20.08.2012 Ausrüstung – griffbereit verstaut? (Ausrüstung)

 

Anlässlich meiner Bemerkungen zur Bedeutung von Feststoffwesten für das Küstenkanuwandern, insbesondere deren Möglichkeit, wichtige Ausrüstungsteile griffbereit zu verstauen:

 

www.kuestenkanuwandern.de/ausruest/120517.html

 

ist die Frage aufgetaucht, ob nicht die Gefahr bestände, sich mit Ausrüstungsteilen zu überladen ähnlich wie bei Seekajaks, in die so viel Ausrüstung verstaut wird, bis nichts mehr in die Gepäckluken bzw. aufs Deck passt? Nun, diese Gefahr ist nicht unbegründet …

 

Ich habe deshalb mal selber überprüft, was ich so alles in die 8 Taschen meiner Feststoffschiffweste packe oder an die 11 Haken meiner Feststoffweste hänge:

 

Nico-Signal = 220 Gramm (hängend)

UKW-Handsprechfunkgerät = 290 Gramm

Seenotbake = 140 Gramm

Handy = 130 Gramm

Rettungsdecke = 60 Gramm (im Rückenfach)

Feuerzeug = 15 Gramm (im Rückenfach)

wasserdichter Behälter mit Pflaster & Geld = 55 Gramm

Lippenstift = 20 Gramm (hängend)

Schokoladendose = 140 Gramm (im Rückenfach)

Fotoapparat = 230 Gramm

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Gesamtgewicht: 1,3 Kilogramm

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Meine Feststoffschwimmweste Modell „Kaikoura Tour“ (Hersteller: PALM) hat bei Größe L insgesamt 70 N Auftrieb (entspricht 7 kg). Sie selber wiegt 1,4 kg. Inklusive der 1,3 kg für meine oben aufgezählten Ausrüstung komme ich auf 2,7 kg Abtrieb, so dass diese Schwimmweste noch einen Netto-Auftrieb von 43 N (= 4,3 kg) bieten kann.

 

Bis zum letzten Jahr trug ich noch eine Rettungsweste von SECUMAR (Gewicht: ca. 1,0 kg). Dazu kamen die folgenden Ausrüstungsteile, die entweder in oder an der Rettungsweste verstaut waren bzw. mangels Unterbringungsmöglichkeit am Körper hingen:

 

Nico-Signal = 220 Gramm (hängend)

UKW-Handsprechfunkgerät = 290 Gramm

Handy = 130 Gramm (am Körper getragen)

Lippenstift = 20 Gramm (hängend)

Fotoapparat = 230 Gramm (am Körper getragen)

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Gesamtgewicht: 0,890 Kilogramm

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D.h. beim Tragen der Rettungsweste plus obiger Ausrüstungsteile komme ich auf ein Gewicht von 1,890 kg (è Abtrieb). Im Vergleich zu meiner Feststoffschwimmweste von PALM (Netto-Auftrieb = 4,3 kg) bietet mir also meine Rettungsweste von SECUMAR einen Auftrieb, der rein rechnerisch 6,190 kg niedriger liegt. Das ist ein Manko der Rettungswesten, das erst dann ausgeglichen wird, wenn die Reißleine zum Auslösen der CO2-Patrone gezogen und die mindestens 150 N (= 15 kg) umfassende Schwimmblase aufgeblasen wird. Leider ist das sofort mit einem anderen Manko verbunden, nämlich jenem, dass man mit solch einer aufgeblasenen 150-N-Rettungsweste recht hilflos – dafür aber praktisch „ohnmachtssicher“ im Wasser treibt. Weder wird man in der Lage sein, nach einer Kenterung (mit Ausstieg) schnell genug hinter seinem vom Wind oder Seegang abgetriebenen Seekajak her zu schwimmen, noch wird einem problemlos der Wiedereinstieg z.B. per Parallel- bzw. V-Methode oder der „Cowboy“-Wiedereinstieg gelingen.

 

Last not least bleibt die Frage, ob es wirklich nötig ist, sich mit solcher Ausrüstung abzuschleppen? Wer immer nur entlang des Sandstrandes oder Deiches paddelt und das auch nur bei schwachen Winden, u.U. sogar immer nur mit Kameradinnen und Kameraden auf die er sich verlassen kann bzw. gar unter der Obhut eines Fahrtenleiters, der denkt darüber sicherlich anders nach, als ein Fahrtenleiter, der mit einer Gruppe ihm nur flüchtig bekannter Küstenkanuwanderinnen und –wanderer unterwegs ist und Kilometer weit hinaus aufs offene Meer bei 4-5 Bft. Wind in Böen 5-6 Bft. paddelt.

 

Text: U.Beier

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