27.01.2006 Zur Multfunktionalität des Paddelfloats (Ausrüstung)

 

Paddelfloats kenne ich seit Mitte der 80er Jahre … und gäbe es sie nicht, müssten sie erfunden werden. Der Vorläufer des Paddelfloats war irgendein Auftriebskörper, den die Kanuten entweder hinten auf Deck gelagert hatten, bzw. den sie am Körper trugen, nämlich ihre Schwimmweste. In der Tat, die Schwimmweste wurde von einigen Küstenkanuwanderern zum Paddelfloat umfunktioniert, d.h. nach einer Kenterung mit anschließendem Ausstieg, wurde die Schwimmweste ausgezogen (!) und mit einem Knebel am Paddel befestigt. Anschließend wurde mit Hilfe einer Art Paddelausleger versucht, wieder einzusteigen.

 

Die Erleichterung des Wiedereinstiegs nach einer Kenterung per Paddelfloat, ist der eigentliche Zweck, weshalb das Paddelfloat entwickelt wurde. In Nordamerika scheint es zur Standardausrüstung zu gehören. Viele US-amerikanische Seekajak und auch manche Import-Kajaks (z.B. TOURYAK, CATALINA und SEAYAK v. PRIJON) verfügen daher schon über extra Haltevorrichtungen, um das Paddel als Ausleger auf dem Achterdeck fest zu stabilisieren. Übrigens, der finnische Hersteller KAJAK-SPORT bietet ein extra Zubehörteil an, um ebenfalls die schnelle Befestigung des Paddels auf dem Achterdeck zu ermöglichen.

 

Wofür können wir nun eigentlich das Paddelfloat verwenden?

 

1. Konventioneller Wiedereinstieg per Paddelfloat:

 

(a)   Nach einer Kenterung wird das stets griffbereit gelagerte Paddelfloat herausgeholt, das Paddelblatt wird ins Float geschoben/gesteckt und dann aufgeblasen. Anschließend das Paddel als Ausleger hinter der Sitzluke auf dem Oberdeck gelegt und – an einer zuvor installierten Befestigungsmöglichkeit – zu befestigen (die kann serienmäßig vorhanden sein, als Zusatzausrüstung nachgerüstet werden oder selber gebastelt worden sein).

(b)               Damit der Paddel-Ausleger eine möglichst große Hebelwirkung hat, sollte die Befestigung des Auslegers an jenem Paddelblatt erfolgen, an dem – natürlich – nicht das Float geschoben ist. Außerdem sollte der Ausleger im Winkel von 90° vom Kenterkajak abstehen. Je weiter nämlich der Ausleger mit dem Float weg vom Kenterkajak reicht, desto stärker wirkt der Auftrieb des Floats.

(c)               Anschließend versuchen wir z.B. unseren Oberkörper zwischen Achterdeck und Paddelfloat aufs Achterdeck zu ziehen, um dann die Beine über den Ausleger zu hangeln und in die Sitzluke zu „bugsieren“. Dabei versuchen wir unseren Körper möglichst flach zu halten, d.h. nicht aufzurichten, und in Balance mit dem Auftrieb des Paddelfloats zu halten. Das gelingt uns, wenn das Paddelfloat nicht durch unser Körpergewicht unter Wasser gedrückt (Folge: Re-Kenterung zur Seite des Paddlefloats) bzw. in die Luft gehebelt wird (Folge: Re-Kenterung zur dem Paddlefloat gegenüberliegenden Seite). Nur wer darauf achtet, entsprechend dem Auftrieb des Floats Balance zu halten, dem wird der Wiedereinstieg gelingen. Das erfordert vorheriges Training und ständige Übung. Aber auch dann wird den meisten „Kenterbrüdern“ der Wiedereinstieg nur dann gelingen, wenn keine Seegangsbedingungen herrschen.

(d)               Sitzen wir in der Sitzluke, schließen wir die Spritzdecke, pumpen das Wasser aus der Luke, lösen vorsichtig aus der Halterung das Paddel und paddeln zunächst mit dem Paddel, an dessen einem Blatt noch das Float befestigt ist in einen Gewässerabschnitt, wo nicht so kabbliger Seegang vorherrscht. Dort wird das Paddelfloat entlüftet, vorsichtig vom Paddelblatt gezogen und provisorisch, aber sicher gegen Verlust auf Deck verstaut. Wer das Float schon früher im rauen Gewässer vom Paddelblatt ziehen will, sollte sich bewusst sein, dass ja gerade dieser Seegang ihn kentern ließ, obwohl er beide Hände am Paddel hatte. Wie leicht könnte er nun bei denselben Seegangsbedingungen kentern, wenn er das Paddel nicht mehr fest im Griff hat und zum Stützen bereithält.

(e)               Natürlich ist es auch möglich, den Paddelausleger nicht zu befestigen, sondern mit einer Hand zu halten (z.B. wird mit einer Hand der Paddelausleger am Paddelschafft ergriffen und am hinteren Süllrand solange festgehalten, bis wir unsere Beine in die Sitzluke bugsiert haben, dann greifen wir um, um auf dem Sitz Platz zu nehmen.

(f)                 Übrigens, bei all den Schritten sollte das Paddelfloat vor dem Verlieren gesichert sein. Gerade beim Aufblasen und Hantieren des Floats kann es leicht passieren, dass wir es einmal loslassen, sodass der Wind es sofort wegtreiben kann. Bei Lagerung des Paddelfloats auf dem Vorderdeck bietet es sich an, es mit einer Elastikleine, die z.B. lose an der Paddelsicherungsleine befestigt wird, zu sichern.

 

2) Paddlefloat-Re-Entry-&-Roll:

 

Da die sicher Durchführung des konventionelle Paddelfloat-Wiedereinstiegs nicht immer gewährleistet ist, sollten alle jene, die die Rolle einigermaßen beherrschen, darauf setzen per Re-Entry & Roll wieder einzusteigen, und zwar mit dem Paddelfloat am Paddelblatt, damit einem die Rolle auch leichter gelingt.

 

(a)   Zunächst beginnen wir wie in 1) (a), ohne jedoch das Paddel als Ausleger zu fixieren.

(b)   Dann erfolgt Re-Entry & Roll.

(c)   Schließlich enden wir in 1) (d).

 

3) Paddelfloat-Solo-Schlepp:

 

Das Paddelfloat kann nicht nur nach einer Kenterung nützlich sein, sondern es kann auch einer Kenterung vorbeugen, und zwar dann, wenn ein Kanute nicht mehr in der Lage ist, allein zu paddeln, ohne dass bei ihm Kentergefahr besteht (z.B. seekrank, verletzt, nicht seegangstüchtig).

 

Zu diesem Zweck wird an jedem Blatt seines Paddels ein Float befestigt. Anschließend wird er geschleppt.

 

Das setzt natürlich voraus, dass zumindest über eine Schleppleine und 2 Paddelfloats verfügt wird.

 

Mit den beiden Floats am Paddel ist der „Kenterkandidat“ effizienter in der Lage zu stützen.

 

Natürlich kann auch dann – z.B. bei brechender See - eine Kentreuung nicht ausgeschlossen werden. Deshalb sollte auf den Paddelfloat-Solo-Schlepp nur dann zurückgegriffen werden, wenn es sich um eine Zweier-Gruppe handelt. Ab einer Dreiergruppe bietet es sich eher an, dass der dritte Kanute den „Kenterkandidaten“ beim Schleppen sichert (sog. Päckchen-Schlepp). Der schleppende Kanute hat wohl dann 2 Kajaks zu schleppen, dafür ist aber die Kentergefahr minimiert.

 

Übrigens, ab einer Vierer-Gruppe bietet es sich an, dass 2 Kanuten schleppen. Am leichtesten ist dabei der V-Schlepp anzuwenden, sofern wir über eine geeignete Schleppleine verfügen, die einen solchen V-Schlepp unterstützt.

 

4) Hilfe bei Stützübungen:

 

Das Lernen der flachen & hohen Paddelstütze ist für Küstenkanuwanderinnen und –wanderer wichtig; denn wer diese beiden Paddelstützen beherrscht, wird seltener kentern. Wer jedoch die Paddelstütze üben möchte, gerät immer wieder in Kentergefahr. Deshalb sollten wir beim Üben der Stütze auf das Paddelfloat zurückgreifen und es vor den Übungen an jenem Blatt unseres Paddels befestigen, mit dem wir Stützen wollen.

 

Anschließend können wir ganz langsam anfangen, uns an die Hilfe des Floats zu gewöhnen und mit der Zeit immer gewagter Stützübungen durchführen, und zwar zunächst mit voll aufgeblasenem Float. Klappt das Stützen, lassen wir immer Luft aus dem Float bis wir schließen das Float ganz vom Blatt nehmen.

 

5) Hilfe bei Rollübungen:

 

Da das Float den Auftrieb des Paddels erhöht, und zwar genau dort, wo er am wirksamsten ist, nämlich am Paddelblatt, bietet es sich an, die Rollübungen zunächst mit einem Paddel durchzuführen, über dessen Blatt ein Paddelfloat gestülpt ist. Klappt dann die Rolle ohne große Probleme, lassen wir – wie bei den Stützübungen -allmählich die Luft aus dem Float, bis wir schließlich ganz ohne Float rollen können.

 

Text: U.Beier – www.kanu.de/kueste/

Links:

Falconeri,M.: Paddlefloat Rescue

è www.uekayaking.com/pfrescue.htm

Kin,V.: Rigging Your Paddlefloat

è www.wavelengthmagazine.com/2003/am03rigging.php

Produkte: z.B.

Er bietet 2 Varianten an: ein Float aus klarsichtigem Material mit Außentasche, in die vor dem Aufblasen das Paddelblatt zu stecken ist (in den Größen S (12 Liter / ca. 250 g – insbesondere geeignet für Re-Entry & Roll) (ca. 47,- Euro) und M (20 Liter / 60x36 cm / ca. 300 g) (ca. 49,- Euro). Meiner Erfahrung nach wird das Material an den Seiten nach 4-5 Jahren brüchig.) und ein Float aus PU-beschichtetem Nylongewebe mit Innentasche (2x7 Liter, die getrennt aufzublasen sind; ca. 350 g) (ca. 77,- Euro);

Maße ca. 33-62 cm / ca. 280 g / mit Außentasche / mit 7-8x Luftholen aufblasbar /2-Kammer-System mit 2 Ventilen, wobei die zweite Kammer nur dann aufgeblasen werden kann, wenn die erste nicht voll aufgeblasen wurde / inkl. einer auf dem Float aufgedruckten fünf Zeichnungen (!) umfassenden Erläuterung des konventionellen Paddelfloat-Wiedereinstiegs (ca. 45,- Euro)

(Maße: ca. 60x33 cm / ca. 350 g / Volumen: ? / sieht eigentlich wie ein Multifunktionspacksack mit Rollverschluss und Außentasche aus / bei HELMI-SPORT ist dazu Folgendes zu lesen: „Die Kombination Deckstasche mit Float ist zwar für beide Einsätze nicht perfekt, aber unschlagbar vielseitig.“) (ca. 36,- Euro)

Angeboten wird u.a. das „KOD Paddelfloat“ (ca. 58x33 cm / ca. 240 g / aufblasbare Körper mit Außentaschen) (ca. 30,- Euro)

Angeboten wird u.a. ein Feststofffloat von „Current Designs“ (ca. 7,7 Liter / 46x21x8 cm / ca. 400 g / mit Außentasche) (Mit Schaumkern, daher sofort einsetzbar ohne Aufblasen. „Für leichte und geschickte Paddlerinnen!“) (ca. 59,- Euro)

Es werden zwei Halterungen für den Paddelausleger angeboten. Leider greifen diese nur am Paddelschafft, sodass der Ausleger etwas kürzer wird, was die Effizienz des Floatauftriebs verschlechtert.