20.11.2008 Winterzeit = Trockenanzugszeit!? (Ausrüstung)

 

Mit Hilfe eines Trockenanzuges können sich Küstenkanuwanderinnen und -wanderer unterwegs auf dem Meer - aber auch an Land vor dem Start, während der Pausen und nach der Ankunft – vor:

 

 

Deshalb sieht man wohl in unseren Breiten immer häufiger Kanuten, die einen Trockenanzug tragen.

 

Spätestens jetzt, wo die Wassertemperaturen allmählich unter +10°C fallen und der Wetterbericht die ersten Schneeschauer vorhersagt, sollten auch die anderen Kanuten, die bislang auf das Tragen eines Trockenanzuges verzichtet haben, in Erwägung ziehen, sich so’n Ding anzuschaffen und zu tragen. Denn all die Argumente, die gegen das Tragen eines Trockenanzugs sprechen und die in der Sommerzeit durchaus vertretbar sind, zählen jetzt in der Winterzeit nicht mehr.

 

Untersuchungsergebnisse zeigen, dass bei winterlichen Temperaturen eine Kenterung mit anschließendem Ausstieg deutlich weniger kritisch ist, wenn ein Trockenanzug getragen wird:

 

1.       Ein Trockenanzug vermindert das Risiko, gleich nach einer Kenterung einen „Kälteschock“ zu erleiden (hier: Kälteschmerz; Atemnot, unkontrolliertes tiefes Luftholen, Hyperventilation/Hecheln; Verlust des Gleichgewichtsgefühls).

2.       Ein Trockenanzug trägt nach einer Kenterung mit Ausstieg zur Verlängerung der Handlungsfähigkeit bei, wobei davon auszugehen ist, dass z.B. bei +5°C Wassertemperatur die Nutzzeit bei ca. 5 Minuten liegt, sofern keine Kälteschutzbekleidung getragen wird.

3.       Ein Trockenanzug trägt nach einer Kenterung mit Ausstieg dazu bei, dass wir nicht so schnell unterkühlen. Bei +5°C Wassertemperatur liegt die Zeit, bis die Bewusstlosigkeit eintritt, bei einem Nackten bei 0:25-0:35 Std.; bei einem Normalbekleideten bei 1:00-1:25 Std.; bei einem Neoanzugträger (5mm) bei 2:25-2:50 Std. und bei einen Trockenanzugträger bei mindestens 5 Std.

 

Für den, der sich trotz solcher Daten nicht davon abschrecken lässt, in der Winterzeit auf Großgewässer hinaus zu paddeln, der aber einsieht, dass bei den dann herrschenden Wassertemperaturen ein Trockenanzug genauso zum Paddeln gehört wie u.a. auch ein doppelt abgeschottetes Kajak, dem möchte ich auf den folgenden Beitrag verweisen:

 

Trockenanzüge: Ein Muss fürs Küstenkanuwandern?

Kauf-, Trage- und Pflegeempfehlungen

 

der von der DKV-Homepage downgeloadet werden kann:

 

www.kanu.de/nuke/downloads/Trockenanzug.pdf

 

Dabei sollte ihm bewusst sein, dass ein Trockenanzug unbedingt bequem zu sein hat; denn nur dann besteht die Chance, dass er ihn im Ernstfall auch wirklich trägt!

 

Und wenn er ihn nun beim Paddeln trägt, dann sollte er natürlich unter dem Anzug genügend warme Unterbekleidung (möglichst aus Fleece) tragen; denn der Trockenanzug hält nur trocken und schützt vor dem Wind, erst die Unterbekleidung sorgt für die nötige Wärme.

 

Schließlich sollte ihm auch bewusst sein, dass der Kälteschutz noch weiter gesteigert werden kann. Zu denken ist hier z.B. an den nötigen:

 

 

Es hängt nun vom einzelnen Kanuten ab, für welche „Kälteschutzaufrüstungsvariante“ er sich entscheidet, wenn er während der Winterzeit paddeln geht. Bei seiner Entscheidung sollte er die folgenden Faktoren berücksichtigen:

 

  1. Gewässerart (paddle ich im Zahm-, WW-, Salzwasser?);
  2. Gewässerschwierigkeitsgrad (allgemeines Kenterrisiko) (bei welchen Gewässerbedingungen paddle ich, z.B. ab WW II bzw. ab Küste II (ab 4 Bft. Wind)?);
  3. Ausrüstung (paddle ich in einem kippligen Rennboot oder einem doppelt abgeschotteten Seekajak?);
  4. Paddelfähigkeiten (beherrsche ich die Paddelstütze?);
  5. Rettungsmöglichkeiten (beherrsche ich die Rolle, auch wenn ich unvorbereitet im kalten Wasser kentere, bzw. kann ich mich auf meine Mitpaddler verlassen, dass die mich nach einer Kenterung wieder schnell genug zurück in mein Kajak bekommen?)

 

Last, not least müssen wir natürlich gesundheitlich fit sein, wenn wir bei Kaltwasserbedingungen paddeln gehen. Denn wenn wir nicht fit sind, können wir uns nicht darauf verlassen, dass wir dieses Manko mit einem Trockenanzug & Co. kompensieren können.

 

Text: U.Beier