26.10.2010 Seekajak-Abmessungen, insbesondere für den Arktis-Einsatz (Ausrüstung)

 

Welche Abmessungen hat ein Seekajak im Allgemeinen und im Besonderen (hier: Einsatz in der Arktis)? In einem Beitrag von mir, der von der DKV-Homepage downgeloaded werden kann:

 

Seekajak-Kauf: 10 praktische Hinweise

www.kanu.de/nuke/downloads/Seekajakkauf-Hinweise.pdf

 

findet man auf S.1-2 und 5 Aussagen über "seegangstüchtige" Bootsformen. Gedacht ist dabei an ein Einer-Seekajak, mit dem nicht nur auf einem Binnensee, sondern überwiegend auf dem Meer gepaddelt wird, und zwar auch ab 4 Bft. Wind und bei brechender Welle.

 

Folgende Abmessungen werden empfohlen:

 

Länge:

430-580 cm, wenn mit Steuer gepaddelt wird;

465-560 cm, wenn mit verstellbarem Skeg gepaddelt wird;

500-540 cm, wenn ohne Steuer bzw. ohne Skeg gepaddelt wird.

500-550 cm = Maße für ein „typisches“ Seekajak

 

Breite:

52-62 cm

52-58 cm = Maße für „typisches“ Seekajak

 

Volumen:

Es ist abhängig vom zu transportierenden Gewicht (G) (= Boots-, Körper-, Ausrüstungs-/Gepäckgewicht). Als Daumenregel gilt dabei, da 1 Liter = ca. 1 kg entspricht:

 

G (kg) = ca. 30%-60% vom Volumen (Liter),

 

d.h. ein Seekajak mit 350 Liter Volumen sollte bei einer Küstentour mindestens 105 kg und max. 210 kg Last transportieren.

 

Generell kann man sagen, dass Seekajaks:

bis 300 Liter für Tagestouren auf dem Meer geeignet sind,

270-350 Liter für mehrtätige Gepäcktouren auf dem Meer geeignet sind,

ab 350 Liter für mehrwöchige Gepäcktouren auf dem Meer geeignet sind.

275 - 350 Liter = Maße für „typisches“ Seekajak.

 

Allgemeine Auswahlkriterien

 

Wer sich ein Seekajak kaufen möchte - (das immer auch mehrfach abgeschottet sein sollte) - macht nichts falsch, wenn er sich an den Maßen eines "typischen" Seekajak ausrichtet, vorausgesetzt:

 

1. die Sitzluke bietet ihm festen Sitzhalt (Fuß-, Schenkel- und Hüfthalt),

2. das Seekajak ist ihm nicht zu kipplig (obwohl man sich bei Seekajaks mit diesen Maßen an deren Kippligkeit gewöhnen kann),

3. das Volumen ist geeignet, das Körpergewicht und das gewünschte Gepäckgewicht/-volumen zu transportieren!

 

Spezielle Auswahlkriterien für Seekajaks im Arktis-Einsatz

 

1. möglichst max. 550 cm lang; denn je länger es ist, desto schwerer ist es, ein solches Seekajak zwischen den i.d.R. anzutreffenden Eisschollen herum zu manövrieren;

2. möglichst mind. 55 cm breit und eine Sitzluke (mind. 80 cm lang), die es ermöglicht, leicht ein- und auszusteigen, ohne sich dabei auf das Achterdeck setzen zu müssen und ohne dass das Seekajak allzu sehr kippelt;

3. möglichst mind. 350 Liter Volumen; denn es gilt, genügend Bekleidung und Verpflegung mitzutransportieren (jedoch weniger Trinkwasser?) (wohl wissend, dass früher mit dem britischen „Nordkapp“ (ca. 310 Liter Volumen) mehrwöchige Touren z.B. bis zum Kap Horn unternommen wurden!).

 

Zusätzlich, wenn mit längeren „Schlitten-/Zugpassagen über das Packeis zu rechnen ist:

 

4. möglichst max. 500 cm lang;

5. mit U-Spant (Boot kippt bei Zugpassagen übers Packeis nicht so schnell um),

6. aus PE (ist einfach haltbarer).

 

Deshalb ist es auch nicht erstaunlich, dass bei „richtigen“ Arktis-Expeditionen häufig das folgende Kajak zum Einsatz kam:

 

Yukon Expedition (Prijon)

(440x61 cm, 460 Liter Volumen, Sitzluke: 93x48 cm, PE)

(siehe hierzu: www.kanu.de/nuke/downloads/Kajak-Yukon-Expedition-P.pdf )

 

Bei Urlaubswanderfahrten genügt es jedoch, sich an den allgemeinen Maßempfehlungen zu orientieren, wohl wissend, dass aus Gründen der leichteren An-/Rückreise in/aus solchen Gewässern auch vielfach sehr erfolgreich mit Einer- bzw. Zweier-Faltbooten gepaddelt wird, die zwischen 450 und 600 cm lang und zwischen 70 und 90 cm breit sind.

 

Text: Udo Beier