01.05.2005 Probleme mit Handfackel? (Ausrüstung)

 

Ich wurde vor einiger Zeit von Küstenkanuwanderern darauf aufmerksam gemacht, dass sie unterwegs auf dem Wasser Probleme hatte, zu Demo-Zwecken eine Handfackel mit „Schlagzünder“ zu zünden. Um das Ergebnis vorweg zu nehmen, bei Versuchen mit 2 Fackeln, die erst 1 Monat alt waren, hatte ich keine Zündprobleme feststellen können.

 

Handfackeln sind ein wichtiges Seenotsignalmittel, um tagsüber, insbesondere aber bei Dunkelheit auf sich aufmerksam machen zu können. Insbesondere zwei Firmen bieten entsprechende Fackeln an:

 

Daten lt. BOOT, Nr. 12/03 bzw. SEGELN, Nr. 3/04:

Brenndauer: 1:16 Min.

Max. Reichweite: 12 sm

Leuchtstärke: 15.000 Candella (cd)

Gewicht: 160 g

Abmessung: 17,5x3 cm

Bemerkung: Brandgefahr

Preis: ca. 7,- Euro

Handhabung:

(1)   Zum Auslösen der Fackel zieht man das Griffstück heraus und schraubt am Ende des Griffstücks eine Kappe ab.

(2)    Dadurch wird eine Zündschnur frei gelegt.

(3)   Durch Ziehen an der Reißleine wird das Signal ausgelöst.

 

Daten lt. BOOT, Nr. 12/03 bzw. SEGELN, Nr. 3/04:

Brenndauer: 1:10 Min.

Max. Reichweite: 12 sm

Leuchtstärke: 15.000 Candella (cd)

Gewicht: 265 g

Abmessung: 23,5x3,5 cm

Bemerkung: Brandgefahr

Preis: ca. 14,- Euro

Handhabung:

(1)   Zum Auslösen der Fackel Signal durch Ziehen an einem „Rändelknopf“ (richtiger: Rändelkopf) entsichern.

(2)   Rändelknopf drehen bis beide Pfeile in einer Linie sind.

(3)   Signal gut festhalten. Mit kräftigem Schlag (z.B. Hand oder harter Gegenstand) gegen den Rändelknopf entzünden.

 

Das eigentliche Problem beider Signalmittel besteht darin, dass sie nicht „Ein-Hand-tauglich“ sind, d.h. nicht mit einer Hand ausgelöst werden können. Es wird stets die zweite Hand benötigt, die man als Küstenkanuwanderer eigentlich dringend braucht, sei es, dass man:

 

 

Die Handhabung der Comet-Fackel ist etwas „fummelig“ & „unheimlich“. Das betrifft insbesondere das Abdrehen der Kappe und das anschließende Ziehen der Zündschnur in Kopfnähe.

 

Das Ziehen und Drehen am Rändelknopf der Pains Wessex-Fackel ist nicht minder fummelig und die Auslösung des Einschlagzünders per „Handschlag“ nicht minder unheimlich. Die Ein-Hand-Auslösung per Schlag auf einen harten Untergrund/Gegenstand scheint daher eine akzeptablere Alternative zu sein. Ich probierte daher diese Alternative aus, hockte mich neben mein im flachen Wasser schwimmenden Seekajak und schlug nach Entsicherung der Pains Wessex-Fackel diese gezielt & kräftig seitlich aufs Deck meines Seekajaks. Das Ergebnis: Es gab keine Probleme, die Fackel zu zünden. Die mir vorgetragenen Bedenken, dass das Oberdeckdeck zu stark nach gibt bzw. dass das im Wasser schwimmende Seekajak den Schlag abfedert, haben sich bei meinem Versuch nicht bewahrheitet. Das trifft zumindest für die Fackel zu, die 1 Monat zuvor (04/2005) hergestellt wurde. Bei einer älteren Fackel (04/1999; Verfallsdatum 4/2002) hatte ich jedoch Probleme mit der Auslösung. Erst nach einem Schlag auf einen Holzpfahl konnte ich die Fackel sofort zünden. Außerdem versuchte ich eine weitere Fackel (Herstelldatum: 04/2005) per Schlag gegen die Handfläche der zweiten Hand auszulösen. Auch konnte ich gleich im 1. Versuch die Fackel zünden.

 

Insofern kann ich die mir zugetragenen Bedenken gegen die Pains Wessex-Fackeln nicht bestätigen. Dass eine seit 3 Jahren abgelaufene Fackel nicht mehr richtig funktioniert, ist nicht dem Hersteller anzulasten. Vielmehr sollte diese beobachtete Funktionseinschränkung jedem Küstenkanuwanderer bewusst machen, dass es u.U. leichtsinnig ist, aus Sparsamkeitsgründen mit Seenotsignalmitteln unterwegs zu sein, die schon einige Zeit abgelaufen sind.

 

Übrigens, sollte man dennoch Probleme haben, eine Handfackel mit Einschlagzünder zu zünden, sei es, dass:

 

 

sehe ich lediglich eine Chance zur Auslösung des Zünders, wenn es einem im Wasser schwimmend gelingt, die Fackel exakt gegen die seitliche Flanke des Seekajaks (hier: Außennaht) zu schlagen; denn dieser Teil des Seekajaks ist m.E. die einzige Stelle, die praktisch nicht nachgeben kann.

 

Welche Fackel der beiden Hersteller nun empfehlenswert ist, kann nicht eindeutig gesagt werden. In Anbetracht dessen, dass eine solche Fackel nur dann effizient eingesetzt werden kann, wenn sie griffbereit verstaut wird, würde ich eher die Comet-Fackel vorziehen, da sie wegen der geringeren Abmessung leichter zu verstauen ist als die Pains Wessex-Fackel.

 

Zum Schluss möchte ich eine Info korrigieren, die ich vor einigen Jahren über die Pains Wessex-Fackel verbreitet hatte. Ich erlebte nämlich, dass mir gleich mehrere Fackeln von Pains Wessex, die ich unterwegs auf Touren griffbereit hinter mir auf dem Achterdeck meines Seekajaks gelagert hatte, am Rändelknopf abbrachen. Es handelte sich dabei um Fackeln, deren Verfallsdatum seit einigen Monaten abgelaufen war. Ich prüfte daher anschließend an Land an Hand weitere Fackeln, über die ich verfügte, nach, wie leicht sich diese Fackeln mit der Hand zerbrechen ließen und konnte erleben, dass es ohne viel Kraftaufwand möglich war, die Fackeln mit zwei Händen in zwei Teile zu zerlegen. Ich habe mir daraufhin zwei neue Fackeln (Herstelldatum: 04/2005) besorgt und musste feststellen, dass es mir nicht mehr möglich war, die fabrikneuen Fackel zu zerbrechen. Ich gehe daher davon aus, dass die Fackeln von Pains Wessex zumindest während der zugelassen Haltbarkeitsdauer von 3 Jahren stabil genug sind und nicht bei seitlichem Druck zerbrechen.

 

Ansonsten gilt für die Fackeln grundsätzlich Folgendes: „Im Umgang mit der Handfackel ist Vorsicht & Umsicht geboten. Die besondere Gefahr liegt in ihrer Nähe zu Personen. Die über 1.500° C heiße Flamme ist nur eine Armlänge vom Gesicht entfernt. Der werkseitig montierte Griff schafft zwar eine Distanz zum Feuer, aber dennoch fliegen viele Funken auf die haltende Hand. Um Brandverletzungen zu vermeiden, mit der Fackel nach Lee stellen, Handschuhe anziehen und nach dem Zünden das Gesicht abwenden.“ (BOOT, Nr. 12/03)

 

Übrigens, Handrauchfackeln, die tagsüber eingesetzt werden, um im Seenotfall auf sich aufmerksam zu machen, werden ebenfalls vom den beiden Firmen angeboten:

 

Daten lt. BOOT, Nr. 12/03 bzw. SEGELN, Nr. 3/04:

Brenndauer: 1:19 Min.

Signalart: Rauch (orange)

Max. Reichweite: Umfeld

Gewicht: 173 g

Abmessung: 24x3,6 cm

Bemerkung: Vorsicht heiß: Nach dem Abbrennen sofort ins Wasser

Preis: ca. 11,- Euro

 

Daten lt. BOOT, Nr. 12/03 bzw. SEGELN, Nr. 3/04:

Brenndauer: 1:00 Min.

Signalart: Rauch (orange oder rot)

Max. Reichweite: 3 sm

Gewicht: 242 g

Abmessung: 25x4 cm

Bemerkung: Bedienung des Zünders ist ungewöhnlich und sollte geübt werden.

Preis: ca. 14,50 Euro

 

Ob das recht praktische „Tag-Nacht-Signal“ von Pains Wessex (mit Reißzünder) besser geeignet ist, muss jeder selber beurteilen. Es handelt sich dabei um ein kompaktes Signalmittel, welches am einen Ende eine Fackel und am anderen Ende ein Rauchsignal enthält:

 

Brenndauer: Fackel: 20 Sek.; Rauch (orange): 18 Sek.

Lichtstärke (Fackel): 10.000 cd

Max. Reichweite: ?

Gewicht: ca. 200 g

Abmessung: 13,7x4 cm

Bemerkung: Überall gut einsetzbar, wo es richtig nass wird.

Preis: ca. 55,- Euro

 

Inwiefern zumindest der Fahrtenleiter auch eine Rauchsignaldose mitführt, sei dahin gestellt:

 

Daten lt. BOOT, Nr. 12/03 bzw. SEGELN, Nr. 3/04:

Brenndauer: 4:20 Min.

Signalart: Rauch (orange)

Max. Reichweite: Umfeld

Gewicht: 563 g

Abmessung: 15x18 cm

Bemerkung: Schwimmfähig, nach dem Zünden sofort ins Wasser werfen.

Preis: ca. 20,- Euro

 

Daten lt. BOOT, Nr. 12/03:

Brenndauer: 4:54 Min.

Signalart: Rauch (orange)

Max. Reichweite: Umfeld

Gewicht: 468 g

Abmessung: 14,5x8 cm

Bemerkung: Schwimmfähig, nach dem Zünden sofort ins Wasser werfen.

Preis: ca. 23,- Euro

 

In Anbetracht dessen, dass Handfackeln und Handrauchfackeln ohne Berechtigungsschein bei einem Fachhändler erworben werden können, kann ich all jenen Küstenkanuwanderinnen und –wanderern, die aus welchen Gründen auch immer nicht den „Pyro-Schein“ erwerben wollen, nahe legen, sich zusätzlich zum 6-schüssigen „Nico-Signal“ wenigstens je 1 Exemplar dieser beiden Fackeltypen griffbereit aufs Achterdeck zu legen, damit sie wenigstens im Seenotfall eine Chance haben, auf sich aufmerksam zu machen.

 

Text: U.Beier

Link: www.kanu.de/nuke/downloads/Seenot-Signalmittel.pdf