30.09.2012 IP-X7: Wirklich Wasserdicht? (Ausrüstung)

 

In der YACHT erläutert O.Schmidt in dem Beitrag:

 

„Dicht oder nicht?“

 

die normierten Bezeichnungen für die Schutzarten nach IP, wobei IP für „Ingress Protection“ = „Schutz gegen Eindringen“ steht.

 

Das Vorliegen einer konkreten Schutzart wird wie folgt gekennzeichnet: IP-XY

 

Das X sagt etwas über den Schutz vor Fremdkörpern aus:

 

 

Das Y betrifft den Schutz vor Wasser:

 

 

Fazit

 

„Für Geräte, die auch mal im ständigen Wasserkontakt, beispielsweise im Schlauchboot, betrieben oder aufbewahrt werden, ist selbst „7“ als höchste vollständig definierte Stufe nicht ausreichend.“

 

Wer also lange etwas von seinem Gerät haben möchte, sollte es nicht ungeschützt offen z.B. auf dem Kartendeck seines Seekajaks oder der Spritzdecke befestigt transportieren (z.B. GPS-Gerät), so dass es von jeder 40+-cm-Welle überspült werden kann. Vielmehr ist es empfehlenswert, das Gerät in eine wasserdichte Hülle zu stecken, die jedoch über einen Druck- und keinen Klettverschluss verfügt; denn Klettverschlüsse sind nicht 100%ig dicht. Wenn dann die eingedrungenen Wassertropfen in der Hülle von der Sonne aufgeheizt werden und in Wasserdampf übergehen, kann es passieren, dass das Gerät dieses feuchte Klima nicht stundenlang übersteht. Ich selber habe das schon häufiger erlebt. Meist hatte ich die Möglichkeit, während einer Pause am Strand das Gerät auszupacken und in die Sonne zu legen. I.d.R. reichte ein 15-minütiges „Sonnenbad“ aus. Es sei aber dahingestellt, ob ein solches Gerät auf Dauer immer & immer wieder solchen Salznebel übersteht.

 

Übrigens, ich verfügte mal über die „NIKONOS“, eine Taucherkamera von NIKON, die bis zu 50 Meter Wassertiefe aushalten sollte, richtige Pflege vorausgesetzt (z.B. nach jedem Tauchgang musste sie stundenlang gewässert werden, damit sich wohl die Salzreste auflösen, und die Dichtungsringe mussten gereinigt, z.B. von Sandkörnern gesäubert, und eingefettet werden).

 

Anders ist das zu beurteilen, wenn das Gerät (z.B. Digitalkamera) vor Spritzwasser geschützt in einer Tasche der Paddeljacke bzw. Schwimmweste gelagert und nur kurzzeitig (z.B. zum Schnappschuss) herausgeholt wird. Zumindest Kameras, die mittlerweile fast alle bis zu 10 Meter Tauchtiefe aushalten sollen, müssten das bei entsprechender Pflege schon überstehen können. D.h. überprüft also mal nach einer Küstenkanutour, wie viel Sandkörner an den Dichtungsringen der beiden Funktionsklappen eurer Kamera noch kleben, und entfernt sie spätestens vor der nächsten Tour)?!

 

Zum Vergleich: Zur Wasserdichtigkeit von Uhren

 

Ob eine Uhr wasserdicht ist, hängt letztlich von der Höhe des Wasserdrucks (gemessen in bar bzw. atm) ab, den sie für eine bestimmte Zeitdauer aushält, wobei 1 bar bzw. 1 atm dem Druck von 10 m Wassersäule entspricht. Es sollte uns jedoch bewusst sein, dass bei Schwimmbewegungen bzw. einem Sprung ins Wasser der Druck auf die Uhr höher ausfällt, als die Wassertiefe es vermuten lässt. Deshalb wird auch eine Uhr:

 

 

In Anbetracht dieser Kriterien sind wir u.U. eher in der Lage, die praktische Bedeutung von IP-X7 einzuschätzen. Übertragen auf eine Uhr heißt das nämlich, dass sie gerade mal einen Druck von 0,1 bar aushält, und zwar 30 Minuten lang. Und Kameras, die bis 10 Meter Wassertiefe „waterproof“ sind, dürfen höchstens einen Wasserdruck ausgesetzt werden, der 1 bar nicht übersteigt.

 

Text: U.Beier

Quelle: YACHT, Nr. 20/12, S.92-95 – www.yacht.de

Link:

http://de.wikipedia.org/wiki/Schutzart

http://de.wikipedia.org/wiki/Wasserdichtigkeit