchführbar waren, wurde lediglich über ein sogenanntes Expertenrating subjektiv eine Beurteilung vorgenommen. Bis heute ist der wissenschaftliche Nachweis für die Wirkung dieser Art Paddelschäfte werder erbracht, noch publiziert worden. Auch der Erklärungsversuch, dass das Paddelblatt durch den Ergoschaft weiter vorne vortriebswirksamer eingesetzt werden kann, wird durch die ungünstigen mechanischen Eigenschaften mehr als kompensiert. Die Länge der Gesamtdurchzugsphase wird beim Ergopaddel nicht verändert.

Zudem kann das optimale Verhältnis zwischen Innen- und Außenhebel ... durch die konstruktionsbedingte, festgelegte Griffposition am Ergoschaft häufig nicht optimal angepasst werden. Wird beispielsweise beim Kürzen des Paddels die Länge des Innenhebels verrringert, muss der Sportler, um seine gewohnte Griffposition zu erhalten, das Paddel am Schaft weiter außen anfassen. Dies ist beim Ergoschaft jedoch nicht möglich, ohne außerhalb der Griffposition zu greifen. Ein weiter häufig zu beobachtendes Phänomen ist die falsche Griffhaltung beim Ergoschaft. Viele Sportlerinnen und Sportler greifen dabei innen am Knick, und damit an der eigentlich vorgegebenen Griffposition vorbei.

(Nach einer Analyse des Ergoschafts aus biomechanischer Sicht wird noch Folgendes angemerkt:) ...Streng genommen wäre eine Schaftkrümmung in die entgegengesetzte Richtung diejenige, die einen biomechanisch zweckmäßigeren Ziehen entgegenkäme. Dies ist aus bewegungstechnischen Gründen aber hinfällig.

Der oft angesprochene Vorteil eines für das Handgelenk angenehmeren Ziehens am Paddelschaft im Eintauchbereich ist korrekt, wird aber durch Komplikationen im hinteren Tauchbereich mehr als kompensiert. Der Ergoschaft hat also , bezogen auf den Vortrieb, ungünstigere Eigenschaften als ein gerade Schaft. Dies gilt auch für Rückwärtsschläge sowie alle Arten von Bogenschläge. Für Ziehschläge konnten noch keine standardisierten Untersuchungen vorgenommen werden."

Quelle: KANU-SPORT, Nr.1/03, S.30-34 - www.kanu.de

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