24.10.2004 Hanseboot (Messebericht) (23.-31.10.04) (Ausrüstung)

 

Für 9 Tage hatte die Hanseboot in Hamburg geöffnet. In Halle 9 stellen Kanu-Hersteller und –Händler aus. Was gibt’s Neues im Vergleich zum letzten Jahr?

 

Ich sehe die weitere Verbreitung verstellbarer Schenkelstützen bei Seekajaks als erfreulichste Neuheit an. Bislang hatte so etwas nur Prijon bei seinen Seekajaks angeboten, was bei den Wildwasserkajaks schon seit langem Standard ist. Nun haben die britischen Seekajakhersteller P & H (hier: Capella PE) und us-amerikansichen Seekajakhersteller Wilderness (hier: Tempest 165 PE und 170 PE) gleichgezogen. Erstaunlich, dass dies bislang nur PE-Seekajak betrifft. Es wird also an der Zeit, dass auch die Seekajaks aus GFK & Co. serienmäßig damit ausgerüstet werden; denn verstellbare Schenkelstützen ermöglichen einem auf recht einfache Weise eine wirksame Verbesserung und Anpassung des Schenkelhalts und folglich des Sitzes im Cockpit. Verstellbare Schenkelstützen  beeinflussen in Verbindung mit einem festen Hüfthalt wesentlich die Seegangs- und Kentertüchtigkeit von Kanute und Kajak; denn ohne richtigen Schenkel- & Hüfthalt ist ein effizienter Einsatz der flachen bzw. hohen Paddelstützen (wichtig im Seegang, in der Brandung, bzw. als Abwehrmaßnahme gegen eine Kenterung) oder eine erfolgreicher Abschluss eines Rollversuches nicht möglich. Leider achten die Küstenkanuwanderer noch viel zu wenig auf diesen Schenkel- & Hüfthalt. Manchmal stört sie insbesondere dieser Schenkelhalt, weil sie sich beengt fühlen oder sogar meinen, beim Unterwasserausstieg behindert zu werden. Dabei muss beim Küstenkanuwandern – nicht jedoch beim Seekajakschlendern bei Ententeichbedingungen auf einem Fluss oder Binnensee - einem das Seekajak wie ein „Schuh“ sitzen. Der feste Sitz des Unterkörpers in der Sitzluke ist genauso selbstverständlich wie beim Alpinskifahren der feste Sitz des Fuss im Skistiefel. Leider merkt man beim Probesitzen im Laden und beim Probepaddeln bei Ententeichbedingungen nicht immer, dass der Schenkelhalt immer o.k. ist, da Sitzluke und Bekleidung trocken sind. Wenn man aber erst mit feuchten Klamotten in einer feuchten Sitzluke sitzt, sieht es vielfach ganz anders mit dem Schenkelhalt aus. Dann heißt es nachzubessern. Was den Hüfthalt betrifft, genügt das Aufkleben irgendwelcher Polsterstücke (z.B. Reste einer Iso-Matte). Die Klebeflächen sind i.d.R. eben & glatt und sorgen für einen dauerhaften Halt. Bei der Verbesserung des Schenkelhalts sieht es da jedoch anders aus. Die dafür in Frage kommenden Flächen unterm Süllrand, auf denen man Matten-, Holz- oder Plastikstücke verkleben könnte, sind uneben. Eine dauerhafte Verklebung gelingt einem dann nicht immer. Außerdem ist es gar nicht so einfach, den Schenkelhalt so zu formen, dass das Herausrutschen der Schenkel wirksam verhindert werden kann. Abgesehen davon ist ein solchermaßen eingeklebter Schenkelhalt kurzfristig nicht veränderbar. Wer also mal sein Seekajak nicht zum Küstenkanuwandern einsetzt, sondern zum Schlendern auf dem Süßwasser „missbraucht“, der hat dann nicht die Möglichkeit, mit einem Handgriff die Schenkelstützen zu verstellen und ihren Halten zu „entschärfen“.

 

Folgende weitere „Neuheiten“ sind mir u.a. noch aufgefallen:

 

 

Er ist erstmals auf der Messe vertreten und bietet ein Seekajak der etwas einfacheren Kategorie an:

 

Morski (500x60 cm;24 kg, Sitzluke: 74x38,5 cm)

 

mit Heckumklappsteueranlage und 3-facher Abschottung, und zwar im Bug mit einem recht kleinen und etwas schwerer handhabbaren Drehlukendeckel (Durchmesser: 15 cm) und im Heck mit einem runden Klemmlukendeckel (23 cm) sowie einem weiterem Drehlukendeckel (15 cm).

Importeur des Seekajaks ist: Kanu Sport Zülow ( www.kajak-zuelow.de )

 

 

Bei ihm war der von Prijon überarbeitete Seayak zu sehen:

 

Seayak (490x58 cm; Sitzluke: 79x39 cm – Schlüssellochluke mit verstellbaren Schenkelstützen, Heckumklappsteueranlage, 2-facher Abschottung, einer Tagesluke mit Drehverschluss vor dem Süllrand (mit neoprenartigem Sackbehälter im Fußraum der Sitzluke) (Durchmesser: 15,5 cm) und je einem Bug- und Hecklukendeckel (mit Neopren- und Hartplastikdeckel, der über Riemen gesichert ist) (Maße: 44x21 cm bzw. 43x29,5 cm).

 

Das Heck ist etwas flacher gelegt, damit die Steueranlage effizienter arbeiten kann. Leider ist das Vorderdeck vor der Sitzluke nur bedingt als Kartendeck geeignet. Und ob das Öffnen, und Schließen des Drehdeckels sowie der Zugriff in den Sackbehälter praktisch ist, muss jeder selber überprüfen.

Übrigens, Prijon bietet nicht den Einbau einer Lenzpumpe an, jedoch kann über Aqua Splash eine entsprechende Lenzpumpe nachgerüstet werden.

 

Weiterhin wurde ein Windmesser der Firma Weathertec Equipment angeboten:

 

WM-1 Skywatch Xplorer 1 ( www.weathertec.de )

 

mit dem man auch die Stromgeschwindkeit messen kann. Insofern müsste der Windmesser auch wasserdicht sein, obwohl im Prospekt nur von „wasserresistent“ gesprochen wird (Preis: ca. 40,- Euro).

 

 

Das 2003 auf der Hanseboot vorgestellte Seekajak:

 

Inuite (530x53,5 cm),

 

welches sehr stark dem Godthab XL von Lettmann ähnelte, wird nicht mehr gebaut. Anscheinend hat es der Hersteller des Originales erreicht, dass die Produktion dieser Imitation eingestellt wurde.

 

 

Das neu Paddel von Lendal:

 

Kinetic Wing

 

wurde vorgestellt. Es handelt sich um eine abgeschwächte Variante eines Wing-Paddels, welches auch zum Tourenpaddeln geeignet sein soll. Ob das zutrifft, muss wohl jeder selber entscheiden. Ein vergleichbares Paddel mit einer konventionelleren Blattform gibt es bei Lendal ab ca. 295,- Euro. Das „Kinetic Wing“ ist ab ca. 335,- Euro zu haben.

 

Der Capella (aus PE-Sandwich) (von P & H) ist überarbeitet worden:

Maße: 505x56; 25kg, Sitzluke: 81x44 cm, ca. 315 Liter Volumen), mit verstellbaren Schenkelstützen, 3-facher Abschottung mit Weichplastiklukendeckeln, und zwar auf dem Vorderdeck (23,5 cm) und auf dem Achterdeck (Tageslukendeckel (18,5 cm) und Ovallukendeckel (42x30 cm)). Außerdem kann der Kompaß vor dem Buglukendeckel integriert werden. Hervorhebenswert sind insbesondere die verstellbaren Schenkelstützen, die eine effizientere Anpassung an der Körpergröße ermöglichen.

 

Außerdem gibt es 3 GFK-Varianten des Capella, die jedoch nicht auf der Messe zu besichtigen waren:

 

Capella 163 (ca. 495x55 cm)

Capella 169 (ca. 511x58 cm) (mit/ohne Reservepaddelmulden)

Capella 173 (ca. 526 cm)

 

Alle diese Capella gibt es mit 3-facher Abschottung, Weichplastiklukendeckel, Skeg oder Heckumklappsteueranlage, Schenkelstützen, trimmbaren Sitz, Kniebox, diversen Lenzpumpen, Außennahtverklebung, Kevlar-Kielstreifen, Einbau der vorderen Schottwand nach Maß, integriertem Kompass.

 

Außerdem kann man die neuen Lukendeckel von Kajak-Sport (Finnland) ( www.kajaksport.com ) besichtigen. Das Obermaterial ist aus härterem Plastik, das Seitenmaterial ist jedoch elastischer. Insgesamt sollen die Deckel leichter zu öffnen/verschließen sein und ein geringeres Gewicht haben.

 

Übrigens, der Sirius S (ca. 265 Liter Volumen) ist zur Zeit nicht lieferbar.

 

 

Meier bot das finnische Seekajak von Bear & Water ( www.bearwater.fi ) an:

 

Sea Cat (548x57, 22 kg; Sitzluke: 79x43 cm; 2 ovale Gepäcklukendeckel, Heckumklappsteueranlage).

 

Außerdem ist ab sofort ein Seekajak von Wilderness im Sortiment:

 

Tempest 170 (PE) (518x56; 27 kg; Sitzluke: 79x39 cm), mit Skeg und Lukendeckeln aus Weichplastik, und zwar einem runden Buglukendeckel, einer runden Tagesluke (17,5 cm) und einem ovalen Hecklukendeckel (42,5x29 cm).

 

Die Sitzluke verfügt übrigens über verstellbare Schenkelstützen. Der Kompass kann integriert eingebaut werden.

 

Bei einem Kajak konnte man eine Alu-Schiene sehen, die Paddel-Meier schon seit Jahren unter den Bug seiner Kajaks klebt, um den Abrieb zu vermindern. Diese Schiene wird auf Wunsch auch nachträglich auf andere Kajaks verklebt (Preis: ca. 140,- Euro).

 

Weiterhin wurden Paddelpfötchen des us-amerikanischen Herstellers WildWasserSport  ( www.wildnet.com ) angeboten:

 

Yampa Pogies,

 

die aus dickerem Neoprenmaterial bestehen und so geformt sind, dass man auch ohne Zuhilfenahme der Zweiten Hand mit einer Hand sehr schnell hineinschlüpfen kann. Wer im Seegang mal versucht hat, seine Paddelpfötchen anzuziehen, wird diesen leichten Zugriff schätzen lernen (Preis: ca. 50,- Euro). Jedoch wiegt das Paar ca. 360 g (zum Vergleich ein Exemplar aus Avilastic: 140 g).

 

 

Folgende Seekajaks sind überarbeitet worden:

 

Eski 530 (530x54 cm; ca. 316 Liter Volumen)

Hanseat (525x58 cm; ca. 350 Liter Volumen)

Nordstern (550x57 cm; je nach Höhe ca. 360 – 415 Liter Volumen)

 

Das Unterwasserschiff ist etwas verändert worden:

a) weniger Kielsprung (was den Geradeauslauf verbessern soll, wie sich das auf die Kippligkeit bei Seegang auswirkt, muss man wohl selber „erfahren“)

b) volumniöseres Unterwasserschiff im Heckbereich (soll schnelleres Paddeln ermöglichen, da das Heck beim Tempomachen nicht so schnell abtauchen soll).

 

Außerdem gibt es eine zusätzlich Bug-Tagesluke vor der Sitzluke mit Zugriff von Außen, ohne dass dadurch die Ablesbarkeit der Seekarte erschwert wird. Diese Luke ermöglicht den Zugriff in eine Box, die unter das Kartendeck geklebt ist (Volumen: ca. 8 Liter).

 

Schließlich ist das Achterdeck hinter der Sitzluke so flach geformt, dass die Option besteht, eine zusätzliche Heck-Tagesluke (mit eigener Abschottung) einzubauen, und zwar mit einem Durchmesser von bis zu 24 cm, wobei der Kunde selber bestimmen kann, ob der Deckel mittig oder an den Seiten positioniert wird.

 

Der Zweier Pacific ist ebenfalls verändert worden:

590x68 cm statt 575x69 cm. Außerdem ist auch der Kielsprung etwas herausgenommen und das Heck im hintern Achterschiff etwas voluminöser geworden.

 

U.a. wurde auch ein Paddelfloat des us-amerikanischen Herstellers WildWasserSport angeboten:

 

Paddle Buddy (ca. 33x62 cm, ca. 280 g, mit ca. 7-8x Luftholen aufblasbar, Zwei-Kammer-System mit 2 Ventilen, inkl. einer auf dem Float aufgedruckten 5 Zeichnungen umfassenden Erläuterung eines üblichen Paddelfloat-Wiedereinstiegs, ca. 45 ,- €).

 

Es empfiehlt sich für alle jene, die zumindest im Hallenbad rollen können und das Float als Hilfe beim „Reentry & Roll“ (richtiger: „Reentry & Float-Roll“) einsetzen möchten & können.

 

Das Float ist sehr kompakt (nicht größer, nicht schwerer, nicht voluminöser (ca. 10-12 Liter) und nicht teurer als das kleine Zölzer-Paddelfloat (Größe: S), und wahrscheinlich auch haltbarer.

 

 

Er hat sein Kajak Tümmler (480x61 cm) mit einer kleineren Sitzluke und einer zweiten Abschottung ausgerüstet. Das Seekajak hat eine Heckumklappsteueranlage und 2 Lukendeckel aus Weichplastik: Bug (19 cm Durchmesser), Heck (44x26 cm)

 

Text: Udo Beier