06.11.2005 Hanseboot (Messebericht) (29.10.-6.11.05) (Ausrüstung)

 

Für wieder einmal 9 Tage hatte die HANSEBOOT in Hamburg geöffnet. In Halle 9 stellten Kanu-Hersteller und –Händler ihre Produkte aus. Was gibt’s Interessantes im Vergleich zum letzten Jahr?

 

Nun, zunächst einmal muss einen jeden Kanuten die Halle 9 enttäuschen. Ca. 1/3 der Halle war nicht vergeben bzw. mit irgendwelchen „Lückenfüllern“ belegt. Rein quadratmetermäßig war wahrscheinlich der Stand für Volvo-Autos größer als alle Stände der Kanu-Anbieter zusammen. Der Händler GLOBETROTTER fehlte, die Firmen AQUASPLASH; NECKY, PIETSCH & HANSEN, PRIJON und ZÖLZER ebenfalls und ein paar „aufstrebende“ polnische und norwegische Firmen. Auch dieses Mal waren wieder keine Seekajaks von VALLEY, NIGEL DENNIS, NORTH SHORE, SKIM, WELHONPESÄ und WILDERNESS vertreten. Bei den Faltbooten war nur noch NAUTIRAID dabei. Die anderen Falter-Hersteller soll GLOBETROTTER in seine Verkaufsräume in Hamburg (Wiesendamm 1) „gelockt“ haben.

 

Vor Ort waren lediglich LETTMANN, GADERMANN (mit P&H, Kajak-Sport sowie Rainbow u. Francesconi), MEIER (u.a. mit Dagger), NAUTIRAID, NEUMANN (u.a. mit Robson) und EKÜ (?) (u.a. mit Prijon) erschienen. Warum die Zahl der Aussteller so zurückgegangen ist? Nun, auf alle Fälle liegt es an der „Messepreispolitik“, d.h. die Standpreise sind einfach zu hoch geworden. Deshalb hat nicht nur der Hamburger Kanu-Verband e.V. seinen Stand aufgegeben (auf der ehemaligen Standfläche herrscht gähnend Leere, angereichert mit ein paar leer Kartons), sondern wohl auch die kommerziellen Anbieter auch. Natürlich versucht die Messeleitung Gewinn zu machen, nur es ist die falsche Preispolitik, ihre Messepreise immer höher zu schrauben, während die kleinen Händler immer weniger Gewinn erwirtschaften. Irgendwann wird sich wohl kein Kanu-Anbieter mehr in die Halle 9 verirren und konsequenterweise dann auch keine Kanutinnen und Kanuten mehr. Ob das aus Sicht der Messeleitung als kritisch zu beurteilen ist, vermag ich nicht zu sagen. … aber die meisten Segler haben doch alle mal ganz klein angefangen. Wenn die Messeleitung diese potenzielle Segel-Kundschaft nicht pflegt und quasi über eine Art „Mischkalkulation“ stützt, bricht irgendwann plötzlich auch die Segler-Kundschaft weg, und zwar ganz langsam, erst die Jollen-Segler und später auch die Yachties!?

 

Was ist mir sonst so aufgefallen?

 

 

GADERMANN vertritt in Deutschland die Seekajaks u.a. des britischen Hersteller P&H:

 

è www.phseakayaks.com

 

Natürlich kann er auf seinem Stand nur eine kleine Auswahl der insgesamt 12 Seekajaks zeigen, obwohl die Flotte der P&H Seekajaks schon beachtlich ist:

 

Material: Faserverbundstoffe (Diolen bzw. Kevlar Carbon)

Bahiya (534x52 cm; 308 Liter Vol.)

Quest (536x56 cm; 365 Liter Vol.)

Sirus (516x52 cm; 302 Liter Vol.)

Vela (477x54 cm; 275 Liter Vol.)

Capella 163 (500x56 cm; 305 Liter Vol.)

Capella 169 (511x56 cm; 323 Liter Vol.)

Capella 173 (525x58 cm; 385 Liter Vol.)

 

Material: PE-Sandwich (RM) oder PE

Capella 160 (RM) (495x56 cm; 262 Liter Vol.)

Capella 166 (RM) (505x56 cm; 349 Liter Vol.)

Orca 16 (RM) (468x58 cm; 366 Liter Vol.)

Easky 15 (PE) (458x60 cm; 325 Liter Vol.)

 

Die P&H-Seekajaks bestechen durch ihre für britische Seekajaks so typisches Design und so selbstverständliche recht komplette Ausstattung: gut eingeklebte Schottwände, sehr dichte Gepäckluckendeckel aus Weichplastik, griffige Rettungshalteleinen, integrierter Kompass (nicht bei Vela, Orca und Easky), Lenzpumpe, Skeg oder Steuer, Toggles, Kielstreifen, Kniebox (nicht bei den PE-Booten), Außennahtverklebung (nicht bei den PE-Booten); Anpassung der Bugschottwand an die Beinlänge (nicht bei den PE-Booten), verstellbare Schenkelstützen (bei einigen PE-Booten), 3-fache Abschottung (d.h. mit Tagesgepäcklucke) (nicht bei Orca und Easky). Was wollen wir eigentlich mehr?

Z.B. die Verlegung des Pumpenschlauchs hinter dem Sitz, damit möglichst alles Wasser aus der Sitzluke gelenzt werden kann und kein Schlauch zwischen den Füßen stört? Nun, P&H bietet auch so etwas an.

 

Leider scheint P&H vergessen zu haben, warum es Heck-Umklapp-Steueranlagen gibt (auch bekannt als „Flip-off-Steueranlagen). Nämlich damit wir durch die Brandung hinaus bzw. hinein paddeln können, ohne dass das Risiko eines Steuerblattschadens zu groß ist. Neuerdings bietet P&H nämlich als Option eine Steueranlage von „Seal Line Smart Track Control System“ an. Sie sieht wohl elegant aus (natürlich nicht so elegant wie die integrierten Steueranlagen von Lettmann und Pietsch & Hansen), aber dafür klappt bzw. rutscht das Steuerblatt beim Hochziehen nicht flach auf das Achterdeck, sondern rangt – wie bei Flusswanderkajaks üblich – in den Himmel. Spätesten dann, wenn wir mit einem Seekajak, welches über solch eine Steueranlage verfügt, in der Brandung kentern und das Seekajak von der Brandung über den Strand gerollt wird, bricht ein solches Steuerblatt, gegebenenfalls samt Blatthalterung ab. Aber auch dann, wenn wir mit einem solchen Seekajak versuchen, durch die Brandung hinaus zu paddeln, kann solch eine Steueranlage Schaden erleiden, nämlich dann, wenn die Brecher uns rückwärts mit nehmen und „kerzen“ lässt. Die Blatthalterung ist nämlich so tief angebracht, dass sie bei der ersten Grundberührung beschädigt werden kann. Wer also ernsthaft Küstenkanuwandern betreiben will – dabei kommt wir immer mit der Brandung in Kontakt – sollt lieber auf die traditionellen „Flip-off-Steueranlagen“ zurückgreifen. Gadermann bietet auch weiterhin solche Steueranlagen an.

 

GADERMANN bietet auch die Seekajaks des finnischen Herstellers KAJAK-SPORT an:

 

è www.kajaksport.com

 

Diese Angebot ist kleiner, aber müsste eigentlich auch die Bedürfnisse fast aller Küstenkanuwanderinnen und –wanderer erfüllen können, sodass ich mich immer wundere, warum manche Küstenkanuwanderinnen – und wanderer, oder sind es nur ganz „einfache“ Kanuten, immer wieder ihre Kaufinteresse für Kajaks bekunden, die nur recht unvollkommen die Anforderungen an die Seetüchtigkeit erfüllen. Fehlen tut eigentlich lediglich ein Seekajak der Volumenklasse „S“, d.h. Seekajaks mit maximal 300 Liter Volumen, die geradezu ideal sind für Personen, die kleiner als 170 cm und weniger als 60 kg wiegen.

 

Folgende Seekajaks gibt es im Angebot:

 

Material: Faserverbundstoffe (Diolen bzw. Kevlar Carbon)

Viking (498x56 cm; 320 Liter Vol.)

Artisan Millenium (557x55 cm; 370 Liter Vol.)

Avalon Viviane (581x55 cm, 400 Liter Vol.)

Neu: Marlin (520x56 cm; 400 Liter Vol.)

Unalaska (Zweier) (604x65 cm; 685 Liter Vol.)

 

Neu ist dabei der „Marlin“, welcher jedoch mit 400 Liter Volumen so zwischen ´“L“- und „XL“-Klasse liegt.

 

Während alle KS-Seekajaks mit verstellbarem Skeg bzw. mit einer „Flip-off“-Steueranlage bzw. mit der – wenig surftüchtigen – „Navigator“-Steueranlage ausgerüstet werden können (mangels Rückhaltemöglichkeit schwimmt das „Navigator“-Steuerblatt beim Surfen Richtung Wasseroberfläche und verliert dadurch an Effizienz), verfügt der „Marlin“ über eine Art integrierte Steueranlage, d.h. eine Steueranlage, die wohl fest am Heckende integriert ist, aber nicht eingezogen werden kann. Damit sie bei Grundberührung nicht abbricht, besteht das Steuerblatt aus elastischem Material, welches sofort nachgibt, sobald das Steuerblatt auf einen Gegenstand stößt.

 

Von der Idee her ist eine solche Konstruktion recht pfiffig, insbesondere dann, wenn wir das Seekajak immer gleich in tieferes Wasser einsetzten können, wie es vielfach in Skandinavien möglich ist. Eine solche Steueranlage ist jedoch immer dort nicht geeignet, wo wir uns schon am Spülsaumen ins Kajak setzen müssen, um dann durch die Brandung hinaus ins Tiefe zu robben. Das fällt schon den meisten Küstenkanuwanderinnen und –wanderen in Kajak mit hochgezogener Steueranlage schwer, d.h. beim Hinausrobben schlägt die Brandung ihr Kajak quer, sodass sie meist wieder aussteigen müssen, um ihr Kajak für den nächsten Startversuch erneut auszurichten. Hängt nun hinten am Heck solch ein integriertes Steuerblatt, wirkt dieses wie ein Anker, der das Heck regelrecht z.B. im Sand festhält, sodass wir noch mehr Schwierigkeiten haben werden, ins Tiefe zu kommen.

 

Erwähnenswert sind noch 2 Ausrüstungsteile:

(1)   eine Paddelfloathalterung (bestehend aus zwei Halterungen, die hinter der Sitzluke auf dem Oberdeck zu befestigen sind): Nachdem das Paddlefloat auf dem Paddelblatt geschoben und aufgeblasen ist, stabilisieren wir das Paddel, in dem wir den Paddelschaft auf beide Halterung gelegen und per Klettverschluss befestigen. Nachteilig an dieser Halterungsvariante ist, dass nicht das dem Paddlefloat gegenüberliegende Paddelblatt auf dem Achterdeck befestigt wird, sondern der Paddelschaft. Dadurch verkürzt sich der Hebelwinkel des per Paddel konstruierten Auslegers, was nur durch ein besonders großes Paddlefloat wieder ausgeglichen werden kann.

(2)   die elastischen ovalen KS-Lukendeckel verfügen neuerdings über eine seitliche Ausformung, die das Öffnen des Lukendeckels erleichtert. Gerade Personen mit Fingern, die nicht richtig zupacken können, weil die Kraft fehlt bzw. längere Fingernägel stören, hatten bislang immer wieder, insbesondere aber bei Kälte, Probleme, solche Luckendeckel zu öffnen.

 

 

LETTMANN war der einzige Seekajakhersteller, der persönlich vor Ort mit seinem gesamt Seekajaksortiment, welches alle Volumenklassen abdeckt,  vertreten war:

 

Material: Faserverbundstoffe (Diolen bzw. Kevlar Carbon)

Godthab (520x52 cm; 268 Liter Vol.) (o. Steueranlage)

Eski 475/2 (475x55 cm; 270 Liter Vol.) (mit Flip-off-Steueranlage)

Godthab XL (530x55 cm; 316 Liter Vol.) (mit integrierter Steueranlage)

Eski 530 (530x55 cm; 316 Liter Vol.) (mit Flip-off-Steueranlage)

Polar (530x55 cm, 330 Liter Vol.) (mit integrierter Steueranlage)

Eski 500 (500x58 cm, 340 Liter Vol.) (mit Flip-off-Steueranlage)

Asiak (500x57 cm; max. 358 Liter Vol.) (mit integrierter Steueranlage)

Hanseat (525x58 cm; max. 350 Liter Vol.) (mit integrierter Steueranlage)

Eski 525 (525x58 cm; 360 Liter Vol.) (mit Flip-off-Steueranlage)

Eski 550 (550x58 cm; max. 415 Liter Vol.) (mit Flip-off-Steueranlage)

Arctic (525x58 cm; max. 420 Liter Vol.) (mit integrierter Steueranlage)

Nordstern (555x58 cm; max. 425 Liter Vol.) (mit integrierter Steueranlage)

Neu: Eski 580 (580x50-52? cm; ? Liter Vol.) (mit Flip-off-Steueranlage)

Neu: Grand Tour (500x63 cm; ? Liter Vol.) (mit Flip-off-Steueranlage)

Explorer (Kl) (500x66 cm; max. 455 Litre Vol.) (mit integrierter Steueranlage)

 

 

Material: PE-Sandwich (RM) oder PE

Odin (515x60 cm; 315 Liter Vol.) (mit Flip-off-Steueranlage)

Sea Tour (480x62; 400 Liter Vol.) (mit integrierter Steueranlage)

 

Neu bei LETTMANN sind der "ESKI 580“ (ein 580 cm langes Seekajak) und der „GRAND TOUR“ (ein Kajak für jene, die eine extra große Sitzluke benötigen; denn diese ist 107 (!) cm lang).

 

Ansonsten finden wir bei LETTMANNs Seekajaks – je nach Modell – die verschiedensten Ausstattungsmerkmale: z.B. Materialauswahl (3 Varianten + PE); Individuelle Anpassung von Booshöhe (trägt zur Verminderung des Volumens bei) bzw. vorderer Schottwand; Auswahl von Lukendeckeln (aus Hart- bzw. Weichplastik; rund bzw. oval); Staufach vor dem Süllrand („Plus“), Außennahtverklebung; diverse Fittinge; Teilbarkeit; Fuß- bzw. E-Lenzpumpe; integrierter Kompass; 3. Gepäckluke als Tages-Gepäckluke (nur bei Polar).

 

Text: U.Beier – www.kanu.de/kueste/