10.02.2005 EPIRBs vom Typ INMARSAT E (Ausrüstung)

 

In der YACHT, Nr. 4/05, S.12, ist folgende Meldung zu lesen:

 

„Beim INMARSAT-Notfunksystem Eprib ist 2006 eine Investition von rund 2,5 Millionen Euro für neue Empfänger in den Bodenstationen nötig. Diesen Betrag können oder wollen die Betreiber nicht aufbringen – der Notfunk steht vor dem Aus. …“

 

Auf der Homepage des SEGLER-VERBAND SCHLESWIG-HOLSTEIN sind zu diesem Thema zwei Beiträge von Interesse:

In dem einen Beitrag berichtet am 22.01.05 Dr. Dieter Wolf unter dem Titel:

„Warnung vor dem Ankauf von EPIRBs vom Typ INMARSAT E“

Folgendes:

„Bekanntlich gibt es zwei unterschiedliche Systeme von Seenotfunkbojen, EPIRB genannt, die über Satelliten die Rettungsstationen alarmieren. Das COSPAS/SARSAT-System arbeitet mit Pol-umlaufenden Satelliten, die mit Hilfe des Doppler-Effektes den Havaristen einpeilen. Da es zur Zeit nur vier dieser Satelliten gibt, kann die Ortung bis zu zwei Stunden dauern. Auch sind Fehlmessungen nicht ausgeschlossen.

Aus diesen Gründen wurde das INMARSAT-E-System initiiert, das mit geostationären Satelliten arbeitet. Außerdem haben die zugehörigen Funkbojen ein GPS integriert. Sie geben sofort nach Inbetriebnahme die genaue Position durch, und der Alarm wird Sekunden später auf der Rettungszentrale ausgelöst. Daher hat z.B. die deutsche Bundesmarine ihre Schiffe und Boote mit derartigen EPIRB ausgerüstet.

Leider sind diese besseren EPIRB etwa doppelt so teuer wie die COSPAS/SARSAT-Geräte. Deshalb hat sich der größte Teil der Reedereien und Bootseigentümer für letztere entschieden, so dass weltweit nur etwas mehr als 1000 INMARSAT-Bojen installiert sind. Dies ist der Betreiberfirma zu wenig, zumal kostenaufwändige Ersatzinvestitionen an den Bodenstationen anstehen. Somit soll Ende des Jahres 2006 der Betrieb eingestellt werden.

Zunächst bestand Hoffnung, dass u.a. die Ministerien der Verteidigung und Wirtschaft und Verkehr einen Weiterbetrieb erreichen würden, aber diese Hoffnung ist verschwindend gering, weil entsprechende Geldmittel fehlen.

Es kann also nur vor dem Kauf von INMARSAT-E-Epirbs gewarnt werden, auch wenn diese noch in einigen Prospekten zu finden sind. Stichprobenartige Nachfragen auf der Bootsmesse in Düsseldorf haben übrigens ergeben, das die Firmen über diese Entwicklung informiert sind und nur noch COSPAS/SARSAT-Bojen (Sendefrequenz 406 MHz) anbieten.“

 

Link: www.seglerverband-sh.de/index.php?id=80&newsid=94 (22.01.05)

 

In dem zweiten Beitrag wird auf den folgenden Bericht der KREUZER-ABTEILUNG des DSV vom 25.10.04 verwiesen:

„Unsicherheit über Fortführung des L-Band EPIRB Service

INMARSAT, der Betreiber des satellitengestützten GMDSS Kommunikationssystems hat angekündigt, das INMARSAT L-Band EPIRB System, besser bekannt als INMARSAT - E, zum Ende des Jahres 2006 einzustellen. Damit würde das beste Seenotalarmierungssystem aufgegeben. Deutschland hat gegen diese Absicht bei der Weltschifffahrtsorganisation (IMO) Widerspruch eingelegt....

Hintergrund sind im Jahr 2006 fällig werdende Ersatzinvestitionen in die Erde-Funkstellen in einer geschätzten Größenordnung von ca. $ 3 Mio. einerseits und eine, wie INMARSAT behauptet, geringe Verbreitung des Systems andererseits.

Derzeit sind allein in Deutschland rund 450 Sportboote, 150 SOLAS-Fahrzeuge, 350 Marine-Fahrzeuge sowie NATO-Luftfahrzeuge mit dem System ausgestattet.

Es hat wegen seiner kurzen Alarmierungszeiten und der Sicherheit der Übertragung erhebliche Vorteile vor dem einzig alternativen COSPAS-SARSAT System.

Vor dem Hintergrund der bei Umwandlung von INMARSAT von einer Intergovernmentle Organisation (IGO) in ein privates Unternehmen übernommenen Auflage die GMDSS-Services weiter zu betreiben (Aufsicht wird durch die International Mobile Satellite Organisation – IMSO - ausgeübt), haben die drei berührten Bundesministerien für Verteidigung, Wirtschaft und Verkehr sich in einer abgestimmten Submission an das Maritime Safetycommittee der International Martime Organization (IMO) und an die International Mobile Satellite Organisation (IMSO) gewandt, um die Fortführung des Systems zu erreichen.

Das Angebot von INMARSAT den Besitzern einer L-Band EPIRB (INMARSAT - E) bei Einstellung des Systems eine COSPAS/SARSAT EPIRB zur Verfügung zu stellen, ist ausschließlich auf die Vermeidung eines wirtschaftlichen Schadens gerichtet.

Auch wenn das COSPAS/SARSAT-System durch den Einbau von GPS-Komponenten ertüchtigt worden ist, so bleiben erhebliche systembedingte Nachteile.

1. Alarmierungszeit: Die Alarmierungszeit ist selbst im Idealfall um den Faktor 10 höher.

INMARSAT E = 3 - 6 Minuten;

COSPAS/SARSAT = min. 1 h - max. mehrere Stunden

2. Sicherheit der Datenübermittlung:

INMARSAT E arbeitet mit dem Verfahren der Forward Error Correction (FEC). In diesem Verfahren werden fehlerhafte Daten bei der Übertragung korrigiert.

COSPAS/SARSAT arbeitet mit dem Verfahren des Automatic Repeat Request (ARQ). In diesem Verfahren wird eine Wiederholung fehlerhaft übertragener Daten veranlasst.

Als Stand der Technik muss das FEC-Verfahren betrachtet werden!

3. Rückmeldung:

Die letzte Entwicklung zu Inmarsat-E+ erhöht die Redundanz des weltweiten Inmarsat-E Systems noch weiter und erlaubt z.B. die einfache Installation von weiteren RCCs zu geringen Kosten. Inmarsat-E+ kann weiterhin eine Rückmeldung (Acknowledgement) an Inmarsat-E+ EPIRBS senden. So sind im Seenotfall die Schiffbrüchigen darüber informiert, dass der Notruf empfangen worden ist.

Fazit

Es kann augenblicklich noch nicht von einer endgültigen Schließung von Inmarsat E ausgegangen werden. Die Chancen, dass das System weiterhin betrieben wird, sind als relativ hoch einzuschätzen.“

© Kreuzer-Abteilung des Deutschen-Segler-Verbandes

Link: http://kreuzer-abteilung.org/article.php?sid=235 (25.10.04)