09.09.2006 Britisches Seekajak „Quest LV“ von P&H (Ausrüstung)

 

Einen „guten“ Seekajakproduzenten erkennen wir daran, dass er nicht nur ein Modell, sondern verschiedene Modell mit den unterschiedlichen Volumen anbietet, sodass für die unterschiedlichsten „Transportbedürfnisse“ auch wirklich ein geeignetes Seekajak gefunden werden kann.

 

U.a. bot bislang der britische Seekajakproduzent das folgende Seekajak an:

 

mit Skeg bzw. Steuer; 3-fache Abschottung mit 2 runden und 1 ovalen Lukendeckel, eingebautem Kompass und eingebauter Lenzpumpe;

 

Nun hat P&H für kleiner Leute bzw. für Leute mit geringerem Bedarf an Gepäckvolumen eine kleinere Ausgabe des Quest entwickelt, d.h. ein Seekajak mit geringerem Volumen (LV = low volume)

 

(Zusatzausstattung identisch mit dem “Quest”).

 

In der Werbung (hier: SEEKAJAK, Nr. 103/06, S.11) für dieses Seekajak wird auf den Testbericht eines Kunden zurückgegriffen. Im folgenden wird der gesamte Text gebracht, lediglich durch ein paar kritische Anmerkungen von U.B. ergänzt:

 

„Der Quest LV scheint anfängertauglich dank der hohen Kippstabilität, braucht aber eine feste Hand, die sagt wo er hin soll.“

 

(Anmerkung: Soll das etwa heißen, dass „schwache“ Hände nicht in der Lage sind, mit dem „Quest LV“ den Kurs zu fahren, den man sich wünscht?)

 

„Seine wirklich grandiose Wendigkeit, die höher zu sein scheint als beim normalen Quest, wirkt sich da aus. Ich vermute, da er schmaler ist, kann man ihn besser kanten und deshalb kriegt man den Arsch so gut rum. Kante bis über die Spritzdecke und normal weitergepaddelt, dann vernimmt man nach drei Zügen schon ein hörbares Rauschen vom Heck und der Quest LV dreht wie ein Traveller K1. Ein Boot also, das stramm über die Kante gefahren werden muss. Wer keine Lust hat, sein Boot aktiv zu fahren, sollte ein anderes wählen.“

 

(Anmerkung.: Das sind klare Worte. Da i.d.R. kein 08/15 Küstenkanuwanderer in der Lage ist, bei etwas rauerem Seegang sein Seekajak so zu kanten, dass ein Teil der Spritzdecke im Wasser ist, sollten wir also durch diese Werbeaussagen gewarnt sein. Wir müssen die See nehmen wie sie kommt. Wehe es kommt uns ein Brecher entgegen oder ein Kamerad in einem anderen Seekajak. Dann heißt es Tempo machen. Kursänderungen sind wohl nur noch mit Schwierigkeiten durchzuführen. Oder?)

 

„Dem erfahrenen Kajakfahrer bietet er dafür neue Dimensionen. Ich bin am Wochenende im Boot aufgestanden, rausgesprungen und übers Heck wieder reingekrabbelt, ohne Wasser ins Cockpit zu nehmen. An anderer Stelle bin ich stehend gesurft.“

 

(Anmerkung.: Diese Werbeaussage kommt einen neuen britischen Trend entgegen: Der „Cowboy-Wiedereinstieg“ (hier: der Wiedereinstieg über das Heck). Nachdem der Wiedereinstieg per Paddlefloat zu unsicher ist, bietet man den Kanutinnen und Kanuten eine andere – eigentlich altbekannte – Variante des Wiedereinstiegs an, der – und das steht nicht in diesem Werbetext – eigentlich nur bei „Ententeichbedingungen“ funktioniert, also bei Bedingungen, bei denen man & frau eigentlich nicht kentern. Beim letzten Satz „An anderer Stelle bin ich stehend gesurft“ vermisse ich übrigens den Hinweis, dass das entsprechende akrobatische Fähigkeiten voraussetzt.)

 

„Er ist einfach zu rollen, und je griffiger die Wellen sind, umso besser kommt er in Fahrt. Der Quest LV ist kein Boot zu rumtrödeln, bei kappligen Wellen von vorne muss man ordentlich durchziehen, um ihn auf Fahrt zu halten.“

 

(Anmerkung: Ja, Letzteres stellt den zweiten großen Schwachpunkt des Quest LV dar. Wer nicht bei kappligen Wellen bis zum Kenterpunkt kantet, kann keine Kursänderung vornehmen, das war der 1. Schwachpunkt. Nun ist man bei Gegenwindbedingungen auch – zumindest wenn man durch lange Fahrt ausgelaugt ist - noch nicht mal in der Lage, Tempo aufzunehmen, um z.B. einer seitlich herannahenden Grundsee bzw. Reflexionswelle davonzueilen.)

 

„Im Surf sollte man dringend das Skeg einsetzen, sonst ist er unberechenbar. Mit Skeg läuft er allerdings wie eine Eins vor den Wellen. Ich vermute, die Kanten im Heck helfen da enorm, dass sie vorne fehlen, ist bestimmt vorteilhaft für seine Laufeigenschaften.“

 

(Anmerkung: Ja, was ist mit „läuft wie eine Eins vor den Wellen“ gemeint? Etwa: Er läuft wie auf Schienen? So etwas gibt es aber nicht. Und wenn der Quest LV dennoch kaum abdriftet beim Surfen, so muss uns bewusst sein, dass diese z.B. 5°-Abweichung vom Kurs genauso schwer zu korrigieren ist, wie bei einem anderen Seekajak z.B. eine 20°-Abvweichung! Ich bezweifele es daher, dass mit dem Knickspant allein im Achterschiff solch eine Kursstabilität beim Surfen erreicht werden kann. Jeder, der den Quest LV in die engere Wahl einbezieht, sollte daher bei einer Probefahrt unter realistischen Bedingungen prüfen, ob er diese Surfeigenschaften wirklich hat.)

 

„Schlussendlich … ein bisschen leichtläufiger bei Ententeich oder Welle von vorne wäre noch schöner, da wäre aber wohl der Witz weg und manche Stärke deutlich vermindert. Wenn einem das Boot zu langsam ist, hilft ja schlussendlich sowieso nur eins: trainieren, trainieren, ….“

 

(Anmerkung: Im Grunde genommen handelt es sich um einen sehr ehrlichen Werbetext, der die Schwächen des Quest LV deutlich – teilweise zweimal – herausstellt: zu langsam bei Ententeich- und Gegenwindbedingungen sowie nur um die Kurve zu kriegen, wenn wir uns trauen, so zu kanten, dass die Spritzdecke ins Wasser eintaucht. Ach ja, und wenn wir jemanden sehen, der im Quest LV schnell paddelt, so liegt das nicht an diesem Seekajak, sondern an seinem Paddler. Übrigens trifft Letzteres für alle Seekajaks zu!)

 

Den Quest LV gibt es ab 2.395,- Euro.

 

Link: www.gadermann.de bzw. www.phseakayaks.com