17.08.2008 Integrierte Steueranlagen (USA) (Ausrüstung)

 

Freya Hoffmeister stellt auf ihrer Homepage eine neue Variante einer im Heck integrierten Steueranlage vor:

 

http://qajaqunderground.com/2008/08/14/epics-new-rudder-prototype/

 

Bei dem Steuer handelt es sich noch um einen Prototyp, der Anfang 2009 in den EPIC-KAYAKS der X-Serie (hier: 16X und 18X) eingebaut werden soll.

 

Integrierte Steueranlagen sind bei deutschen Seekajaks, und zwar jenen von LETTMANN und PIETSCH & HANSEN, weit verbreitet. Sie bieten den großen Vorteil, dass:

 

(1) das Steuerblatt bei Flachwasserbedingungen ins Unterwasserschiff eingezogen werden kann und auf diese Weise eine Beschädigung des Steuerblatts bzw. der Steuerblatthalterung verhindert wird;

 

(2) das Steuerblatt nicht – wie bei „Flip-off-Steueranlagen“ (Heckumklappsteuer) - aufs Achterdeck geklappt bzw. gezogen werden muss, was unweigerlich zu einer Erhöhung der Luvgierigkeit eines Seekajaks führt;

 

(3) das Steuerblatt inkl. seiner Halterung wegen der effizienten Position am Unterwasserschiff wesentlich kleiner und schon dadurch wesentlich stabiler sind als die Steuerblätter und –halterungen der vielen Varianten von „Flip-off-Steueranlagen“.

 

Pietsch & Hansen-Seekajaks:

 

Die Seekajaks von PIETSCH, später: PIETSCH & HANSEN, waren die ersten, bei denen das Steuerblatt völlig ins Achterschiff eingezogen werden konnte:

 

  • Oland“ (530x55 cm / ca. 320 Liter Volumen)
  • „Amrum“ (532x54 cm / 330 Liter Volumen)
  • “Habel III” (530x60 cm / ca. 360 Liter Volumen)
  • „Habel IV) (546x58 cm / 340 Liter Volumen)
  • „Hooge“ (Zweier) (658x63 cm / 560 Liter Volumen)

è www.tourenkajak.de

 

Vorteilhaft bei dieser von Jürgen Pietsch entwickelten Anlage ist, dass:

 

(a) das Steuerblatt ca. 60 cm vor dem Heckende ins Wasser ragt, sodass bei Seegang das Steuerblatt seltener aus dem Wasser gehoben werden kann;

 

(b) der Schlitz, in den das Steuerblatt gezogen wird, etwas breiter ist, was die Gefahr, dass Steine bzw. Schlick zum Verklemmen des Steuerblattes führen kann, nicht so groß ist;

 

(c) das Steuerblatt auch nur halb hineingezogen werden kann (sog. „Flossenstellung“), was bei ruhigem Seegang das Paddeln mit geringerem Wasserwiderstand ermöglicht.

 

Nachteilig ist Folgendes zu beurteilen:

 

(a) An einem Draht wird das Steuerblatt hochgezogen. Die Arretierung des Drahtes seitlich vor dem Süllrand verhindert jedoch nicht das versehentlich Lösen des Drahtes, was z.B. kritisch ist, wenn anschließend beim Starten das Seekajak rückwärts ins Wasser geschoben wird. Dann kann sich nämlich die ansonsten sehr stabile Steuerblattbefestigung verbiegen.

 

(b) Ebenfalls kann – sofern das Steuerblatt nicht auf Flossenstellung bzw. voll eingezogen ist - bei plötzlicher Bodenberührung entweder das Steuerblatt bzw. das achterliche Unterwasserschiff beschädigt werden. Deshalb empfiehlt es sich, insbesondere bei Fahrten in der Brandung vorsichtshalber das Steuerblatt auf Flossenstellung hochzuziehen.

 

Lettmann-Seekajaks:

 

Die „teueren“ „Expedition“-Ausführungen der Seekajaks von LETTMANN sind ebenfalls mit einer integrierten Steueranlage ausgerüstet.

 

  • „Godthab XL“ (530x55 cm / ca. 300 Liter – 316 Liter (?) Volumen)
  • Polar“ (530x55 cm / ca. 315 Liter – 330 Liter (?) Volumen)
  • „Hanseat“ (515x58 cm / ca. 350 Liter Volumen)
  • „Nordstern“ (555x58 cm / ca. 360 Liter – 425 Liter (?) Volumen)
  • “Sea Tour” (480x62 cm / 400 Liter Volumen)
  • “Explorer KI” (500x66 cm / 455 Liter Volumen)
  • “Pacific” (Zweier) (590x69 cm / 670 Liter Volumen)

è www.lettmann.de

 

Mit Ausnahme des Bootsmodell „Polar“ (hier ist das Steuerblatt ca. 60 cm unter dem Achterschiff so integriert, sodass es zugleich auch als verstellbares Skeg verwendet werden kann!!) ist das Steuerblatt ins Heckende eingebaut, was folgende Nachteile hat:

 

(a) Bei Seegang kann das Steuerblatt etwas länger aus dem Wasser herausragen als das Pietsch-Modell. Die Wirksamkeit des Steuerblatts ist dadurch etwas eingeschränkt.

 

(b) Da das Heckende sehr schmal ist, fällt auch der Schlitz, in den das Steuerblatt eingezogen wird, sehr eng aus, sodass ab und an das Steuerblatt nach dem Start nur nach etwas Wackelei bzw. nur mit Kameradenhilfe heruntergelassen werden kann, da kleine Steinchen, Sand bzw. Schlick das Blatt verklemmen lassen.

 

(c) Bei Grundberührungsgefahr ist auch dieses Steuerblatt einzuziehen, um eine Beschädigung zu verhindern.

 

Übrigens, diese integrierten Steueranlagen sind nicht mit den unter dem Heck angebrachten Flossensteueranlagen zu verwechseln, die nicht brandungstüchtig sind, da sie z.B. beim Starten bzw. Anlanden durch die Brandung bei Grundberührung sehr leicht beschädigt werden können.

 

Kajak-Sport-Seekajaks (Finnland):

 

Der Seekajakhersteller KAJAK-SPORT hat angefangen, seine Kajaks mit einer Art Flossensteueranlage auszustatten, wobei die Flosse ins hintere Teil des Hecks eingearbeitet ist, und zwar so dass die unter Hälfte des Heckendes von der Flosse ausgefüllt wird.

 

  • „Marlin Active“ (520x56 cm / 400 Liter Volumen“
  • “Unalaska Active” (Zweier) (604x65 cm / 685 Liter Volumen)

è www.kajaksport.com

è www.kajaksport.com/eng/activ_perasin.html

 

Die Flosse besteht aus formbeständigem, aber biegsamen Weichplastik, wobei die Flosse selber über die tiefste Stelle des Bootsrumpfes ins Wasser hinein ragt.

 

Vorteilhaft an dieser Steueranlage ist, dass das Material der Flosse praktisch „unkaputtbar“ ist. Deshalb braucht die Flosse auch nicht bei Grundberührungsgefahr eingezogen zu werden.

 

Als nachteilig ist anzusehen, dass:

 

(1) das Steuerblatt den „Robbenstart“, d.h. das Starten mit Grundberührung, erschwert, da das Steuerblatt sich regelrecht z.B. im Sand, Watt oder Kies festhaken kann;

 

(2) jener Teil des Steuerblatts, welches unter Wasser liegt, von der Fläche her etwas klein geraten ist, sodass gerade bei achterlichen Kursen (Surfen) das Steuerblatt nicht immer die Steuerwirkung zeigt, die erforderlich ist, um das Kajak am Ausbrechen zu hindern. Natürlich könnte das Steuerblatt vergrößert werden, was aber den „Robbenstart“ noch schwerer machen würde.

 

Epic-Kayaks (USA):

 

EPIC-KAYAKS hat wohl die Idee der Finnen aufgegriffen, verwendet aber bei seinem mit dem Heck eine Einheit bildenden Steuerblatt kein Weichplastik. Vielmehr sieht es so aus, als ob EPIC-KAYAKS aus dem Heckende ein Stück herausgeschnitten und zum Steuerblatt ausgeformt hat.

 

  • „16x“ (488x58 cm / ca. 330 Liter Volumen)
  • „18x“ (549x56 cm / ca. 390 Liter Volumen)

è www.epickayaks.com

 

Anscheinend ist die Steuerwirkung dieses Steuerblatts nicht effizient genug, sodass derzeit EPIC-KAYAKS an einer Verbesserung arbeitet, die Freya Hoffmeister auf ihrer Homepage vorstellt:

 

è http://qajaqunderground.com/2008/08/14/epics-new-rudder-prototype/

 

Bei dem Prototyp wird versucht, in das Steuerblatt noch eine Art verstellbares Skeg zu integrieren, sodass das Steuerblatt tiefer ins Wasser ragt und seine Steuerwirkung besser entfalten kann.

 

Ein Vorteil dieser Steueranlage ist, dass mit dem Steuer auch noch im Flachwasserbereich mit Grundberührungsgefahr gepaddelt werden kann (lediglich das Skeg ist vorher einzuziehen).

 

Von Nachteil wird wahrscheinlich die Gefahr sein, dass beim Starten durch die Brandung das Steuerblatt beschädigt werden kann, und zwar insbesondere dann, wenn bei hoher Brandung die Brecher einen rückwärts zurück an den Strand schleudern (surfen) und dabei das Kajak kerzen lassen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das Steuerblatt, auch wenn es – wie geplant – vorher fest arretiert wird, solch einer Grundberührung standhält.

 

Insofern frage ich mich, ob Freya Hoffmeister, die im nächsten Jahr Australien umrunden möchte, gut beraten ist, das mit einem überarbeiteten „18x“-Modell zu versuchen!?

 

Text: U.Beier