25.10.2012 Inuit-Kajaks: Was haben wir uns von diesen Qayaqs abgeschaut? (Ausrüstung)

 

HARVEY GOLDEN führt auf seiner Homepage insgesamt 40 unterschiedliche Typen von Inuit-Kajaks (= „Circum-Polar Kayak Typen“) und ihre Herkunftsorte auf:

 

www.traditionalkayaks.com/Kayakreplicas/types.html

 

In Anbetracht der Entwicklung moderner Seekajaks stellt sich die Frage, inwiefern die Kajaks der Inuit gerade die Bootsform unserer Seekajaks im Guten wie im Schlechten geprägt haben? Im Folgenden soll auf einige Eigenschaftsmerkmale eingegangen werden, die besonders auf einzelne Inuit-Kajaks zurückzuführen sind: z.B. auf die Stevenform, Form des Vor- bzw. Achterdecks, den Geradeauslauf, die Spantenform, die Wasserlinienlänge und den Variantenreichtum einzelner Modelle.

 

Am Anfang war das Qayaq mit positiv geneigten Steven

 

Prägend für die Bootsform der heutigen Seekajaks aus Faserverbundstoffen in Europa war das west-grönländische Kajak (è aufgezogene Steven, Knickspanter mit 1 Sente je Seite; ca. 500 cm lang und 51 cm breit, kleine, runde Sitzluke, 200 bis 250 Liter Volumen):

 

www.traditionalkayaks.com/Kayakreplicas/types.html > Typ #27

www.baidarka.eu/html/gronlander.html

 

Insbesondere die Briten nahmen bei der Entwicklung von Bootsformen für ihre Seekajaks diese grönländischen Kajaks zum Vorbild (sog. british styled sea kayaks). Zu denken ist hier z.B. an die Seekajaks von VALLEY(è „Anas Acuta“ (mit Knickspant) (523x51 cm; 275 Lit. Vol.) und den erstmals 1974 gebauten „Nordkapp“ (mit U-Spant) (545x54 cm; 310 Lit. Vol.):

 

www.valleyseakayaks.co.uk/?range=greenland-and-classic-kayaks

 

McNULTY sah jedoch bei seinem „Huntsman“ (487x57 cm) einen senkrechten Achtersteven vor, den es schon bei den Inuit-Kajaks der Aleuten und der Behring-See gab:

 

www.traditionalkayaks.com/Kayakreplicas/types.html > Typ #7 + #8

 

Und NIGEL DENNIS imitierte bei seinem „Greenlander“ (537x53 cm, 310 Lit. Vol.):

 

www.seakayakinguk.com/seakayaks/?mode=range&item=GREENLANDER

 

 – nicht jedoch bei seinen weiteren Seekajaks „Explorer“ und „Romany“ - ein anderes Inuit-Kajak, zumindest was die Form des Achtersteven betrifft, und zwar entweder eine Variante (von insgesamt über 100 Varianten) des grönländischen Kajaks (nämlich das „Avasisaatoq-Kajak“ (575x44 cm):

 

www.traditionalkayaks.com/Kayakreplicas/types.html > Typ #34

 

oder das Kajak der Inuit vom Mackenzie-Delta, das sog. „gehörnte“ Kajak (501x48 cm).

 

www.traditionalkayaks.com/Kayakreplicas/types.html > Typ #17

www.nomadboatbuilding.com/frames.html > Kayaks > Mackenzie

 

Andere Nationen gingen beim Seekajakbau zunächst ihre eigenen Wege, wie z.B. in Deutschland und Österreich, wo schon viel früher versucht wurde, diese arktischen Fellboote möglichst naturgetreu in Holz & Stoff (è Skin-on-Frame) nachzubauen (erst später wurde hierfür der Begriff „Zuckersackboote“ geprägt). Zu denken ist hier EDI HANS PAWLATA, der den ersten Falt-Eski konstruiert haben soll, den „Aijuk“ (490x47 cm), der von OTTO HARTEL dann in Kleinserie gebaut wurde:

 

http://faltbootbasteln.de/fbb-hartel-faltboote.html

 

Oder an das „Grazer Kajak“ (528x51 cm; 3 Senten auf jeder Seite), der in den 30er Jahren von OTTO HARTEL entworfen und später in Graz und Berlin gebaut wurde:

 

http://home.arcor.de/d.fronia/selbstbau%20links/mitderflosse.pdf

http://home.arcor.de/d.fronia/hartel/Hartel05.jpg

 

Dann gibt es da noch „Drau“-Eski (520x47 cm) von FRANZ VON ALBER (?) und den darauf aufbauenden Falteski „Möll“ (530x60 cm)(3 Senten je Seite, also 2 Senten mehr je Seite als die „Grönländer“), der von HERBERT SLANAR und FRANZ VON ALBER entwickelt und später vom österreichischen Hersteller GESA in Kleinserie nachgebaut wurde:

 

http://faltbootbasteln.de/fbb-gesa-57-wildwasser-fb.html#gesadrau

http://faltbootbasteln.de/fbb-gesa-57-wildwasser-fb.html#gesamoell

http://home.arcor.de/d.fronia/selbstbau%20links/Moell.pdf

 

Dabei ist anzumerken, dass diese Boote nicht nur auf dem Meer, sondern auch im Wildwasser eingesetzt wurden (siehe hierzu: L.Mayr: Eskimokajaks auf Gebirgsflüssen).

 

Abgesehen von HERBERT BASSIN, der schon Ende der 50er Jahre versuchte, den „Drau-Eski“ in Faserverbundstoffen nachzubauen, wurde mehr oder weniger zeitgleich mit den Briten auch in Deutschland Seekajaks aus Faserverbundstoffen gebaut, z.B. Ende der 60er Jahre (?) von engagierten norddeutschen Küstenkanuwanderern (è „Tönning-Eski“, der JÜRGEN PIETSCH als Modell für seinen „Habel“ (528x61 cm; 410 Lit. Vol.) gedient haben soll). Süddeutsche fanden – wahrscheinlich angeregt durch den „Möll“ - ebenfalls Gefallen an solchen Seekajaks und entwarfen eigene Modelle, z.B. PAVEL BONE (è „Nanuk“ (500x62 cm)):

 

http://wellenbergemeer.wordpress.com/2011/10/04/pavel-bone-nanuk/

 

und JOSEF APPEL (è „Appel Eski“ (500x63 cm; 320 Lit. Vol.), ein teilbares Seekajak, bei dem zur Erleichterung z.B. des Transports mit der Bahn das Heck-Teil im Bug-Teil verstaut werden konnte):

 

http://de.wikipedia.org/wiki/Josef_Appel

 

GATZ darf hier mit seinem „Eski“ (è „Labrador“ (460x60 cm)) nicht unerwähnt bleiben:

 

www.secure.kanu-gatz.de/index.php?id=56&lang=d&art_nr=GK-K-LABRADOR

 

und HELMI/JARMER mit seinem – im Laufe der Jahrzehnte immer wieder überarbeiteten - „Touring-Exklusiv“ (502x61 cm, 378 Lit. Vol.) auch nicht:

 

www.helmi-sport.de/HELMIBOOTSEITEN/TEx1.html

 

Andere deutsche Konstrukteure folgten (è TOMAS MEIER mit „Umiak“ (560x48 cm; 350 Lit. Vol.) und „Muktuk“ (520x60; 470 Lit. Vol.):

 

http://shop.sport-wolter.de/product_info.php/info/p410_KI-Umiak.html

 

Besonders hervorzuheben ist hier auch WOLFGANG HALF, der 1979 den „Godthab“ nach einem west-grönländischen Modell in Faserverbundstoff konstruierte. Später hat LETTMANN diese Form übernommen (è „Godthab“ (522x52 cm; 268 Lit. Vol.):

 

www.lettmann.de/catalog/product_info.php/cPath/21/products_id/65

 

und weiterentwickelt (è „Godthab XL“ (530x55 cm, 316 Lit. Vol.); mit größere Sitzluke und integrierter Steueranlage)):

 

www.lettmann.de/catalog/product_info.php/cPath/21/products_id/66

 

Zuvor hatte LETTMANN jedoch schon selber versucht, eigene Seekajaks zu entwickeln (è die ersten Versionen vom „Asiak“ und „Nordstern“), die den britischen Seekajaks ähnelten. Während die britischen Seekajaks jedoch damals allesamt um die 300 Liter Volumen hatten, kamen die LETTMÄNNER auf etwa 400 Liter.

 

In Sachen „Kentertüchtigkeit“ wurden jedoch die britischen Seekajaks Wegebereiter (è VALLEY, P&H, McNULTY). Sie waren wohl die ersten, die z.B. doppelte Abschottungen in ihre Seekajaks einbauten, während die Deutschen sich noch lange Zeit mit großen Spitzenbeuteln (verwendbar gleichzeitig als Kleidersack) bzw. mit „Sackabschottungen“ (insbesondere: THOMAS MEIER) bzw. den von den Inuits verwendeten „Kentersocken“ (Kajaksocken, Pod) begnügten.

 

Alle diese Modelle hatten dabei eines gemeinsam mit dem grönländischen Kajak: den positiv geneigten Vor- Achtersteven. D.h. Bug und Heck liefen spitz zusammen und ragten dabei mehr oder weniger weit aus dem Wasser heraus.

 

Übrigens, neuerdings ist ein „Nostalgie“-Trend zurück zu den Bootsformen der Inuit-Kajaks zu beobachten, der wohl bei den Serienbooten z.Zt. seinen Höhepunkt in der Entwicklung des „Greenland“ von TAHE (neuerdings vertrieben von: ZEGUL) erreicht hat; denn der „Greenland“ (545x50 cm, ca. 224 Liter Vol., Knickspant) scheint wie ein „getunetes“ süd-grönländische Kajak (530x52 cm) auszusehen:

 

www.zegulmarine.com/kayaks/zegul-greenland/

 

Da mit dieser Kopie auch die Handicaps der Grönländer übernommen wurden (z.B. zu geringes Volumen, zu kleine Sitzluke (sog. „Mannloch“), zu extreme Bug- und Hecküberhänge (è 118 cm), zu flaches Vordeck, zu mittige Position des verstellbaren Skegs), entwickelte ZEGUL die Variante „Greenland T“ (545x53 cm; ca. 250 Liter, Knickspant; insgesamt 91 cm Überhang):

 

www.zegulmarine.com/kayaks/zegul-greenland-t/

 

Da aber auch diese „Grönlandimitation“ immer noch zu „extrem“ ausfällt, eigentlich nur „rolltüchtig“, aber nur sehr bedingt „tourentüchtig“ ist und sicherlich nicht den allgemeinen Geschmack & Wünschen jener Kanuten entspricht, die sich  eigentlich nur ein Seekajak kaufen möchten, mit dem sie alles machen können (è Rollen, Spritztouren, Gepäckfahrten), wurde die Bootsform nochmals völlig überarbeitet. Herausgekommen ist der „Greenland GT“ (545x54 cm):

 

www.zegulmarine.com/kayaks/zegul-greenland-gt/

 

Er sieht praktisch wie ein völlig eigenständiges Seekajak aus, das nunmehr eher dem süd-west-grönländischen Kajak ähnelt. Es verfügt nicht mehr über solch extreme Überhänge, dafür über mehr Kielsprung, über eine effizientere Position des verstellbaren Skegs und sicherlich auch über mehr Volumen. Ob er auch weiterhin einen Knickspant hat, ist den Fotos nicht zu entnehmen.

 

Übrigens, der norwegische Kajakhersteller SEABIRD DESIGNS hat denselben Weg wie TAHE/ZEGUL beschritten. Konstruierte er doch 4 Seekajaks, wovon zwei sehr stark den grönländischen Kajaks ähneln:

 

“Black Pearl LV” (546x50 cm; 222 Liter Vol.)

“Black Pearl HV” (559x52 cm; 259 Liter Vol.)

 

und zwei weitere, die – wie der „Greenland GT“ von ZEGUL -  etwas “europäisiert” wurden:

 

„Qanik“ (546x52 cm; 313 Liter Vol.)

„Sea Pearl“ (543x52 cm; 290 Liter Vol.)

 

http://seabirddesigns.com/de/kajaks/verbundmaterial.html

 

 

Flach auslaufendes Heck und sein Einfluss auf den Geradeauslauf

 

Da die grönländischen Bootsformen recht windempfindlich sind (was i.d.R. zur „Luvgierigkeit“ führte), versuchten ab 1850 die Inuit:

 

www.traditionalkayaks.com/Kayakreplicas/types.html > Typ #36

http://www.vikamus.de > Kajakbau

 

und in den 80er Jahren auch die Briten, mit großen starren Heckflossen den Geradeauslauf zu verbessern, z.B. VALLEY (è „Nordkapp HM“):

 

www.ukseakayakguidebook.co.uk/nordkapp/art_nordkapp.htm

 

und LETTMANN (è „Godthab“) Als sie merkten, dass das nicht bei jeder Windstärke und bei jeder Fahrtengeschwindigkeit funktioniert, und dann auch nur, wenn das Seekajak richtig getrimmt wurde und der Kanute die nötigen Paddeltechniken beherrschte, erfanden sie das verstellbare Skeg als einen Kompromiss zwischen „unten ohne“ und „Steuer“.

 

Für den ambitionierten Kanuten, der überwiegend Tagestouren unternimmt und mit seinem Seekajak im Seegang „spielen“ möchte, ist das Skeg wohl die erste Wahl. Für einen Kanuten, der auf Strecke gehen bzw. auf Geschwindigkeit paddeln oder der sich beim Paddeln nicht so anstrengen möchte, kommt dagegen eher das Steuer in Frage.

 

Statt die Bootsform so zu ändern, dass das Steuer effizient genutzt werden kann, schnitten lange Zeit die Briten (è VALLEY, NORTHSHORE, P&H) einfach etwas vom Heck ihrer Seekajaks ab und befestigten dann an dem „Stummel“ den Steuerkopf samt Steuerblatt (das sog. „Trimm Rudder“). VALLEY war wohl in Europa der erste, der die Heckumklappsteueranlage bei Seekajaks einsetzte. Sie war aus solch dicken Plastikteilen zusammengesetzt, dass – im Gegensatz zu den meisten heutigen Heckumklappsteueranlagen - der Seegang das Steuerblatt nicht verwinden bzw. verdrehen konnte. Außerdem hatte sie den Vorteil, im hochgezogenen Zustand bei einer Kenterung (z.B. in der Brandung) mit Grundberührung nicht so leicht beschädigt zu werden

 

Die deutschen Seekajakhersteller entschieden sich zunächst für andere Lösungen. Am innovativsten reagierte JÜRGEN PIETSCH. Er entwickelte die im Heck integrierte Steueranlage. Die hatte den Vorteil, dass an der Bootsform nichts herumgesägt bzw. sonst wie verändert werden musste. Leider war das die aufwändigste und folglich teuerste Lösung. LETTMANN, TOMAS MEIER u.a. zunächst auch VALLEY entschieden sich daher anfangs für die einfachere unter dem Heck angebrachte Flossensteueranlage und nahmen damit in Kauf, dass bei Grundberührung die Flosse beschädigt werden konnte. Bis auf PIETSCH (è „Habel“ (546x58 cm, 350 Lit. Vol.), „Oland“ (530x55 cm, 320 Lit. Vol.), „Amrum“ (532x54 cm, 330 Lit. Vol.), „Gröde“ (580x52 cm, 340 Lit. Vol.) ):

 

z.B. Amrum: www.pietsch-hansen-kajaks.de/amrum.htm

 

landeten alle anderen deutschen Seekajakhersteller irgendwann schließlich bei der Heckumklapp-Steueranlage („Flipp-off“-Steueranlage), einer Variante wie sie einst von VALLEY entwickelte wurde.

 

www.phseakayaks.com/skegRudder.php

www.lettmann.de/catalog/product_info.php/cPath/21/products_id/348

www.prijon.com/produkte/ausruestung/steueranlagen/steuer-luxus-ki.html

 

bzw. verwendeten die gute, alte nicht brandungstüchtige Flusssteueranlage, die im hoch gezogenen Zustand nicht – wie bei der Heckumklappsteueranlage - auf dem Achterschiff liegt, sondern senkrecht in den Himmel ragt (è „Smart Track“ und „Vario-Blade“ als die aktuellste Varianten einer solchen Steueranlage):

 

www.clcboats.com/shop/products/boat-gear/kayak-footbraces-rudders/smart-track-rudder-system.html

www.zegulmarine.com/kayaks/zegul-velocity/ (Smart Track im Kajak eingebaut)

http://vario-blade.de/

 

Bei dem hoch aus dem Wasser ragenden Heck haben jedoch diese Steueranlagen den entscheidenden Nachteil, dass das Steuerblatt nur etwa zu einem Drittel ins Wasser taucht und bei Seegang manchmal überhaupt nicht ins Wasser reicht.

 

In Deutschland hat PRIJON als erster daraus Konsequenzen gezogen. Vielleicht hatte er über den großen Teich geschaut und bei den nordamerikanischen Seekajaks entdeckt, dass sie damals erstens – im Gegensatz zu den Briten - überwiegend mit Steuer ausgerüstet waren und zweitens eine Heckform hatten, die am Ende nicht hoch in den Himmel ragte, sondern so flach auslief, dass das Steuerblatt zu mehr als zwei Drittel ins Wasser tauchen konnte.

 

Das gerade die nordamerikanischen Seekajakhersteller die Bedeutung des flach auslaufenden Hecks erkannten, hat wahrscheinlich etwas auch damit zu tun, dass die Inuits im Norden des amerikanischen Kontinents überwiegend arktische Fellboote bauten, deren Heck ebenfalls flach auslief (zu denken ist an die Kajaks, die es auf den Aleuten, auf Kodiak und der Bering-See sowie auf Labrador gab).

 

www.traditionalkayaks.com/Kayakreplicas/types.html > Typ #7 bis #15

 

Daraufhin hat wohl PRIJON bei seinem „Seayak“ (490x58 cm, 360 Lit. Vol.) die Bootsform so korrigiert, dass das Heck ebenfalls entsprechend flach ausläuft und mit einem nahezu senkrechten Steven endete, um somit eine besser Steuerwirkung zu erzielen. Bei seinen später entwickelten Seekajaks hat PRIJON gleich darauf verzichtet, dass Heck hoch aufragen zu lassen (è „Touryak 500“ (500x63 cm, 460 Lit. Vol.), „Kodiak“ (518x59 cm, 390 Lit. Vol., „Seayak 500 LV“ (500x55 cm, 329 Lit. Vol.), Seayak „520 HV“ (518x58 cm, 380 Lit. Vol.)):

 

z.B. “Seayak 520 HV”: www.prijon.com/produkte/tourenkajaks/schnelleeiner/seayak-520-hv.html

 

LETTMANN beschritt demgegenüber zwei unterschiedliche Wege. Zum einem rüstete er ein Teil seiner Seekajaks – in Anlehnung an PIETSCH - mit der im Heck integrierten Steueranlage aus (è „Nordstern HV“ (555x58 cm, 425 Lit. Vol.), „Godthab XL“ (530x55 cm; 316 Lit. Vol.), „Hanseat HV“ (525x58 cm, 360 Lit. Vol.)), sodass die Überhänge an Bug und Heck bestehen bleiben konnten:

 

z.B. „Nordstern“: www.lettmann.de/catalog/product_info.php/cPath/21/products_id/69

 

Zum anderen änderte er die Seekajaks seiner „Eski-Serie“ (Ausnahmen: è „Eski 475“ (475x55 cm, 270 Lit. Vol.), „Eski 530“ (530x55 cm, 316 Lit. Vol.)):

 

z.B. „Eski 530“: www.lettmann.de/catalog/product_info.php/cPath/21/products_id/252

 

so, dass deren Hecks ebenfalls nicht mehr hoch in den Himmel ragten (è „Magellan HV“ (550x58 cm, 367 Lit. Vol.), „Archipel HV“ (525x58 cm, 350 Lit. Vol.), „Aurora HV“ (500x58 cm, 305 Lit. Vol.), „Baikal“ (540x61 cm, 413 Lit. Vol., 93 cm Cockpitlänge), „Tasman“ (525x58 cm, 355 Lit. Vol.), „Meridian“ (520x59 cm, 180 Lit. Vol.):

 

z.B. „Archipel HV“: www.lettmann.de/catalog/product_info.php/cPath/21/products_id/812

 

Genau für diese Seekajaks entwickelte LETTMANN eine neue Steueranlage, nämlich das „Balance Steuer“, das im heruntergelassen Zustand nahezu genauso effizient wirkt wie die im Heck integrierten Steueranlangen von LETTMANN:

 

www.lettmann.de/catalog/product_info.php/cPath/134_31/products_id/1094

 

Leider ist sie nicht ganz brandungstüchtig, da sie im hochgezogenen Zustand im Falle einer Kenterung in der Brandung bei Grundberührung abbrechen kann. Außerdem verträgt sie nicht immer den „Robbenstart“ vom Strand aus durch die Brandung hinaus aufs Meer.

 

 

Flaches Vordeck und sein Einfluss aufs Stechen & Bohren

 

Die Anlehnung an das grönländische Kajak brachte noch ein anderes Handicap mit, nämlich das recht flache Deck des Vorschiffs: Je flacher das Vordeck ist, desto schwerer läuft das Wasser ab und desto schlechter ist sein Nasslauf- bzw. Auftauchverhalten.

 

Wenn bei einem Gegenwindkurs die Welle über den Bug läuft, schwappt das Wasser bis zum Kanuten und platscht dann gegen Brust und Kopf, manchmal so stark, dass man für Sekunden die Augen schließen muss. Und bei einem Rückenwindkurs kann es passieren, dass beim Surfen mit der Welle, der Bug in die vordere Welle sticht und dann so tief ins Wasser bohrt, dass der ganze Bugbereich bis zum Spritzdeckenschacht untertaucht und dann nur ganz langsam wieder auftaucht. Wenn der Kanute Pech hat, drückt die von hinten anrollende Welle sein Kajak quer bzw. lässt es kerzen. Eine Kenterung ist dann nicht mehr ausgeschlossen.

 

Seekajaks, die ein gewölbtes, insbesondere ein gefristetes Vordeck haben, laufen trockener und tauchen beim Bohren viel schneller wieder auf. Beim ersten „Godthab“ von LETTMANN ist mir dieser Mangel besonders aufgefallen und bei manchen „british styled“ Seekajaks ebenfalls.

 

Bei den europäischen Seekajaks hat sich dennoch nicht das gefirstete Vordeck durchgesetzt, letztlich wohl deshalb, weil auf einem flacheren Vordeck sich der Gepäcklukendeckel leichter einbauen lässt. Besonders deutlich fiel das beim „Habel“ von PIETSCH auf. Beim unabgeschottete Urmodell wurde noch ein gefristetes Vordeck verwendet. Die Nachfolgemodelle mit Abschottung und Gepäcklukendeckel hatten dagegen nur noch ein leicht gewölbtes Vordeck.

 

Stattdessen wurde die Neigung zum Nasslauf bzw. Bohren auf andere Weise bekämpft. Z.B.:

 

VALLEY versah seinen derzeit nicht mehr gebauten „Selkie“ (503x60 cm; 330 Lit. Vol.) mit einem zunächst sehr schmalen Bug, der jedoch dann in Höhe der Außennahtverklebung in Form einer Art seitlichen Bug-Wulst sich zu den Seiten ausbreitete. Auf diese Weise wollte man wohl zum einen für mehr Volumen im Bugbereich und somit für mehr Auftrieb sorgen und zum anderen über eine Art physikalischen Widerstand das Untertauchen des Bugs verhindern. Bei einigen australischen Surfski (z.B. „Gruppie Jounior Surfski“) wurde das wohl „perfektioniert“:

 

http://www.surfskisport.com/epages/62132843.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/62132843/Products/%22KRK%20Guppie%20Surfski%22

 

Übrigens, ähnliche Varianten zur Erhöhung des physikalischen Auftriebs findet man schon bei einigen Inuit-Kajaks auf den Aleuten, und zwar in Form eine T- bzw. gabelförmigen Vorstevens (z.B. „Okvik“-Kajak):

 

www.traditionalkayaks.com/Kayakreplicas/types.html > Typ #5

www.traditionalkayaks.com/Kayakreplicas/okvik.html (Nachbau)

 

Andere Hersteller wie z.B. PIETSCH und PAVEL BONE versuchten mit einem verstärkten Kielsprung u.a. auch das Bohren in den Griff zu bekommen. Insbesondere PIETSCH und LETTMANN versahen ihre Seekajaks auch mit mehr Volumen (è 400 Liter und mehr), um den Nasslauf zu verbessern, jedoch auf Kosten der Windempfindlichkeit.

 

Seit einigen Jahren haben auch die Briten die nachteiligen Nasslauf- & Auftaucheigenschaften insbesondere beim Spielen in der Brandung bzw. bei Tidalraces erkannt und spezielle Seekajaks dafür entwickelt. Sie zeichnen sich aus durch ein höheres Bugvolumen, einen stärkeren Kielsprung im Vorschiff , ein kürzeres Boot und/oder eine Sitzluke, die nicht mehr im Zentrum liegt, sondern leicht nach achtern verschoben ist. Zu denken ist hier insbesondere an einige Seekajaks von P&H (è „Delphin“-Serie und „Aries“-Serie):

 

z.B. „Delphin 150“ (457x55 cm): www.phseakayaks.com/kayaks.php?kayak=Delphin 150

 

der mit seinem ausgeprägten Kielsprung im Vorschiff dem Kajak aus King-Island (450x67 cm) ähnelt:

 

www.traditionalkayaks.com/Kayakreplicas/types.html > Typ #13

 

Erwähnt werden sollten hier aber auch TIDERACE (è „Xtreme“, „Xtra“ (505x57 cm)):

 

z.B. “Xtra”: www.tideraceseakayaks.co.uk/index.php/kayak-models/xtra.html

 

und VALLEY (è „Gemini Sports Play“ (452x56 cm)):

 

http://solentseakayaking.co.uk/2012/04/video-valley-gemini-twins/

 

Übrigens, es gibt eine Vielzahl von Inuit-Kajaks, die sich durch ihre Länge hervorheben, z.B. die Kajaks von Atka-Island (581x43 cm), vom Coronation Gulf (575x47 cm), von Nord-West-Labrador (665x59 cm), von Nord-Labrador (792x59 cm) und von Süd-Baffin-Island (686x63 cm):

 

www.traditionalkayaks.com/Kayakreplicas/types.html > Typ #24 und #25

 

Die europäischen Seekajakehrsteller nahmen davon kaum Notiz, wohl aber die kanadischen. So baute NECKY ein besonders langes Modell, das über wenig Kielsprung verfügte und dem Nord-Labrador-Kajak ähnelte (è „Looksha III“ (610x51 cm)):

 

http://www.nwhikers.net/forums/viewtopic.php?p=512284

 

Aber es gab auch kürzere Inuit-Kajaks, z.B. bei den Tschuktschen (NO-Sibirien) (463x63 cm), den Pazifik-Eskimos (435x65 cm), von Nunviak Island (460x78 cm), von King Island (450x67 cm), vom Norton Sound (523x72 cm):

 

www.traditionalkayaks.com/Kayakreplicas/types.html > Typ #8 bis #13

 

Die kurzen Kajaks wurden von den Inuits bei schwierigen Gewässerbedingungen benutzt. Insofern kann man sagen, dass sie Vorbild für die heutigen britischen Schwerwasser-Kajaks sind. Zu denken ist hier an manche Seekajaks von P&H, VALLEY und TIDERACE: z.B. „Aries 150“ (458x55 cm; 242 Liter Vol.), „Aries 155“ (485x57 cm; 290 Liter Vol.); „Delphin 150“ (457x55 cm; 247 Liter Vol., „Delphin 155 Surf“ (285x57 cm; 267 Liter Vol.); „Gemini Sports Play“ (452x56 cm); „Xtra“ (505x57 cm; 360 Liter Vol.).

 

Selbstverständlich gab es auch in den 80er Jahren schon kurze Seekajaks, z.B. von NORTHSHORE (è „Shoreline“ (475x55 cm; 275 Liter Vol.):

 

è z.B. Nachfolgemodell „Atlantic LV“: www.northshoreseakayaks.com > Atlantic LV

 

und P&H:

 

è „Vela“ (474x54 cm; 275 Liter Vol.): www.phseakayaks.com/kayaks.php?kayak=Vela

 

Aber die wurden wohl eher für kleinere bzw. leichtere Kanuten konstruiert und nicht für schweres Wasser.

 

In Deutschland gibt es noch nichts Vergleichbares, vielleicht auch deshalb, weil bei uns nicht das Spielen in Gezeitenströmungen (Tidalraces) sondern das Streckepaddeln, also das Küstenkanuwandern im Vordergrund steht.

 

Ähnlich scheint es in Nordamerika zu sein, wobei jedoch deren Seekajaks – solange sich ihre Bootsbauer nicht die „british styled“ Kajaks zum Vorbild nahmen – sich durch einen besseren „Trockenlauf“ hervortaten. Erreicht wurde das zum einen durch höheres Volumen und zum anderen durch stark gefirstetem Vordeck, zu denken ist z.B. an mehrere Seekajaks von CURRENT DESIGNS (è „Solstic“-Serie, Squall“, „Storm“):

 

z.B. „Solstic GT“: www.cdkayak.com/products/template/product_detail.php?IID=141&SID=ffe0be02018b8f323c2afe3c8b282000

 

Warum gerade der kanadische Seekajakhersteller CURRENT DESIGNS bei einigen Seekajaks auf ein gefirstetes Vordeck besonderen Wert legt, mag vielleicht daran liegen, dass er sich die Inuit-Kajaks der Behringsee zum Vorbild nahm, die nicht nur über ein „aufgestelltes Deck“ (è gefirstet), sondern auch über ein Heck verfügten, das flach und ohne Überhang auslief.

 

www.traditionalkayaks.com/Kayakreplicas/USNM160175.html

www.traditionalkayaks.com/Kayakreplicas/1938YKdelta.html

 

 

Knickspant und sein Einfluss aufs Kurven & Kanten

 

Seekajaks sollen nicht nur einen guten Geradeauslauf haben, sondern man sollte mit ihnen auch Kurven fahren können, um z.B. Hindernissen ausweichen bzw. Mitpaddlern zu Hilfe eilen zu können. Beim Seekajak mit Steuer ist das i.d.R. kein Problem. Solange eine Welle das Steuerblatt nicht aus dem Wasser hebt, erleichtert es insbesondere jenen, die nicht die nötigen Paddeltechniken beherrschen, das Kurven. Beim Seekajak mit/ohne Skeg sieht das schon etwas anders aus. Wer da nicht über die genügende Paddeltechnik (è Bogenschläge; Bug- bzw. Heckruder) und Bootsbeherrschung verfügt (è Ankanten auch bei Kenterbedingungen), muss wohl mit Konterschlägen versuchen, seine gewünschten Kurskorrekturen zu erzielen. Seekajaks mit Knickspant erleichtert wesentlich die Wirkung des Ankantens auf den Kurvenverlauf. Insbesondere die grönländischen Kajaks verfügten alle über einen durch eine Sente (je Seite) geprägten markanten Knickspant, der das Kanten & Kurven am wirksamsten unterstützt.

 

Beim Bau der Seekajaks aus Glasfaserverbundstoff verzichtete man anfangs vielfach auf den Knickspant zugunsten eines glatten Unterwasserschiffs mit mehr oder weniger stark ausgeprägten U-Spant, z.B. entwickelte VALLEY aus den „Anas Acuta“ (523x55 cm, 288 Lit. Vol.) den „Pintail“ (523x53 cm; 300 Lit. Vol.) Dann aber erinnerte man sich wohl an die Vorteile der Spantenform der grönländischen Kajaks und konstruierte wieder häufiger Knickspanter. Zu denken ist hier an VALLEY (è „Qajariaq“ (548x53 cm)):

 

www.zeekajaks.info/blog/r_weblog.php?subaction=showfull&id=1342029600

 

und Nigel Dennis (è „Greenlander“ (537x53 cm)),

 

P&H (è „Vela“ (477x54 cm, 275 Lit. Vol.):

 

www.phseakayaks.com/kayaks.php?kayak=Vela

 

NORTHSHORE (è „Polar“ (500x55 cm, 325 Lit. Vol.):

 

www.northshoreseakayaks.com/ > Polar

 

CURRENT DESIGNS (è „Rumour“ (488x50 cm, 263 Lit. Vol.):

 

http://www.cdkayak.com/products/template/product_detail.php?IID=152&SID=ffe0be02018b8f323c2afe3c8b282000

 

Trotz dieses Vorteils wurde der Knickspanter wieder vom „Glattspanter“ verdrängt und die Erkenntnis der Grönländer gerieten erneut fast in Vergessenheit. Vielleicht lag das auch daran, dass die überwiegende Zahl der Inuit-Kajaks eher den „Glattspanter“ ähnelten, die meisten von ihnen 3 bis 4 Senten je Seite hatten. Es mussten wohl erst die WW-Fahrer und Wellensurfer kommen, um bei den Seekajak-Herstellern die Bedeutung der Kanten in der Bootsform wieder deutlich zu machen. Der britische Hersteller ROCKPOOL (è „Alaw“, „Isle“):

 

z.B. „Alaw“: http://www.rockpoolkayaks.com/alaw.php

 

griff das als erster auf und entwickelte eine Bootsform, bei dem das Unterwasserschiff nur in Höhe der Sitzluke seitlich links und rechts mit je einer Kante versehen wurde. Mit Hilfe dieser Kanten sollte das Kurven bzw. das Surfen seitwärts auf einer Welle erleichtert werden. TIDERACE zog nach und bot fast nur noch Seekajaks mit solchen Kanten an. Ebenso folgte Valley (è „Gemini Sports Play“). P&H entwickelte das bei einigen seiner Seekajaks fort (è „Aries“-Serie, „Delphin“-Serie):

 

z.B. „Aries 150“: www.phseakayaks.com/kayaks.php?kayak=Aries 150

 

und stattete deren Bugbereich links und rechts mit je einer scharfen Kante und den Heckbereich mit je eine soften Kante aus. LETTMANN wollte da wohl nicht im Abseits stehen und stattet sein erstes Skeg-Seekajak (è „Biskaya“):

 

www.lettmann.de/catalog/product_info.php/cPath/21/products_id/1376

 

ebenfalls im Sitzbereich mit einer Kante aus. In seinem Prospekt spricht er von einer „sanften Kante“, die jedoch so „sanft“ ist, dass man sie kaum sieht; dennoch lässt sich das Seekajak durch Ankanten leicht steuern, zumindest bei „Ententeichbedingungen“.

 

 

Wasserlinienlänge und sein Einfluss auf die Schnelllaufeigenschaften

 

Seekajaks werden zunehmen für zwei verschiedene Zwecke eingesetzt. Zum einen will man mit ihnen möglichst sicher im schweren Wasser paddeln, zum anderen möchte man es zur möglichst schnellen Überwindung längerer Strecke verwenden. Das war früher bei den Inuits so (è Kajak als Arbeitsgerät) und ist auch noch bei uns heute so (è Kajak als Sportgerät). Zum Thema „Schwerwasserkajak“ wurde oben schon Stellung bezogen. Zum Thema „Speedkajak“ gab es hier bislang nur Andeutungen, nämlich jene dass die Inuits teilweise mit Kajaks unterwegs waren, die zwischen 575 cm und 792 cm lang waren (è Nord-Labrador-Kajak):

 

www.traditionalkayaks.com/Kayakreplicas/types.html > Typ #25

 

Es gab jedoch auch kürzer Inuit-Kajaks, die nicht weniger schnell waren, weil sie über eine ebensolch lange Wasserlinienlänge verfügten. Erreicht wurde das durch das Weglassen des Stevenausfall, d.h. des positiv geneigten Stevens und Hecks. Z.B. betrug der Stevenausfall bei dem 665 cm langen Kajak aus Nord-West-Labrador 145 cm! Anscheinend hatten es auch schon die Inuits gemerkt, dass nicht die Länge, sondern die „Wasserlinienlänge läuft!“, und zwar in Verbindung mit möglichst wenig Kielsprung.

 

Es ist daher nicht verblüffend, dass schon die Inuits Kajaks mit senkrechtem Vor- und Achtersteven konstruierten. In Verbindung mit einem wenig ausgeprägten Kielsprung erreichten sie so, dass die Wasserlinienlänge nahezu identisch mit der Rumpflänge war. Zu denken ist hier insbesondere an die Kajaks von Atka-Island (581x43 cm):

 

www.traditionalkayaks.com/Kayakreplicas/types.html > Typ #7

 

die sich durch lange Wasserlinienlänge, wenig Kielsprung, fast senkrechte Steven und gefirsteten Vordeck auszeichneten,

 

Die Seekajakhersteller hatten daher durchaus die Möglichkeit, sich bei den Inuit-Kajaks abzuschauen, wie man schnellere Seekajaks bauen kann. Die grönländischen Kajaks sind als Modell dafür nicht geeignet, wohl aber das weiter westlichen auf den Akun-Islands (Aleuten) eingesetzte Kajak. Ob das der britische Seekajakkonstrukteur KIRTON bei der Entwicklung des „Inuk“ (550x51 cm; 270 Liter Vol.):

 

www.kirtonkayaks.co.uk/home/index.php/catalogue3/sea-kayaks/62-inuk (15 cm Überhang)

 

tat, vermag ich nicht zu beurteilen. Zumindest entwickelte er als erster ein Seekajak, das ganz und gar nicht dem Modell eines grönländischen Kajaks entsprach; denn es verfügte über nahezu senkrechte Vor- und Achtersteven sowie über wenig Kielsprung. Vermutlich hat er das jedoch bei den auf Speed gebauten Flachwasserrennkajaks abgeschaut …. und die wiederum von den früher vorherrschenden Faltbooten …. und die von den bis dahin genutzten Holzbooten … und die vom Inuit-Kajak der Tschuktschen (NO-Sibirien) (463x63 cm)!?

 

www.traditionalkayaks.com/Kayakreplicas/types.html > Typ #4

 

Erst lange nach dem „Inuk“ wagte sich z.B. der US-amerikanische Kajakhersteller EPIC daran, ebenfalls ein Seekajak mit senkrechten Vor- und Achtersteven zu bauen, und zwar den „18 X Sport“ (549x56 cm; 369 Liter Vol.):

 

www.epicsurfskis.de/18xsport.htm (9 cm Überhang)

 

den Freya Hoffmeister bei ihrer Australienumrundung (2008) und bei ihrer ersten von drei Etappen rund Südamerika (2011/12) einsetzte. Davor entwickelte schon der portugiesische Kajakhersteller NELO das Rennseekajak „Moskito FW“ (563x44 cm; ca. 350 Liter Vol.):

 

www.mar-kayaks.pt/en/kayaks/details/moskito_fw/ (14 cm Überhang)

 

Danach folgten z.B. die Briten ROCKPOOL (è „Taran“ (549x52 cm, 383 Liter Vol.)):

 

www.rockpoolkayaks.com/taran.php

 

und TIDERACE (è „Pace 18“ (549x53 cm, 373 Liter Vol.)):

 

http://tideraceseakayaks.com/index.php/kayak-models/pace18.html (9 cm Überhang)

 

… und nun auch die Schweden POINT 60 N° (è „XP 18“ (549x54 cm, 390 Liter Vol.; sowie das Modell „Freya“, welches seit dem 25.08.12 anlässlich der Umrundung von Südamerika von Freya Hoffmeister getestet wird):

 

www.point65.com/Default.asp?page=kayaks&cat=3&kayak=37

 

Nicht zu vergessen ist hier LETTMANN mit seinem „Speedliner“ (585x53 cm, 389 Liter Vol.) der dieser Entwicklung folgte:

 

www.lettmann.de/catalog/product_info.php/cPath/21/products_id/610

 

Schaut man sich aber den relativ hohen Bug und die Rumpflänge des „Speedliner“ an, gewinnt man den Eindruck, dass sich LETTMANN eher von den Surfski inspirieren ließ.

 

Ebenfalls ZEGUL bietet einen solchen „Schnellläufer“ an, den von einem Australier entworfenen „Velocity“ (550x54 cm):

 

www.zegulmarine.com/kayaks/zegul-velocity/

 

Etwas aus dem Design-Rahmen fällt hier jedoch der von ZEGUL angebotene „Baidarka“ (547x55 cm; ca. 356 Liter Vol.):

 

www.zegulmarine.com/kayaks/zegul-baidarka/ (14 cm Überhang)

 

Die Steven sind fast senkrecht, sodass die Wasserlinienlänge nur 14 cm kürzer als die Rumpflänge ist. Und … nicht nur beim Namen, sondern auch bei der Bootsform, insbesondere dem Vorsteven standen die Inuit-Kajaks der Aleuten und der Pacific-Eskimo Modell:

 

www.baidarka.eu/html/atka.html

 

Welches Modell besser gelungen ist, das von Zegul bzw. das der Inuits, lässt sich aus unserer Sicht leicht beurteilen, wenn uns bewusst wird, dass insbesondere die Kajaks von Atka-Island (ca. 581x43 cm; 12-18 kg leicht) mit ca. 25 kg Steinballast gepaddelt wurden.

 

 

Maßgeschneiderte Qajaqs und ihr Einfluss auf die Modellpolitik

 

In den 80er Jahren gab es für ein Seekajak-Modell nur eine Variante. Wenn ein Modell einem gefiel, aber das Seekajak nicht passte, wurde die Sitzluke „ausgepolstert“ und so passend gemacht. Bei den Inuit-Kajaks sah das anders aus. Jedes Modell wurde maßgeschneidert auf die Größen seines Kanuten angepasst. Z.B. galten die folgenden Maßangaben:

 

  • „Die Länge des Bootes beträgt drei Manneslängen.
  • Die Breite des Bootes entspricht der Hüfte des Besitzers plus 3-4 Fingern.
  • Die Höhe der Spanten im Vorschiff werden durch den ausgestreckten Fuß bzw. die Fußhöhe bestimmt.
  • Es soll so passen, dass der Fahrer sich nicht darin verdrehen kann, aber er muss sich mit den Füßen und der Hüfte stützen und eine sichere Balance halten können.“

(è http://www.vikamus.de > Kajakbau)

 

Seeekajaks werden heutzutage in kleinen Serien hergestellt, und zwar als Massenprodukt und nicht als Maßanfertigung. Dennoch sollte man sich damit nicht begnügen, ein Seekajak-Modell nur in einer Größe für einen Vielzahl unterschiedlich schwerer und großer Kanuten anzubieten, die damit mehr oder weniger viele Tage bzw. Wochen auf Tour gehen möchten. Der britische Hersteller P&H hatte dies wohl als erstes erkannt und seinen „Sirius“ in drei Größenvarianten angeboten, und zwar als „Sirius LV“ (ca. 280 Liter Vol.) (LV = Low Volume), „Sirius MV“ (ca. 300 Liter Vol.) (MV = Middle Volume) und „Sirius HV“ (ca. 340 Liter Vol.) (HV = High Volume). In der Zwischenzeit hat P&H den „Sirius“ weitgehend durch andere Modelle ersetzt. Z.B. wird der „Cetus“ in drei verschieden Längen mit drei verschiedenen Volumen angeboten.

 

NIGEL DENNIS folgt mit seinen drei „Explorer“-Varianten, die bis auf das Cockpitvolumen fast identisch sind.

 

In Deutschland hat LETTMANN nachgezogenen, zumindest mit seiner „Eski“-Serie: „Eski 475“, „Eski 500“*, „Eski 520“*, „Eski 530“, „Eski 550“* (* = nicht mehr im Angebot), die in Länge, Breite und Volumen variierte. In der Zwischenzeit bietet er für fast jedes seiner Modell bei derselben Länge eine LV- und HV-Variante an (LV = Low Volume; HV = High Volume). Außerdem scheinen die Modelle „Aurora“ (500x57/58 cm; 285/305 Lit. Vol.), „Archipel“ (525x57/58; 320/350 Lit. Vol.), „Tasman“ (525x58 cm; 355 Lit. Vol.), „Magellan“ (550x57/58 cm, 337/367 Lit. Vol.) und „Baikal“ (540x61 cm, 413 Lit. Vol.) aufeinander aufzubauen, wobei je nach Modell unterschiedlich Lange Sitzluken angeboten werden (und zwar von 71 cm Innenlänge („Aurora“) bis 93 cm („Baikal“).

 

TIDERACE hat es dabei auf die Spitze getrieben. Der britische Hersteller bietet insgesamt 6 verschiedene Seekajak-Modelle an. Wobei es für 3 Modelle 2-4 Varianten gibt.

 

Und VALLEY zeigt mit seiner „Gemini“-Serie eine neue Variationsmöglichkeit auf. Der Brite bietet zwei Seekajaks in gleicher Länge und Breite an. Das eine Modell „Gemini Play“ unterscheidet sich lediglich von dem anderen Modell „Gemini Tourer“, dass es über etwas mehr Kielsprung und Bugvolumen verfügt.

 

Und P&H bietet mit der „Arius“- und „Delphin“-Serie zwei Modelle mit jeweils 2 Varianten an, wobei beide Modell sehr ähnlich sind und sich eigentlich nur durch das verwendete Bootsmaterial unterscheiden, nämlich Glasfaserverbundstoffe bzw. PE.

 

 

Ausblick

 

Ist die Entwicklung der Bootsformen für Seekajaks abgeschlossen? Wird nur noch die Länge/Breite bzw. das Volumen variiert, wird aber nicht mehr mit wirklich neuen Formen experimentiert? Haben die Inuit-Kajaks als Vorbild ausgedient:

 

www.traditionalkayaks.com/Kayakreplicas/types.html

 

Gibt es andere Vorbilder?

 

Nun, POINT 65°N bietet den Surfski „Bourbon Orca“ (640x45 cm) an und SEABIRD den Surfski „Wave 6.1“ (610x48 cm), die beide über einen negativen Vorsteven verfügen:

 

www.point65.com/default.asp?page=kayaks&cat=8&kayak=54

 

http://seabirddesigns.com/de/kajaks/verbundmaterial.html?sobi2Task=sobi2Details&catid=3&sobi2Id=36

 

ZEGUL hat den „Baidarka“ mit einem negativen Achtersteven ausgestattet.

 

www.zegulmarine.com/kayaks/zegul-baidarka/

 

In Kanada gibt es einen Canoe-Prototypen, das „Sturgeon nosed“-Canoe“ (= Stör-Nasen-Kanadier), bei dem die negativen Steven genauso extrem herausragen wie die positiven Steven bei manchen Inuit-Kajaks:

 

www.traditionalkayaks.com/kutenai.html

 

Schließlich gibt es bei VALLEY Surfkajaks, z.B. den „Nemesis“ (303x59 cm):

 

www.desperate-measures.co.uk/canoes-online/Valley_Nemesis.html

 

dessen kantige Flanken ebenfalls die Konstrukteure von „Schwerwetterkajaks“ inspirieren könnten.

 

Lassen wir uns von der Experimentierfreude der Seekajak-Hersteller überraschen, wie uns ja auch der Formenreichtum des „Eskimokajaks“, also der „arktischen Fellboote“ zwischen Sibirien bis Grönland überrascht hat. Allein vom grönländischen Qayaq soll es lt. HARVEY GOLDEN; Autor des 579 Seiten umfassenden Buches:

 

„Kayaks of Greenland.

The History and Development of the Greenlandic Hunting Kayak, 1600-2000“

 

an die 104 Varianten geben. Last & least finden wir unter diesen „Eskis“ auch ein Vorbild für die heutigen kurzen Wildwasserkajaks, z.B. das Kajak der Koryaken (nördlich der Kamschatka-Halbinsel) mit den Maßen 322x70 cm:

 

www.traditionalkayaks.com/Kayakreplicas/Koryak.html

 

 …. welches jedoch mit 48 kg Steinballast und zwei mit einem Seil verbundenen „Handpaddeln (42x12 cm) vorwärts bewegt wurde.

 

 

Exkurs: Wann ist ein Kajak ein Seekajak?

 

Im SEEKAJAKFORUM.de wurde Ende 2005 in einem Thread ausgiebig die Frage diskutiert, wann ein Kajak ein Seekajak ist? Ich skizzierte dort ein paar Antwortmöglichkeiten (hier: Formeigenschaften vs. Gebrauchseigenschaften). Die Reaktionen darauf waren schon recht bemerkenswert. Obwohl wir meinen könnten, dass jeder Kanute auf Anhieb in der Lage ist, aus einer beliebigen Anzahl von Kajaks die Seekajaks zu identifizieren, machte es sich die Mehrzahl der Poster nicht so einfach. Vielmehr versuchten sie, aus den verschiedensten Blickwinkeln zu erklären, auf was es bei der Definition eines Seekajaks ankommt.

 

Ich habe in der Nacherzählung eines Traums mal die meisten Diskussionsbeiträge zu diesem Thema auf insgesamt über 20 Punkte kondensiert und anschließend „szenisch“ aufbereitet. Wen meine Erzählung interessiert, der findet sie auf der Homepage des DKV:

 

www.kanu.de/nuke/downloads/Faszinosum-Seekajak.pdf

 

Text: U.Beier

Literatur:

L.Mayr: Eskimokajaks auf Gebirgsflüssen

G.Dyson: Baidarka (1986)

D.W.Zimmerly: Qayaq. Kayaks of Alaska and Siberia (2000)

J.D.Heath/E.Arima u.a.: Eastern Arctic Kayaks. History, Design, Technique (2004)

H.Golden: Kayaks of Greenland (2006)

J.Kreyser, Arktische Fellboote von Sibirien bis Grönland (2003) (Broschüre)

Link:

www.seekajakforum.de/forum/read.php?1,6037,6049#msg-6049 (Godthab) (2003)

www.seekajakforum.de/forum/read.php?1,10983,10983#msg-10983 (2004)