14.12.2003 Seekajak-Kauf: 10 wichtige Stichpunkte (Kurzfassung) (Ausrüstung)

 

In Europa sind über 170 Seekajaks (Einer) erhältlich. Die Qual der Wahl ist groß. Bei einer Kaufentscheidung empfiehlt es sich, in vier Schritten vorzugehen (Grobauswahl, Ausrüstungscheck, Sitzprobe und Probefahrt) und die folgenden Punkte zu beachten:

 

GROBAUSWAHL:

 

1) Wähle zunächst jene Seekajaks aus, die persönlich gefallen.

 

Als mögliche Kriterien kommen hierfür in Frage:

 

·         Form (Empfehlung: U- bzw. Knickspant mit etwas Kielsprung)

·         Volumen (Empfehlung: ca. 300-350 Liter)

·         Gewicht;

·         Länge (Empfehlung: ca. 500-550 cm);

·         Breite (Empfehlung: ca. 52-58 cm);

·         Steuer, Skeg oder nichts;

·         Sitzluke (Empfehlung: ca. 65-75 cm Innenlänge);

·         Gepäcklukendeckel;

·         Qualität, Material;

·         Hersteller/Händler (Empfehlung: lokale Reklamationsmöglichkeit).

 

AUSRÜCKSTUNGS-CHECK:

 

2) Prüfe, welche der ausgewählten Seekajaks wirklich seetüchtig sind.

 

a) Seegangstüchtigkeit

·          seegangstüchtige Bootsform:

= kippstabil, aber Kanten muss möglich sein!

= kursstabil, aber Kurskorrekturen müssen möglich sein!

= windunempfindlicher, aber ohne zu Bohren!

·          Längenunter-/-obergrenzen:

mit Steuer: ca. 430-580 cm;

mit variablem Skeg: ca. 465-560 cm;

ohne alles: ca. 500-540 cm;

·          Breitenunter-/-obergrenze: ca. 52-62 cm

·          passende Sitzluke (ansonsten kann es Probleme mit Sitzhalt & Spritzdecke geben!);

·          fest sitzende, wasserdichte Spritzdecke;

·          Schenkelstützen (am Besten variabel einstellbar!);

·          Möglichkeit zur Kurskorrektur (ein-/hochziehbares Steuer),

zumindest zum Kurshalten (variables Skeg);

·          wasserdichte Gepäckluken.

 

b) „Navigationstüchtigkeit“

·          fest installierter Kompass;

·          eben gerundetes, großes Kartendeck;

·          2-3 Seekarten-Haltegummis (wind-/brandungsfest);

·          Kartendeck geeignet für Karten im Format DIN-A3 (quer);

·          kleine Sitzluke (ideal zum Kartenstudium: max. ca. 65 cm Innenlänge)

·          vorderer Süllrand sollte plan mit dem Kartendeck verlaufen.

 

c) „Kentertüchtigkeit“

·          mind. doppelte Abschottung (Ausnahme: Faltboote);

·          fest installierte Lenzpumpe (Ausnahme: Faltboote);

·          mehrfach befestigte Rettungshalteleine auf Vorder-/Achterdeck;

·          frei schwingende Halteknebel (Toggles) am Bug-/Heckende;

·          Lifeline;

·          niedriges bzw. griffiges Süllrandende;

·          im Deck integrierte Beschläge;

·          schnell lösbare Paddelhalterungsleine.

 

d) „Reisetüchtigkeit“

·          Gepäcknetz (griffbereit zugänglich, z.B. für Verpflegung, Abschleppleine,

Südwester/Sonnenhut, Sonnencreme, Paddelfloat);

·          Haltegummis für Reservepaddel.

 

e) „Verkehrstüchtigkeit“

·          gelbe oder orange Bootfarbe;

·          mehrere Reflexstreifen auf dem Vorder-/Achterdeck.

 

3) Kontrolliere, über welches Volumen das Seekajak mindestens bzw. höchstens verfügen sollte.

 

·         Das Volumen (V) (in Liter) hängt davon ab, wie viel Gewicht (in kg) (sog. Gesamttransportgewicht (G)) das Seekajak transportieren soll.

Daumenregel: akzeptables G = ca. 30-60% V; ideales G = ca. 45-50% V

 

SITZPROBE:

 

4) Nimm noch an Land ein „Cockpit-Check“ vor.

 

·         Große Sitzluken erleichtern das Ein-/Aussteigen (ab ca. 80cm Innenlänge).

·         Kleine Sitzluken bieten mehr Halt und erleichtern die Arbeit mit der Seekarte (unter ca. 70cm Innenlänge).

·         Achte auf Schenkel-/Fuß-/Rückenhalt und die Sitzposition.

·         Verstellbare Schenkelstützen sind fest eingebauten vorzuziehen.

·         Mittig zentrierte Steuerpedalen sind seitlich fixierten vorzuziehen.

·         Probiere aus, wie leicht sich die Spritzdecke um den Süllrand legen lässt und wie fest & dicht sie sitzt. Bei leichtem Kniedruck sollte sie sich noch nicht vom Süllrand lösen.

 

5) Nimm auf dem Wasser einen „Kippligkeits-Check“ vor.

 

·         Wie „nervös“ reagiert das Seekajak, d.h. wie kipplig ist das Seekajak (sog. „Anfangsstabilität“)?

·         Wie weit läßt sich das Seekajak ankanten, ohne zu kentern. (sog. „Endstablität“).

 

PROBEFAHRT:

 

6) Unternimm eine längere Probefahrt.

 

·         Die Probefahrt sollte mit dem Gepäck erfolgen, das man auch sonst immer dabei hat.

·         Die Probefahrt sollte bei realistischen Seegangs- & Windbedingungen stattfinden und nicht bei  „Ententeichbedingungen“.

 

7) Achte darauf, ob du wirklich längere Zeit beschwerdefrei im Seekajak sitzen kannst und ob die Spritzdecke möglichst dicht hält.

 

·         Mit einem Seekajak, das einem Sitzprobleme bereitet, wird man weder effzient noch erholsam paddeln können.

·         Und eine Spritzdecke, die nicht verhindern kann, dass die Sitzluke allmählich geflutet wird, sollte ebenfalls mit Skepsis beurteilt werden.

 

8) Prüfe, wie kursstabil sich das Seekajak verhält.

 

·         Ein Problem mancher Seekajaks ist das Kurshalten, und zwar nicht so sehr bei Gegenwind, wohl aber bei Seiten- und Rückenwind. Seegang verstärkt dabei die Schwierigkeiten.

·         Ein Steuer erleichtert das Kurshalten bei Seiten- u. Rückenwind.

·         Ein variables Skeg dient dem Kurshalten und ist bei Seitenwind besser als gar nichts.

 

9) Prüfe, wie wendig das Seekajak ist.

 

·         Wie leicht können Kurskorrekturen vorgenommen werden, und zwar nicht nur bei „Ententeichbedingungen“, sondern auch bei Seegang- & Windbedingungen.

·         Ein Steuer könnte Kurskorrekturen erleichtern, ein Skeg jedoch nicht.

·         Ein Knickspant könnte die durch Kanten eingeleitete Steuerwirkung bei einem Kajak mit Skeg verstärken.

 

10) Führe einen „Brandungs-Check“ durch.

 

·         Beobachte das Seekajak, wie es sich verhält, wenn die Brandung von vorne, seitlich bzw. von hinten kommt.

·         Wie leicht fallen Starten/Anlanden,  Kurshalten/-wechsel und das Ankanten zur Welle/Brecher.

·         Öffnet sich die Spritzdecke in der Brandung bzw. beim Eskimotieren.

·         Bleibt die Sitzluke trocken?

 

Link: Ausführliche Erläuterungen zu diesem Beitrag finden sich

unter: www.kanu.de/nuke/downloads/Seekajakkauf-Hinweise.pdf

 

Text: Udo Beier

überarbeiteter Wiederabdruck aus: Kanu-Sport 3/96