10.05.2012 14 Rettungswesten (150-N-Klasse) im YACHT-Test (Ausrüstung)

 

In der YACHT berichten Th.Bock/H.Schmidt in dem Beitrag:

 

„Auftriebs-Körper“

 

über die Testergebnisse von insgesamt 14 Rettungswesten der 150-Newton-Klasse (= mind. 15 kg Auftrieb).

 

Am besten schnitt das folgende Modell ab:

 

„Arkona 220“ (Hersteller: Secumar)

 

Recht gut wurden aber auch z.B. die folgenden Westen beurteilt:

 

„AWN Security 150“ (Hersteller: Secumar; Vertrieb: A.W.Niemeyer)

 

„XM Quickfit“ (Hersteller: Plastimo Marine; Vertrieb: Navimo)

 

„Seatec X-Pro 150“ (Hersteller: Kadematic; Vertrieb: SVB)

 

… und im Nachtest (Nr. 12/2012) auch:

 

„Crewfit 190 ZIP“ (Hersteller: Crewsaver; Vertrieb: Crewsail)

 

„180 Racer Plus“ (Hersteller: Lade OY Estonia; Vertrieb: Marinepool)

 

Die von SECUMAR speziell für Kanuten und Ruderer angebotene Rettungswesten „Canoe Plus“ bzw. „15 SR“ (0,8 kg) wurde jedoch nicht getestet.

 

Im Rahmen des Tests wurden diese Westen von einer 182 cm großen und 76 kg schweren Person getragen, die mit Badehose, Shirt, Ölzeug und Segelstiefeln bekleidet war. Sie ließ sich rückwärts von einem Startblock ins Wasser fallen. U.a. geprüft wurde, ob die Weste automatisch aufgeblasen wird und die Person in ohnmachtssicherer Lage auftaucht. Gegenüber der ISO-Norm sind solche Testbedingungen schon praxisgerechter; denn lt. Norm wird – völlig realitätsfern - nur gefordert, dass die Person mit Badehose bekleidet ist. Dennoch sind die YACHT-Testbedingungen nicht realitätsnah genug. Was passiert denn, wenn die Person voll mit Ölzeug bekleidet nicht „rücklings“ sondern „bäuchlings“ ins Wasser fällt? Testerfahrungen aus 2006, die u.a. auch in der YACHT (14/06) erschienen sind, legten dabei offen, dass:

 

 

è www.kuestenkanuwandern.de/ausruest/060628_a.html (29 Rettungswesten der 150-N-Klasse / YACHT-Test – 28/06/06)

 

Den Herstellern ist das bewusst. Sie schränken daher die „Ohnmachtssicherheit“ ihrer 150-N-Rettungswesten ein und empfehlen die 275-N-Westen, wenn „schwere, großvolumige Wetterbekleidung getragen wird“. Aber wie die Zeitschrift SEGELN (Nr.8/2008) schon feststellte, schafften von 9 Rettungswesten der 275-N-Klasse nur 2 Westen, die bäuchlings ins Wasser gefallenen Versuchspersonen (65 kg bzw. 120 kg Körpergewicht, bekleidet mit Pullover, Hose und Ölzeug) in die ohnmachtssichere Rückenlage zu drehen, wobei manchmal die leichtere, manchmal die schwerer Person bäuchlings im Wasser liegen blieb!

 

è www.kuestenkanuwandern.de/ausruest/080722_b.html (10 Rettungswesten der 275-N-Klasse / SEGELN-Test – 22/07/08)

 

M.E. sind diese 275-N-Westen im aufgeblasenen Zustand jedoch zu groß und für Küstenkanuwanderer weniger geeignet, da sie den Wiedereinstieg nach einer Kenterung erschweren können. Ihnen kann daher – wenn überhaupt – nur eine 150-N-Weste empfohlen und das auch nur dann, wenn es sich um „Solo-Paddler“ handelt, die so weit von der Küste paddeln, dass sie diese nicht mehr schwimmend erreichen können. Denn „Gruppen-Paddler“ – insbesondere wenn sie „seetüchtig“ sind - sind – wie die Erfahrungen der letzten –zig Jahre zeigen - nicht auf „ohnmachtssichere“ Westen angewiesen, da sie sich auf ihre Mitpaddler verlassen können. die einem nach einer Kenterung beim Wiedereinstieg behilflich sein können … und wenn es dann mal mit dem Wiedereinstieg doch nicht klappen sollte, dann haben sie immer noch die Möglichkeit, über entsprechende Seenotsignalmittel (z.B. Handrauchfackel, Seenotfallschirmsignalraketen, wasserdicht verpacktes Handy, UKW-Handsprechfunk, Seenotbaken) Dritte auf ihren Seenotfall aufmerksam zu machen.

 

Ich kann daher jedem Küstenkanuwanderer raten, der nicht nur für sich allein verantwortlich ist, nicht allein auf die „Ohnmachtssicherheit“ von Rettungswesten zu setzen. Statt einer Rettungsweste sollte er sich eine Feststoff-Schwimmweste (-hilfe) und eine solche Seenotbake (= EPIRB (Emergency Position Indicating Radio Beacon) oder PLB (Personal Locator Beacon)) zulegen, deren Notsignal innerhalb von ca. 5 Minuten bei einer Positionsgenauigkeit von ca. 75-100 m via Satellit an die zuständige Bodenstation weitergeleitet wird. Das derzeit kleinste und leichteste Gerät ist Folgendes:

 

ResQLink (Hersteller: ACR)

  • mit integriertem GPS-Modul und Peilsender
  • Sendeleistung: 5 W (406 MHz - Satellitennotsignal) und 50mW (121,5 MHz – Peilsignal)
  • Wasserdicht: 5 m bis zu 1 Std.; 10 m bis 10 Min.
  • Batterie: Lithium (nach 5 Jahren Batteriewechsel)
  • Betriebszeit: mindestens 24 Std. bei -20° C
  • Abmessungen: 3,3x4,8x9,9 cm
  • Gewicht: 130 g
  • Preis: ca. 300,- + 40,- Euro (Codierung, damit bei einer Auslösung des Notsignals der Eigentümer des Gerätes mit seinem Boot identifiziert werden kann) zzgl. 130,- Euro (einmalig bei Erstanmeldung über die für Deutschland zuständige „Bundesnetzagentur“) bzw. 60,- Euro (sofern bei der „Bundesnetzagentur“ schon ein UKW-Handsprechfunkgerät angemeldet wurde); sonst 0,- Euro bei Anmeldung über eine Registrierungsbehörde der britischen Coastguard)

è www.kanu.de/nuke/downloads/Seenotsender-Geraete.pdf

 

Natürlich, eine solche Rettungsweste ist von unschätzbarem Wert, wenn man nach einer Kenterung den Griffkontakt zu seinem Seekajak verloren hat und hilflos auf dem Meer treibt fernab von seinen Mitpaddlern. Und eine solche Rettungsweste ist, sofern wir uns für eine leichtere Weste entscheiden (ca. 0,8-0,9 kg), recht komfortabel, da sie bei wärmeren Temperaturen nicht so sehr aufträgt. Aber wo sollen wir bloß unsere Ausrüstung griffbereit verstauen (z.B. Handy, UKW-Sprechfunk, Seenotbake, Kamera, Notverpflegung, Rettungsdecke)? Nun, ich habe mich daher für die nicht ohnmachtssichere Feststoffschwimmweste „Kaikoura Tour“ (Hersteller: Palm) (Auftrieb: 60 N (bis Gr. S) bzw. 70 N (ab Gr. M) entschieden, die über genügend Taschen (= 7 Verstaumöglichkeiten) verfügt und die ich ein anderes Mal vorstellen möchte.

 

Text: Udo Beier

Quelle: YACHT, Nr. 11/2012, S.82-90, sowie Nr. 12/2012, S.84 (Nachtest) – www.yacht.de