17.11.2012 Welches ist die optimale Länge eines Seekajaks? (Ausrüstung)

 

Ralph William Baker untersucht in der Arbeit:

 

“Theoretical Optimization of the Length of Surf Ski Kayaks”

 

http://www.surfski.info/images/stories/2012/05/Length/Optimization%20of%20the%20length%20of%20a%20surf%20ski%20kayak.pdf (05.04.12)

 

die optimale Länge – richtiger: „Wasserlinienlänge“ - von Surfski. Da Untersuchungen dazu im Wasserkanal nicht finanzierbar sind, greift er auf eine Software von Michlet zurück, mit deren Hilfe der Wasserwiderstand von kleinen Booten, wie z.B. Kajaks, errechnet werden kann. Dabei geht er von den folgenden Annahmen aus:

 

1)    Die Berechnungen sind auf einen  Surfski zugeschnitten, dessen Bug und Heck symmetrisch ist.

2)    Der Surfski ist 45 cm breit und wiegt 12,5 kg.

3)    Er wird bei Flachwasserbedingungen eingesetzt,

4)    mit konstant 4,2 m/s (= 15,12 km/h / 8,2 Knoten) vorwärts bewegt

5)    und von Kanuten gepaddelt, die 69,5 kg, 90 kg bzw. 110,5 kg wiegen.

 

Folgende optimale Surfski-Längen werden ermittelt:

 

 

Bei diesen Längen wird jeweils der niedrigste Wasserwiderstand (è abhängig vom Wellenwiderstand und dem Reibungswiderstand) errechnet.

 

Erwähnenswert ist dabei, dass:

 

 

Daraus können wir Folgendes ableiten:

 

1) Gesamtgewichts-Klasse 82,0 kg:

(a) ursprünglich: 69,5 kg Körpergewicht + 12,5 kg Bootsgewicht;

(b) oder auch: 54,5 kg Körpergewicht + 22,5 kg Bootsgewicht + 5 kg Ausrüstung;

è akzeptable Längenspanne = min. 482 cm – (opt. 535 cm) – max. 589 cm.

 

2) Gesamtgewichts-Klasse 102,5 kg:

(a) ursprünglich: 80,0 kg Körpergewicht + 12,5 kg Bootsgewicht;

(b) oder auch: 78,0 kg Körpergewicht + 22,5 kg Bootsgewicht + 5 kg Ausrüstung;

è akzeptable Längenspanne = min. 536 cm – (opt. 595 cm) – max. 655 cm.

 

3) Gesamtgewichts-Klasse 123,0 kg:

(a) ursprünglich:110,5 kg Körpergewicht + 12,5 kg Bootsgewicht;

(b) oder auch: 95,5 kg Körpergewicht + 22,5 kg Bootsgewicht + 5 kg Ausrüstung;

è akzeptable Längenspanne = min. 581 cm – (opt. 645 cm) – max. 710 cm.

 

Welche Relevanz haben diese Erkenntnisse für das Küstenkanuwandern?

 

Nun, Surfski und Seekajaks haben, was die Bootsform betrifft, vieles gemeinsam. Selbstverständlich sind Seekajaks breiter (ca. 51 – 62 cm Breite über alles) und in der Regel auch kürzer (ca. 455 – 580 cm Länge über alles). Aber wenn wir ein Seekajak mit demselben Kraftaufwand paddelten wie einen Surfski, dann hätten wir denselben Wasserwiderstand zu überwinden, auch wenn wir ca. 2-3 km/h langsamer vorankämen. D.h. es müsste ebenfalls möglich sein, für ein gegebenes Seekajak die optimale Bootslänge (= Wasserlinienlänge) in Abhängigkeit vom zu transportierenden Gesamtgewicht zu ermitteln und folglich auch die dazugehörige akzeptable Bootslängenspanne. Wo diese Längen liegen würden, weiß ich nicht. Vielleicht kämen wir zu vergleichbaren Werten, wie sie R.W.Baker ermittelt hat, errechnet jedoch für eine niedrigere Geschwindigkeit?

 

Übrigens, je niedriger die Geschwindigkeit angesetzt wird, desto mehr nähern sich die Wasserwiderstandswerte unterschiedlicher Seekajaks an. Aus den Daten, die der us-amerikanische SEA KAYAKER bei Tests von über 100 Seekajaks ermittelt hat, kann man das deutlich ersehen. So sind die Unterschiede zwischen den Wasserwiderstandswerten einzelner Seekajaks, die zwischen 470 und 607 cm lang und 45 und 62 cm breit sind, bei 4 Knoten (= 7,4 km/h) vernachlässigbar klein:

 

http://forum.kanu.de/showthread.php?t=5705 > Posting #1 und #4

 

D.h. die akzeptable Längenspanne würde bei 4 Knoten fast das gesamte Angebot an Seekajaks der obigen Bandbreite umfassen. Daraus kann gefolgert werden, dass für denjenigen, der nicht schneller als 4 Knoten paddeln möchte, die Länge und Breite eines Seekajaks kaum Entscheidungsrelevanz besitzt, sofern das Seekajak in die obige Bandbreite passt. Wichtiger als die Länge ist vielmehr für ihn:

 

 

u.v.a.m. wie z.B.:

 

 

Trotz allem der „Rallye-Racer“ wird immer nach der Länge und Schmalheit, sowie Vorsteven und Rundspant schielen, wie der „Wave-Jumper“ auf Kürze, Breite, Kante und Kielsprung achten wird. Und der „Global-Player“, der wird sich vor allen Dingen für das Volumen interessieren. Nur der „Weekender“, der hat die Qual der Wahl, weil er doch eigentlich alles mit seinem Seekajak machen möchte, und zwar alles zu seiner Zeit:  mal sprinten. mal schlendern, mal mit Welle & Strom spielen und das alles während einer Spritz- oder Gepäcktour. Aber keine Angst, solang das ausgewählte Seekajak zwischen 500 und 550 cm lang ist (Länge über alles), und zwischen 52 und 57 cm breit (Breite über alles) und zwischen 300 und 350 Liter Volumen (ausgelitert und nicht lt. Prospektangabe) hat, dürfte es beim Küstenkanuwandern, also bei einem Mix aus Flachwasser- & Seegangspaddeln, aus Spritz- & Gepäcktour höchstens nur noch Sitzprobleme bereiten.

 

Text: U.Beier