31.08.2013 „Freya 18“ (560x58 cm; über 400 Liter Vol.) von POINT 65°N (S) (Ausrüstung)

 

Der schwedische Kajakhersteller POINT 65°N hat in Zusammenarbeit mit Freya Hoffmeister das Expeditionsseekajak „Freya 18“ entwickelt, das nicht nur die Wünsche von Freya erfüllt, sondern sicherlich auch den Bedürfnissen vieler anderer „schwergewichtiger“ Longdistance-Kayaker, die mehrere Wochen unterwegs sein möchten, entspricht:

 

www.point65.com/kategori/5279/freya.html

 

Folgende Maße & Eigenschaften gibt der Hersteller an:

 

Länge x Breite: 560x58 cm

Gewicht: 22 – 26 kg

Sitzluke: 88x41 cm

Volumen: mind. 400 Liter (Schätzung)

Max. Beladung: 200 kg

Front- und Hecklukendeckel: 44x26 cm (oval) von Kajak-Sport

Tageslukendeckel: Ø 20 cm

Steuerung: Integriertes Hecksteuer mit verstellbarem Skeg

Steuerpedalen: mit effizientem Fußhalt

Schenkelstützen: nicht verstellbar

Kartendeck: nicht für Seekarten im Querformat DIN A3 geeignet

Vorderdeck: auf Höhe der Füße besonders schmal gehalten, um bei 58 cm Boots-Breite den steilen Paddelschlagstil zu erleichtern.

 

Rund Island und Neuseeland (Südinsel) ist Freya Hoffmeister noch mit einem „Explorer“ (519x56 cm; ca. 319 Lit. Vol.)von Nigel Dennis (SEA KAYAKING UK) (GB) gepaddelt, der mit einem verstellbaren Skeg ausgerüstet war:

 

www.seakayakinguk.com/seakayaks/?mode=range&item=EXPLORERHV

 

Rund Australien und die erste Etappe von rund Südamerika ist sie mit dem „18X – Sport“ (549x56 cm; ca. 369 Lit. Vol.) von EPIC (USA) unterwegs gewesen:

 

www.epickayaks.com/product/product/epic-18x-sport

 

Die Erfahrungen die sie mit dem Steuer des „18X“ gemacht hatte, gingen wohl in die Konstruktion des „Freya 18“ ein. Und zwar „scheint“ es, als ob ein Teil des unteren Hecks abgesägt, bearbeitet und als Steuer wieder anmontiert wurde, wobei dann nachträglich in dieses Hecksteuerblatt ein verstellbares Skeg mit integriert wurde, nicht um es als Skeg zu benutzten, sondern um die Steuerwirkung des Steuerblatts zu erhöhen. Freya hatte mit dieser Art Steueranlage keine Probleme bei rund Australien gehabt. Bei ihrer 1. Etappe rund Südamerika zerbrach jedoch immer mal wieder das Skeg. Mit der Variante von POINT 65°N macht sie bislang nur positive Erfahrungen. Im Vergleich zu den integrierten Steueranlagen von PIETSCH & HANSEN und LETTMANN:

 

www.pietsch-hansen-kajaks.de/steueranlage.htm

www.lettmann.de/catalog/product_info.php/cPath/21/products_id/348

 

halte ich jedoch die amerikanische als auch die schwedische Steueranlagen nicht völlig „brandungstüchtig“; denn beim Starten über den Sand („Robbenstart“) und beim Rückwärtssurfen nach einem vergeblichen Startversuch, kann ich mir vorstellen, dass das Steuerblatt verbogen und abgebrochen werden kann, was bei den beiden deutschen Steueranlagen nicht möglich ist, da das Steuerblatt im hochgezogenen Zustand völlig ins Heck eingezogen sind.

 

Ansonsten hat Freya darauf geachtet, dass das POINT 65-Seekajak voluminöser als das von EPIC ist, was bei ihren langen Gepäckpassagen mit nur wenigen Versorgungsmöglichkeiten zwischendurch verständlich ist. Leider informiert POINT 65 nicht über das Volumen des „Freya 18“. In Anbetracht dessen, dass das in etwa vergleichbare schwedische Modell „X018“ mit den Maßen 549x54 cm auf ca. 390 Liter kommt, vermute ich, dass das Volumen von Freyas Seekajak, welches 11 cm länger und 4 cm breiter ist, bei über 400 Liter liegen wird.

 

Die Sitzluke ist für Freya maßgeschneidert. Im Vergleich zum Modell „X018“ ist sie mit 88 cm um 6 cm länger, was das Ein-/Aussteigen bei Brandungsbedingungen erleichtert. Leider fehlen verstellbare Schenkelstützen, damit andere Kanuten den Sitzhalt entsprechend an ihren Schenkeln anpassen können.

 

Demgegenüber verfügen die Steuerpedalen über einen Fußhalt, der die Beinarbeit beim Paddeln ermöglicht, ohne dass nach jeder Beinbewegung ein Steuerblattausschlag erfolgt.

 

Es ist keine Mulde vorgesehen, in dem ein Kompass integriert werden kann. So müssen wir uns selber einen geeigneten Platz suchen. Für Freya war das kein Problem; denn sie navigiert ohnehin nur nach den Infos, die sie dem Display ihres GPS-Gerätes entnimmt. Aus demselben Grund ist bei „Freya 18“ auch nur ein Kartendeck vorgesehen, bei dem lediglich eine Seekarte im Hochformat DIN A3 gelagert werden kann. Abgesehen davon ist das Kartendeck etwas nach vorne geneigt, sodass eine dort gelagerte Seekarte nicht so optimal abgelesen werden kann, letztlich auch weil das Seekajak über eine 88 cm lange Sitzluke verfügt. Wer nach Seekarten navigieren will, dem bleibt wohl nichts anderes übrig, als seine Spritzdecke mit zusätzlichen Halterungen für die Seekarte auszustatten. Die Sitzluke ist mit seiner Länge von 88 cm immerhin so groß, um dort auf der dazugehörigen Spritzdecke eine Seekarte im Format DIN A3 zu lagern.

 

Last not least fehlt noch eine Anmerkung zur fest eingebauten Lenzpump. Der Hersteller sieht keine vor, obwohl es wegen der weggelassenen Tagesluke vor der Sitzluke möglich wäre, dort die Handlenzpumpe „Compaq 50“ einzubauen. Freya selber hat sich eine E-Lenzpumpe einbauen lassen, was für Leute, die solo paddeln, empfehlenswert ist.

 

Was nun die Fahreigenschaften der „Freya 18“ betrifft, finden wir auf der Homepage von POINT 65°N die üblichen „Werbebehauptungen“ über Schnelligkeit, Stabilität und Wendigkeit. Letztlich muss jeder Kauf-Interessent selber bei einer Probefahrt unter realistischen Bedingungen ohne, aber auch mit Gepäck prüfen, ob er mit diesem Seekajak zurechtkommt. Von Freya selber habe ich zumindest nichts Negatives über „Freya 18“ gehört. Auch auf der 3. Etappe rund Südamerika paddelt sie wieder mit „ihrem“ Seekajak!

 

Text: Udo Beier