24.05.2006 Zur Funktionstüchtigkeit von Rettungswesten (Ausrüstung)

 

In der Zeitschrift SEGELN berichtet Gerald Sinschek in dem Beitrag:

 

„Westen ohne Wert? 15 Rettungswesten (unter 100 Euro) im Test“

 

darüber, wie ohnmachtsicher tatsächlich solche billigeren Rettungswesten sind.

 

Dabei wurde festgestellt, dass:

 

 

Eigentlich hätten wir das ahnen können, schreibt doch z.B. die Firma Secumar in ihrem Prospekt:

 

 

D.h. für Träger von schwerer, wetterfester Kleidung, die unter schwierigen Bedingungen ins Wasser fallen, sind  sicherlich Rettungswesten der 275N-Klasse geeigneter. Ob eine Neo-Longjohn mit Paddeljacke bzw. ein Trockenanzug schon als schwerer Kleidung einzustufen ist, kann nur vermutet, jedoch nirgendwo nachgelesen werden. Wahrscheinlich erschwert auf alle Fälle ein Trockenanzug, der noch teilweise mit Luft gefüllt ist, das Drehen von der Bauchlage in die Rücklage. Wir könnten nun denken, dass dies nicht weiter schlimm ist, da wir Küstenkanuwanderinnen und –wanderer nach einer Kenterung mit Ausstieg und ohne Chance, wiederzusteigen, eigentlich in der Lage sein müssten, mit eigener Kraft uns in Rücklage zu drehen. Das trifft zu. Aber was ist, wenn wir auf Grund der Unterkühlung irgendwann ohnmächtig werden und uns dann ein Kaventsmann überspült und auf den Bauch dreht?!

 

Der obige Test bezieht sich nur auf Rettungswesten der Preisklasse „unter 100 Euro“. Leider sind in den Test keine teueren Rettungswesten einbezogen worden (ab ca. 150 Euro) – und zwar auch nicht als Referenzklasse, sodass wir uns nicht sicher sein können, ob die teueren Westen auch wirklich ihren Preis wert sind!

 

Warum aber sind diese billigen Rettungswesten praktisch auch nicht bei Personen mit 75 kg Körpergewicht ohnmachtssicher? Die Antwort liegt in der völlig unzureichenden Norm:

 

 

SEGELN rät daher von den 150N-Westen ab. Außerdem wird empfohlen:

 

 

Übrigens, die beiden 275N-Westen kosten ebenfalls weniger als 100 Euro. Sie wogen wohl ca. 1.150 g, aber z.B. wog sogar die eine 150N-Weste von Secumar 1.220 g. D.h. am Gewicht und Preis sollte der Kauf nicht scheitern. Zuvor sollten wir jedoch einmal prüfen, ob solch eine Weste einen am Paddeln behindert und sonst auch leicht zu tragen ist; denn eine Weste, die einen beim Paddeln stört, wird i.d.R. aufs Achterdeck gepackt und nicht getragen. Abgesehen davon, sollten wir beim Tragen eines Trockenanzugs in Verbindung mit einer Rettungsweste immer darauf achten, dass möglichst viel der im Anzug verbleibenden Restluft herausgelassen wird, und zwar zunächst an Land (durch Hinknieen und Zusammenkauern, wobei mit einer Hand die Halsmanschette vom Hals abgehalten wird, damit die Luft entweichen kann, und später im Wasser, wobei der Wasserdruck dafür sorgt, dass die Luft entweichen kann, sofern kurz die Halsmanschette abgehalten wird.

 

Aus diesen Ergebnisse zu schlussfolgern, ganz auf das Tragen von Rettungswesten zu verzichten und stattdessen auf die Schwimmwesten, die eigentlich nicht weniger hinderlich und garantiert nicht ohnmachtssicher sind, zurückzugreifen, wäre jedoch m.E. die falsche Konsequenz, die wir daraus ziehen. In der Zwischenzeit bietet nämlich z.B. auch Secumar Rettungswesten mit einer Reißverschlusstasche an (z.B. „Ultra 150“), die so groß ist, dass z.B. dort ein UKW-Sprechfunkhandgerät hinein passt oder ein Müsliriegel (eigentlich hat der doch auch Platz auf dem Kartendeck) oder ein Seenotsignalmittel (ein Nicosignal, eine zusätzliche Trillerpfeife und ein Lippenstift kann übrigens auch ohne Taschen griffbereit an jeder Rettungsweste befestigt werden, sofern vorher ein Ring angenäht wird).

 

Quelle: SEGELN, Nr. 6/06, S.26-31- www.segelnmagazin.de