28.03.2012 Sichtprobleme: Sichtbarkeit (Ausrüstung)

 

Kanutinnen und Kanuten, die hinaus aufs Meer paddeln, sind weder Eindringlinge noch Flüchtlinge. Sie brauchen sich vor niemanden zu verbergen. Sie sollten vielmehr auffallen, zumindest wenn sie draußen vor der Küste unterwegs sind und zwar nicht nur nachts, sondern auch tagsüber. Diese Auffälligkeit ist deshalb wichtig, damit sie gesehen werden, und zwar betrifft das die:

 

1. Kameraden: Die Kameraden, mit denen man & frau zusammen paddelt, sollten einen während einer Tour nicht aus den Augen verlieren. Schon ab einer Gruppengröße von 5 Kajaks kann es Probleme geben, wenn die anderen neben bzw. hinter einem oder zu weit vorne paddeln. Das gilt insbesondere dann, wenn es windet & wellt. Dann konzentriert man sich auf seine Paddelei und hat nur noch den Bruchteil einer Sekunde Zeit zu schauen, wo die anderen sich gerade befinden. Wer da nicht auffällt, wird schnell übersehen und geht u.U. verloren.

 

2. Schifffahrt: Die Schifffahrt, die ebenfalls auf dem Meer unterwegs ist, rechnet i.d.R. nicht damit, dass auch Kanuten auf dem Wasser sind. Wenn ein Kapitän Ausschau hält, dann wird er bestimmt nicht nach Kajaks suchen. Er wird folglich ein Kajak nur entdecken, wenn es auffällt. Wenn es sich auf Kollisionskurs befindet, aber nicht auffällt, kann es schon zu spät sein; denn von der Kollision selbst wird ein Dampferkapitän i.d.R. nichts merken.

 

3. Retter: Wie können die Retter einen finden, wenn sie nicht genau wissen, wo der Seenot leidende Kanute sich gerade aufhält. Die Wasserflächen des Meeres sind unendlich weit. Unter Umständen brechen überall die Wellen, so dass es den Rettern sehr schwer fallen wird, ein Kajak bzw. einen im Wasser treibenden Kanuten zu entdecken.

 

Was kann ein Kanute unternehmen, damit er auf dem Meer leicht gesehen bzw. gefunden wird? Es bieten sich folgende Möglichkeiten an:

 

4. Bootsfarbe: Ein gelb bzw. orange leuchtendes Seekajak ist leichter zu erkennen als ein grünes, graues, braunes oder schwarzes. Ein rotes Kajak mag wohl noch bei Sonnenschein gut zu sehen sein. Je schwächer das Tageslicht ist, desto dunkler erscheint jedoch das Rot. Weiße Kajaks sind an und für sich sehr auffällig, solange die See nicht bricht. Das bedeutet aber, dass spätestens ab 4 Bft. Wind (=> „Mäßige Wellen; überall weiße Schaumkämme“) ein weißes Kajak nicht mehr so leicht entdeckt werden kann.

Wenn Dunkelheit herrscht, sind jedoch alle Boote „grau“. Dann helfen höchstens noch Reflexstreifen, die vorne und hinten aufs Oberdeck geklebt sind, aber auch nur dann, wenn das Kajak in den Lichtkegel eines Suchscheinwerfers gerät.

 

5. Beleuchtung: Lt. Vorschriften muss zwischen Sonnenuntergang (SU) und Sonnenaufgang (SA) ein Kajak unterwegs entlang der Küste mindestens ein fest angebrachtes, weißes Rundumlicht führen, das über den ganzen Horizont sichtbar ist und eine Mindesttragweite von 2 sm hat. Verfügt ein Kanute nicht über ein solches Licht, sollte er auf den Fall vorbereitet sein, dass er auf Grund eines Notstandes in die Dunkelheit geraten kann, d.h. er hat ein weißes Licht (z.B. wasserdichte Taschenlampe) ständig gebrauchsfertig mitzuführen und bei Kollisionsgefahr rechtzeitig zu zeigen.

Um den Kontakt mit den Kameraden nicht zu verlieren, bietet es sich weiterhin an, schon vor Antritt einer Tour, bei der wir u.U. in die Dunkelheit geraten könnten, am Heck eines jeden Seekajaks einen Leuchtstab (Knicklicht) mit Klebeband zu befestigen. Vor Eintritt der Dunkelheit kann durch leichtes Knicken der Stab zum Leuchten gebracht werden, sodass sich die Kameraden im Dunklen leichter gegenseitig erkennen können.

 

6. Paddelfarbe: Wenn man einen Kanuten auf dem Meer entdeckt, liegt es meistens daran, dass man zunächst auf sein Paddel aufmerksam wird. Dieses stetige Auf und Ab der Paddelblätter muss wohl eine besonders große Signalwirkung haben. Wenn man diese Wirkung verstärken will, sollte man nicht mit z.B. schwarzen Paddelblättern auf Tour gehen. Ich habe mir daher meine Blätter mit salzwasserfester Farbe gelb angestrichen.

 

7. Bekleidungsfarbe: Auch hier gilt, je auffälliger, desto sichtbarer. Es gibt eine britische Firma, die wohl deshalb extra die für das Küstenkanuwandern angebotenen Paddeljacken mit gelben Ärmeln ausrüstet. Gerade wenn man mit seinen Armen winkt bzw. Signale gibt, ist es von Vorteil, wenn die Ärmelfarbe sich gut von der Färbung des Wassers abhebt. Das gilt insbesondere dann, wenn man nach einer Kenterung sein Kajak verloren hat.

Eine nicht zu unterschätzende Signalwirkung hat auch ein gelber Südwester, der bei schlechtem Wetter zu tragen ist. Nicht nur beim Paddeln können dann die Kameraden viel schneller erkennen, zwischen welchen Wellenbergen die anderen paddeln, sondern auch die Retter haben eine größere Chance, den nach einer Kenterung im Wasser treibenden Kanuten zu entdecken.

Leider ist es noch nicht – wie bei Rettungswesten und vielfach schon bei Joggingbekleidung - üblich, die Paddel-Bekleidung mit Reflexstreifen zu versehen, damit auch in der Nacht die nötige Auffälligkeit gesichert ist.

 

8. Paddelkurs: Kommt es darauf an, gesehen zu werden (z.B. bei Kollisionsgefahr im Fahrwasser), so empfiehlt es sich, der Schifffahrt z.B. beim Queren eines Fahrwassers seine Breitseite zu zeigen.

Gilt es nun, durch Kursänderung eine Kollision zu vermeiden, so gibt die KVR Folgendes vor:

„Jede Änderung des Kurses und/oder der Geschwindigkeit zur Vermeidung eines Zusammenstoßes muss, wenn es die Umstände zulassen, so groß sein, dass ein anderes Fahrzeug optisch sie schnell erkennen kann; aufeinander folgende kleine Änderungen des Kurses und/oder Geschwindigkeit sollen vermieden werden.“ (KVR Regel 8 b)

 

9. Gruppenzusammenhalt: Wichtiger für den Gruppenzusammenhalt ist, dass die Gruppe überschaubar bleibt. Je größer die Gruppe, desto kritischer wird dies und umso nötiger wird eine Teilung der Gruppen in Untergruppen mit max. 4 Kajaks pro Untergruppe.

Da eine Gruppe von Kanuten leichter zu erkennen ist als ein Solo-Paddler, empfiehlt es sich auch aus Gründen der besseren Sichtbarkeit, dass die Gruppe zusammen bleibt und bei Querungen eines Fahrwassers im Pulk paddelt. Driften nämlich die Kanuten immer weiter auseinander, ist die Gefahr sehr groß, dass die am Rande einer Gruppe paddelnden Kameraden von der Schifffahrt bzw. den Rettern einfach übersehen werden.

 

10. Signalmittel: Ein weiteres Mittel, um auf sich aufmerksam zu machen, stellen Signalmittel dar. In Frage kommt hier zunächst einmal als akustisches Signalmittel die Signalpfeife. Sie ist besser als gar nichts; denn bei Wind- & Wellengeräuschen bzw. bei Schiffsmotorengeräuschen sind Pfeifsignale auf dem Meer praktisch nach wenigen –zig Metern nicht mehr wahrnehmbar. Das gilt übrigens auch für jene Signalpfeifen, die Töne mit über 100 Dezibel erzeugen und folglich so laut sind, dass einem anschließend minutenlang die Ohren dröhnen. Aber irgendwie „verschluckt“ dass offene Meer auch ein solch lautes Tonsignal.

Besteht Kollisionsgefahr bzw. gilt es, einen Retter zu sich zu lotsen, empfiehlt es sich, ein „Nico-Signal“ griffbereit dabei zu haben. Zuvor ersetzt man jedoch 2 der 6 roten Signalkugeln durch weiße Signalkugeln. Tritt dann eine Kollisionsgefahr ein, verschießt man: 1 weiße Signalkugel (Vorsicht! nicht aus Versehen eine rote Kugel zünden) und kommt es zum Seenotfall, verschießt man 2 rote Signalkugeln. Natürlich ist die Tragweite einer solchen nur ca. 60-80 m hoch steigenden und nur für ca. 6-8 Sek. leuchtenden Signalkugel nicht sehr groß. Man sollte sie daher nur dann einsetzen, wenn das sich auf Kollisionskurs befindende bzw. als Retter in Frage kommende Schiff in der Nähe befindet (ca. 100-400 m). Auch ist es ratsam, ein Reservemagazin griffbereit im Cockpit zu lagern; denn in einem Seenotfall sind 6 Signalkugeln schnell verschossen. Das „Nico-Signal“ sollte jedoch griffbereit gelagert werden, und zwar möglichst am Körper (Rettungsweste, Spritdecke), damit man es auch noch nach einer Kenterung mit nassem Ausstieg und Bootsverlust dabei hat und einsetzen kann.

Zusätzlich bietet es sich bei einem Seenotfall an, ein weißes Blitzlicht zu aktivieren und am Körper bzw. auf Deck zu befestigen.

Am geeignetsten sind jedoch die pyro-scheinflichtigen Seenotraketen (Steighöhe: ca. 300 m; Brenndauer: ca. 30-40 Sek.), und zwar möglichst in Verbindung mit einer Handrauchfackel (Tagsignal) (ca. 60 Sek. orangenfarbiger Rauch) bzw. Handfackel (Nachtsignal) (ca. 60 Sek. roter bzw. weißer Feuerschein). Leider sind diese Signalmittel so voluminös, das der einzelne Kanute nur jeweils 2 Seenotraketen, 1 Handfackel und 1 Handrauchfackel mit sich führen kann. Berücksichtigt man jedoch, dass jeder Kanute damit ausgerüstet sein sollte, dann summiert sich dies bei einer Gruppe von 4-8 Kajaks beträchtlich.

 

Text: U.Beier