19.06.2006 Rettungshalteleinen: dünn & labbrig? (Ausrüstung)

 

Rettungshalteleinen sind nicht zur Zierde da oder dafür, dass ein Seekajak etwas professioneller aussieht!

 

 

Natürlich bietet sich zum Festhalten auch die Sitzluke an. Jedoch ist die Gefahr sehr groß, dass bei Wind & Seegang das Halten so anstrengend wird, dass der Griffhalt verloren geht. Die Folgen können kritisch sein und letztlich aus der Kenterung einen Seenotfall machen:

 

 

 

Anforderungen an eine Rettungshalteleine: nicht zu dünn & lose!

 

Aber auch dann, wenn die Seekajaks jeweils über eine Rettungshalteleine verfügen, braucht der Erfolg der Rettungsaktion nicht gesichert zu sein. Wichtig ist nämlich dabei, dass die Rettungshalteleine festen Halt bietet und nicht die Gefahr besteht, dass beim Festhalten keine Verletzungsgefahr besteht (z.B. Einschneiden der Hände). Bei der Installation einer Rettungshalteleine auf einem Seekajak ist daher auf Folgendes zu achten:

 

 

 

Deshalb sollte auch vermieden werden, die Rettungshalteleine vom Bug bis zum Heck in einem Stück durchlaufen zu lassen; denn je länger eine Leine ist, desto größer kann auch die Dehnung werden, die dann genau dort sich bemerkbar macht, wo „Kenterbruder“ bzw. Retter an der Leine Halt suchen.

 

 

Es handelt sich hier um Mängel, die die Kentertüchtigkeit eines Seekajaks beeinträchtigen. Immer mehr Seekajakproduzenten sowie Küstenkanuwanderinnen und –wanderern ist das immer weniger bewusst. Deshalb sehen wir immer häufiger Seekajaks – die britischen sind davon nicht ausgenommen -, die insbesondere mit zu dünnen Rettungshalteleinen ausgerüstet sind.

 

Problem & Lösung:

 

Aber wie kann dem abgeholfen werden? Nun, zum einen können wir versuchen, weitere Haltepunkte auf dem Vorderdeck zu installieren, die Leinenführung zu verkürzen und die Leinen auszutauschen gegen Leinen, die einen geringerem Reck und größerem Durchmesser haben. Segelfachgeschäfte bietet hierfür eine große Auswahl an, teilweise sogar mit eingewebten Fäden, die nachts den Schein einer Lampe reflektieren.

 

Gerade was die Verwendung dickerer Leinen betrifft, stoßen wir aber auf das folgende Problem:

 

 

 

Ja, das war’s, was in Sachen Rettungshalteleinen zu sagen ist. Insbesondere die auf dem Vorderdeck installierte Rettungshalteleine trägt zur Kentertüchtigkeit eines Seekajaks bei. Natürlich dient die auf dem Achterdeck installierte Halteleine in erster Linie auch demselben Zweck, aber nur dann, wenn aus irgendwelchen Gründen der „Kenterbruder“ bzw. der Retter versuchen, am Heck der Seekajaks Halt zu finden.

 

Natürlich, wer nach einer Kenterung sicher rollen kann, könnte auf eine Rettungshalteleine verzichten, wenn da nicht der „Kenterbruder“ wäre, der ja nicht nur an seinem eigenen Seekajak nach Halt sucht, sondern auch am „Retterkajak“. D.h. auch das „Retterkajak“ ist mit einer Rettungshalteleine auszurüsten, damit sich der „Kenterbruder“ dort festhalten kann, sei es, um sich an ihnen entlang zum Bugtoggle des „Retterkajaks“ zu hangeln bzw. um beim Wiedereinstieg entsprechenden Halt am „Retterkajak“ zu finden. Wo sonst soll sich den der „Kenterbruder“ festhalten, wenn er sich z.B. bei der Anwendung der „Parallel-Wiedereinstiegsmethode“ über sein eigenes Seekajak hinüber auf das „Retterkajak“ hangeln will, um dann schließlich leichter in seine Sitzluke rutschen zu können? Bzw. wo will er sich denn sonst am „Retterkajak“ festhalten, wenn er mit Hilfe der „V-Wiedereinstiegsmethode“ versucht, wieder zurück in die Sitzluke seines Seekajaks zu schwingen?

 

Zusatznutzen:

 

Abgesehen davon dient die Rettungshalteleine noch weiteren Zwecken, nämlich:

 

 

zu ermöglichen bzw. zu erleichtern.

 

Text: U.Beier – www.kanu.de/kueste/