12.06.2008 Paddeljacken (Ausrüstung)

 

In KANU MAGAZIN stellt N.Erdmann in dem Beitrag:

 

„Guter Stoff“

 

9 Paddeljacken vor und bewertet sie, und zwar bzgl. Wasserdichtigkeit, Atmungsaktivität, Ausstattung und Handling. Maximal gab es jeweils 5 Sterne. Bei der Wasserdichtigkeit erhielten alle Jacken „5 Sterne“.

 

 

Die Dichtigkeitsprüfung fand u.a. im Labor statt, und zwar wurde dort getestet, welchen Wasserdruck der Jackenstoff aushält. Ab 1.300 mm Wassersäule soll eine Jacke wasserdicht sein. KANU MAGAZIN testete bis 2.000 mm Wassersäule. Ob das aussagekräftig genug ist, mag jeder selber beurteilen. Immerhin gibt es doch Jacken, die bis zu 10.000 mm, vereinzelt sogar bis 20.000 mm Wassersäule aushalten. Es wäre daher schon interessant gewesen zu erfahren, wo bei den einzelnen Jacken die exakte „Säulenobergrenze“ liegt.

 

Die Atmungsaktivität wurde mit Hilfe des „MVTR-Tests“ (= Moisture Vapor Transfer Rate-Test) bestimmt, d.h. es wurde ermittelt, wie viel Wasserdampf ein Quadratmeter Stoff in 24 Std. durchlassen kann (Gramm/qm/24 h). Hier traten bei den Jacken große Unterschiede auf. 2 Jacken erhielten nur 1 Stern, 1 Jacke dafür 5 Sterne. Auch hier wäre es interessant gewesen, neben der Bewertung auch die konkreten Messwerte zu erfahren. KANU MAGAZIN weist dabei zu Recht hin, dass die Atmungsaktivität bzw. die Schwitzwasserbeseitigung von Folgendem bestimmt wird:

 

  1. von der Imprägnierung des Stoffes; denn wenn das Wasser auf dem Stoff nicht mehr abperlt, hindert der Wasserfilm daran, dass der Stoff „atmen“ kann;
  2. davon was über atmungsaktiven Jacke getragen wird; d.h. Schwimmwesten und Spritzdecken verhindern, dass der darunter liegende Stoff „atmen“ kann;
  3. davon was unter der atmungsaktiven Jacke getragen wird; d.h. nur Funktions(unter)wäsche ist in der Lage, wirksam die Feuchtigkeit Richtung atmungsaktivem Stoff zu transportieren, sodass die „gefühlte“ Feuchtigkeit einem geringer erscheint.

 

Der einzige kritische „Wermutstropfen“ an diesem Test ist eigentlich jener, dass diese beiden Tests im „Prüflabor des Membranhersteller W.L.Gore & Associates GmbH“ durchgeführt wurden. Sicherlich ist an der Sachkunde eines solchen Labors nicht zu zweifeln. Ob es aber auch ein Garant für 100%ig Objektivität und Neutralität ist, darauf würde ich nicht mein Seekajak verwetten.

 

Inwiefern eine solche Paddeljacke für das Küstenkanuwandern überhaupt geeignet ist, darüber gibt es sicherlich sehr unterschiedliche Meinungen. Ich setze hier auf den „atmungsaktiven“ Trockenanzug, den ich im Winter immer und im Sommer auf der Nordsee fast immer anziehe, insbesondere jedoch dann, wenn es windet & wellt bzw. keine Sonne scheint. Bei Ententeichbedingungen packe ich ihn jedoch unter Deck und trage stattdessen eine leichte, atmungsaktive Regenjacke:

 

 

Quelle: KANU MAGAZIN, Nr. 4/08, S.100-105 – www.kanumagazin.de