02.12.2006 Überhängender Bug (Ausrüstung)

 

Auf der Homepage des us-amerikanischen Seekajakherstellers EPIC KAYAKS wird die praktische Relevanz eines „überhängenden“ Bugs („Extended- Bow“) angesprochen, sog. „Stevenausfall“. Dies möchte ich zum Anlass nehmen, ein paar Punkte Pro & Contra solch einer Bugpartie aufzuzeigen.

 

1. Ein Indikator für Kielsprung?

 

Ein überhängender, d.h. bei Flachwasser weit aus dem Wasser herausragender Bug ist grundsätzlich (d.h. nicht immer) ein Zeichen dafür, dass das entsprechende Seekajak über einen Kielsprung verfügt. Kielsprung aber macht ein Seekajak (sofern alle anderen Bootsformeigenschaften gleich bleiben) nicht nur wendiger („Kielsprung kurvt!“) und weniger kursstabil („Läuft nicht auf Schienen!“), sondern auch langsamer, da er über einen größeren Tiefgang verfügt. Seekajaks mit Kielsprung haben (entsprechende Beladung und Spantenform vorausgesetzt) auch ein besseres Seegangsverhalten; denn:

 

  • sie sind weniger kipplig bei rauer See;
  • sie neigen weniger zum Bohren/Stechen;
  • sie sind leichter zu surfen;

 

2. Ein Indikator für weniger Wasserlinienlänge?

 

Ein überhängender Bug verkürzt die Wasserlinienlänge. Von zwei Seekajaks mit derselben „Länge über Alles“ (LüA) hat jenes eine längere Wasserlinienlänge (WLL), dessen Bug weniger lang aus dem Wasser hängt. Theoretisch hat die WLL einen bedeutenden Einfluss auf den Wasserwiderstand und die Rumpfgeschwindigkeit. Das lässt sich auch aus der folgenden Näherungsformel ableiten:

 

  • Rumpfgeschwindigkeit (in km/h) = 4,5 x Wasserlinienlänge (in m)

 

Wenn wir jedoch einmal den Wasserwiderstand der unterschiedlichsten Seekajaks anschauen (hier: die Daten über den Wasserwiderstand von über 60 Seekajak, die von der us-amerikanischen Zeitschrift „Sea Kayaker“ per Computermodell bei Flachwasserbedingungen ermittelt wurden) und miteinander vergleichen, dann können wir erkennen, dass die Auswirkungen der Wasserlinienlänge auf den Wasserwiderstand bei Seekajaks, die zwischen 500 -550 cm lang (LüA) und maximal 58 cm breit (BüA) sind, vernachlässigt werden können , solange nicht schneller als mit 4,5 kn (= 8,3 km/h) gepaddelt wird. Zurückzuführen ist das wahrscheinlich darauf, dass diese Seekajaks sich nicht nur in der Wasserlinienlänge voneinander unterscheiden, sondern auch in vielen anderen wasserwiderstandsbestimmenden Merkmalen (z.B. Wasserlinienbreite, Spantenform, benetzte Wasserfläche, Tiefgang, prismatischer Koeffizient), sodass sich die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Bootsformen bei den Seekajaks, die für das Küstenkanuwandern konstruiert werden, praktisch kompensieren.

 

Das gilt zumindest für diese typischen Seekajaks, und zwar bis 8,3 km/h. D.h. wer mehr aus seinem Seekajak herausholen will, dem ist natürlich anzuraten, sich für ein Seekajak zu entscheiden, das ein höheres Geschwindigkeitspotenzial hat. Ihm muss jedoch bewusst sein, dass er z.B. nur mit einem 2-3-fachen Kraftaufwand von 4,5 kn (8,3 km/h) auf 6 kn (11,1 km/h) beschleunigen kann. D.h. wer konditionell nicht in der Lage ist, längere Zeit diesen Kraftaufwand zu leisten, der kann auch nicht das Geschwindigkeitspotenzial eines solchen Seekajaks nutzen.

 

Wie verhält es sich nun bei den verschiedenen Seekajaks mit der Wasserlinienlänge (WLL)? Im Folgenden möchte ich ein paar Daten darüber aus dem „Sea Kayaker“ bringen, wobei von einer Beladung von 113,4 kg ausgegangen wird:

 

 

Seekajakmodell

Wasserlinienlänger

(WLL in % von LüA)

(Basis: 113,4 kg Beladung)

Länge über Alles

(LüA x Breite)

/ ca. Liter Volumen*

 

Wasser-widerstand

bei:

4,5 / 6,0 kn**

Avocet (PE) (Valley)

428 cm (87%)

492x56 cm / 298 L

2,45/7,03 kg

Touryak (PE) (Prijon)

423 cm (91%)

463x61 cm / 380 L

2,30/6,01 kg

Seayak (PE) (Prijon)

434 cm (89%)

485x58 cm / 355 L

2,56/6,99 kg

X-Lite (Point 65°N)

438 cm (93%)

470x53 cm / 276 L

2,44/6,98 kg

Tempest 165 (PE/GFK) (Wilderness)

443 cm (88%)

501x55 cm / 294 L

2,51/7,30 kg

Sirius M (P&H)

441 cm (85%)

520x53 cm / 307 L

2,31/6,58 kg

Bahiya (P&H)

452 cm (85%)

533x52 cm / 299 L

2,34/6,59 kg

Storm (PE) (Current Design)

453 cm (85%)

517x61 cm / 372 L

2,36/6,76 kg

Slipstream (Current Design)

453 cm (87%)

514x60 cm / 272 L

2,25/6,24 kg

Viking (Kajak-Sport)

455 cm (91%)

498x55 cm / 302 L

2,33/6,52 kg

Quest (P&H)

456 cm (85%)

536x56 cm / 337 L

2,35/6,53 kg

Aquanaut (PE) (Valley)

456 cm (87%)

522x57 cm / 341 L

2,36/6,44 kg

Nordkapp LV (Valley)

458 cm (86%)

532x54 cm / 294 L

2,33/6,60 kg

Nordkapp H²O (Valley)

463 cm (85%)

547x54 cm / 306 L

2,27/6,42 kg

K1VR (Point 65°N)

463 cm (91%)

508x56 cm / 355 L

2,29/6,31 kg

Romany Explor. (Nigel Dennis)

464 cm (87%)

533x55 cm / 340 L

2,31/6,57 kg

Aquanaut (GFK) (Valley)

467 cm (87%)

537x55 cm / 330 L

2,34/5,67 kg

Solstice GT (Current Design)

481 cm (90%)

536x63 cm / 392 L

2,34/6,80 kg

Kodiak (PE) (Prijon)

480 cm (95%)

507x58 cm / 381 L

2,26/6,23 kg

Artisan Millenium (Kajak-Sport)

480 cm (86%)

555x56 cm / 343 L

2,19/6,10 kg

Barracuda (PE) (Prijon)

484 cm (95%)

508x56 cm / 330 L

2,21/5,98 kg

K1XP (Point 65°N)

505 cm (92%)

549x53 cm / 334 L

2,19/5,61 kg

Looksha II (Necky)

509 cm (83%)

610x51 cm / 392 L

2,13/5,03 kg

Extreme (Current Design)

510 cm (88%)

577x55 cm / 389 L

2,10/5,32 kg

Stratus 18 (Current Design)

529 cm (97%)

547x57 cm / 340 L

2,16/5,10 kg

Endurance (Epic)

529 cm (97%)

545x54 cm / 368 L

2,17/4,84 kg

Inuk (Kirton/Nelo)

535 cm (97%)

550x51 cm / 315 L

2,13/5,22 kg

Avalon Viviane (Kajak-Sport)

539 cm (93%)

580x55 cm / 392 L

2,15/5,22 kg

 

 

 

 

Rennseekajak:

FW 2000 Moskito (Nelo)

548 cm (97%)

562x44 cm / 301 L

2,23/4,79 kg

Surfski:

Futura II (Futura Surf Skis)

558 cm (97%)

575x51 cm / 291 L

2,21/4,68 kg

 

 

 

 

Maximale Differenzen***

116 cm (14%)

- / 116 Liter

0,46/2,46 kg

*   geschätztes Innen-Volumen (z.B. durch Auslitern ermittelbar)

** Berechnet von M.Broze nach „Taylor Standard Series“ mit 1 kn = 1,852 km/h

*** ohne FW 2000 Moskito und Futura II

 

D.h. je nach Seekajak liegt die Wasserlinienlänge zwischen 83 % und 97 % der Länge über Alles. Z.B. beim Looksha II kommen von den 610 cm LüA nur 509 cm im Wasser an (83 %), während beim Inuk von 550 cm LüA immerhin 535 cm effektiv auf dem Wasser eingesetzt werden (97 %), d.h. der überhängende Bug ist beim Looksha II 101 cm lang und beim Inuk 15 cm.

 

3. Ein Indikator für Schnittigkeit?

 

Was wir immer auch über „Schnittigkeit“ verstehen, wenn ein Boot schnell sein soll, so wird das nicht über einen überhängenden Bug erreicht, sondern über mehr Wasserlinienlänge u.v.a.m. Deshalb gibt es bei Rennkajaks, die bei Flachbahnrennen eingesetzt werden, praktisch keinen überhängenden Bug. Und wie sieht das bei den sog. „Surfski“ aus, die bei Rennen auf dem Ocean eingesetzt werden? I.d.R. beträgt bei denen die Wasserlinienlänge stets ca. 97 % der Länge über Alles. Der Grund dafür könnte natürlich daran liegen, dass bei diesen Booten voll darauf gesetzt wird, dass die Flachwasserbedingungen überwiegen. Aber warum findet wir dann praktisch auf dem Ocean keine modernen Rennyachten, die – wie früher das üblich war – mit einem überhängenden Bug ausgerüstet sind? Diese Yachten werden doch so gebaut, dass sie auch bei Seegang möglichst schnell sind. Da ist es wichtig, dass sie beim Tempomachen nicht durch eine falsche Bugform behindert werden!?

 

Letztlich bestimmt das Volumen des Bugs sein Auftriebsverhalten im Seegang. Bei zwei Seekajaks mit derselben LüA kann das mit der längeren Wasserlinienlänge über mehr Bugvolumen verfügen bzw. – bei gleichem Bugvolumen - über einen schlankeren Bug, der dann mit weniger Platschen durch den Seegang fährt. Ob nun eines von zwei Seekajaks mit jeweils derselben Wasserlinienlänge, welches über einen überhängenden Bug verfügt und folglich einen größere Länge über Alles hat, dadurch Nachteile im Seegangsverhalten entstehen, ist zu bezweifeln, sofern dieser zusätzliche überhängende Bug über zusätzliches Volumen verfügt.

 

Übrigens, ob ein Seekajak bohrt und nur zögerlich wieder auftaucht, hängt weniger vom Bugvolumen, als vom Kielsprung und von der Gestaltung des Vorderdecks ab. Je geringer der Kielsprung, desto größer ist die Neigung zum Bohren; und je flacher das Vorderdeck, d.h. je weniger gefirstet es ist, desto größer ist der „Schwimmbretteffekt“, d.h. desto langsamer taucht der Bug nach dem Bohren wieder auf.

 

4. Ein Indikator für Gepäckvolumen?

 

Die Länge über Alles war lange Zeit auch ein Indikator dafür, wie viel Fahrtengepäck so in ein Seekajak passt. Es hat einige Zeit gedauert, bis viele gemerkt haben, dass dafür eigentlich das Volumen die entscheidende Größe ist. Das ist auch ein Grund dafür, dass so mancher Seekajakhersteller gar nicht so recht weiß, wie hoch das Volumen das von ihm konstruierte Seekajak ist. Da der Gepäckraum, den ein überhängender Bug bietet, wegen seiner Enge nicht so optimal genutzt werden kann, sollte wir dem Volumen des überhängenden Buges nicht solch große Bedeutung für das Verstauen des Gepäcks beimessen.

 

5. Ein Indikator für Tragekomfort?

 

In der Tat lässt sich ein Seekajak mit einem schmal auslaufenden Bug leichter fassen und somit leichter tragen, als wenn wir ein solches Seekajak am Toggle ergreifen. Aber sollte das eine kaufentscheidende Größe sein? Mit Fahrtengepäck wird ein Seekajak sowieso so schwer, dass es sich empfiehlt, es möglichst mit vier Personen zu tragen. Und wenn im Seekajak kein Gepäck verstaut ist, bietet es sich u.U. an, es auf die Schulter zu packen, d.h. allein zu tragen. Letztlich können wir uns daher darüber nur selber ein Urteil bilden.

 

6. Ein Indikator für erhöhte Verletzungsgefahr bei einer Kollision?

 

Nicht häufig, aber immer wieder wird berichtet, dass zwei Seekajaks zusammenstießen. Meist geschieht das beim Surfen, wenn eine Kanutin oder ein Kanute die Kontrolle über ein Seekajak verlieren und mit Tempo jemanden anders rammen. Handelt es sich bei dem Seekajak, von dem der „Rammstoß“ ausgeht, um eines mit überhängendem Bug, dann kann das sehr schnell sehr kritisch werden und größeren Personen- bzw. Sachschaden oder beides verursachen:

 

  • Einst surfte ein solches Seekajak ein anderes genau vorne in die seitliche Flanke. Die Wucht des Zusammenstoßes genügte, um die Seitenwand soweit zu durchlöchern, dass das rammende Seekajak dort stecken blieb.
  • Ich selber wollte einmal einem Kenterbruder zu Hilfe kommen, paddelte zu ihm hin, wurde unterwegs von einer Welle mitgenommen, geriet ins Surfen und rammte trotz aller Steuerschläge (eine Notkenterung zog ich nicht in Erwägung) das gekenterte Kajak mittig genau bei der Nahtverklebung (hier: Innennahtverklebung). Die Folge: Die Nahtverklebung platzte über die Hälfte des Kajaks auf.
  • Ein anderes Mal surfte beim Anlanden in der Brandung ein Kanute auf eine vor ihm plötzlich quer treibende Kanutin. Er traf deren Seekajak kurz vor der Sitzluke, durchbohrte die Flanke und verletzte einen Fuß der Kanutin.
  • Bislang habe ich noch nicht davon gehört, dass jemand mit seinem überhängenden Bug jemanden anderes in den Oberkörper (z.B.  „Rippen“) gesurft ist. Insbesondere dann, wenn keine Schwimmweste, sondern nur eine Rettungsweste getragen wird, sind gravierende Körperverletzungen nicht mehr auszuschließen.

 

7. Ein Indikator für Schönheit?

 

Immer noch wird der überhängende Steven bei Kajaks als typisches Zeichen für ein „Eskimo-Kajak“ angesehen und quasi als „Schönheitsideal“ betrachtet. Jens Kreyser hat in seiner Broschüre: „Arktische Fellboote von Sibirien bis Grönland (2003) u.a. insgesamt 19 Kajaks aufgeführt:

 

Typ/Region

ca. Abmessungen

Designmerkmal

1. Korjaken

(Kamtschatka)

(mit 2 je 42 cm langen Handpaddeln)

322x70 cm

(Sitzluke: 68x40 cm)

Kurzboot;

V-Form;

ca. 48 kg Steinballast nötig;

2. Tschuktschen

(NO Sibirien)

463x63 cm

ohne Kielsprung;

V-Boden;

3. Akun Island

(Aleuten)

581x43,5 cm

ohne Kielsprung;

V-Boden;

gefirstetes Oberdeck;

Aleuten-Vorsteven;

ca. 28 kg Steinballast nötig;

4. Atka-Island

(Aleuten)

514x543 cm

ohne Kielsprung,

V-Boden;

gefirstets Oberdeck;

Aleuten-Vorsteven;

ca. 28 kg Steinballast nötig;

5. Kodiak

(Pazifik / östl. der Aleuten)

(mit Stechpaddel)

435x65 cm

(Sitzluke: 60x40 cm)

ohne Kielsprung;

V-Boden;

Aleuten-Vorsteven;

6. Nunviak Island / Hooper-Bay-Kajak

(Bering-See)

(mit Stechpaddel)

(notfalls für 2 Personen)

460x78 cm

(Sitzluke: Ø 63 cm)

ohne Kielsprung;

flacher Boden (U-Form);

Aleuten-Vorsteven;

(leichte Handhabung bei schwerer See!)

7. Norton Sound

(Bering-See)

(mit Stechpaddel)

(notfalls für 2 Personen)

523x72 cm

(Sitzluke: 60x67 cm)

flacher Boden (U-Form)

Aleuten-Vorsteven;

8. King Island

(Beringstraße)

(Norton Sound bis Kotzebue Sound)

(notfalls für 2 Personen)

(mit Stechpaddel)

450x67 cm

(Sitzluke: 65x60 cm)

Bug überhängend

gefirstetes Deck

9. Nord-Alaska

(Kotztebue Sound bis Point Barrow)

525x48 cm

negativer Kielsprung;

flacher Boden (U-Form);

überhängender Bug/Heck;

flaches Deck,

aufgestellter Süllrand (22°)

10. Retrieval-Kajak / Qayapaurak

(Nord-Alaska / Point Hope)

292x60 cm

mit Kielsprung

11. Mackenzie-Delta

501x48 cm

geringer Kielsprung;

Rund-Spant;

Bug/Heck „gehörnt“

12. Coronation Gulf

(Coppermine River)

575x47 cm

negativer Kielsprung;

Bug/Heck etwas überhängend;

aufgestellter Süllrand (30°)

13. Nord-West-Labrador

665x50 cm

kein Kielsprung;

Bug stark überhängend (mit einem „Stevenausfall“ von 145 cm)

14. Nord-Labrador-Kajak (Hudson-Street)

732-792x59 cm

(Sitzluke: 57x54 cm)

kein Kielsprung;

Bug stark überhängend (ca. 150 cm)

15. Süd-Baffin-Island

686x63.5 cm

etwas Kielsprung;

flacher Boden;

Bug überhängend (S-Form)

16. Variante von 14./15.

655x65 cm

(Sitzluke: 60x43 cm)

kein Kielsprung;

Bug stark überhängend

17. Polar-Grönland

490x56 cm

(Sitzluke: 50x43 cm)

etwas Kielsprung;

Bug überhängend (S-Form);

17a. Nord-West-Grönland

wie Nr. 17

zusätzlich mit V-Boden

18. Süd-West-Grönland

503x51 cm

etwas Kielsprung;

V-Boden;

Bug/Heck überhängend

(hochgezogene Steven)

19. Süd-Grönland

(Frederiksdal)

530x52 cm

etwas Kielsprung;

flacher Boden;

Bug/Heck lang überhängend;

Zusammenfassung aus: J.Kreyser: Arktische Fellboote von Sibirien bis Grönland (2003) (Eigenverlag)

 

Lediglich eines dieser Kajaks, nämlich das aus Süd-West-Grönland (Nr. 18) mit den hochgezogenen Steven an Bug und Heck, entspricht diesem „Schönheitsideal“. Es ist Vorbild für das typische britische Seekajak, aber auch Lettmann kopierte auf Anregung von W.Half diesen Kajak-Typ.

 

Dabei sind die Kajaks mit den „Aleuten-Vorsteven“ (Nr. 3-6, bedingt Nr. 7) nicht minder beeindruckend, jedoch werden solche Kajaks derzeit nicht in Serienproduktion erstellt.

 

Ebenfalls erscheinen auch die diversen Labrador-Kajaks mit ihren weit überhängenden Bug (ausfallender, aber nicht hochgezogener Bugsteven) als recht imposant. Eine Zeit lang hatte der kanadische Kajakhersteller Necky sich von Designelementen dieses Kajak-Typs inspirieren lassen (z.B. Looksha II).

 

Auf das Stilelement des aufgestellten Süllrandes (Nr. 9 u. Nr. 12) hat der britische Kajakhersteller Rockpool zurückgegriffen und es bei seinem Seekajak Alaw umgesetzt, jedoch nicht bei einer 60er, sondern 90er Sitzluke.

 

Übrigens, das „gehörnte“ Kajak vom Mackenzie-Delta (Nr. 11) diente wohl als Designmuster für den von Nigel Dennis entwickelten „Greenlander“. Die „Hörner“ trugen im Wesentlich dazu dabei, das Kajak leichter durch das schlammig Delta zu ziehen. Insofern ist es wohl auch hervorragend an die Bedingungen des trockengefallenen Wattenmeers angepasst!?

 

Text: U.Beier – www.kanu.de/kueste/

Link: www.epicpaddles.com/news/details.aspx?nid=685&id=3058&tImg=3761