02.11.2006 Bootswagen (Ausrüstung)

 

In KANU SPORT ist der folgende Beitrag von U.Beier erschienen:

 

„Sicherer Umgang mit dem Bootswagen“

 

Eine Nordseetour ohne Bootswagen im Gepäck ist mit viel Mühe, Umständen & Kameradenhilfe, aber auch mit Risiken verbunden. Ohne Bootswagen sind wir praktisch aufgeschmissen. Wie bekommen wir sonst das – meist Zelt, Ausrüstung und Verpflegung beladene - Seekajak z.B.:

 

·         vom Parkplatz über den Deich sowie das Deichvorland zur etwas weiter entfernten Einsatzstelle draußen im Watt und später wieder retour?

·         von der Anlandestelle über das trockengefallene Watt zur Hochwasserkante und dann weiter über den Sandstrand zum im Inselinneren gelegenen Zeltplatz?

·         vom Zeltplatz bzw. Pausenplatz über unbefestigte Wege zu einem kilometerweit entfernt  gelegenen brandungsgeschützten Startplatz auf der anderen Seite der Insel?

·         vom Zeltplatz oder weit abgelegenen  Strand zum nächsten Hafen, da wegen Wetterverschlechterung die Tour abgebrochen werden muss?

 

Im folgenden werden verschiedene Eigenschaftsanforderungen aufgeführt, die beim Kauf eines Bootswagens beachtet werden sollten, und einige Tipps gebracht, die einem unterwegs den Kajak-Transport per Bootswagen erleichtern können.

 

Eigenschaftsanforderungen

 

1) praktische Konstruktion:

 

·         einfach: d.h. schnelles Zusammen- und Auseinanderbauen des Gestelles, dazu gehört auch leichtes Fest-/Entzurren der Bootswagenriemen;

·         zusammenhängend: d.h. möglichst keine losen Teile (z.B. keine mehrfach ineinander geschachtelte Kunststoffgleitbuchsen, Schrauben, Splinte), damit nichts verloren gehen kann;

·         pflegefrei: d.h. unempfindlich gegenüber Kontakt mit Sand und Salzwasser (kugelgelagerte Räder sind hier denkbar ungeeignet);

·         Nachkaufmöglichkeit: insbesondere der Reifen und seiner Verschleißteile (hier: Schlauch, Kunststoffbuchsen/-gleitlager);

·         klein: damit das Verpacken des Wagens im bzw. auf dem Kajak keine Probleme bereitet.

 

2) vielfältige Einsatzmöglichkeit:

 

·         tauglich für harte Wege: hierfür genügen kleine Räder mit 20cm Durchmesser und 5cm Reifenbreite (Vorteil: geringes Packvolumen);

·         tauglich für sandige Wege: hier empfehlen sich insbesondere große Räder (30,5x5cm); es eignen sich aber auch kleinere Räder, sofern sie über eine größere Reifenbreite verfügen (26x8cm); diese - eigentlich für Zweier geeigneten - Räder sind jedoch so voluminös, dass manche vorm Verstauen in einem Einer-Seekajak die Luft aus den Reifen lassen;

·         „Ein-Mann“-Bedienung: d.h. es sollte möglich sein, dass wir auch allein das Kajak auf den Bootswagen legen können;

·         nicht zu hoch gebaut: damit nicht ein 6er Wind den Bootswagen mit dem leeren Kajak umblasen kann, bzw. damit nicht jede schiefe Unebenheit den Bootswagen umkippen lässt;

·         ... aber auch nicht so niedrig gebaut: dass wir nur noch in gebückter Haltung unser Kajak hinter uns herziehen können;

·         nicht zu leicht gebaut und in der Auflagefläche nicht zu schmal: damit nicht nur das leere, sondern auch das voll beladene Kajak (60-70kg kommen da schon mal schnell zusammen!) problemlos, und zwar für Bootswagen und Kajak, transportiert werden kann.

 

Praktische Tipps für unterwegs

 

1) Der aufgebaute Bootswagen lässt sich nicht so in Position bringen, das wir das Kajak allein draufpacken können: Versuche mal, ein Paddel so ins Bootswagengestell zu legen, dass der Wagen beladbar ist und nicht umkippt. Zerbrich dabei aber nicht das Paddel.

 

2) Das zu transportierende Kajak liegt einem zu schwer in der Hand: Balanciere das Kajak insbesondere bei einer längeren Transportstrecke auf dem Bootswagen so aus, dass es an der Seite, wo wir es beim Transport anfassen, nur 1-2kg Übergewicht hat. Den Rest des Bootsgewichts kann nämlich viel leichter der Bootswagen tragen.

 

3) Das zu transportierende Kajak ist überladen, so dass Gefahr besteht, dass entweder der Bootswagen bzw. das Unterwasserschiff überstrapaziert wird: Verlagere den Bootswagen nach hinten. Das Gewicht, welches wir nun in der Hand halten, braucht nicht mehr der Bootswagen zu tragen bzw. das Unterwasserschiff auszuhalten. - Übrigens, diesen Tipp können wir auch zurückgreifen, wenn der Bootswagen zu schwach bzw. das Unterwasserschiff (z.B. bei Faltbooten) zu weich ausgelegt ist.

 

4) Die Räder des Bootswagen versinken im Sand: Suche für den Kajaktransport eine Passage, wo der Sand nicht so weich bzw. schlickig ist oder durchquere diese Strecke mit mehr Tempo oder greife auf Tipp 3) zurück; denn je weniger Gewicht ein Bootswagen trägt, desto weniger drückt er sich in den Sandboden ein. - Übrigens, je länger wir unseren Bootswagen mit aufgeladenem Kajak an der Anlandestelle im feuchten Sand stehen lassen, desto tiefer sackt er in den Sand ein, so dass wir dann häufig nur noch mit Kameradenhilfe in Schwung kommen. Natürlich könnten wir auch kurz den Kajak samt Bootswagen anheben und  einen Meter daneben wieder auf den Sand setzen.

 

5) Es fehlt einem die Kraft, das Kajak mit dem Bootswagen durch den Sand zu ziehen: Stecke das Reservepaddel durch die Toggelhalterung und versuche, das Boot (allein oder zu zweit) mit beiden Händen am Paddelschaft zu ziehen. Ist einem die Last auf Hände bzw. Arme immer noch zu anstrengend, bzw. haben wir Bedenken, dass das Paddel beschädigt werden könnte (z.B. die bei Aluschäften übliche Schutzschicht aus Weichplastik könnte gequetscht werden) können wir stattdessen einen Riemen diagonal über die Schulter legen, am Toggel befestigen und ziehen.

 

6) Die Riemen, mit denen das Kajak auf dem Bootswagen festgeschnallt ist, lassen sich nur beschwerlich lösen, da wir mit den klammen Fingern nicht die Verschlussschnallen öffnen können: Tausche die Schnallen gegen - bei Rollsäcken verwendete – 2,5-3cm breite Steckschnallen aus.

 

7) Es fällt uns so schwer, das Kajak richtig zu trimmen: Mit Hilfe des Bootswagen lässt sich sehr genau der Gewichtsschwerpunkt des beladenen Kajaks ermitteln und somit feststellen, sofern wir den Trimmpunkt des Kajaks kennen, ob das Gepäck rein vom Gewicht her richtig im Kajak auf Bug und Heck verteilt ist, d.h. ob die Trimmung stimmt.

 

Quelle: KANU SPORT, Nr. 11/06, S.23 – www.kanu.de

Hinweis: Ein Bootswagen, der fast alle oben genannten Kriterien erfüllt, bietet Freya Hoffmeister (Husum) an – freyahoffmeister@hotmail.com

è www.qajaqunderground.com/kayak-trolley.html