02.01.2008 Vorsicht Nicosignal: „Rohrkrepierer“ (Ausrüstung)

 

Alle Jahre wieder wird es getan, obwohl es nach herrschender Meinung nicht rechtens ist, auch wenn es während der offiziellen „Knallzeit“ kurz vor und nach Silvester-Mitternacht passiert: Der Schuss einer roten Signalkugel aus dem „Nicosignal“.

 

Auch dieses Jahr berichteten mir wieder mehrere Küstenkanuwanderer von ihren Erfahrungen, die sie mit dem Nicosignal dabei gemacht haben:

 

 

Erstmalig wurde mir gemeldet:

 

 

Das ist in der Tat für mich neu. Bislang kannte ich etwas Ähnliches nur von den großen Fallschirmsignalraketen der Firma Comet: Die Signalkugel konnte dort nach Auslösung der Treibladung nicht sofort aus dem Rohr geschossen werden, was dazu führte, dass das Feuer der Treibladung am unteren Teil der Raketenhalterung austrat und – sofern die Rakete nicht sofort weggeworfen wurde - die Hand desjenigen verbrannte, der das Notsignal auslösen wollte.

 

Drei solcher Fälle sind mir bekannt:

 

 

Die Gründe für solch „Unregelmäßigkeiten“ sind mir nicht bekannt. Vermutlich sind sie darin zu suchen, dass wir Küstenkanuwanderer die Fallschirmsignalraketen nicht ordnungsgemäß trocken lagern können, mit der Folge, dass die Raketen im Inneren anfangen zu korrodieren, was den Abschuss der Signalkugel nach Zündung des Treibsatzes erschwert und bei fortgeschrittener Korrosion u.U. unmöglich macht.

 

Nun wird Vergleichbares vom Nicosignal berichtet. Ich vermute, dass auch hier die einsetzende Korrosion der Munition zu diesem „Rohrkrepierer“ führte. Dafür spricht der Tatbestand, dass die explodierte Patrone das Verfallsdatum „11/04“ (= Nov. oder 11. Woche 2004) trug, d.h. schon seit 3 Jahren abgelaufen war. Die Korrosion hatte also Zeit genug, sich langsam auszubreiten.

 

Was für Konsequenzen sollten wir aus diesem Vorfall ableiten?

 

  1. Das Nicosignal ist kein „Schreckschussrevolver“, sondern ein Seenotsignalmittel, das während des Küstenkanuwanderns ständig dem Salzwasser ausgesetzt ist. Bei der Fertigung der Munition können niemals Mängel 100%ig ausgeschlossen werden. Deshalb sollten wir ein Nicosignal wirklich nur im Falle der Not auslösen; denn das Risiko eines „Rohrkrepierers“ ist nie ganz auszuschließen. Es lohnt sich wirklich nicht, wegen eines ca. 8-Sekunden andauerndes „Aha-Erlebnis anlässlich der Silvesterknallerei seine Gesundheit zu gefährden.
  2. Wir sollten – wenn schon, denn schon – die Munition nur innerhalb der vorgegebenen Haltbarkeitszeit (ist auf die Unterseite der Patrone gedruckt) verschießen. Abgelaufene Signalpatronen sollten wir beim Ersatzkauf dem Händler zur Entsorgung übergeben, auch wenn das kostenpflichtig ist.
  3. Außerdem sollten wir wenigstens einmal zu Beginn der Saison die Nicosignal-Patronen auf Beschädigungen anschauen. Z.B. könnte das Rohr, in welchem der Treibsatz mit der Signalkugel steckt, im Mündungsbereich etwas eingedrückt sein.
  4. Schließlich sollten all diejenigen, die beim 6-schüssigen Nicosignal-Magazin intakte rote Signalpatronen durch weiße Signalpatronen austauschen (z.B. um die Option zu haben, im Falle der Kollisionsgefahr auch mal Weiß schießen zu können), beim Herauslösen der roten Signalpatrone äußerst vorsichtig vorgehen, damit diese Patrone, die vielleicht einmal später wieder ins Magazin gesteckt wird, unter keinen Umständen beschädigt wird.

 

Wer keine Konsequenzen ziehen möchte, dem sollte jedoch auch noch Folgendes bewusst gemacht werden: Abgelaufene, d.h. überlagerte, oder falsch gelagerte Seenotsignalkugeln können nach einem Abschuss u.U. auch dann noch brennen, wenn sie den Erdboden erreicht haben, sei es, dass der Treibsatz nicht mehr die Kraft hat, die Signalkugel auf die nötige Höhe zu schießen, bzw. dass die Signalkugel schwächer und damit langsamer und folglich länger brennt. Brandschäden sind dann nicht mehr auszuschließen … und eine Klage auf Schadensersatz auch nicht!

 

Text: U.Beier – www.kanu.de/kueste/