17.10.2012 TOURYAK 500 (500x63 cm; 460 Liter Vol.) von PRIJON (Ausrüstung)

 

Das Programm an PE-Kajaks, die zum Küstenkanuwandern geeignet sind, ist bei PRIJON recht vielfältig. Am bekanntesten ist wohl der „Seayak“ (490x58 cm; 360 Liter Volumen), der im Laufe der Jahre die verschiedensten inneren Veränderungen erfuhr (z.B. bzgl. der Steueranlage, Heckform, Art der Abschottung, Sitzanlage, Schenkelstützen, Gepäcklukendeckel). Aber auch äußerlich erfuhr er entsprechende Anpassungen. Zu denken ist hier an den „Seayak 500 LV“ (500x55 cm; 329 Liter Volumen) und „Seayak 520 HV“ (518x58 cm; 380 Liter Volumen), die beide parallel zum „Seayak“ angeboten werden.

 

Recht lange wird auch schon der „Touryak“ (470x63 cm; 440 Liter Volumen) angeboten. Er erfuhr jetzt auch eine Veränderung, letztlich weil wohl lt. KANU-MAGAZIN die Negativform beim Blasen dieses PE-Kajaks zersprungen sein soll. Ab sofort wird stattdessen der „Touryak 500“ (500x63 cm; 460 Liter Volumen) angeboten.

 

460 Liter (!) Volumen – der alte kam jedoch auch schon auf 440 Liter – machen den „Touryak 500“ – und nicht den „Kodiak“ (518x59 cm; 390 Liter Volumen) - wohl zum voluminösesten deutschen Einer-Kajak, mit dem man auch auf dem Meer paddeln kann … wenn der Paddler es kann! Aber ist damit der „Touryak 500“ auch das Einer-Kajak, in dem auch das meiste Gepäck passt?

 

Nun, ich kenne noch nicht die Volumenverteilung des „Touryak 500“ auf Bug- und Heckstauraum sowie Cockpit, aber dafür noch die Daten seines Vorgängers, dem „Touryak“. Seine 440 Liter Gesamt-Volumen verteilten sich folgt:

 

„Touryak“ (470x63 cm; Gesamtvolumen = 440 Liter / Gepäckvolumen = 175 Liter)

è Bugvolumen = 50 Liter + Heckvolumen = 125 Liter / Cockpitvolumen = 265 Liter

 

Zum Vergleich:

„Kodiak“ (518x59 cm; Gesamtvolumen = 395 Liter / Gepäckvolumen = 177 Liter)

è Bugvolumen = 63 Liter + Heckvolumen = 114 Liter / Cockpitvolumen = 218 Liter

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„Nordstern HV“ (LETTMANN) (555x58 cm; Gesamtvol. = 425 Liter / Gepäckvol. = 210 Liter)

è Bugvolumen = 70 Liter + Heckvolumen = 140 Liter / Cockpitvolumen = 215 Liter

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„Xplore-X“ (TIDERACE) (550x61 cm; Gesamtvol. = 430 Liter / Gepäckvol. = 251 Liter)

è Bugvolumen = 111 Liter + Heckvolumen = 140 Liter / Cockpitvolumen = 179 Liter

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„Explorer K1“ (LETTMANN) (500x66 cm; Gesamtvol. = 455 Liter / Gepäckvol. = 255 Liter)

è Bugvolumen = 95 Liter + Heckvolumen = 160 Liter / Cockpitvolumen = 200 Liter

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“C-Trek 18” (KIRTON) (566x58 cm; Gesamtvol. = 490 Liter / Gepäckvol. = 300 Liter)

è Bugvolumen = 130 Liter + Heckvolumen = 170 Liter / Cockpitvolumen = 190 Liter

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„Oland“ (PIETSCH&HANSEN) (530x55 cm; Gesamtvol. = 320 Liter* / Gepäckvol. = 175 Liter)

è Bugvolumen = 75 Liter + Heckvolumen = 100 Liter / Cockpitvolumen = 145 Liter

(* = persönlich mit Wasser ausgelitert)

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Wie wir sehen, gibt es neben „Touryak“ und „Kodiak“ noch einige andere „voluminöse Kajaks, die zudem unzweifelhaft den Seekajaks zuzurechnen sind. So ist sogar mit dem hier voluminösten Seekajak, dem „C-Trek 18“ Großbritannien umrundet worden, wenn auch nicht in der angestrebten Rekordzeit, was der Brite Sean Morley nicht nur auf das Wetter, sondern auch auf das doch etwas zu volumige Seekajak zurückführte.

 

Dass der „Touryak“ trotz seines großen Gesamtvolumens (440 Liter) ein relativ geringes Gepäckvolumen (= 177 Liter) aufweist, liegt daran, dass das Cockpitvolumen (= 265 Liter) einfach zu groß ausgelegt ist. Ein Grund dafür ist darin zu finden, dass der „Touryak“ im Cockpitbereich sehr breit und sicherlich auch sehr hoch ist, so dass es im Cockpit so viel Volumen hat wie viele Seekjakas der Volumenklasse „S“ insgesamt an Volumen haben:

 

è www.kanu.de/nuke/downloads/Marktuebersicht-SK1.pdf

 

Der Hauptgrund liegt aber darin, dass die Bugschottwand zu weit vorn positioniert ist, damit auch ja noch die größten Kanuten Platz im Cockpit finden. Das ist okay für solche Kanuten, alle anderen Kanuten mit kürzeren Beinen aber verschenken Gepäckvolumen zugunsten Cockpitvolumen, der gar nicht oder nur bedingt zusätzlich genutzt werden kann.

 

Natürlich kann man versuchen, die nicht genutzten freien Räume im „Touryak“ mit Gepäck auszufüllen (z.B. Wassersäcke, Bootswagenräder, -gestell bzw. Zelt könnten vor den Steuerpedalen bzw. hinter dem Sitz gelagert werden). Aber das stellt keine Alternative für die Lagerung im Bug- oder Heckstauraum dar. Außerdem ist ein großes Cockpitvolumen aus der Sicht des Küstenkanuwanderns als kritisch anzusehen, da nach einer Kenterung u.U. zum einen 50 bis 100 Liter Wasser zusätzlich zu lenzen sind und zum anderen die Gefahr besteht, dass bei einer allzu heftigen Kenterung (z.B. in der Brandung) die Gepäckstücke sich von ihrer Befestigung lösen (sofern sie überhaupt richtig befestigt wurden) und verloren gehen oder den Wiedereinstieg behindern können.

 

Es ist daher nicht überraschend, dass der alte „Touryak“ trotz seines Gesamtvolumens von 440 Liter nur ein Gesamtgepäckvolumen von 177 Liter hat, also nur 3 Liter mehr als mein „Oland“, der ein Gesamtvolumen von 320 Liter hat. Zurückzuführen ist das auf das auf meine Beinlänge ausgerichtete auf Maß eingebaut Bugschott.

 

PRIJON hat im Laufe der Jahre vieles an seinen PE-(See)-Kajaks verändert. Ich verstehe nicht, warum er es bislang nicht versucht hat, zumindest für zwei verschiedene Beinlängen (z.B. Kanuten bis 170 cm bzw. 195 cm Größe) je eine alternative Bugschottwand zum Einbau ab Werk anzubieten, und zwar nicht nur für den neuen „Touryak 500“, sondern auch für seine anderen PE-Kajaks Seekajaks wie:

 

  • „Seayak“ (Cockpitvol. 208 Liter),
  • „Kodiak“ (Cockpitvol. 213 Liter).
  • „Seayak 500 LV (Cockpitvol. 221 Liter),
  • „Seayak 520 HV“ (Cockpitvol. 254 Liter).

 

Nun, andere Hersteller von PE-Seekajaks bieten ein solches Extra auch nicht an, auch nicht gegen Aufpreis. Aber ist das ein Grund, um auf solch ein leicht realisierbares Eigenschaftsmerkmal zu verzichten?

 

Alle anderen gängigen Seekajakmodell weisen ein Cockpitvolumen auf, das mit Ausnahme des ”Nordstern HV” (Cockpitvol. 215 Liter) unter 200 Liter liegt, wobei für all diese Seekajaks zusätzlich die Möglichkeit besteht, für einen Aufpreis von unter 100,- Euro das Bugschott auf Maß einzubauen und somit das Cockpitvolumen noch weiter zu drücken, teilweise bis auf unter 150 Liter.

 

Für den „Binnenpaddler“ ist das wohl nicht so wichtig, aber ein „engagierter“ Küstenkanuwanderer merkt das und entscheidet sich – Ausnahmen bestätigen die Regel – zumindest für kein PE-Seekajak von PRIJON, auch wenn das verwendete HTP-PE unschlagbar widerstandsfähig ist! Wir haben es gerade erst wieder bei den beiden „Südamerikaumrundern“ Freya Hoffmeister & Peter Unold erlebt, wie leicht & schnell Laminat-Seekajaks bei Felsberührung beschädigt werden können:

 

è http://forum.kanu.de/showpost.php?p=26858&postcount=4

 

Ob das hohe Cockpitvolumen der Grund ist, warum man z.B. auf der Nordsee, einem recht anspruchsvollen Küstenrevier, relativ wenige PE-Seekajaks von PRIJON antrifft, kann ich nicht belegen. Sicherlich kommen noch ein paar – mehr oder weniger subjektiv gefärbte oder gar „imaginäre“ - weitere Gründe dazu, wie z.B.:

 

  • gewöhnungsbedürftiges Design von Unter-/Oberschiff,
  • zu kurze bzw. zu breite bzw. zu voluminöse Bootsform,
  • zu große Sitzluken,
  • nur ein bedingt funktionelles Steuer,
  • kein verstellbares Skeg,
  • kein funktionelles Kartendeck,
  • kein integrierter Kompass,
  • keine integrierte Lenzpumpe,
  • zu dünne und labberige Rettungshalteleinen,
  • nicht funktionelles Bugtoggle (Halteknauf),
  • gewöhnungsbedürftige Gepäcklukendeckel,

 

und das, obwohl auch etwas für ein PE-Seekajak von PRIJON spricht:

 

  • das äußerst widerstandsfähige HTP-Material,
  • die verstellbaren Schenkelstützen (sofern immer noch eingebaut),
  • hohe Anfangsstabilität,
  • günstiger Preis (?).

 

Zumindest sehe, höre und erlebe ich es so! Abgesehen davon beobachte ich, dass die oben erwähnten Gründe immer öfter „zweitkaufentscheidend“ werden. D.h. beim Kauf seines ersten Seekajaks achtet man vielfach noch auf andere Eigenschaftsmerkmale als beim „Zweitkauf“, d.h. beim Kauf seines nächsten, seines zweiten Seekajaks!?

 

Text: U.Beier