16.10.2011 Sichtprobleme: Fernglas (Ausrüstung)

 

Über die Seekarte erfahren wir, welche Fahrwassertonnen für uns Küstenkanuwanderer von Interesse sind. Mit Hilfe eines Kompasses können wir dann ableiten, in welche Richtung wir schauen müssen, um von den anzupeilenden Tonne die nächste zu finden.

 

Was machen wir aber, wenn wir trotz Suche die Tonne vor uns nicht entdecken können?

 

1. Kompass & Karte: Wir paddeln einfach - unter Einbeziehung einer möglichen Strom- bzw. Windabdrift -  in die vom Kompass vorgegebene Richtung und suchen so nebenbei ständig den vor uns liegenden Horizont nach der gesuchten Tonne ab. Gleichzeitig ermitteln wir in etwa die Strecke bis zur nächsten Tonne und die Zeit, die wir in etwa benötigen, um diese Tonne zu erreichen. Wenn die Zeit abgelaufen und die Tonne immer noch nicht gefunden ist, peilen wir die nächste auf unserer Route liegende Tonne oder ein für uns wichtiges terrestrisches Merkmal an. Kann es doch durchaus sein, dass die gesuchte Tonne verlegt, verdriftet, verholt oder versunken ist.

 

2. GPS: Wir schalten unser GPS-Gerät ein, rufen die Koordinaten des Wegepunktes auf, der für die gesuchte Tonne steht, und lassen uns dann vom GPS zu dieser Tonne leiten. Sollten wir diesen Wegepunkt vorher noch nicht eingespeichert haben, können wir das vor Ort unterwegs auf dem Wasser nachholen, sofern Wind & Welle das erlauben und auf der Seekarte die Koordinaten bis auf die Minute genau ablesbar sind. Wer da nur mit Kartenausschnittskopien navigiert, könnte dann Probleme bekommen, insbesondere wenn die Kopie aus der Seekarte und nicht dem Sportbootkartensatz stammt sowie die Ränder mit den Gradangaben nicht mit kopiert wurden.

 

3. Fernglas: Wir holen – sofern vorhanden – unser wasserdichtes Fernglas heraus und suchen den Horizont nach der gesuchten Tonne ab. Aber: Auf dem Wasser ist das nicht so leicht, wie an Land; denn u.U. befinden sich vorne und hinten auf den Gläsern des Fernglases Spritzwasser- bzw. Regentropfen, die die Durchsicht erschweren, insbesondere wenn man dann noch selber Brillenträger (eine Sonnebrille tu’s auch) ist und die Brillengläser nass bzw. salzverkrustet sind. Wenn dazu noch Seegang herrscht, wird das mit der Durchsicht kritisch, und zwar nicht erst dann, wenn man eigentlich mit beiden Händen das Paddel halten muss, sondern auch schon allein aufgrund der „gefühlten“ Wackligkeit; denn das Wackeln des Seegangs wird durch ein Fernglas verstärkt, und zwar bei einem Fernglas mit 5-facher Vergrößerung um das 5-fache und bei einem Fernglas mit einer 10-fachen Vergrößerung sogar um das 10-fach. Deshalb verfügen die üblichen Marine-Ferngläser für Segler nur über eine 7-fache Vergrößerung, weil darüber es bei Seegang kaum noch möglich ist, etwas mit Hilfe des Fernglases zu erkennen. Ich selber habe sogar, die Erfahrung gemacht, dass beim Küstenkanuwandern unterwegs auf dem Wasser ab 3 Bft. Wind selbst ein Fernglas mit 5-facher Vergrößerung keine große Hilfe beim Entdecken bzw. Identifizieren von Tonnen und Landmarken ist. Auf Land sieht das natürlich völlig anders aus, aber da steht man ja auch auf festem Untergrund und schaut mit einer frische geputzten Brille durch ein Fernglas, dessen vier Gläser vorher im Bedarfsfall ebenfalls geputzt sind    und man hat dazu keine Angst bei der Suche zu kentern..

 

Für diejenigen, die trotz allem beim Küstenkanuwandern ein Fernglas für erstrebenswert halten, sei der folgende von Th.Bock verfasste Beitrag:

 

„Ins Glas geschaut“

 

empfohlen, der in der YACHT erschien und die Testdaten von insgesamt 15 marinetauglichen Ferngläsern der Größe 7x30 bis 8x42 veröffentlicht.

 

„Testsieger“ wurde das Glas „Ultravid 7x42 HD“ von LEICA, u.a. wegen:

 

Das beste „Preis-Leistungs-Verhältnis“ wies das Glas „Commander 7x30“ von STEINER auf, u.a. wegen:

 

Das billigste Glas war das „H2O 8x25“ von BUSHNELL. Es schnitt u.a. wie folgt ab:

 

Wobei Folgendes unter diesen technischen Eigenschaftsmerkmalen zu verstehen ist:

 

Kollimation: ein Maß für die korrekte parallele Montage der beiden Fernglashälften als Indikator für die Schärfe des Bildes;

Auflösung: ein Indikator für die Schärfe des Bildes;

Transmission: ein Indikator für die Lichtdurchlässigkeit der Gläser; je höher der Wert desto verlässlicher ist die Sicht bei Dämmerung bzw. Nacht;

Wasserdichtigkeit: bis 3 m getestet.

 

Übrigens, zum Test zählte auch eine Hitze-, Kälte- und Vibrationstest.

 

Text: Udo Beier

Quelle: YACHT, Nr. 22/11, S.90-95 – www.yacht.de