09.01.2009 Tragbare Handlenzpumpen: Untragbar? (Ausrüstung)

 

Stell dir das mal vor:

 

Du paddelst mit deinem Seekajak entlang der Küste. Da du weißt, dass eine Kenterung nie ganz auszuschließen ist, und da dir bewusst ist, dass keiner sicher sein kann, dass nach einer plötzlichen Kenterung die Rolle immer gelingt, paddelst du nicht solo und führst stets griffbreit eine tragbare Handlenzpumpe mit. Beim Queren einer Untiefe unterschätzt du den Seegang und gerätst  in schwere Grundseen. Ein Klapotis kentert dich plötzlich und reißt dir das Paddel aus den Händen. Bei der Handrolle verlierst du den Schenkelhalt und drückst schließlich  mit dem einen Knie die Spritzdecke auf. … und schon schwimmst du neben deinem Seekajak. Ein weiterer Brecher trennt dich von deinem Seekajak und nimmt es mit. Der Wind treibt es schneller davon als du schwimmen kannst! Deinen Mitpaddlern gelingt es trotz des rauen Seegangs, dir beizustehen. Einer von ihnen sichert dich, d.h. er bietet dir an, dass du dich bei ihm am Heck seines Seekajaks festhältst. Ein anderer „fängt“ dein Seekajak ein, hakt es an seine Schleppleine und bringt es zurück zu Dir. Mit vereinten Kräften wird erst das „X-Lenzen“ und dann der „V-Wiedereinstieg“ praktiziert. Leider füllt während des Wiedereinstiegs ein Brecher die gerade erst gelenzte Sitzluke wieder randvoll mit Wasser. Aber was soll’s. Nach gelungenem Wiedereinstieg schließt du die Spritzdecke, holst die Handlenzpumpe, die du auf dem Achterdeck verstaut hast, hervor, steckst sie durch den Spritzdeckenschacht und fängst an zu pumpen, was das Zeug hält. Das gelenzte Wasser fliegt nur so durch die Luft. Du denkst schon ans Weiterpaddeln, obwohl du erst vier-, fünfmal gepumpt hast. Plötzlich reißt die Pumpe auseinander. Verdutzt hältst du den Pumpengriff samt Pumpenpleuel in der einen Hand und den Rest der Pumpe in der anderen Hand.

 

Das genau passierte mir, jedoch zum Glück nicht draußen auf dem Meer bei 6 Bft. Wind, sondern im Hallenbad bei Windstille. Ich war gerade dabei, ein paar Seekajakanfängern unter Warmwasserbedingungen zu demonstrieren, wie wichtig es ist, stets eine Lenzpumpe dabei zu haben.

 

Im Prinzip müsste ich mit diesem Versuchsablauf zufrieden sein; denn ich halte nicht viel von tragbaren Handlenzpumpen. Vielmehr empfehle ich stets, eine Lenzpumpe fest in sein Seekajak einzubauen; letztlich weil eine tragbare Handlenzpumpe nicht so effizient & zuverlässig eingesetzt werden kann. Warum?

 

  1. Die Probleme fangen schon beim griffbereiten & „brecherfesten“ Verstauen der tragbaren Handlenzpumpe an! Dafür, dass wir die Lenzpumpe nur selten brauchen, bietet es sich an, die Pumpe nicht auf dem Vorderdeck, sondern auf dem Achterdeck zu verstauen, wenn es da nicht Probleme mit „Parallel-Wiedereinstieg“ geben könnte; denn wenn wir nach der Kenterung über das Achterdeck in unsere Sitzluke rutschen wollen, könnte es passieren, dass wir irgendwie an der Lenzpumpe hängen bleiben, was den Einstiegsvorgang etwas erschweren kann. Natürlich könnten wir sie auch sicher in der Sitzluke verstauen, aber wie kommen wir an sie heran bzw. wie verstauen wir sie wieder kentersicher, wenn die Spritzdecke schon geschlossen ist?
  2. Und die Probleme enden bei der kentersicheren Handhabung einer solchen Pumpe; denn wenn wir die Pumpe nicht vorher mit einem Seil gesichert haben, werden wir sie unweigerlich bei einer Kenterung während des Lenzens verlieren!
  3. Beim Pumpen selber haben wir damit zu kämpfen, dass die Handpumpe nur lenzt, wenn der Pumpenhebel nach oben gezogen wird. Das aber führt zum einen dazu, dass wir beim Hochziehen des Pumpenhebels zugleich auch die ganze Pumpe etwas hochheben, sodass wir nur mit Mühe die ganze Sitzluke lenzen. Zum anderen behindern uns Schwimmweste und Oberkörper beim Hochziehen des Pumpenhebels. Außerdem haben wir meist Schwierigkeiten, den Pumpenfuß bis zur tiefsten Stelle der Sitzluke zu führen; das gilt insbesondere dann, wenn unser Seekajak über eine Sitzschale verfügt, die über den Po hinausreicht, um den Oberschenkeln etwas Auflage zu bieten.

 

Das 3. Problem können wir umgehen, wenn wir bei nur auf einer Seite geöffneter Spritzdecke lenzen. Aber dann besteht die Gefahr, dass Brecher – wann kentern wir denn sonst – die Spritzdecke während des Lenzen aufdrücken und die Sitzluke erneut mit Wasser füllen. Abhilfe für das 3. Problem bietet lediglich ein Handeingriff, der in den Spritzdeckenteller eingeklebt wird und bei Bedarf per Rollverschluss geöffnet werden kann.

 

Nun kommt dieses „Haltbarkeitsproblem“ als 4. Problem dazu. Bislang wies ich stets daraufhin, sich nicht solch eine tragbare Handlenzpumpe zu besorgen, die vielfach in Segelfachgeschäften angeboten werden und die über einen Pumpenpleuel aus Plastik verfügen; denn viel zu häufig habe ich erlebt, dass gerade diese Lenzpumpen – manchmal schon beim ersten Einsatz – nicht zuverlässig funktionieren. Nun möchte ich auch vor dieser tragbaren Handlenzpumpe warnen, die ich bei Globetrotter kaufte:

 

Gesamtlänge 52 cm, gelb, 30,- Euro (Bestell-Nr. LE.80.801)

 

Jahrelang gute Erfahrungen habe ich dagegen mit einer Pumpe gesammelt, die u.a. Prijon anbietet:

 

Gesamtlänge 47 cm, schwarz, 43,- Euro (Bestell-Nr. 90123)

 

Wer die Pumpe von Globetrotter schon hat, sollte auf alle Fälle mal prüfen, ob die einzige Schraube, die den oberen Pumpenkopf hält, richtig festgezogen ist. Gegebenenfalls sollte noch eine 2. Schraube den Pumpenkopf sichern. Außerdem ist es überlegenswert, zusätzlich den Pumpenkopf festzukleben. Übrigens, auch bei der Prijon-Pumpe sichert nur eine Schraube den oberen Pumpenkopf, aber auch mit abgedrehter Schraube, lässt sich der Pumpenkopf nicht lösen.

 

Was für fest eingebaute Lenzpumpen sind m.E. empfehlenswert?

(siehe hierzu: www.tourenkajak.de/lenzpumpen.htm )

 

Der Pumpenschlauch sollte nicht senkrecht von der Pumpe bis in den Fußraum ragen (Mancher Kanute ist während einer Kenterung daran hängen geblieben und hat in der Panik die halbe Pumpe herausgerissen!), sondern seitlich entlang geführt und hinter dem Sitz festgeklebt werden. Es handelt sich hier um die leistungsfähigste mechanisch betriebene Lenzpumpe. Leider werden immer mehr Seekajaks mit einer zusätzlichen Luke auf dem Kartendeck angeboten.

 

Diese Pumpe ist ein MUSS für Solo-Küstenkanuwanderer; denn nach einer Kenterung bei Seegang benötigt nach dem Wiedereinstieg der „Kenterbruder“ beide Hände für das Paddel, wenn er nicht wieder erneut kentern möchte. Leider ist die Fußlenzpumpe nicht sehr effizient. Außerdem ist es sehr mühsam, ca. 15 Minuten mit den Füßen zu pumpen.

 

Weiterhin gibt es sog. „Schenkelpumpen“, die einem jedoch beim Ein- und Ausstiegen stark behindern können.

 

Schließlich hatte ich über Jahre eine E-Lenzpumpe in meinem Seekajak eingebaut gehabt. Solche Pumpen bedürfen der lfd. Wartung. Wer nichts von Elektrik versteht, soll davon Abstand nehmen, solch eine Pumpe einzubauen. Abgesehen davon gibt es bei den E-Pumpen fertigungsbedingt starke Leistungsschwankungen. Aber ich streite nicht ab, wenn die E-Pumpe funktioniert, dann macht es richtig Spaß zu lenzen. Und wenn sie mal nicht funktionieren will, obwohl sich die Pumpe dreht, dann bittet einfach einen Mitpaddler, mit dem Mund am Pumpenauslass Wasser anzusaugen. Ach ja, manchmal können E-Lenzpumpen auch einen Kurzschluss haben. Dann laufen sie plötzlich los, ohne dass sie angestellt wurden. Gegebenenfalls reicht dann ein Schlag auf den Pumpenschalter bzw. die E-Pumpe, um die Pumpe wieder abzustellen. Schließlich passiert es mir auch mal, dass ich unterwegs versehentlich den Pumpenschalter betätigte, ohne dass ich das Pumpengeräusch hörte. Anschließend war die Batterie leer und das 6 Tage vorTourenende.

 

Text: U.Beier