27.12.2012 „Blutiges“ Silvester? 10 Infos für lebensbejahende Kanuten (Ausrüstung)

 

Sollten wir zu Silvester unsere abgelaufenen Seenotsignalmittel per eigenhändigen Abschuss in der Neujahrsnacht entsorgen?

 

Nun, das ist ein Thema, dass nicht nur schon hier im KANU-FORUM.de des Öfteren angesprochen wurde:

 

http://forum.kanu.de/showpost.php?p=5206&postcount=1 (2.01.2008)

http://forum.kanu.de/showpost.php?p=18063&postcount=1 (6.01.2011)

 

sondern dieses Jahr auch im SEEKAJAKFORUM.de.

 

Ruditi hat es mit dem Titel:

 

„Silvester mit Fallschirmrakete von 1989“

 

pünktlich zum Jahresende zur Diskussion ins Netz gestellt (19.12.12):

 

www.seekajakforum.de/forum/read.php?1,71799

 

Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich hier – all die Jahre mal - wiederhole, möchte ich Folgendes klarstellen:

 

  1. Raketen und Leuchtkugeln enthalten Sprengstoff. Sie sind hochexplosiv und sollten nicht ohne zwingenden Grund (z.B. Seenotfall) oder in Ausnahmefällen (z.B. Silvester) eingesetzt werden, und dann auch nur mit größter Vorsicht und so wie vorgeschrieben. Auf Mensch gerichtet, können sie lebensgefährliche Verletzungen hervorrufen, und in geschlossenen Räumen gezündet, können sie Feuer auslösen.
  2. Wer mit Seenotsignalmitteln hantiert, muss sich bewusst sein, dass bei falscher Handhabung bzw. bei Fehlzündungen beträchtliche Personen – bzw. Sachschäden nicht auszuschließen sind. Ihr Umgang wird daher u.a. über die Sprengstoffverordnung geregelt.
  3. Wer solche Signalmittel besitzt, sollte darauf achten, dass Unbefugte keinen Zugriff auf sie haben, und zwar weder unterwegs auf Tour, z.B. wenn die Seekajaks am Strand zurückgelassen werden, um ein nahegelegenes Restaurant aufzusuchen, noch im Bootsschuppen bzw. daheim.
  4. Silvesterraketen bzw. –kracher bestehen meist aus gepresster Pappe. Bei einer Fehlzündung fliegt einem u.U. mit großer Wucht diese Pappe um die Ohren, was trotzdem zu schweren Verletzungen führen kann, aber nicht zu solche gefährlichen Verletzungen, wie wenn einem die bei Seenotsignalmitteln eingesetzten Plastik- bzw. Alu-Ummantelungen in der Hand explodieren.
  5. Fehlzündungen können nie 100%ig ausgeschlossen werden. Sie können bei Seenotsignalmitteln auch dann auftreten, wenn ihre Verfallszeit noch nicht überschritten ist und diese Mittel stets vorschriftsmäßig, d.h. vor allen Dingen trocken gelagert sind. - Vor Jahren ist mal anlässlich einer Schulungsveranstaltung in Großbritannien eine weiße Fallschirmrakete beim Probeschießen einem Lehrgangsteilnehmer in der Hand explodiert. Der Mann wurde blutüberströmt ins Krankenhaus eingeliefert, deren Ärzte dann bei der Reinigung der „Platzwunde“ feststellen mussten, dass Teile der explodierten Rakete immer noch im Körper des Verletzten steckten.
  6. Die Seenotsignalmittel von Kanuten werden meist nicht vollkommen trocken gelagert. Korrosion ist folglich nicht auszuschließen und damit auch keine Fehlzündungen. Wer solche falsch gelagerten Seenotsignalmittel zündet, befindet sich immer in Lebensgefahr. Wir sollten sie daher nur dann zünden, wenn wir uns ohnehin wegen eines Seenotfalles in Lebensgefahr befinden.
  7. Je älter ein solches Seenotsignalmittel ist, desto weiter ist der Korrosionsprozess fortgeschritten. Spätestens wenn die Verfallszeit eines Seenotsignalmittels abgelaufen ist, ist der Moment erreicht, ab dem das Risiko einer Fehlzündung unberechenbar geworden ist. Wir sollten solche Seenotsignalmittel gegen neue Signalmittel austauschen und beim zuständigen Händler entsorgen, statt sie zum Jahreswechsel zu zünden.
  8. Beim Einsatz des NICO-Signals zu Silvester wurde schon mehrfach erlebt, dass sich aus den schon abgelaufenen Patronen die Seenotsignalkugel nicht mehr lösen konnte und stattdessen in der Patrone, die sich noch im 6-schüssigen Magazin befand, explodierte.
  9. Über abgelaufenen Seenotsignalraketen wurde ebenfalls schon mehrmals berichtet, dass sich die Signalkugel beim Zünden nicht aus der Umhüllung lösen wollte, sondern stattdessen in der Hülle stecken blieb und einen länger dauernden Feuersprühstoß nach unten abgab, sodass in einem Fall die „Schützin“ sich die Handschuhe verbrannte, die sie sich vorher vorsichtshalber zum Schutz angezogen hatte. - Übrigens, es ist schon über ein Jahrzehnt her, dass ich solch eine abgelaufene Seenotfallschirmrakete zu Silvester mal abschießen wollte. Da ich mir der Gefahr bewusst war, band ich meine Rakete entfernt von Häusern an einem stabilen Pfahl fest und löste mit einem Seil die Rakete aus. Zunächst passierte nichts. Dann trat plötzlich für gefühlte 5 Sekunden nach unten ein ca. 50 cm langer Feuerstrahl aus. Anschließend flog die Rakete hell leuchtend ca. 300 m gen Himmel. Schließlich kam – befestigt an einem Fallschirm – eine rote Leuchtkugel herunter, die erst ganz dicht vor dem Boden erlosch. Wie lange dürfte ich mich eigentlich einer solchen Rakete nicht nähern, wenn sie nicht gezündet hätte?
  10. Nach jeder Küstentour sollten die Seenotsignalmittel gereinigt, getrocknet und im Dunklen gelagert werden; denn nicht nur Feuchtigkeit trägt zur Korrosion bei, sondern auch UV-Strahlen zur Materialermüdung.

 

Text: U.Beier

Link:

www.kanu.de/nuke/downloads/Signalmittel-Uebersicht.pdf

www.kanu.de/nuke/downloads/Signalmittel-Handhabung.pdf