14.05.2012 Tragbare Handlenzpumpe (Ausrüstung)

 

Ich kann es mir nicht erklären, warum immer mehr Küstenkanuwanderinnen und –wanderer ihr Seekajak nicht mit einer fest eingebauten Lenzpumpe ausrüsten. Stattdessen greifen sie – wenn überhaupt – auf tragbare Handlenzpumpen zurück.

 

Schuld daran ist das mangelnde Sicherheitsbewusstsein dieser Kanuten, gefördert durch die „modische“ Accessoire-Politik vieler Seekajak-Hersteller; denn diese bauen immer häufiger noch eine weitere – häufige die vierte - Gepäckluke (sog. „Tagesluke“) direkt im Griffbereich vor der Sitzluke, sodass es nicht mehr möglich ist, eine fest installierte Handlenzpumpe (Modell: „Compaq 50“) einzubauen.

 

Was bleibt, ist dann nur noch die Möglichkeit, eine Fußlenzpumpe fest zu installieren (è auf Dauer sehr ermüdend zu bedienen und wenig effizient; aber ein MUSS für Solo-Paddler).

 

Oder es wird sich für eine tragbare Handlenzpumpe entschieden und nimmt all seine Vor-/Nachteile in Kauf:

 

(+)       Besser als gar nichts!

(-)        Nicht tauglich für Solo-Paddler bei Seegang, der einen doch vorher kentern ließ!

(-)        Zusätzliches „Gerödel“ auf Deck, was nicht immer brandungssicher verstaut wird und nach einer Kenterung beim Wiedereinstieg stören kann!

(-)        Nicht sofort einsatzbereit, d.h. die Pumpe muss erst mal vom Achter- oder Vordeck geholt werden!

(--)       Umständlich einzusetzen, d.h. die Pumpe sollte – bei geschlossener Spritzdecke (!) – durch den Spritzdeckenschacht gesteckt und dann bis auf den Boden der Sitzluke geführt werden (Problem: bei weit nach vorne gezogenen Sitzflächen!), bevor mit dem Pumpen begonnen werden kann, wobei i.d.R. das Wasser abgepumpt wird, wenn der Pumpen-Kolben hochgezogen (!) wird!

(+/-)     Bedingt leistungsfähig, d.h. wenn erst einmal losgepumpt wird, wird so zwischen 300 bis 500 ml Wasser gelenzt. Je länger die Pumpe ist, desto leistungsfähiger wird sie, aber desto hinderlicher wird das Verstauen auf Deck!

(-)        Wenn während des Lenzvorganges erneut gekentert wird, geht die Lenzpumpe verloren, wenn sie nicht am Seekajak angebunden ist.

(-)        Unnötiger Ballast durch die zusätzliche Schaumummantlung, die wohl dafür sorgt, dass die Pumpe nicht untergehen kann, aber im kabbligen Seegang wird man die im Wasser treibende Pumpe sowieso kaum entdecken und nur unter erhöhtem Kenterrisiko bergen können!

(--)       Die Lenzpumpe ist nach dem Lenzvorgang nur umständlich wieder brandungssicher zu verstauen, eine erneute Kenterung ist dabei nicht auszuschließen!

(++)     Sollten Mitpaddler über keine Lenzpumpe verfügen, kann die eigene Pumpe an Dritter weitergegeben werden! Fahrtenleiter sollte daher stets eine solche tragbare Handlenzpumpe dabei haben, um jederzeit den „Kenterbrüdern“ beim Lenzen zu helfen; sei es dass diese überhaupt keine Pumpe dabei haben, bzw. nur eine Pumpe mit sich führen, die nicht effizient oder gar nicht pumpt. Gerade bei Mitpaddlern mit E-Lenzpumpen ist immer damit zu rechnen, dass sie aus welchen Gründen auch immer plötzlich nicht funktionieren wollen.

 

Bislang verfügte ich neben meiner fest eingebauten Handlenzpumpe (Modell: „Compaq 50“) (Nachteil: nichts für Solo-Paddler) über eine tragbare Handlenzpumpe (Modell von PRIJON: schwarz mit Metallstab, ca. 46 cm lang, 4,1 cm Ø, 280 g, ca. 0,3 Liter pro Hub). Die Pumpe funktioniert seit Jahren problemlos, leider lässt sich der Pumpenhebel im Laufe der Zeit nur etwas schwergängig hochziehen und herunterdrücken. Das Modell wird jedoch nicht mehr angeboten.

 

GLOBETROTTER biete eine tragbare Handlenzpumpe von AQUABOUND an (Modell: „Bilge Master“: gelb mit Metallstab, ca. 53 cm lang, 4,4 cm Ø, 290 g, ca. 0,45 Liter pro Hub (lt. Heersteller: 0,5 Liter pro Hub). Sie funktioniert bis auf das erste Mal, da löste sich die Verschraubung und der Pumpen-Kolben konnte aus dem Pumpzylinder gezogen werden. Mit seinen 53 cm ist sie etwas lang und daher eher für Zweier geeignet.

 

PRIJON hat derzeit die tragbare Handlenzpumpe „SeaSense“ im Angebot (ca. 50 cm lang) (ca. 30,- Euro).

 

SCHRÖER bietet u.a. die „Harmony HV Bilge Pump“ an (lt. Katalog: 44,5x6,5* cm, 300* g; lt. Hersteller Pumpleistung je Hub ca. 0,5 Liter (* mit Schaumpolster?)) (ca. 30,- Euro)

 

Neuerdings findet man in Hamburg bei GLOBETROTTER eine Pumpe von SEA TO SUMMIT, und zwar die „Hand Bilge Pump“ (grau mit Pastikstab, 46 cm lang, 4,4 cm Ø, 300g, ca. 0,375 Liter pro Hub (lt. Hersteller: 0,4 Liter Hub)) (ca. 30,- Euro). Im Prospekt wird damit geworben, dass diese Pumpe eine „Doppelwirkung“ bietet, d.h. beim Hochziehen lenzt sie (ca. 0,3 Liter = 80 %) und beim Hinunterdrücken auch (ca. 0,075 Liter = 20 %). Ansonsten macht diese Pumpe einen soliden Eindruck.

 

In Segelfachgeschäften findet man ebenfalls tragbare Handlenzpumpen mit Plastikstab in verschiedenen Länge und somit unterschiedlicher Pumpleistung. Wer sich für solch eine Pumpe entscheidet, sollte darauf achten, dass sie für Einer-Seekajaks nicht länger als 50 cm ist. Übrigens, die mitgelieferten Schläuche für den Ansaugstutzen (unten) und den Spritzstutzen (oben) benötigen wird nicht. Beides stört nur (1) die Anhabung der Pumpe beim Lenzen eines Seekajaks und (2) beim Verstauen auf Deck. Ansonsten haben einige Mitpaddler schlechte Erfahrungen mit diesen Pumpen gemacht, sodass ich sie nur als „besser als gar nichts“ einstufen möchte.

 

Text: U.Beier