15.10.2011 Sichtprobleme: Seekarte (Ausrüstung)

 

Als Küstenkanuwanderer hat man unterwegs auf dem Wasser bei der Navigation immer wieder Probleme mit der Sicht, sei es, dass man die Fahrwassertonnen auf der auf dem Seekajak liegenden Seekarte nicht findet oder dass man die gesuchte Tonne auf dem Wasser nicht entdeckt.

 

Beim Ablesen der Seekarte wird man meist mit den folgenden Schwierigkeiten konfrontiert:

 

1. Nicht jedes Seekajak verfügt über kein Kartendeck. D.h. für die Seekarte ist kein Platz vor der Sitzluke vorgesehen. Stattdessen findet man auf dem „Kartendeck“, d.h. jenem Platz vor der Sitzluke, der eigentlich beim Küstenkanuwandern für die Seekarte vorbehalten sein sollte, ein Gepäcknetz, eine „Handluke“ oder den Kompass.

 

2. Der Platz vor der Sitzluke ist nicht zur Lagerung des Seekarte geeignet, weil genügend Kartenhaltegummis fehlen (nämlich: 3), damit Wind & Welle nicht irgendwann in einer kritischen Situation die Seekarte vom Deck spülen. Oder das Kartendeck ist so nach vorne (statt: nach hinten) geneigt, sodass man die Seekarte nur unter Schwierigkeiten ablesen kann.

 

3. Es gibt wohl eine Art Kartendeck, aber es  eignet sich nicht dafür, die Seekarte plan hinzulegen, d.h. faltenfrei auszubreiten.

 

4. Das Kartendeck ist zu schmal, so dass es nicht möglich ist, eine Seekarte im DIN A 3-Format quer auf dem Deck zu lagern.

 

5. Die Sitzluke ist so groß bzw. die Kartenhaltegummis liegen so weit entfernt vom Süllrand, dass die Seekarte nur weit weg platziert werden kann. Ein Ablesen der Seekarte wird dadurch erschwert.

 

6. Die Möglichkeit, bei großen Sitzluken die Seekarte halb auf dem Kartendeck und halb auf der Spritzdecke zu lagern, wird erschwert, weil meist der vordere Süllrand nicht plan mit dem Kartendeck verläuft, d.h. auch bei solch einer Lagerung der Seekarte bilden sich Falten.

 

7. Die Alternative, die Seekarte auf der Spritzdecke zu lagern, gibt es nur selten, da nur ganz wenige Spritzdeckenhersteller ihre Spritzdecken mit entsprechenden Halterungsösen ausrüsten (z.B. Reed Chill Cheater). Solche Ösen können jedoch nicht verhindern, dass nach einer Kenterung oder in der Brandung die Seekarte verloren gehen oder den Wiedereinstieg, das Rollen bzw. Stützen behindern kann.

 

8. Außerdem können Schwierigkeiten auftreten, wenn die Seekarte in einer Kartentasche gelagert wird. So kann die Kartentasche nicht ganz wasserdicht sein (z.B. trifft bei Kartentaschen mit Klettverschluss zu) oder sie kann nicht faltenfrei auf Deck ausgebreitet werden. Liegen die gesuchten Seezeichen gerade unter einer solchen Falte, sind sie praktisch - d.h. bei Wind & Welle, wo man beide Hände am Paddel hält - nicht sichtbar bzw. auffindbar. Das gilt übrigens auch dann, wenn die Kartentasche nicht ganz luftdicht verschlossen werden kann; denn die Luftfeuchtigkeit kann dann zum Beschlagen der Kartentaschenfolie führen und somit das Ablesen ebenfalls erschweren. Dieses Problem kann man lösen, indem man sich Farbfotokopien (z.B. im DIN A 3-Format) von der Seekarte erstellt und diese doppelblättrig einlaminiert. Auf diese Weise hat man dann nur noch mit zwei Problemen zu kämpfen, und zwar mit den Wassertropfen auf der Karte, die das Ablesen erschweren könnten, und die Undichtigkeit des Laminats. Das Laminat kann sich nämlich bei häufigem Biegen und Knicken an den Rändern lösen und auf diese Weise Wasser eindringen lassen. Wenn man jedoch vor dem Laminieren die Kopien so beschneidet, dass an den Rändern des Laminats der Abstand zur Kartenkopie mindestens 2 cm beträgt, und wenn man außerdem nachträglich mit Tesaband die Ränder des Laminats abklebt, dürften die Ränder fest genug verklebt und somit das Dichtigkeitsproblem behoben sein. – Übrigens der Vorteil eines solchen Laminats ist es, dass man gleich mehrere Laminate auf dem Kartendeck lagern kann.

 

9. Weiterhin gibt es noch ein Problem, dass die Zeichen auf den Seekarten (aber auch topografischen Karten) manchmal so winzig ausfallen, dass man sie nur identifizieren kann, wenn man die Seekarte in beiden Händen dicht vor seiner Nase hält, was aber draußen bei Wind & Welle kaum möglich ist. Deshalb ist zu empfehlen, die wichtigsten Zeichen, z.B. die Nummern und Buchstaben der Fahrwassertonnen, die auf der geplanten Route liegen, nochmals mit schwarzem Stift etwas größer nachzuschreiben, und zwar so groß und deutlich, dass man die Zahlen und Buchstaben noch aus 1 Meter Entfernung lesen kann.

 

10. Aber auch dann, wenn ein Seekajak über ein richtiges Kartendeck mit planen Übergang zur Spritzdecke verfügt und der Kanute seine Seekarte an wichtigen Stellen markiert und schließlich einlaminiert hat, können last and least manche Kanuten immer noch Probleme mit der Kartenarbeit bekommen, nämlich weil sie Brillenträger sind und über eine Brille verfügen, mit der sie nur in die Ferne schauen, aber nicht die Zeichen der Seekarte lesen können.

 

Ja, wer mal mit seinem Seekajak hinaus aufs Meer paddeln will und immer wissen möchte, wo er sich gerade befindet und wohin er laut eigener Kursvorgabe paddeln soll, für den ist das Arbeiten u.a. mit Kompasse und Seekarte (auf Nicht-Tidengewässern reicht i.d.R. eine topografische Karte) unabdingbar. Das erfordert – was die Seekarte betrifft -:

 

  • ein entsprechendes Seekajak, auf dem die Seekarte optimal gelagert werden kann,
  • eine Seekarte, die entsprechend so präpariert ist, dass man die wichtigsten Seezeichen auch bei Wind & Welle erkennen kann,
  • eine Schutzhülle für die Seekarte, die weder Falten schlagen noch beschlagen kann
  • und – für Brillenträger – eine Brille, mit der der Kanute nicht nur in die Ferne, sondern auch in der unmittelbaren Nähe etwas erkennen kann.

 

So war es schon immer und so wird es sicherlich noch in diesem Jahrzehnt so bleiben, bis dass ein

 

  • wirklich wasser- und wasserdampfdichtes GPS-Gerät entwickelt wird,
  • das über ein für Hobby-Kanuten finanzierbares Kartenchip verfügt, welches laufend aktualisiert werden kann,
  • das mit einem so großen, auch bei Sonnenlicht lesbaren Display ausgerüstet ist, sodass man einen genügend großen und – wie auf einer Seekarte 1:50.000 – exakten Überblick über die zumindest täglich zu befahrene Route erhalten kann,
  • und das so gelagert werden kann, dass Kenterung & Brecher sein Funktionstüchtigkeit nicht einschränken.

 

Text: Udo Beier