15.01.2007 Paddlefloat-Halterung (Ausrüstung)

 

Die Bedeutung des Paddlefloat ist zwiespältig zu beurteilen; denn theoretisch stellt es eine weitere Wiedereinstiegshilfe ein, aber praktisch treten bei seinem Einsatz unter realen Kenterbedingungen so viele Handhabungsprobleme auf, dass nur sein:

 

  • unkonventioneller Einsatz, nämlich als „Reentry-and-Paddlefloat-Roll“, erfolgsversprechend ist, d.h. nach einer Kenterung

(a)   wird nach missglückter Rolle

(b)   ausgestiegen;

(c)   das Paddlefloat, welches auf Deck bzw. in der Sitzluke griffbereit verstaut werden sollte, hervorgekramt;

(d)   halb aufgeblasen, ohne dass wir den Griffhalt zu unserem Seekajak verlieren;

(e)   aufs Paddelblatt gesteckt, ohne unser Seekajak davon treibt;

(f)     und voll aufgeblasen;

(g)   dann nehmen wir samt Paddel Position entweder für den Unterwasserwiedereinstieg (bei 180°-Anwinklung des Seekajaks, d.h. das Seekajak schwimmt in Kenterlage – Sitzluke nach unten – auf dem Wasser) oder für den „Schwimmeinstieg“ (seitlicher Einstieg bei 90°-Anwinklung des Seekajaks) ein;

(h)   steigen ein;

(i)      bringen das Paddel in Stellung;

(j)      Rollen mit dem Paddel hoch, wobei das Paddlefloat für den entsprechend Auftrieb sorgt und verhindert, dass das Paddelblatt zu schnell nach unten gezogen wird (was jedoch nur gelingt, wenn einem zumindest bei Ententeichbedingungen die Rolle vorbereitet gelingt).

 

Nun folgt die letzte kritische Phase, die unweigerlich jedem Paddlefloat-Wiedereinstieg folgt und nur dann ohne weitere Probleme ablaufen kann, wenn einem ein Mitpaddler dabei unterstützen kann („Päckchenbildung“):

 

(k)    Wir sitzen nun in unserem Seekajak und paddeln „stützenderweise“ mit dem Paddlefloat am Paddelblatt so lange, bis der Moment eintritt, wo es der Seegang erlaubt, ohne Kentergefahr die Hände vom Paddel zu nehmen, um die Spritzdecke zu schließen;

(l)      dann versuchen wir, die Spritzdecke zu schließen, ohne dabei zu kentern;

(m) anschließend warten wir wiederum auf den Seegang, der es erlaubt, das Paddlefloat ohne Kentergefahr vom Paddelblatt zu nehmen und griffbereit zu verstauen;

(n)   lassen die Luft aus dem Paddlefloat, rollen es zusammen und verstauen es irgendwo so auf Deck (oder im Spritzdeckenschacht?), dass es griffbereit bleibt und nicht vom Seegang heruntergespült werden kann (übrigens, in der Sitzluke können wir das Paddlefloat nicht mehr verstauen, da ja die Spritzdecke schon geschlossen ist;

(o)   und paddeln weiter.

 

Weniger erfolgversprechend scheint mir dagegen der

 

  • konventionelle Einsatz, nämlich als „Paddlefloat-Outrigger-Reentry“, d.h. nach einer Kenterung

gehen wir erst einmal vor, wie bei (a) bis (f) beschrieben wurde; dann folgen die folgenden Schritte:

(g)   (für den Fall, dass sehr geschickt sind): Wir steigen seitlich („Parallel-Wiedereinstieg“) oder per „Cowboy-Wiedereinstieg“ (möglich, sofern auf dem Achterdeck kein Gepäck verstaut ist und unsere Spritzdeck nicht über einen zu langen Schacht verfügt, was nämlich dazu führen könnte, irgendwo auf dem Achterdeck mit der Spritzdeck hängen zu bleiben) von hinten in die Sitzluke, wobei die ganze Zeit das Paddel mit Float als Ausleger (Outrigger) benutzt wird, der verhindern soll, dass wir bei der Wiedereinstiegsaktion erneut kentern;

oder:

(h)   (für den Fall, dass wir nicht geschickt sind): Wir fixieren das Paddel hinter der Sitzluke auf dem Achterdeck, und zwar so, dass es im 90°-Winkel vom Seekajak absteht und krabbeln von der Sitzluke aufs Achterdeck und rutschen dann mit den Beinen zu erst in die Sitzluke und setzen uns dann auf unseren Sitz (hoffentlich sitzen wir dann nicht auf dem Schacht unserer Spritzdecke!);

(i)      dann schließen wir die Spritzdecke;

(j)      lösen das Paddel aus der Halterung;

 

und folgen den oben beschriebenen Schritten (k), (m) bis (o).

 

Damit beim konventionellen Paddlefloat-Einsatz die Fixierung des Paddels am Seekajak (hier: Schritt (h)) möglichst leicht erfolgen kann, bieten die folgenden Seekajakhersteller bzw. Kanuhändler Zusatzausrüstungen an, z.B.

 

  • Der finnische Hersteller KAJAK SPORT bietet zwei Halterungen an, die hinter der Sitzluke auf dem Achterdeck verschraubt werden. Auf diesen Halterungen kann der Schaft eines Paddels so befestigt werden, dass das Paddel als Ausleger einsetzbar ist. (Vorteil: sehr feste Fixierung des Auslegers (Paddels); Nachteil: geringere Hebelwirkung, da das Paddlefloat nicht so weit vom Seekajak entfernt liegt)

 

  • Der deutsche Händler HELMI-SPORT bietet eine „Paddelfloattasche“ an (= ein Stück Planenstoff), welche in zwei auf dem Achterdeck befestigte quer laufende Gummis/Leinen eingefädelt wird. Vor dem Wiedereinstieg wird dann das Paddelblatt, auf dem das Paddlefloat nicht befestigt ist, unter diesen Stoff geschoben. (Vorteil: maximale Hebelwirkung, da das Paddlefloat sehr weit vom Seekajak entfernt liegt; Nachteil: u. U. nicht so fest fixierter Ausleger).

 

Bezug:

HELMI SPORT KATALOG 2007, S.11 – www.helmi-sport.de

KAJAK SPORT – www.kajaksport.com/eng/turvavarusteet_pelastusosat.html

Literatur zum Thema „Paddlefloat“:

Falconeri,M. (Urband Eskimo Kayaking):

Paddlefloat Rescue: è www.uekayaking.com/pfrescue.htm

Kayak Current Adventure (Ed.):

Paddlefloat Re-Entry: è www.kayaking.com/tips/tips-paddle-float.htm

Atlantic Kayak Tours (Ed.):

Paddle Float Self-recovery: è www.atlantickayaktours.com/pages/ExpertCenter/rescue-skills/Rescue-Skills-5.shtml