09.09.2011 9x TIDERACE-Seekajaks (Ausrüstung)

 

Während lange Zeit die britische Seekajak-Szene von

 

 

dominiert wurde, sind nun seit einigen Jahren noch weitere britische Hersteller dazugekommen, z.B.

 

 

Im Folgenden sollen kurz die Seekajaks von TIDERACE vorgestellt werden:

 

Das TIDERACE-Sortiment

 

XCAPE-Werbung:

Tourenboot, welches ohne Anstrengung zu paddeln ist. Ca. 3 cm breiter gebaut als EXPLORE S und EXPLORE. Hohe Anfangsstabilität, Kielsprung beeinträchtigt nicht den Geradeauslauf. Sicheres Verhalten bei rauen Bedingungen.

Fazit: Etwas mehr Breite (zwischen 54, 55 bzw. 58 cm) und gemäßigter Kielsprung sorgen für sicheres Verhalten bei rauen Gewässerbedingungen. Das Volumen schwankt zwischen ca. 332, 360 und 406 Liter und der „Stabilitätsfaktor“ zwischen 82, 86 bzw. 115.

 

XCAPE S (513/447x54 cm; ca. 332 Liter Vol.; Sitzluke: 87x49 cm)

=> max. aufrichtendes Moment bei 113 kg Last = 23,7 Nm bei 25° (Stabilitätsfaktor = 82)

 

XCAPE (540/465x55 cm; ca. 360 Liter Vol.; Sitzluke: 87x49 cm)

=> max. aufrichtendes Moment bei 113 kg Last = 26,2 Nm bei 25° (Stabilitätsfaktor = 86)

 

XCAPE X (540/468x58 cm; ca. 406 Liter Vol.; Sitzluke: 89x52 cm)

=> max. aufrichtendes Moment bei 113 kg Last = 47,0 Nm bei 30° (Stabilitätsfaktor = 115)

 

XPLORE-Werbung:

Expeditionskajak mit hoher Fahrtengeschwindigkeit, das auch für Tagestouren geeignet ist – genügend Kielsprung und hohe Endstabilität sorgen für Sicherheit bei rauen Gewässerbedingungen.

Fazit: Etwas weniger Breite (zwischen 51, 53 bzw. 60 cm) und wahrscheinlich ein geringerer Kielsprung sorgen für leichteres, aber dennoch sicheres Paddeln bei rauen Gewässerbedingungen (Ausnahme: S-Variante?). Das Volumen schwankt zwischen 330, 380 bzw. 430 Liter und der „Stabilitätsfaktor“ zwischen 68, 81 bzw. 115.

 

XPLORE S (533x51 cm; ca. 330 Liter Vol.; Sitzluke: 87x49 cm)

=> max. aufrichtendes Moment bei 113 kg Last = 13,8 Nm bei 25° (Stabilitätsfaktor = 68)

 

XPLORE (549x53 cm; ca. 380 Liter Vol.); Sitzluke: 87x49 cm)

=> max. aufrichtendes Moment bei 113 kg Last = 20,8 Nm bei 25° (Stabilitätsfaktor = 81)

 

XPLORE X (549x60 cm; ca. 430 Liter Vol.; Sitzluke: 90x50 cm)

=> max. aufrichtendes Moment bei 113 kg Last = 47,0 Nm bei 30° (Stabilitätsfaktor = 115)

 

XCITE-WERBUNG:

Ein Play-Boot für raue Gewässerbedingungen und „Rockhopper“ sowie ein flinkes Boot zum Streckepaddeln.

Fazit: So breit wie die XPLORE S und XPLORE-Seekajaks (51 bzw. 53 cm), aber etwas kürzer (503 bzw. 525 cm) und wahrscheinlich mit etwas mehr Kielsprung. Die S-Variante mag wohl etwas kippliger sein und mehr Ansprüche stellen bei rauen Gewässerbedingungen? Das Volumen liegt bei 311 bzw. 366 Liter und der „Stabilitätsfaktor“ bei 69 bzw. 82.

 

XCITE S (503x51 cm; ca. 311 Liter Vol.; Sitzluke: 87x49 cm)

=> max. aufrichtendes Moment bei 113 kg Last = 13,6 Nm bei 25° (Stabilitätsfaktor = 69)

 

XCITE (525x53 cm; ca. 366 Liter Vol.; Sitzluke: 87x49 cm)

=> max. aufrichtendes Moment bei 113 kg Last = 20,7 Nm bei 25° (Stabilitätsfaktor = 82)

 

XTREME-Werbung:

Eine „Greenland-Rolling-Machine“, ideal für Tideraces, Overfalls und große Surfwellen. Mit mehr Kielsprung, weniger Länge und flacheres Unterwasserschiff, nicht für’s Streckepaddeln.

Fazit: Es handelt sich wohl um ein dank Kürze (517 cm) und Kielsprung wendigeres Seekajak, das trotz des flacheren Unterwasserschiff nicht wesentlich stabiler liegt als die anderen Tiderace-Seekajaks mit ähnlichem Volumen.

 

XTREME (517/440x52 cm; ca. 370 Liter Vol.; Sitzluke: 87x49 cm)

=> max. aufrichtendes Moment bei 113 kg Last = 21,2 Nm bei 25° (Stabilitätsfaktor = 84)

 

Zusammenfassung:

 

TIDERACE scheint Seekajaktypen am „laufenden Band“ entwerfen zu können, und zwar mit Unterstützung eines Computerprogramms. So gibt es bislang die Typen:

 

 

Allen diesen TIDERACE-Seekajak-Typen (Ausnahme: XTREME) ist gemein, dass es sie in verschiedenen Volumengrößen (insgesamt: bis zu 3) gibt, die von ca. 311 Liter Volumen (XCITE S) bis 430 Liter Volumen (XPLORE X) reichen. Es ist dabei davon auszugehen ist, dass es TIDERACE gelungen ist, die Volumenvergrößerung nicht bloß durch eine Erhöhung des Bootsköpers zu erreichen. Vielmehr werden mit Hilfe eines Computerprogramms alle Maße des Ausgangsmodells entsprechend angepasst.

 

Alle TIDERACE-Seekajaks verfügen auch über ein verstellbares Skeg, dessen Fläche sich kontinuierlich vergrößert, so dass es möglich ist, mit ihm nicht nur die Luvgierigkeit zu beheben, sondern gezielt auch eine Leegierigkeit zu erzeugen. Ob es jedoch möglich, allein mit einem Skeg das 430-Liter-Seekajak XPLORE X auf Kurs zu halten, müsste ein Probefahrt zeigen.

 

Was TIDERACE noch fehlt, sind eigentlich:

 

 

TIDERACE-Seekajaks: kritische Aspekte

 

TIDERACE-Seekajaks sind – wie viele andere Seekajaks auch - allesamt nicht ganz seetüchtig, da nur bedingt „kentertüchtig“! Warum das? Nun, die einzige effiziente und zuverlässige Lenzpumpe ist die auf dem Kartendeck fest eingebaute Handlenzpumpe „Campac 50“. Leider scheint es bei immer mehr Seekajak-Herstellern „Mode“ zu sein, nach dem „3-Hatch-Design“ (d.h. der Einführung der Tagesluke hinter der Sitzluke), jetzt den „4-Hatch-Design“ zu bevorzugen (d.h. Einführung einer weiteren Tagesluke vorn auf dem Kartendeck) (vereinzelte Ausnahmen findet man z.B. noch bei NIGEL-DENNIS-Seekajaks und ROCKPOOL-Seekajaks). Die 3. Luke hinter der Sitzluke mag noch okay sein; denn z.B. gerade die „Day-„Paddler haben so die Möglichkeit, ihr Gepäck sicher vorm Verrutschen im Heck zu verstauen. Aber die 4. Luke vor der Sitzluke, die dürfte höchstens die Binnenpaddler erfreuen; denn sie können nun endlich in Griffnähe z.B. Kamera, Brieftasche, Autoschlüssel, Sonnencreme, Lippenstift, Neokappe, Paddelpfötchen und Müsliriegel verstauen. Der Verzicht auf die fest eingebaute Handpumpe fällt ihnen nicht so schwer. Aber wer denkt an die Küstenpaddler, auch wenn die bei den Käufern von Seekajaks in der Minderheit sind? Wenn die bei rauen Gewässerbedingungen kentern und nicht hochrollen können, wie Lenzen sie ihre Sitzluke.

 

Natürlich gibt es eine tragbare Handlenzpumpe, die man irgendwo auf dem Deck mehr oder weniger verlustsicher verstaut und dann mehr oder weniger schnell hervorkramt und mehr oder weniger effizient einsetzt. M.E. kann man das als Rückschritt in Sachen Sicherheit ansehen; denn auch die alternativ einbaubare Fußlenzpumpe ist zu wenig effizient und die eingebaute E-Lenzpumpe zu wenig zuverlässig. Dieser Verzicht auf „Kentertüchtigkeit“ geht übrigens damit einher, dass immer mehr Seekajakhersteller ihre Seekajaks ausrüsten mit:

 

Ein weiterer Punkt, der die Kentertüchtigkeit der TIDERACE-Seekajaks beeinträchtigt, betrifft die starr eingebauten Schenkelstützen; denn nur der, der über genügend Schenkelhalt verfügt, wird in der Lage sein, nach einer Kenterung wieder hochzurollen. Starr eingebaute Schenkelstützen können jedoch nicht jedem Kanuten den entsprechend erforderlichen Schenkelhalt bieten, außer man bastelt sich etwas.

 

Obwohl es mittlerweile bei PE-Seekajaks zum guten Standard gehört, verstellbare Schenkelstützen einzubauen, sucht man das bei den Glasfaser-Seekajaks von TIDERACE & Co. vergebens (Ausnahme: LETTMANN-Seekajaks). Es wird wohl von jedem Küstenkanuwanderer verlangt, für den entsprechenden Schenkelhalt selber zu sorgen, so wie man früher bei den Autos mit Rücken- und Sitzkissen versuchte, einen besseren Halt zu finden. Nein, das ist nicht akzeptabel,

 

So weit die „Papier-Form“ der Seekajaks von TIDERACE. Es genügt jedoch nicht, eine Kaufentscheidung allein von den Print-Werbeaussagen bzw. Homepage-Infos des Herstellers abhängig zu machen. Weitere Infos von neutralen Stellen sind zu beschaffen. Leider ist nicht jeder (Test-)Bericht neutral und die Empfehlungen von Mitpaddlern sind auch mit Skepsis zu beurteilen, schwärmen doch viele von denen nur von ihren eigenen Seekajaks.

 

Deshalb bleibt einem wohl nichts anders übrig, das Seekajak, für das man sich interessiert ausgiebig, d.h. unter realistischen Wind- & Wellenbedingungen zur Probe zu fahren!

 

è www.kanu.de/nuke/downloads/Seekajakkauf-Hinweise.pdf 

è www.kanu.de/nuke/downloads/Sausichere-Seekajaks.pdf

è www.kanu.de/nuke/downloads/Sauschnelle-Seekajaks.pdf

è www.kanu.de/nuke/downloads/Sauschlechte-Seekajaks.pdf

 

Technische Daten des SEA KAYAKERs

 

Im Folgenden sollen die Ergebnisse von drei Testberichten über TIDERACE-Seekajaks besprochen werden, die vom us-amerikanische SEA KAYAKER veröffentlicht wurden:

 

 

Dort findet man Infos über diverse technische Daten, wie z.B. über:

 

 

Diese technischen Daten sind objektiv, neutral & reproduzierbar, aber bilden die Wirklichkeit nicht immer zu 100 % ab. Sie werden beim SEA KAYAKER per Computersimulation ermittelt und können mit Ausnahme der Wasserwiderstandswerte auch im Internet abgerufen werden:

 

www.seakayakermag.com/2011/April11/Xcite_Tspecs.pdf

www.seakayakermag.com/2011/June11/Xplore_Tspecs.pdf

www.seakayakermag.com/2011/Oct11/Xtreme_TSpecs.pdf

 

Möchte man etwas über das Geschwindigkeitspotenzial der 3 Seekajaks erfahren, muss man die Wasserwiderstandswerte miteinander vergleichen (s. Tab.):

 

è 1,63 kg bei XPLORE und XCITE sowie 1,65 kg bei XTREME1

è 6,24 kg bei XPLORE; 6,63 kg bei XCITE sowie 7,05 kg bei XTREME:

D.h. das kürzere und mit mehr Kielsprung ausgestattete „Playboat“ XTREME ist dann merklich langsamer und der längere und schmalere „Cruiser“ XPLORE merklich schneller, aber nicht so schnell, wie die wirklich schnellen Konkurrenz-Modelle von CURRENT DESIGNS, TAHE und EPIC:

è 5,32 kg bei EXTREME, 4,92 kg bei BAIDARKA und 4,66 kg bei 18X SPORT.

 

Über die Manövrierbarkeit bzw. Seegangstüchtigkeit (?) (aber auch über das Geschwindigkeitspotenzial (!)) kann man demgegenüber etwas erfahren, wenn man die Daten über den Schwerpunkt („Center of buoyancy / % of length from bow“) miteinander vergleicht (s. Tab.):

 

D.h. der XTREME hat das Zeug dazu, am wenigsten zu bohren (dafür aber am meisten zu „saugen“). Übrigens, von allen bislang vom SEA KAYAKER getesteten Seekajaks weist der XTREME den höchsten Wert auf, selbst höher als beim ETAIN (= 54,15%) und DELPHIN 155 (= 51,58%).

 

Tab.: Technische Daten lt. SEA KAYAKER (2011)

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Zum Vergleich die Daten eines Renn-Seekajaks:

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RAPIER 20 (607/598*x45cm; ca. 337 Liter Vol.) – Valley (GB):

Wasserwiderstand bei: 4 kn = 1,65 kg / 5 kn = 2,64 kg / 6 kn = 4,12 kg

=> Schwerpunkt: 50,80 % (fast mittig)

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XPLORE (547/478*x53cm; ca. 326 Liter Vol.) - Tiderace (GB):

Wasserwiderstand bei: 4 kn = 1,63 kg / 5 kn = 3,43 kg / 6 kn = 6,24 kg

=> max. aufrichtendes Moment bei 113 kg Last = 23,7 Nm bei 25°

=> Schwerpunkt: 46,52 % (deutlich „buglastig“)

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XCITE (530/455*x55 cm; ca. 310 Liter Vol.) – Tiderace (GB):

Wasserwiderstand bei: 4 kn = 1,63 kg / 5 kn = 3,67 kg / 6 kn = 6,63 kg

=> max. aufrichtendes Moment bei 113 kg Last = 23,1 Nm bei 25°

=> Schwerpunkt: 49,42 % (fast mittig)

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XTREME (516/443*x55cm; ca. 335 Liter Vol.) – Tiderace (GB):

Wasserwiderstand bei: 4 kn = 1,65 kg / 5 kn = 3,96 kg / 6 kn = 7,05 kg

=> max. aufrichtendes Moment bei 113 kg Last = 20,3 Nm bei 25°

=> Schwerpunkt: 55,65 % (deutlich „hecklastig“)

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Zum Vergleich die Daten von Seekajaks mit Bestwerten in der je-

weiligen Geschwindigkeitsstufe:

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EXTREME (577/510*x55cm; ca. 389 Liter Vol.) - Current Designs (CDN):

Wasserwiderstand bei: 4 kn = 1,59 kg / 5 kn = 2,93 kg / 6 kn = 5,32 kg

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BAIDARKA (547/533*x55cm; ca. 360 Liter Vol.) – Tahe Kayaks (Estland):

Wasserwiderstand bei: 4 kn = 1,66 kg / 5 kn = 2,83 kg / 6 kn = 4,92 kg

=> Schwerpunkt: 52,53 % (leicht „hecklastig“)

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18X SPORT (549/540*x56 cm; 369 Liter) – Epic (USA):

Wasserwiderstand bei: 4 kn = 1,76 kg / 5 kn = 2,85 kg / 6 kn = 4,66 kg

=> Schwerpunkt: 50,40 % (mittig)

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Zum Vergleich die Daten von zwei Seekajaks, die in Konkurrenz zum

XTREME sehen:

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DELPHIN 155 (479/441x58cm; ca. 322 Liter Vol.) – P&H (GB):

Wasserwiderstand bei: 4 kn = 1,65 kg / 5 kn = 3,88 kg / 6 kn = 7,09 kg

=> Schwerpunkt: 51,58 % (leicht „hecklastig“)

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ETAIN (534/458x55cm; ca. 362 Liter Vol.) – Valley (GB):

Wasserwiderstand bei: 4 kn = 1,68 kg / 5 kn = 3,58 kg / 6 kn= 6,45 kg

=> Schwerpunkt: 54,15 % (deutlich „hecklastig“)

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Zum Vergleich die Daten des wahrscheinlich in Deutschland am meisten

verkauften Seekajaks:

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SEAYAK (PE) (485/434x58cm; ca. 343 Liter Vol.) - Prijon (D):

Wasserwiderstand bei: 4 kn = 1,87 kg / 5 kn = 3,95 kg / 6 kn = 6,99 kg

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* = Wasserlinienlänge

 

Die Daten über das aufrichtende Moment sagen auch etwas über das „Krängungsmoment“ aus. Sie variieren zwischen den Angaben von TIDERACE und SEA KAYAKER. Bemerkenswert ist; dass insbesondere die Werte beim SEA KAYAKER über den XTREME niedriger sind, obwohl er als „Rockhopper“ stabiler im Wasser liegen sollte. Hier ist also der einzelne Kanute gefordert, nicht diesen Daten blind zu glauben, sondern bei einer Probefahrt selber zu prüfen, wie kipplig die TIDRACE-Seekajaks für ihn sind. Wird doch die Kippligkeit auch von der Körpergröße sowie dem Körpergewicht des Kanuten und dem Gewicht des transportieren Gepäcks beeinflusst. Z.B. liegt das aufrichtende Moment des XTREME bei einem 68-kg-Kanuten inkl. 45 kg Gepäck bei 20,3 Nm, im Vergleich dazu bei einem 91-kg-Kanauten ohne Gepäck bei ca. 4,7 Nm!!??

 

Testurteile des SEA KAYAKERs

 

Daneben lässt SEA KAYAKER zusätzlich jedes Seekajak von 3 Kanuten testen und veröffentlicht deren subjektive Beurteilungen. Diese Urteile liefern Infos über die praktischen Eigenschaften eines Seekajaks. Im Folgenden will ich ein paar Eigenschaften der drei TIDERACE-Seekajaks XTREME; XCITE UND XPLORE aufzählen, die ich für erwähnenswert halte:

 

XTREME (516/443*x55cm; 28 kg; ca. 335 Liter Vol.; Skeg; 4 runde Gepäckluken):

 

getestet von:

SR (180 cm / 73 kg):

Tagestour ohne und mit 23 kg Gepäck / 4 Bft. Wind / 3,7 km/h Strom / bis 46 cm Welle;

GL (180 cm / 75 kg):

Tagestour ohne und mit 27 kg Gepäck / 4 Bft. Wind / 11,1 km/h Strom / bis 91 cm Welle;

TE (184 cm / 91 kg):

Tagestour ohne Gepäck / 4 Bft. Wind / bis 45 cm Welle.

 

Sitzluke: TE = Problem, mit beiden Beinen gemeinsam in die Schlüsselloch-Sitzluke einzusteigen und aus der Sitzluke auszusteigen; TE = Sitzprobleme, da die Sitzschale den Beinen nicht genügend Halt bietet. GL = Schenkelstützen drücken auf die Knie.

 

Anfangsstabilität: GL = niedrig; SR = hoch; TE = gut.

Endstabilität: hoch, mäßig, gut.

Geradeauslauf: SR = dreht zu leicht; GL = giert, aber er braucht nicht das Skeg; TE = guter Geradeauslauf.

Manövrierbarkeit: gut, dreht leicht.

 

Geschwindigkeit: SR = max. 6 kn, Tourengeschwindigkeit 3,5 kn. GL = bei 4 kn läuft er ohne große Anstrengung. TE = 4,25 kn Dauergeschwindigkeit und 6 kn Sprintgeschwindigkeit.

Surfen: GL = wird von den Wellen leicht mitgenommen, bricht nicht aus; SR = beim Surfen leicht zu kontrollieren, sogar beim Surfen rückwärts;

Durch die Brandung: GL = läuft relativ trocken durch die Brecher;

Luvgierigkeit: TE = beherrschbar mit Skeg bzw. mit Kanten und Rundschlägen; lässt man das Skeg ganz heraus, kann man kontrolliert Leegierigkeit erzeugen.

 

Rollen: GL = Schenkel- und Fußstützen sowie niedriger Rückengurt erleichtern die Rolle; SR = lässt sich gut vorwärts- und rückwärts rollen; TE = es lässt sich wie ein Greenland-Kayak rollen.

Rettung: SR = keine Probleme beim Unterwasser-Ausstieg, TE = musste beim nassen Ausstieg konzentriert ein Bein nach dem anderen aus der Sitzluke holen; GL = der „Cowboy“-Wiedereinstieg – ging problemlos.

 

Cruising (Gepäckfahrten): GL = genug Stauraum für mehrtätige Touren, jedoch stört es beim Packen, dass es keinen ovalen Gepäck-Lukendeckel gibt; TE = der Bugstauraum ist okay, der Heckstauraum ist etwas klein, der Skeg-Kasten erschwert das Verstauen; SR = vordere Tagesluke ist nicht ganz dicht; SR = das Fahrverhalten wird durch zusätzliches Gepäck nicht beeinflusst; GL = zusätzliches Gepäck erhöhte die Anfangs- & Endstabilität und beeinträchtigte etwas die Beschleunigung.

 

XCITE (530/455*x55 cm; 25 kg; ca. 310 Liter Vol.; Skeg; 4 runde Gepäckluken):

 

getestet von:

JK (165 cm / 68 kg):

Tagestouren ohne Gepäck / 4 Bft. Böen / 11,1 km/h Gezeitenströmung

GL (180 cm / 75 kg):

Tagestouren ohne Gepäck / 4 Bft. Wind / Kabbelwasser;

TW (185 cm / 91 kg):

Tagestouren ohne Gepäck / 2 Bft. Wind / 122 cm Dampferwelle

 

Sitzluke: GL = die Schenkelstützen passen.

 

Anfangsstabilität: GL = Anfangsstabilität mäßig, aber leicht zu kanten und nicht kipplig;

Endstabilität: mäßig hoch;

Geradeauslauf: GL = Skeg wird nicht benötigt, um Kurs zu halten;

Manövrierbarkeit: GL+TW = exzellent, JK = nicht sehr agil;

 

Geschwindigkeit: JK = 3,5 kn Fahrtentempo, 5,5 kn Sprint; GL = 4 kn Fahrtentempo, 5 kn Sprint;

Surfen: leicht zu manövrieren beim Surfen,

Durch die Brandung: TW = der Bug planscht, aber das Wasser läuft schnell wieder ab;

Luvgierigkeit: GL = leichte Luvgierigkeit bei 3 Bft. Wind, die mit dem Skeg behoben werden kann; zudem kann man das Seekajak mit dem Skeg leegierig werden lassen;

 

Rollen: GL = Schenkel- und Fußstützen sowie der niedrige Rückengurt erleichtern die Rolle.

Rettung: JK+TW = der „Cowboy“-Wiedereinstieg bzw. „Reentry & Roll“ funktioniert;

 

Cruising (Gepäckfahrten): TW = eingeschränkter Stauraum; JK+GL = Stauraum reicht für eine Woche, sofern man das Gepäck durch die runden Gepäckluken bekommt; TW = die Gepäckluken sind dicht.

 

XPLORE (547/478*x53cm; 27 kg; ca. 326 Liter Vol.; Skeg; 2 runde + 2 ovale Gepäckluken):

 

getestet von:

GL (180 cm / 75 kg):

Tagestour  mit 20 kg Gepäck / 3 Bft. Wind / 30 cm Kabbelwasser;

RG (188 cm / 100 kg):

Tagestouren ohne Gepäck / 4 Bft Wind mit 5 Bft. Böen / 76 cm Welle;

TW (185 cm / 82 kg):

Tagestouren ohne Gepäck / 6 Bft. Wind / 122 cm Welle.

 

Sitzluke: GL = die Schlüssellochluke macht es erforderlich, mit den Beinen nacheinander einzusteigen; das Cockpitvolumen ist recht niedrig gehalten und somit funktionell; der Rückengurt stört nicht beim Zurücklehnen; die starren Schenkelstützen passen exzellent; TW = die Fußpedalen ermöglichen aggressives Paddeln; die Sitzschale ist nachträglich verstellbar; die starren Schenkelstützen sitzen zu eng an den Hüften; RG = die Schenkelstützen drücken etwas; TW = das verstellbare Skeg hat einen flatterfreien Halt.

 

Anfangsstabilität: GL = etwas niedrig, kipplig; RG = kein Seekajak zum Fotografieren und zur Vögelbeobachtung;

Endstabilität: mäßig / anspruchslos / vorhersagbar;

Geradeauslauf: GL = läuft etwas aus dem Kurs;

Manövrierbarkeit: GL = läuft nicht leicht um die Kurve, außer man kantet es;

 

Geschwindigkeit: TW = 3,5 kn Fahrtengeschwindigkeit; sehr gute Sprintgeschwindigkeit;

Surfen: TW = es ist leicht zu Surfen und neigt nicht zum Bohren;

Durch die Brandung: TW = bei 6 Bft. Gegenwind schwoit der Bug stets hin und her (bis 15°); ansonsten läuft es relativ trocken;

Luvgierigkeit: GL = etwas luvgierig bei 4 Bft. Wind, was mit dem Skeg jedoch korrigiert werden kann; wenn das Skeg ganz draußen ist, neigt es zur Leegierigkeit;

 

Rollen: GL = dank Schenkel- und Fußstützen sowie Rückgurt kann man mehrere Rollvarianten durchführen; TW = beim Hochrollen muss man wegen der geringen Endstabilität aufpassen, dass man nicht gleich wieder auf der anderen Seite hineinfällt;

Rettung: GL = beim nassen Ausstieg stört die enge Schlüssellochsitzluke; der „Cowboy“-Wiedereinstieg klappt problemlos auch bei etwas Seegang.

 

Cruising (Gepäckfahrten): RG = geeignet für bis zu 10-Tages-Touren; TW = trockene Gepäckbereich mit Ausnahme der Tagesluke; TW = nichts für Anfänger.

 

Ja, diese Informationen müssen reichen, um bei einer Probefahrt mit einem dieser TIDERACE-Seekajaks zu wissen, auf was alles zu achten ist, um sich ein Bild darüber zu machen, ob es das richtige Seekajak für einen ist.

 

Text: U.Beier