05.12.2013 „Skinner“ (560x54 cm; ca. 285 Lit. Vol.) von LETTMANN (Ausrüstung)

 

LETTMANN hat mit seiner „Biskaya“-Modellserie eigentlich alles abgedeckt, was ein „Allround“-Seekajak auszeichnet:

 

  • die Länge „läuft“, aber behindert dank des Kielsprungs und der Spantenform nicht beim Manövrieren: 535 - 540 cm;
  • die Breite „bremst“ nicht und dennoch sorgt sie bei entsprechender Spantenform für genügende Stabilität: 53,5 - 54 - 56 cm;
  • das Volumen trägt den unterschiedliche Bedürfnissen Rechnung (hier: Größe/Gewicht des Kanuten; Gepäckbedarf): 295 – 325 – 350 Liter;
  • die Sitzlukenlänge (SLL) erlaubt zumindest den meisten unter 175 cm Großen, sich beim Start direkt auf den Sitz zu setzen und dann erst die Beine nachzuziehen (statt sich zunächst auf den hinteren Süllrand zu setzen, um dann zuerst die Beine „einzufädeln“): 79 cm SSL* (* Innenmaß);
  • die verstellbaren Schenkelstützen sorgen auch bei jenen für den nötigen Schenkelhalt, für deren „Konfektionsgröße“ die Sitzluke nicht gebaut ist;
  • Kurskorrektur: per Skeg oder integriertem Steuerskeg.

 

Außerdem bietet LETTMANN ja noch weitere Seekajaks mit integrierter Heck-Steueranlage an, u.a.:

 

  • „Godthab XL“ (530x55 cm; ca. 316 Lit. Vol.; SLL: 71 cm)
  • “Hanseat LV bzw. HV” (525x57-58 cm; ca. 330 – 360 Lit. Vol.; SLL: 79 cm)
  • “Nordstern LV bzw. HV“ (555x57-58 cm; ca. 390 – 425 Lit. Vol.; SLL: 79 cm)

 

Dazu kommen noch vier relativ „formgleiche“ Seekajaks mit der am senkrechten Hecksteven montierten, von LETTMANN entwickelten „Balance Steueranlage“, die jedoch nur bedingt „brandungstüchtig“ ist:

 

  • „Aurora LV bzw. HV“ (500x57-58 cm; ca. 285 bzw. 305 Lit. Vol.; SLL: 71 bzw. 79 cm)
  • Meridian” (PE) (520x59 cm; ca. 396 Lit. Vol.; SLL: 88 cm)
  • “Archipel LV bzw. HV” (525x57-58 cm; ca. 320 bzw. 350 Lit. Vol.; SLL: 79 cm)
  • „Tasman“  (525x58 cm; ca. 355 Lit. Vol.; SLL: 88 cm)
  • “Baikal” (540x61 cm; ca. 413 Lit. Vol.; SLL: 93 cm)
  • “Magellan LV bzw. HV” (550x57-58 cm; ca. 337 – 367 Lit. Vol.; SLL: 79 cm)
  • “Speedliner” (585x53 cm; ca. 389 Lit. Vol.; SLL: 79 cm)

 

Schließlich gibt es noch die zwei “Oldtimer” (mit wenig „effizienter“ “Flip Off Steueranlage“):

 

  • „Eski 475“ (475x55 cm; ca. 270 Lit. Vol.; SLL: 71 cm) (Umklapp-Steuer)
  • “Eski 530” (530x55 cm; ca. 316 Lit. Vol.; SLL: 71 cm) (Umklapp-Steuer

 

Wozu braucht LETTMANN da noch einen:

 

  • „Skinner“ (560x54 cm; ca. 285 Lit. Vol.; SLL: 79 cm) (Skeg bzw. Steuerskeg)?

 

Geht doch die derzeitige Entwicklung von Seekajaks weg von den Kajaks mit lang überhängenden Bug- und Heckspitzen, die im Vergleich zur „Länge über Alles“ nur zu relativ wenig „Wasserlinienlänge“ bieten. Zeitgemäßer sind vielmehr Seekajaks mit relativ steilen Bug- und Hecksteven; denn das garantiert eine möglichst lange Wasserlinienlänge …. und nur die „läuft“! Mit seinem „Speedliner“ hat LETTMANN diesem Trend schon früh Rechnung getragen. Insofern war zu erwarten gewesen, dass er nun eine kürzere Variante des „Speedliner“ entwickelt, jedoch dann mit dem „Steuerskeg“, statt mit der „Balance-Steueranlage“.

 

Die Briten sind nicht in Sachen „Steueranlage“ (die verwendete „Smart Track“-Steueranlage (Hochklapp-Steuer) ist nur bedingt „brandungstüchtig) wohl aber in Sachen „Wasserlinienlänge**“ mal wieder Vorreiter, nämlich

 

ROCKPOOL:

  • „Taran“ (549/536**x52 cm; ca. 370 o. 383 (?) Lit. Vol.; SLL: 75 cm) (Hochklapp-Steuer)
  • “Taran 16” (508x51 cm; ca. 369 Lit. Vol.; SLL: 75 cm) (Hochklapp-Steuer)

 

TIDERACE:

  • “Pace 18” (549/548**x54 cm; ca. 340 o. 373 (?) Lit. Vol.; SLL: 77 cm) (Hochklapp-Steuer)
  • “Pace 17 Tour” (522/506**x53 cm; ca. ca. 405 Lit. Vol.) (Hochklapp-Steuer)
  • “Pace Evoke” (480/458**x54 cm; ca. 370 Lit. Vol.; SLL: 87 cm) (Hochklapp-Steuer)

 

Selbst ZEGUL/TAHE haben schon nachgezogen:

  • „Velocity“ (550x54 cm; SLL: 82 cm) (Skeg bzw. Hochklapp-Steuer)
  • „Searocket“ (550x54 cm; SLL: 82 cm) (Skeg bzw. Hochklapp-Steuer)
  • „Seaskater“ (500x56 cm; SLL: 86 cm) (Skeg bzw. Hochklapp-Steuer

 

Stattdessen nimmt sich LETTMANN wie schon bei seinem, jedoch nicht mehr im Katalog aufgeführten:

 

  • „Godthab“ (522x52 cm; ca. 268 Lit. Vol.; SLL: 55 cm) (ohne Skeg/Steuer)

 

die westgrönländischen Seekajaks zum Vorbild, die durch ein traditionelles Design ansprechend wirken, was aber auf Kosten insbesondere der Wasserlinienlänge und der Trockenlaufeigenschaften (hier: geringes Volumen) geht.

 

LETTMANN steht jedoch mit dieser Entwicklung nicht allein da. Auch ZEGUL/TAHE versuchte sich in Sachen „Grönländer“. Zunächst wurde ein entsprechendes Kajak mit geringstem Volumen und traditionell kleiner Sitzluke entwickelt. Heraus kam ein aufregend schönes Kajak mit riesigen Überhängen**, was sich jedoch wohl nur als „Zweitboot“ eignete:

 

  • Greenland“ (545/427**x50 cm; ca. 224 Lit. Vol.; SLL: 57 cm) (Skeg)

 

Da dieses Kajak nur “Liebhaber” anspricht, aber nicht jeder von ihnen in die Sitzluke passte, wurde das Kajak etwas breiter und etwas voluminöser gemacht und mit einer längeren Sitzluke versehen:

 

  • “Greenland T” (545/454**x54 cm; ca. 250 Lit. Vol.; SLL: 78cm) (Skeg)

 

Aber auch diese Veränderungen machte dieses Kajak nur „spritztourentauglich“. Nun wurde das Volumen nochmals um ca. 70 Liter erhöht und heraus kam Seekajak, das sich auch als „Erstboot“ und für Gepäcktouren eignen müsste:

 

  • „Greenland GT“ (545x54 cm; ca. 321 (?) Lit. Vol.; SLL: 79 cm) (Skeg)

 

Wie wir leicht sehen, liegt LETTMANNs:

 

  • „Skinner“ (560x54 cm, ca. 285 Lit. Vol.; SLL 79 cm) (Skeg bzw. Steuerskeg)

 

so zwischen “T” und “GT”. Er verfügt über so viel Volumen, dass „Puristen“ damit auch für mehrere Tag auf Tour gehen können. Ob er wirklich etwas taugt, können wir einem Fahrbericht von Lutz Berger entnehmen:

 

„Moerser Interpretation eines Greenlanders“

 

der in KAJAK-MAGAZIN, Nr. 1/14, S.80, erschienen ist. Leider ist der Beitrag recht unkritisch geschrieben:

 

Zu viel Lob ist nicht immer ein Zeichen von „Klasse“, sondern auch eines von Höflichkeit, Befangenheit, Dankbarkeit, Mitleid bzw. zu niedrig angesetzter oder wenig anspruchsvoller Testkriterien!?

 

Wenn wenigstens gesagt würde, bei welchen Wind- und Seegangsbedingungen und mit wie viel Gepäck der „Skinner“ gepaddelt wurde, könnten wir eher beurteilen, was von dem vielen lobenden Beurteilungen zu halten wäre. Immerhin werden am Rande auch ein paar Nachteile erwähnt:

 

  • luvgierig (Das aber ist eigentlich ab 4 Bft. Seitenwind und ab einer bestimmten Geschwindigkeit jedes Seekajak. Mit dem Skeg kann das entsprechend korrigiert werden, sofern das Seekajak vor Gepäckfahrten richtig getrimmt wird. Leider gibt es keinen Seekajakhersteller, der uns sagt, wo der „Trimmpunkt“ seines Seekajaks liegt. LETTMANN bietet zwei Skeg-Varianten an, wobei beide Flossen ein „Schwert“ sind, dessen Fläche sich beim Herauslassen sich nicht kontinuierlich erhöht wie bei einer „Dreieck-Flosse“, das als Skeg viel effizienter eingesetzt werden kann. Übrigens, ist ein Seekajak durch Gepäck oder „Deckslast“ vertrimmt, hilft nur noch das „Steuerskeg“, um das Seekajak auf Kurs zu halten.
  • Nasslauf (bei Welle von vorne) (Das ist auf das niedrige Volumen von ca. 285 Liter zurückzuführen, welches jedoch im Beitrag nicht genannt wird, und der unüblichen Länge von 560 cm. Leider wird nichts dazu geschrieben, ob das Seekajak bei Surfkursen ebenso nass läuft, also zum Bohren neigt.
  • Agilität (Ja, was heißt das, dass „kürzere und voluminösere Boote beim Surfen, gerade beim Kurswechsel I(in der Brandung) agiler zu fahren“ sind? Dass wir den „Skinner“ zwischen den Brandungswellen kaum herum bekommen und so leicht zum Spielball der Brecher werden können, sofern wir im kabbeligen Seegang nicht die nötige Paddeltechnik und das Ankanten per „Hüftknick“ beherrschen?)

 

Leider finden wir keine Aussagen darüber:

 

  • wie ein gekenterter „Skinner“ zu lenzen ist. (Immerhin bietet LETTMANN eine eingebaute E-Lenzpumpe an);
  • ob der „Ergo-Steuerbock“ und die „Plastiksteuerseile“ bei starken Belastungen (z.B. beim Surfen ab 50-cm-Welle) nicht zu elastisch auf den Fußdruck reagieren, sodass der Fußdruck über das Steuerpedal nur teilweise auf das Steuerblatt übertragen werden kann (Ich würde daher den guten, alten Alu-Steuerbock mit verwindungssteifen Fußpedalen und Edelsteuerseile vorziehen?)
  • dass der Flossen-Schlitz im Unterwasserschiff auf Grund seiner Lage z.B. während des Starts verschmutzen und folglich die Skeg- bzw. Steuerflosse verklemmen kann. (Damit nach dem Start auf dem Wasser Mitpaddler leichter diese Flosse herausziehen können, bietet es sich an, an der Flosse ein Bändsel zu montieren!)
  • dass bei hartem Einsatz (z.B. hohe Stütze bzw. Rolle) das Sitzpolster verrutschen kann und dadurch den Sitzhalt verschlechtert! Das herausnehmbare Sitzpolster liegt nämlich etwas locker auf der Sitzschale. (Vielleicht genügt es hier, das Polster mit einem Teppichklebebank zu fixieren?)
  • dass Sitzschale bzw. Steuerbock unterwegs auf dem Wasser verrutschen kann. Beides wird nämlich recht praktisch auf einer Mittelschiene befestigt und kann relativ leicht verstellt werden. Im Laufe der Zeit setzen sich jedoch kleinste Sandkörner auf dieser Schiene fest, was schließlich dazu beitragen kann, dass nach einem Verstellen Sitzschale bzw. Steuerbock nicht mehr dauerhaft festgeschraubt werden können. Problematisch wird so was, wenn sich unterwegs auf dem Wasser bei Seegang Sitzschale bzw. Steuerbock verstellen bzw. wenn der Steuerbock soweit nach vorne rutscht, dass das Bugschott beschädigt wird. (Dies ist übrigens nicht nur typisch für LETTMANN-Seekajaks und kann letztlich nur durch zusätzlich angeschraubte Sperren verhindert werden.)

 

Text: Udo Beier