27.11.2008 Die richtige Paddellänge? (Ausrüstung)

 

In OCEAN PADDLER geht Nigel Dennis in dem Beitrag:

 

„The Most Important Stroke in Sea Kayaking: The Forward Stroke“

 

u.a. auch auf die Länge eines Paddels, die Dicke des Schaftes und die Blattgröße ein.

 

Folgende Maße schlägt er in Abhängigkeit von der Körpergröße vor, wobei zu berücksichtigen ist, dass er sich dabei auf Paddel der Firma Lendal bezieht. Trotzdem meine ich, dass es sich bei Nigel Dennis Empfehlungen um diskutable Größenangaben handelt.

 

Körpergröße è Paddellänge / Paddelschaftdurchmesser / Paddelblattgröße:

 

Körpergröße: 185 cm è 217-222 cm zu 29,3 – 32 mm Ø mit großen Paddelblatt;

Körpergröße: 180 cm è 214-219 cm zu 29,3-30 mm Ø mit mittlerem bis großem Paddelblatt;

Körpergröße: 175 cm è 210-216 cm zu 29,3-30 mm Ø mit mittlerem bis großem Paddelblatt;

Körpergröße: 170 cm è 208-215 cm zu 29,3-30 mm Ø mit mittlerem Paddelblatt;

Körpergröße: 165 cm è 207-214 cm zu 27 – 30 mm Ø mit kleinem bis mittlerem Paddelblatt;

Körpergröße: 160 cm è 203-212 cm zu 27 mm Ø mit kleinem bis mittlerem Paddelblatt;

Körpergröße: 155 cm è 190-210 cm zu 27 mm  mit kleinem Paddelblatt.

 

Diese Empfehlungen gelten für Küstenkanuwanderinnen und –wanderer und dienen einer ersten Orientierung. Sie gelten nicht für erfahrene Kanuten, die mit ihrem Paddel gut zurechtkommen.

 

Übrigens, wir können uns an fast alles gewöhnen und neigen gern dazu, das weiter zu empfehlen, an was wir uns gewöhnt haben. Das gilt nicht nur für Seekajaks, sondern natürlich auch für viele andere Ausrüstungsgegenstände und somit auch für Paddel. Ich selber habe es einmal erlebt, dass ich nach einer 2-wöchigen Paddelei mit einem „unendlich“ langen Paddel (ca. 230 cm bei 170 cm Körpergröße) mich so an diese lange Latte gewöhnt hatte, dass mir anfänglich zuhause das Paddeln mit meinem ca. 218 cm langen Paddel ziemlich schwer fiel. Insofern reicht es nicht, mit einem Paddel nur mal eine Stunde zu paddeln. Die Probefahrt sollte schon etwas länger, mindestens 2 Tage dauern, bei unterschiedlichen Gewässerbedingungen stattfinden, und zwar in Begleitung von Kameraden, mit denen wir sonst auch zusammen paddeln.

 

Gerade der letzte Punkt sollte nicht vernachlässigt werden. Kaufen wir uns doch ein Paddel, um nicht langsamer zu paddeln, sondern zumindest mit den Kameraden mithalten zu können. Einst als ich mal konditionell besonders schlecht drauf war, paddelte ich mit ein paar Dänen und Deutschen rund die dänische Insel Samsö. In den Händen hielt ich ein 220 cm Paddel mit großen Paddelblatt. Als ich eine Zwischenetappe mit über einer halben Stunde Rückstand beendete, reichte mir ein mitfühlender Kanute sein Reservepaddel - ein kurzes Paddel mit kleinem Paddelblatt -, damit mir die Schlussetappe nicht so schwer fiel. Das Paddel lag leicht in der Hand, die beiden Paddelblätter führte ich fast widerstandslos durchs Wasser. Fantastisch …. das Paddeln fiel mir gar nicht mehr schwer! Das Dumme war nur, dass ich jetzt noch langsamer unterwegs war. Ich kam mir vor, als ob ich mit einem Fahrrad mit 8-Gangschaltung unterwegs war, bei dem ich auf gerader Strecke vom 6. auf den 1. Gang herunter geschaltet hatte, die Kameraden aber im 6. Gang weiter radelten. Okay, beim Fahrrad kann ich ruck-zuck wieder hochschalten. Beim Paddeln ist das nicht so leicht. Mit meinem Reservepaddel steht mir nur ein „zweiter Gang“ zur Verfügung.

 

Eine Lösung liefert mir hier nur ein Paddel mit einem in der Länge verstellbaren Paddelschaft. Z.B. lassen sich Lendal-Paddel um 5 cm in der Länge verstellen, Prijon-Paddel um 10 cm. Wer sich folglich zu seinem Hauptpaddel ein bis auf die Länge identisches Reservepaddel kauft, hätte auf diese Weise die Möglichkeit, einen Paddel auszuwählen, welches von der Länge her um 10 – 20 cm variieren kann. Eigentlich müssten wir bei einer solchen Längenvariation die Länge finden, die für uns ideal ist.

 

Leider gibt es noch keine verstellbaren Paddelblätter … aber wer zwingt uns eigentlich, wenn uns die Kraft dazu mal fehlt, unser Paddelblatt beim Vorwärtsschlag stets voll einzutauchen?

 

Text: .U.Beier

Quelle: OCEAN PADDLER, Nr. 12/08, S.46-52 – www.oceanpaddlermagazine.com