17.05.2012 Feststoffschwimmweste „Kaikoura Tour“: Wer hält dagegen? (Ausrüstung)

 

Bei der Auswahl von Auftriebskörpern sollten Küstenkanuwanderinnen und –wanderer Feststoffschwimmwesten in die engere Auswahl mit einbeziehen, auch wenn sie manchem ein wenig zu viel Wärme spenden, sorgen sie doch von Anfang an für den nötigen Auftrieb, auch wenn ihnen nicht das Prädikat „ohnmachtssicher“ verliehen werden kann. Aber sind wir wirklich auf dieses Eigenschaftsmerkmal, welches die Hersteller von Rettungswesten ihren Produkten auch nur bedingt zusichern können, angewiesen?

 

Zumindest entlang der deutschen Nord- und Ostseeküste kenne ich nur einen einzigen bedingt seetüchtigen Solo-Paddler, der mit einer Rettungsweste u.U. seine Kenterung überlebt hätte. Seetüchtige Gruppen-Paddler

 

è „Less than three there never should be!“

 

würden – von winzigen Ausnahmen mal abgesehen – bei ihrer Rettung, nämlich bei der Hilfe während des Wiedereinstiegs, nur durch eine Rettungsweste behindert werden, und zwar im zweifachen Sinn:

 

(1)  Wird die Rettungsweste nicht aktiviert (d.h. der Auftriebskörper bleibt unaufgeblasen) verursacht sie einen negativen Auftrieb von ca. 10 Newton (= 1 kg) und erschwert – wenn auch minimal – das Schwimmen!

(2)  Wird sie aber aktiviert, dann behindert sie den „Kenterbruder“ massiv beim Wiedereinstieg in sein Seekajak.

 

Ich habe mich daher nachdem ich seit Jahrzehnte eine Rettungsweste trug, mich für eine Schwimmweste (mit mehreren Taschen) entschieden, letztlich auch weil ich den Komfort schätze, verschiedene Ausrüstungsgegenstände (z.B. UKW-Handsprechfunkgerät, Seenotsender (PLB), Handy, Kamera, Notverpflegung, Rettungsdecke, Seenotsignalmittel und Lippenpflegestift mit LSF), Geld) griffbereit am Körper zu tragen:

 

 

Insgesamt verfügt sie für je 3 Taschen links und rechts auf der Vorderseite und je eine große Tasche auf der Rückseite (außen & innen). Außerdem stehen noch 11 Schlaufen bzw. Haken sowie 2 Plastikhalterungen zur Verfügung, an denen man verschiedene Dinge sichern (z.B. alles was wir lose in den Taschen verstauen) bzw. hängen kann (z.B. Brillensicherungsband, Lippenpflegestift, zusätzliche Signalpfeife, Nicosignal und notfalls eine Taschenlampe). Weiterhin ist sie mit 6 verstellbaren Haltegurten ausgestattet, um individuelle Einstellungen optimal zu ermöglichen. Schließlich verfügt diese Weste ab der Größe M über ein Auftriebsplus von 20 N, also summa summarum von 70 N statt den vorgeschriebenen 50 N. Wer bietet mehr?

 

Laut Prospektangaben stehen zum Küstenkanuwandern auch noch z.B. die folgenden Schwimmwesten zur Auswahl:

 

 

Für welche dieser Schwimmwesten wir uns entscheiden, sollte letztlich davon abhängen, wie gut sie sitzt, und zwar beim Paddeln und beim Schwimmen! Denn eine Schwimmweste, die beim Paddeln stört, die tragen wir nicht am Körper, sonder verstauen sie auf dem Achterdeck. Und eine Schwimmweste, die beim Schwimmen stört, verdient den offiziellen Terminus „Schwimmhilfe“ nicht; denn offiziell werden die üblicherweise als „Schwimmwesten“ bezeichneten Auftriebskörper als „Schwimmhilfen“ bezeichnet! „Rettungswesten“ demgegenüber sind jene Auftriebskörper, die zumindest gemäß genormten Bedingungen „ohnmachtssicher“ sind.

 

Wer mehr über Rettungs- & Schwimmwesten erfahren möchte, möge zum folgenden Thread surfen:

 

http://forum.kanu.de/showthread.php?t=6466

 

Text: U.Beier