02.10.2013 Seenotbaken: 4 handliche Modelle zur Auswahl (Ausrüstung)

 

Eine Seenotbake ist ein Seenotsignalmittel, das bei Auslösung des Alarms zum einen ein Seenotsignal mit persönlicher Kennung und – sofern mit einem GPS-Modul ausgestattet – lokaler Positionsangabe über 406 MHz ausstrahlt, welches über dafür eigens in die Umlaufbahn gebrachte Satelliten (System COSPAS-SARSAT bzw. GEOSAR) empfangen und an die zuständigen regionalen SAR-Seenotleitstellen (MRCC) weitergeleitet wird. Zum anderen verfügt es über ein Peilsignal, welches über 121,5 MHz ausgestrahlt wird und vor Ort von einer entsprechend ausgerüsteten Rettungsmannschaft empfangen und angepeilt werden kann.

 

Alarmierungszeit & Positionsgenauigkeit

 

Solche mit GPS ausgestattete Seenotbaken haben eine Alarmierungszeit von ca. 3 Minuten und liefern eine Positionsgenauigkeit von ca. 50-100 m. Sie bieten sich insbesondere für Küstentouren an, wo pyrotechnische Signalmittel (z.B. Fallschirmsignalraketen) nicht gesehen bzw. elektronische Signalmittel (z.B. UKW-Sprechfunk, Mobilfunk) nicht empfangen werden können. Was bleibt ist ein teures Satellitentelefon oder z.B. eine immer preiswerter werdende Seenotbake.

 

Anforderungen: klein & leicht

 

Vor über 10 Jahren habe ich für eine nur bedingt handliche, d.h. nicht am Körper griffbereit tragbare, 340 g schwere Seenotbake noch über 900 Euro bezahlt. Heute können wir solch eine nur noch ca. 120 g schwere Seenotbake für ca. 300 Euro erwerben. Dazu kommen noch Kosten für die Codierung des Gerätes (damit der Eigentümer des Gerätes beim Ausstrahlen des Notsignals identifiziert werden kann) in Höhe von ca. 40 Euro.

 

Wichtig ist m.E., dass eine solche Seenotbake griffbereit am Körper getragen werden kann, sodass die Möglichkeit besteht, den Seenotfallalarm ohne zusätzliche Kentergefahr direkt vom Seekajak aus oder als Schwimmer vom Wasser aus auszulösen. Je kleiner & leichter eine solche Seenotbake ist, desto weniger spricht dagegen, sie immer unterwegs entlang der Küste mitzunehmen. Z.Zt. erfüllen diese zentrale Eigenschaft z.B. die folgenden Geräte:

 

Kannad SafeLink Solo

 

McMurdo FastFind 220 PLB

 

ACR ResQLink

 

Oceansignal RescueME PLB1

 

(* Der Wechsel der Lithiumbatterie inkl. Dichtigkeitsprüfung kann nur von einer autorisierten Werkstatt vorgenommen werden und kostet ca. 150 Euro!)

 

Zulassung/Registrierung

 

Alle vier Geräte werden den „PLB“ (= Personal Locator Beacon) zugerechnet. Sie sind auf eine Person angemeldet, die sich auf dem Land bzw. Wasser aufhält. Im Gegensatz dazu wird ein „EPIRB“ (= Emergency Position Indication Radio Beacon) einem bestimmten Schiff zugeordnet. Die Funktionsweise der Geräte ist dieselbe, die Abmessungen und das Gewicht liegen höher, dafür sind die technischen Anforderungen teilweise anspruchsvoller (z.B. längere Sendezeiten, wasserdichter).

 

Fürs Küstenkanuwandern geeignet sind alle vier Geräte. Empfehlenswert ist m.E. das Oceansignal RescueME PLB1, da es am kleinsten & leichtesten ist. Ich selber hatte mir im letzten Jahr das ACR ResQLink angeschafft. Es wird bei Küstentouren in der Vordertasche meiner Rettungsweste verstaut. Bislang bin ich mit ihm zufrieden; denn ich merke gar nicht, dass ich es dabei habe … und ich habe es immer dabei, auch wenn ich plane, dicht entlang der Küste zu paddeln; denn wenn es anfängt zu winden & wellen sieht man plötzlich kein anderes Schiff mehr auf dem Meer weit & breit! Wehe dann, wenn man bei ablandigem Wind kentert, aussteigen muss, beim Inuitieren bzw. Wiedereinstieg – aus welchen Gründen auch immer – versagt und von Wind bzw. Strom aufs offene Meer hinausgetrieben wird? Dann ist es doch gut zu wissen, dass zumindest auf der Nord- bzw. Ostsee in ca. 1-2 Std. Hilfe naht!

 

Fehlalarm, was nun?

 

…. und was ist, wenn wir nach der Aktivierung der Seenotbake plötzlich von Dritten gerettet werden bzw. uns wider Erwarten die eigene Rettung, also der Wiedereinstieg, selber gelingt, bevor die herbeigerufenen Retter vor Ort erscheinen? Im SEEKAJAKFORUM.de wird das kurz von Der olle Hansen und  shovellhead andiskutiert:

 

è www.seekajakforum.de/forum/read.php?1,78222,78429#msg-78429

 

1. Wir bitten den Dritten (z.B. Skipper eines Segelbootes, welcher uns an Bord holt) die zuständige Seenotleitung darüber zu informieren, dass kein Seenotfall mehr besteht und keine weitere Hilfe benötigt wird. Das kann per Satellitentelefon, per UKW-Sprechfunk bzw. per Handy erfolgen; denn u.U. ist davon auszugehen, dass von einem Segelboot wegen der leistungsfähigeren Kommunikationsausrüstung bzw. des höheren Sendestandpunktes eher ein Funkkontakt hergestellt werden kann, als von einem „Kenterbruder“, der im hohen Seegang paddelt oder gar schwimmt. Was ist aber, wenn die zuständige Seenotleitung nicht bekannt ist? Nun, dann wir halt versucht, die deutsche SAR-Seenotleitung in Bremen zu erreichen (Tel. 0049-421-53687-0). Die Bremer werden dann schon wissen, wer der eigentliche Ansprechpartner ist.

 

2. Der „Kenterbruder“ selber versucht, Dritte sowie die zuständige Seenotleitung zu informieren, dass kein Seenotfall mehr besteht. Dafür muss es ihm jedoch gelingen, den Funkkontakt herzustellen. Auf dem Wasser wird ihm das jedoch nicht gelingen, sonst hätte er ja gleich statt über die Seenotbake z.B. über sein Handy den Seenotfall ausrufen können. Also muss nach dem erfolgreichen Wiedereinstieg unverzüglich versucht werden, Land zu erreichen, um von dort – gegebenenfalls von der höchsten Erhebung - aus den Funkkontakt zu suchen.

 

Der olle Hansen fragt zusätzlich, ob es bei den Seenotbaken nicht die Möglichkeit gibt, „Entwarnung zu senden“? Nun, wir können den „Alarmierungsknopf“ erneut drücken und somit den Alarm ausstellen. Aber: Woher wissen die Retter, warum plötzlich der Alarm nicht mehr weiter gesendet wird? Es könnte ja auch daran liegen, dass die Batterie erschöpft, die Seenotbake beschädigt, untergegangen bzw. beim Stranden abhanden gekommen ist? Da es hier um Leben oder Tod geht, werden wohl verantwortungsbewusste Retter nicht die Suche einstellen, wenn der Alarm zuvor ausgelöst und länger als ein paar Minuten (?) ausgestrahlt wird.

 

Registrierung

 

Eine Seenotbake muss vor der Inbetriebnahme zunächst bei einer Registrierungsbehörde angemeldet werden. Wir erhalten dann eine Registrierungs-Nr. (è MMSI). Diese melden wir anschließend dem Händler, der die Seenotbake so codiert (Kosten: ca. 40 €), dass bei einer Aktivierung der Seenotbake nicht nur die Koordinaten des Seenotfallortes ausgestrahlt werden, sondern auch diese Registrierungs-Nr.

 

Übrigens, bei der Registrierung müssen u.a. neben Namen & Adresse des Eigentümers der Seenotbake noch Angaben über Kontaktleute gemacht werden, um der zuständigen Seenotleitstelle die Möglichkeit zu geben, nach der Aktivierung einer Seenotbake zu prüfen, ob nicht vielleicht ein Fehlalarm vorliegen könnte.

 

Für uns ist eine Registrierung in Deutschland empfehlenswert, aber auch in Großbritannien möglich:

 

(a) Registrierung in Deutschland bei der „Bundesnetzagentur, Außenstelle Hamburg“:

 

è www.bundesnetzagentur.de > Suche: EPIRB > „Antrag auf Nummernzuteilung Sportschifffahrt“

 

Das Infoblatt zur Registrierung eines EPIRBs finden wir auch direkt unter:

è www.bundesnetzagentur.de/SharedDocs/Downloads/DE/Sachgebiete/Telekommunikation/Unternehmen_Institutionen/Nummerierung/Technische%20Nummern/See-%20und%20Binnenschifffahrtsfunk/AntragNummernzuteilungSportschifffahrt.pdf?__blob=publicationFile&v=4

 

Das PLB wird in Deutschland wie ein EPIRB behandelt und kann nicht auf eine bestimmte Person, sondern nur auf ein bestimmtes Schiff zugelassen werden. Wenn also das PLB nur bei „Landausflügen“ mitgenommen wird, ist eine deutsche Registrierung nicht möglich.

 

Die Registrierung ist gebührenpflichtig (ca. 130 €). Haben wir schon ein UKW-Handsprechfunkgerät bei der Bundesnetzagentur zugelassen und dafür eine „Zuteilungsurkunde“ mit Registrierungs-Nr. (OMMSI) erhalten, ermäßigen sich die Gebühren auf ca. 60 €. Weitere Auskünfte erhalten wir unter 040-23655-0 (Direktwahl: -295).

 

(b) Registrierung in Großbritannien bei der „Maritime & Coastguard Agency“ (MCA):

 

è www.mcga.gov.uk > Search: PLB > MCA-EPIRB (Beacon Registration)

 

Das Infoblatt zur Registrierung eines PLB finden wir direkt unter:

 

è www.dft.gov.uk/mca/mcga07-home/emergencyresponse/mcga-searchandrescue/epirb.htm

 

Das PLB wird in Großbritannien auf eine bestimmte Person zugelassen. Die Registrierung ist kostenlos. Bei der britischen Registrierung ist es zweitrangig, ob das PLB bei Landgängen oder Seetouren eingesetzt wird, wohl aber ist ihr bevorzugter Einsatzort (inkl. Mannschaft, Art des Schiffes) im Anmeldeformular aufzuführen. Das hat den Vorteil, dass die Seenotleitstelle viel eher erkennen kann, ob ein Fehlalarm vorliegen könnte.

 

Übrigens, die Briten sind recht flexibel. Als ich mal meine erste Seenotbake an Dritte verliehen hatte, die für ein paar Wochen in Grönland paddeln wollten, brauchte ich nur meine Anmeldedaten (hier: Einsatzort, Mannschaft, Kontaktpersonen) zu Beginn der Grönlandtour und anschließend nach der Tour zu korrigieren. Der einzige Nachteil bei einer britischen Registrierung liegt eigentlich nur darin, dass die von uns genannten „Kontaktleute“ in der Lage sein müssen, den plötzlich ankommenden Kontrollanruf der britischen Seenotleitung, der natürlich dann auf Englisch erfolgt, zu verstehen und zu beantworten!

 

Text: Udo Beier

Links:

www.kanu.de/nuke/downloads/Seenotsender-Geraete.pdf

http://de.wikipedia.org/wiki/Personal_Locator_Beacon