20.02.2006 Rettungswesten: 10 (Zusatz-)Eigenschaften (Ausrüstung)

 

Rettungswesten zeichnen sich im Wesentlichen dadurch aus, dass sie stets „ohnmachtsicher“. Erfüllt eine Rettungsweste nicht diese zentrale Anforderung, ist sie höchstens als eine Schwimmweste anzusehen.

 

Das Angebot an Rettungswesten ist recht unterschiedlich. Da die Nachfrage – zumindest in der Segelsparte – nahezu gesättigt ist, versuchen die Anbieter immer wieder mal etwas Neues anzubieten. Ob diese Verbesserungen auch wirklich wichtig sind, muss letztlich jeder selber entscheiden. Folgende Entwicklungsstufen sind bislang beschritten worden, die letztlich Reaktionen auf Probleme darstellen, die immer wieder auftraten:

 

  1. Rettung vor dem allzu schnellen Ertrinken: Halbautomatische Rettungsweste, die per Handzug aufgeblasen werden kann, und zwar dergestalt, dass per Handzug eine Kohlendioxid-Patrone geöffnet wird, dessen ausströmendes Gas den Auftriebskörper der Rettungsweste aufbläst.
  2. Rettung einer Person, die ohnmächtig ins Wasser fällt: Vollautomatische Rettungsweste, die beim Eintauchen ins Wasser automatisch aufgeblasen wird.
  3. Rettung besonders schwerer Personen: Rettungswesten sind so dimensioniert, dass sie eine ohnmächtige Person nach aufblasen des Auftriebskörpers automatisch in Rückenlage drehen. Da besonders schwere bzw. große Personen, die zudem mit sehr voluminöser Kleidung (z.B. Trockenanzug) ausgerüstet sind, nicht so leicht auf Rückenlage gedreht werden können, werden Rettungswesten angeboten, die statt 150 N (= 15 kg) Auftrieb über 275 N (= 27,5 kg) Auftrieb verfügen.
  4. Rettung auch bei beschädigtem Auftriebskörper: Die Rettungsweste wird einfach mit einem zweiten Auftriebskörper versehen, der per Mund aufzublasen ist, wenn der erste Auftriebskörper undicht geworden ist.
  5. Schutz vor Ertrinken durch einatmen von fliegendem Wasser (Gischt/Spray): Rettungsweste mit eingebautem Sprayhood/-cap, der über dem Kopf gezogen wird und einem so vor Gischt und sonstigen Wasserspritzern schützt.
  6. Hilfe beim Auffinden bei Dunkelheit: Die Rettungsweste wird mit Reflexstreifen beklebt, die beim Anleuchten den Lichtstrahl reflektieren, und zusätzlich mit einer Seenotleuchte ausgerüstet, die i.d.R. zu leuchten anfängt und dann ca. 8 Std. brennt, wenn die Rettungsweste ins Wasser eintaucht.
  7. Hilfe beim Auffinden allgemein: Die Rettungsweste wird mit einer Tasche ausgerüstete, in der ein Seenotsignalmittel verstaut werden kann.
  8. Weitere Hilfe beim Auffinden: Im Auftriebskörper der Rettungsweste wird einer Säule (Boje) ausgerüstet, die zusammen mit dem Auftriebskörper aufgeblasen wird und ca. 1 m aus dem Wasser ragt, sodass die im Wasser treibende Person leichter geortet werden kann. Das Ende der Säule kann zusätzlich mit einer Leuchte ausgerüstet werden, sodass das Auffinden bei Dunkelheit erleichtert wird.
  9. Schutz vor fehlender Einsatzbereitschaft einer Rettungsweste: Ein Problem könnte sein, dass sich die CO²-Patrone unbemerkt geleert hat. Mit Hilfe einer Markierung und eines Sichtfensters kann jeder beim Tragen sofort sehen, ob die Patrone noch i.O. ist.
  10. Verbesserung des Komforts, damit die Rettungsweste auch wirklich unterwegs getragen wird: Ausrüstung der Rettungsweste mit einem Nackenfleece, damit sie im Nacken nicht so leicht scheuert, bzw. Verminderung von Gewicht/Größe, damit sie z.B. beim Paddeln nicht stört.

 

Wichtig ist, dass beim Küstenkanuwandern eine Rettungsweste getragen wird. Ob die Weste auch möglichst viele der oben aufgeführt Zusatzeigenschaften bietet, ist m.E. zweitrangig. Letztlich muss das jeder selber für sich entscheiden. Das gilt z.B.:

 

 

Solange die Nachfrage nach Rettungswesten durch die Küstenkanuwandersparte nicht zunimmt, müssen wir uns jedoch damit Abfinden, dass wir nicht zur Zielgruppe der Hersteller von Rettungswesten gehören.

 

Zum Schluss noch ein paar Anmerkungen für Rettungswestenträgerinnen und –träger:

 

 

Wer das nicht für nötig erachtet, sollte zumindest selber seiner Schwimmweste 1x jährlich aufblasen und nach 24 Std. prüfen, ob der Auftriebskörper Luft verliert. Undichtigkeiten können dabei z.B. nicht nur auf Löcher im Auftriebskörper, auf undichte Nähte, sondern auch auf beschädigte Dichtungen (hier: beim zusätzlichen Mundventil bzw. am Anschluß zur CO²-Patrone) zurückzuführen sein.

 

Text: U.Beier – www.kanu.de/kueste/

Link:

Schwimmweste oder Rettungsweste: Was ist geeigneter fürs Küstenkanuwandern?

è www.kanu.de/nuke/downloads/Rettungsweste.pdf

Links zu Hersteller von Rettungswesten:

è www.plastimo.de

è www.secumar.com