24.06.2006 Ovale Gepäck-Lukendeckel aus Weichplastik (Ausrüstung)

 

Zur Dichtigkeit von Lukendeckeln äußern sich immer mal wieder Küstenkanuwanderer. Sind diese Äußerungen ausschließlich positiv, so stimmt mich das stets etwas skeptisch, da ja bei dem "Lob" i.d.R. nicht gesagt wird, wie intensiv (Anzahl von Touren) und unter welchen Bedingungen (z.B. Gewässerbedingungen (Brandung/Kenterung), Temperatur, Verschmutzung, Beladung) z.B. ein Seekajak mit solchen Luken eingesetzt wird. Jedes Produkt kann nämlich gelobt werden. Manchmal geschieht das auch nur deshalb, weil der Lobende selbst Seekajakhändler bzw. -hersteller ist bzw. sich mit einem lokalen Seekajakhändler sehr verbunden fühlt! Deshalb möchte ich hier kurz auf die negativen Seiten der ovalen Lukendeckel eingehen, die aus Weichplastik sind und von dem britischen Seekajakhersteller Valley (Material: PU) bzw. im Auftrag der Firma Lettmann vom finnischen Seekajakhersteller Kajak-Sport (Material: Gummielastomer) produziert und von vielen anderen Kajakherstellern für ihre Seekajaks eingesetzt werden.

 

Theoretisch ist dieses ovale Gepäcklukendeckelsystem dicht. Aber praktisch kann es einem - im Gegensatz zu den runden Lukendeckeln aus demselben Material - unterwegs, wenn es hinaus aufs Meer geht, Probleme bereiten:

 

1.      Handhabungsprobleme:

 

Dafür ist der einzelne Küstenkanuwanderer Schuld. Aber die Hersteller machen es ihm auch nicht einfach. Wenn nämlich der ovale Gepäcklukendeckel nicht 100%ig passgenau aufgesetzt wird - eine Verdrehung um 1 Grad reicht da schon aus - dann ist die Gepäcklukendeck schon undicht. In der Eile ist eine solche Verdrehung nie auszuschließen. Solange der Hersteller nicht eine deutliche Markierung an Deckel und auf Deck anbietet, an der die Passgenauigkeit des Deckels überprüft werden kann, wird es dem einzelnen immer mal wieder passieren, dass der Deckel falsch drauf sitzt und somit leckt!

 

Insbesondere bei den Deckeln von Kajak-Sport, die aus sehr weichem Material gefertigt sind, kann es durchaus passieren, dass man beim Festmachen der Deckel es überhaupt nicht merkt, wenn der Deckel gleich um mehrere Grad verdreht drauf gepackt ist.

 

2.      Passprobleme (Deckel-Form):

 

Zumindest bei dem ovalen Valley-Deckel kursiert das Gerücht, dass diese Deckel nicht ganz symmetrisch sind, obwohl sie symmetrisch aussehen. Wer dann den Deckel mal anders drum drauf setzt, braucht sich nicht zu wundern, wenn es dann plötzlich leckt! Ich habe folglich bei meinen beiden Seekajaks mit jeweils einem ovalen Valley-Deckel die Deckel so angebunden (dann verlieren wir sie auch nicht), dass "vorne" immer auch "vorne" ist. Aber wie kriegen wir es raus, wo vorne ist? Nun, ich sehe den Unterschied nicht, wohl kann wir es nachher merken; denn die richtige Seite ist jene, bei der es weniger leckt!

 

3.      Passprobleme (Deckel-Qualität):

 

Bei den Deckeln - auch den runden - gibt es produktionsbedingte Qualitätsschwankungen. Das betrifft auch die Valley-Deckel aus PU. So können sich kleine Blasen bzw. Beulen bilden. Liegen die genau dort am Halterungsrahmen, wo das Material abdichten soll, dann können Undichtigkeiten entstehen, die natürlich durch einen Umtausch (2 Jahre Garantie!) leicht zu beheben sind. Also, beim Abholen eines neuen Seekajaks sollten wir sofort diesbezüglich die Deckel auf Mängel überprüfen und gegebenenfalls reklamieren.

 

4.      Schmutzprobleme:

 

Wer einmal sein Seekajak bei Wind im Sand abgelegt hat, weiß, wie schwer es wieder ist, diesen Sand zu entfernen. D.h. der Rand, über den der ovale Lukendeckel gestülpt wird, ist immer mit Sand verschmutzt. Wir kriegen den Sand unterwegs auch kaum weg. Ankippen, Wischen, Pusten, Wässern per Schwamm hilft da nur wenig. Ja, ein Staubsauger könnte es wohl schaffen. Die Folgen einer solchen Verschmutzung erfahren wir dann nach einer Tour: Die Sachen im Heck-Stauraum sind leicht angefeuchtet. (Ein saugfähiges Tuch auf dem Boden unter der Luke verhindert übrigens, dass allzu viel Wasser im Stauraum herumschwappt!) Das gilt insbesondere für die Valley-Lukendeckel, da sie zwecks besserer Abdichtung nach dem Aufsetzen zusätzlich noch per Daumen in eine Einbuchtung/Nut gedrückt werden müssen … und in der liegt immer etwas Sand!

 

5.      Passprobleme (Boot):

 

Gerade bei den Valley-Deckeln ist es wichtig, dass der Rand des Deckels in eine Einbuchtung gequetscht wird. Erstaunlicherweise fehlt bei manchen Seekajak-Herstellern diese Einbuchtung völlig bzw. diese Einbuchtung ist so ungleichmäßig gestaltet, dass sie praktisch nicht überall für einen dichten Sitz des Deckels sorgt.

 

Andere Probleme gibt es bei PE-Seekajaks. Hier wird die Deckelhalterung bei der Kajakherstellung gleich mitgeformt. Wenn dann das falsche PE-Material verwendet wird, kann es passieren, dass die PE-Form während des Auskühlungsprozesses schrumpft, so dass der Gepäcklukendeckel zu groß ist und nicht mehr richtig abdichten kann.

 

6.      Verklebungsprobleme (Halterung):

 

Anscheinend nimmt nicht jeder Seekajakhersteller das Verkleben dieser oval Deckelhalterung mit genügend Sorgfalt vor. Die Folge: Manche Gepäckluken sind von Anfang undicht, nur weil die Halterung der Deckel nicht sorgfältig verklebt und abgedichtet wurde. Ich kenne z.B. einen Küstenkanuwanderer, der bei seinem britischen Seekajak die Halterung seiner Lukendeckel vollständig herausnehmen und neu verkleben musste.

 

7.      Verschleißprobleme (Halterung):

 

Ja, am Anfang sind die Gepäckluken noch dicht. Aber nach ein paar Mal Öffnen und Schließen, spätestens nach 1-2 Saisons, fängt es an zu lecken. Manchmal reicht ein kalter Winter aus. Das in die unvollständigen Verklebungen eingesickerte, Wasser kann nicht ablaufen, gefriert und macht die Verklebung so porös, dass es plötzlich anfängt zu lecken.

 

8.      Verschleißprobleme (Deckel):

 

Das Weichplastikmaterial der Deckel unterliegt der Alterung. Ich habe es wohl noch nicht erlebt, aber andere berichten davon, dass gerade die PU-Deckel von Valley allmählich rissig werden. Wer solch einen Deckel bei sich entdeckt, sollte ihn austauschen. Auch Spritzdecken halten ja nicht ewig. Welcher der Deckel weniger schnell altert, die britischen oder die finnischen, vermag ich nicht zu beurteilen.

 

9.      Befestigungsprobleme (Deckel):

 

Ja, der Deckel passt perfekt, jedoch kriegen wir ihn nur mit Mühe drauf. Gut, wenn wir dann kurze Fingernägel haben. Wenn wir dabei nicht aufpassen, sitzt der Gepäcklukendeckel nicht fest genug auf der Halterung und leckt.

 

Bei jedem zweiten, dritten Start aufs Meer hinaus muss z.B. ich feststellen, dass trotz vorheriger Kontrolle z.B. der vorderer runde Deckel nicht richtig drauf sitzt … oder löst er sich etwa von allein!? Ein Schlag mit dem Paddelblatt - von der Sitzluke aus - behebt jedoch das Problem, auch unterwegs auf dem Wasser.

 

Übrigens, wenn wir wieder einmal Probleme haben, den Gepäcklukendeckel auf die Deckelhalterung zu drücken – spätestens in den kälteren Jahreszeiten, wenn das Material etwas härter wird, ist damit zu rechnen –sollten wir die Dichtlippen des Deckels mit Vaseline einreiben. Dann „flutscht“ der – egal ob nun rund oder oval - Gepäcklukendeckel wieder.

 

bzw. ein Gummi stramm um den äußeren Rand der Dichtlippen zu spannen, um so Problem 1-4 bzw. 8 in den Griff zu bekommen.

 

10. Problemfall "Mensch":

 

Dafür kann der Deckel am wenigstens, nämlich dass der Küstenkanuwanderer den Deckel nicht richtig bzw. überhaupt nicht verschließt bzw. ihn unterwegs auf dem Wasser anlässlich einer Rettungsaktion versehentlich anfasst und abreißt:

 

a) Die Deckel passen sich so elegant dem Oberdeck an, dass es mir schon mal passiert ist, dass ich nicht merkte, dass der Deckel von mir nur oberflächlich auf die Lukenöffnung gelegte (zwecks Regenschutz). In der Hektik eines Gruppenstarts in der Brandung vergaß ich das völlig. Später, bei einem nötig gewordenen Rettungseinsatz rutschte der Deckel dann von der Luke. Trotzdem konnte ich dank des mit wasserdichten Säcken beladenen Stauraums weiter paddeln!

 

b) Die Luke ist übervoll beladen. Der Deckel schließt wohl. Da das Gepäck ihn jedoch etwas hochdrückt, entstehen Undichtigkeiten.

 

c) Bei Rettungsübungen habe ich es schon einmal erlebt, wie ein Kenterbruder in der Hektik des Wiedereinstiegs sich am Lukendeckel festhielt und ihn abriss.

 

Fazit

 

Ich besaß im Laufe der Jahrzehnte insgesamt 4 Seekajaks mit ovalem Heck-Lukendeckel von VCP, drei von PH und eines von Pietsch & Hansen. Bei allen Booten hatte bzw. habe ich noch mit Dichtigkeitsproblemen zu kämpfen, nicht bei jeder Tour, aber immer wieder. Warum? Ich weiß es nicht! Aber wenn wir mit einer Undichtigkeit rechnen, ist das nicht weiter schlimm. Das Boot geht ja deshalb nicht gleich unter. Aber eine Tasse Wasser im Heck reicht schon aus, um alles Gepäck leicht anzufeuchten. Deshalb verpacke ich in meinen Heckstauraum lose nur solche Gegenstände, die auch mal nass werden dürfen, bzw. die in wasserdichte Säcke verpackt sind. Außerdem habe ich um all meine ovalen Gepäcklukendeckel eine 6-mm-Elastikleine gebunden, um so den Sitz des Deckels auf der Halterung verbessern.

 

Die von mir beobachteten Probleme scheinen wohl nicht neu zu sein. Deshalb hat wohl auch Lettmann in seinem Seekajak "Polar" nur die kleineren runden Lukendeckel aus Weichplastik eingebaut. Die Experten, die ihm zum Bau dieses Kajaks rieten, bestanden nämlich darauf, dass keine ovalen Lukendeckel eingesetzt werden. Nun, die runden Deckel sind wohl dicht, leider jedoch nicht so praktisch; denn größere Gegenstände (z.B. Zelt, Kocher, Liegematte) passen nicht immer durch die runden Gepäckluken durch. Deshalb entscheide ich mich beim Kauf ein Seekajaks stets für einen Kompromiss:

 

 

Ein ovaler Gepäcklukendeckel auf dem Vorderdeck käme jedoch für mich nicht infrage. Insofern verstehe ich manche Seekajakhersteller dennoch Seekajaks konstruieren, die nur mit ovalen Gepäcklukendeckeln aus Weichplastik ausgerüstet sind. Natürlich, manch Kanute fragt danach … aber würde er auch noch solche große Gepäcklukendeckel auf dem Vorderdeck wünschen, wenn er wüsste, dass das Wasserdichtigkeitsproblem nicht langfristig gesichert ist?

 

Alternativen

 

Gibt es nun für diesen großen ovalen Gepäcklukendeckel aus Weichplastik eine Alternative, die komfortabler ist als ein runder Lukendeckel. Ich kenne keine; denn all die Kameraden mit den anderen größeren Lukendeckeln, die per Schraubverschluss, Fahrradschlauch bzw. Riemen (mit bzw. ohne zusätzlichem Neoprendeckel) gesichert werden, haben bei Touren, die ich bislang ansetzte, ebenfalls immer wieder mit Dichtigkeitsproblemen zu kämpfen.

 

Text: U.Beier – www.kanu.de/kueste/