08.09.2003 Bootstest: Aquanaut (Valley) (Ausrüstung)

Im SEA KAYAKER wurde das folgende Seekajak getestet:

AQUANAUT

(536x55 cm; 28 kg; ca. 330 Liter (Innenvolumen); 3-fache Abschottung, Skeg, Schlüssellochsitzluke: 78x40 cm)

Die Wasserwiderstandswerte (bei 113 kg Zuladung) betragen in Abhängigkeit von der Geschwindigkeit (gemessen in Knoten):

2 kn / 3 kn / 4 kn / 4,5 kn / 5 kn /6 kn

0,44 / 0,91 / 1,69 / 2,34 / 3,31 / 5,67 kg

Zum Vergleich:

SIRIUS M (P&H) (520x53 cm; ca. 307 Liter):

0,41 / 0,86 / 1,63 / 2,31 / 3,67 / 6,58 kg

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INUK (Kirton) (550x51 cm; ca. 315 Liter)

0,41 / 0,86 / 1,63 / 2,13 / 2,95 / 5,22 kg

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BARRACUDA (PE) (Prijon) (508x56 cm; ca. 330 Liter)

0,43 / 0,90 / 1,66 / 2,21 / 3,23 / 5,98 kg

Der AQUANAUT wurde von 3 Kanuten (ab 180 cm; ab 74 kg) während mehrere Tagestouren bis max. 6 Bft. getestet. Außer, dass das Vordeck des Kajak etwas niedrig liegt (was sich negativ auf den Fußraum auswirkt) und das Kajak etwas nass läuft, hatten die drei Tester keine weiteren Schwächen festgestellt. Letztlich aber ist diese eine Schwachstelle eine Frage des Volumens. Wenn man ein voluminöseres Seekajak haben möchte, dass dann i.d.R. auch trockener läuft und über mehr "Fußhöhe" verfügt, aber als Konsequenz bei gleicher Beladung windempfindlicher ist, kann man auf ein anderes Boot von Valley zurückgreifen, und war den ARGONAUT (536x56 cm).

Anmerkungen: Ob nun der AQUANAUT wirklich keine relevanten Schwachstellen hat, hängt u.a. von den Testbedingungen und dem Beurteilungsvermögen der 3 Tester ab. Immerhin wurde bis 6 Bft. Wind getestet. Dass es sich bei den Testfahrten nur um Tagestouren (mit wenig Gepäck) handelte, dürfte nicht negativ zu beurteilen sein; denn mit zunehmender Beladung verhält sich ein Seekajak meist etwas "gutmütiger". Ich persönlich halte es nicht für empfehlenswert, dass nur die Tagesluke über einen runden Deckel verfügt, während die Heck- und Bugluken durch einen ovalen Deckel abgesichert sind. Nach meinen Erfahrungen werden irgendwann diese ovalen Valley-Lukendeckel undicht. I.d.R. liegt es daran, dass die ovale Deckelhalterung nicht sorgsam genug ins Oberdeck eingeklebt wird. Das trifft zumindest für meine 4 Seekajaks zu, deren ovale Hecklukendeckel im Laufe der Zeit anfingen zu lecken. Insofern reicht es m.E., wenn nur auf dem Heck ein ovaler Lukendeckel eingesetzt wird.

Ob nun der AQUANAUT ein akzeptables Seekajak ist, welches für alle geeignet ist, hängt von den Einsatzbedingungen ab. Wer häufig das Seekajak nur auf Tagestouren einsetzt, d.h. nur mit Tagesgepäck fährt, und zwar auch dann, wenn es mit 4 Bft. und mehr bläst, sollte schon a) einen festen Halt im Cockpit haben und b) 70 kg auf die Waage bringen. Und wer auf mehrwöchige Gepäcktour geht, muss - sofern er Essen & Trinken für längere Zeit dabei haben mussen - sich darauf einstellen, etwas Gepäck aufs Heck zu laden. Das ist nicht weiter schlimm, wenn ihm das verstellbare Skeg nicht Probleme bereiten würde; denn meist wird bei achterlicher Deckslast das Seekajak so luvgierig, dass das Skeg nicht mehr ausreicht, dies zu korrigieren. Gegebenfalls hilft dann nur noch Folgendes: a) man fährt auch mit Bug-Deckslast bzw. b) man verstaut das schwer Gepäck im Heck. Beides fördert die Leegierigkeit und trägt somit zur Kompensation des Luvgierigkeit bei. Den Rest kann man dann u.U. über das Skeg ausgleichen.

Es ist zu hoffen, dass der Hersteller Valley bzw. sein amerikanischer Importeur nach diesem guten Abschneiden die Scheu aufgibt, dem SEA KAYAKER Seekajak-Modelle zum Testen zur Verfügung zu stellen.

Quelle: SEA KAYAKER, Nr. Oct. 03, S.12-14 - www.seakayakermag.com