10.12.2013 „Empower“ (561x53cm;ca.389 Lit.Vol.) von ARROW (DK) (Ausrüstung)

 

Lange gibt es den dänischen Seekajakhersteller ARROW noch nicht. Dennoch ist es ihm gelungen, in dieser Zeit insgesamt 5 Seekajaks zu entwickeln, die nicht ganz uninteressant erscheinen:

 

  • „Nuk GT“ (505x52 cm; ca. 316 Liter Volumen)
  • “Play LV (509x54 cm; ca. 325 Liter Volumen)
  • “Play MV” (517x54 cm; ca. 342 Liter Volumen)
  • “Play HV” (514x54 cm; ca. 358 Liter Volumen)
  • “Empower” (561x53 cm; ca. 389 Liter Volumen)

 

Z.B. über den “Empower” ist Folgendes zu erwähnen:

 

  • 3-fache Abschottung; Bugschott auf Maß
  • 2 ovale Gepäcklukendeckel (44x26 cm) aus Weichplastik (Kajak-Sport)
  • 2 runde Gepäcklukendeckel (Ø 15 cm bzw. 20 cm) aus Weichplastik (Kajak-Sport)
  • Sitzluke (Schlüssellochform): 82,5x40 cm (Süllrand vorne (Kniehöhe): 29 cm?; Süllrandhöhe hinten (außen): 19 cm?)
  • Schenkelstützen: nicht verstellbar
  • Skeg u/o Navigator-Steueranlage
  • integrierte Kompassmulde
  • Lenzpumpe: nicht vorhanden (nur Fuß- oder E-Pumpe möglich?)
  • Gewicht: ?
  • Volumen (gesamt // Bug / Cockpit / Heck): ca. 389 Liter // ? / ? / ? /
  • Zuladung (min/max): ? / 178 kg
  • Wasserlinienlänge: ?
  • 3 verschiedene Materialqualitäten
  • Kartendeck: plan
  • etwas überhängende Bug-/Hecksteven

(è längere Wasserlinienlänge, höheres Geschwindigkeitspotenzial)

  • mäßiger Kielsprung

(è erhöht die Wendigkeit, leichteres Surfen)

  • Spantenform: Knickspant im Mittelschiff

(è erhöhte Wendigkeit beim Kanten)

  • viel Bugvolumen

(è erschwert das Bohren beim Surfen)

  • wenig Heckvolumen / flaches Heck)

(è erleichtert beim Rollen die Rücklage; erschwert das Surfen)

 

Kürzlich ist unter dem Titel:

 

„Arrow Empower: Das perfekte Reiseboot für große Paddler“

 

ein Fahrbericht von Björn Nehrhoff von Holderberg im KAJAK-MAGAZIN erschienen.

 

Das Seekajak wir nicht nur gelobt, sondern dem Autor gelingt es auch, sein Lob nach vollziehbar zu begründen.

 

Erwähnenswert ist hier die von ihm bei einem Sprintversuch ermittelte „Kurzzeit(höchst)geschwindigkeit“ von 13 km/h. Das ist wohl ein subjektiver Wert; dennoch sagt er etwas über das Geschwindigkeitspotenzial eines Seekajaks im Vergleich zu anderen Seekajaks aus, sofern der Autor auch bei seinen weiteren „Fahrberichten“ diese Sprintgeschwindigkeit ermittelt. So gab er für den:

 

  • „Greenland GT“ von ZEGUL (545x54 cm; ca. 321 (?) Liter Volumen)

 

eine Sprintgeschwindigkeit von 10,5 km/h an (vgl. KAJAK-MAGAZIN, Nr. 2/13):

www.kuestenkanuwandern.de/ausruest/130208.html )

 

Ergänzend anzumerken ist zu dem Fahrtbericht Folgendes:

 

  • Die Effizienz des verstellbaren Skegs wird gelobt, auf das wahlweise einbaubare Steuer (Modell: Navigator von Kajak-Sport) wird nur hingewiesen, aber leider nicht angemerkt, dass im Allgemeinen die am Heckende anmontierten Klapp-Steueranlagen nur selten effizient funktionieren und dass im Besonderen das Navigator-Steuer nicht stabil genug ist, um bei harten Gewässerbedingungen noch wirksam zu funktionieren (è der Mechanismus am Heck hat zu viel Spiel und kann sich samt Steuerblatt verbiegen/verwinden und das Steuerblatt selber kann bei Tempo aufschwimmen!?).
  • Es wird zu Recht erkannt, dass das Seekajak nur etwas für „große“ Paddler mit einem „gewissen Gewicht“ taugt. Leider wird jedoch nicht erwähnt, wie hoch etwa die Mindestzuladung sein sollte. Nach einer von mir entwickelten „Faustformel“ müsste sie etwa bei etwa 117 kg liegen (= 30% des Volumens (389 Liter) (umgerechnet in kg)), woraus abgeleitet werden kann, dass bei einem angenommenen Bootsgewicht von 25 kg und ca. 10 kg Tagesgepäck der Kanute mindestens 82 kg wiegen müsste, wenn er mit diesem Seekajak bei anspruchsvolleren Gewässerbedingungen auf dem Meer (ab 4 Bft. Wind) Tagestouren unternehmen möchte. Wenn mehr Gepäck mitgenommen wird, könnte der Kanute natürlich entsprechend weniger wiegen. Es fragt sich dann jedoch, ob ihm das Seekajak noch genügend Sitzhalt bietet, was i.d.R. nur über eine persönliche Sitzprobe ermittelt werden kann.
  • Der Hersteller gibt als maximale Zuladung 178 kg an. Addieren wir dazu noch das ungefähre Bootsgewicht von ca. 25 kg, kommen wir auf 203 kg (= 52 % des Volumens). Zum Vergleich: Die theoretische Beladungs-Höchstgrenze liegt lt. der „Faustformel“ bei 60 %.
  • Die Volumenangabe des Herstellers wird einfach übernommen (ca. 389 Liter). Interessant wäre es dabei zu erfahren, ob diese Angabe richtig ist und wie sich das Volumen auf Bug / Cockpit / Heck verteilt.
  • Die „Reisetüchtigkeit“ eines Seekajak kann auch davon abhängig gemacht werden, ob es über ein hinter der Sitzluke sich befindliches Gepäckfach (Tagesluke) verfügt. Insbesondere bei Tagestouren, bei denen kaum Gepäck mitgenommen wird, ist es recht praktisch. Wir können nämlich in dieses kleinere Gepäckfach hinter der Sitzluke unser Tagesgepäck verstauen, ohne dass es dann während einer Tour im ganzen Heck hin und her verrutschen kann!? Leider spendiert der Hersteller für dieses Fach nur einen Lukendeckel mit 20 cm statt 24 cm Durchmesser.
  • Das Seekajak verfügt über ein ungewöhnlich hohes Bugvolumen (was jedoch nicht mit Zahlen belegt wird). Immerhin wird hingewiesen, darauf zu achten, dass beim Verstauen des Gepäcks nicht zu viele schwere Gegenstände im Bug verladen werden; denn sonst könnte nachher der Trimm nicht stimmen (è Luvgierigkeit).
  • Leider kennzeichnet der Hersteller – eigentlich tut das kein Seekajakhersteller!? – nicht jenen Punkt, bei dem die verstaute Beladung das Seekajak nicht aus dem Gleichgewicht bringt (sog. „Trimmpunkt“).
  • Ein „echtes“ Seekajak erkennen wir auch daran, dass der Hersteller anbietet, zumindest das Bugschott auf Maß einzubauen, d.h. an die Beinlänge des Kanuten anzupassen. Und einen „echten“ Seakayaker daran, dass er diese Möglichkeit auch nutzt; denn auf diese Weise kann nicht nur das Gepäckvolumen im Bug erhöht, sondern entsprechend das Cockpitvolumen vermindert werden. Letzteres ist nicht ganz unwichtig; denn 30 Liter weniger Volumen im Cockpit bedeutet nach einer Kenterung mit Ausstieg, 30 kg bzw. Liter weniger Wasser bei der Anwendung der X-Lenzmethode hochzuheben und anschließend zu lenzen!
  • Leider wird in dem Fahrbericht nicht erwähnt, wie das Seekajak nach einer Kenterung mit Ausstieg zu lenzen ist. Können denn mittlerweile alle Rollen und klappt die Rolle immer bzw. wird gar nicht mehr gekentert. Der „Empower“ ist doch kein „See-Kajak“, sondern in erster Linie ein „Meeres-Kajak“!? Wir erfahren nichts darüber, ob wenigstens eine „ineffiziente“ Fußlenzpumpe eingebaut werden könnte (u.U. stört das „Knierohrgepäckfach“ unter dem Kartendeck!?) oder eine E-Lenzpumpe!? Leider ist es ja wegen des „Knierohrgepäckfaches“ nicht möglich, auf dem Kartendeck die effiziente „Compaq“-Handlenzpumpe einzubauen. Nun, mittlerweile verzichten immer mehr Briten auf die eingebaute Handlenzpumpe. Ich weiß auch nicht warum? Wollen sie Geld oder Gewicht einsparen oder damit demonstrieren, dass sie keine Pumpe benötigen, weil sie rollen können? Oder paddeln sie eh nur Tagestouren, bei denen sie mit wenig Zuladung unterwegs sind, sodass das gekenterte und vollgelaufene Seekajak vom „Kenterbruder“ selbst noch mit einer Hand angehoben und so gelenzt werden kann?
  • Sehr richtig wird erkannt, dass auf Grund des weniger voluminösen und recht schlanken Hecks das Seekajak nicht so schnell von allein von der anrollenden Welle mitgenommen wird, d.h. der Kanute muss schon lossprinten, wenn er nicht will, dass die Welle unter ihm durchläuft. Das aber ist nicht unbedingt als Nachteil anzusehen. Wer nämlich bei Brandungsbedingungen anlanden möchte, ist manchmal ganz froh, wenn die Brecher unter ihm durchlaufen, statt ihn mitzunehmen und u.U. zu kerzen!?
  • Übrigens, ein „perfekter“ Fahrbericht sollte nicht nur etwas über das Volumen und die Volumenverteilung (auf Bug/Cockpit/Heck) (gemessen in Liter) aussagen, sondern auch etwas über die „Wasserlinienlänge“; denn die alte Bootsbauerweisheit „Länge läuft“ meint nämlich letztlich die „Wasserlinienlänge“ und nicht die „Länger über alles“! So schwer ist es doch nun nicht, sie zu ermitteln: Wir setzen uns am Steg ins Seekajak und bitten einen Dritten mit einem wasserfesten Filzschreiber die Stellen an Bug und Heck zu kennzeichnen, wohin das Wasser gerade noch reicht. Anschließend an Land kann dann ausgemessen werden, wie lang die Strecke von vorn bis hinten ist. Natürlich hängt diese Strecke immer von der Zuladung ab. Wenn aber der „Testfahrer“ immer dieselbe Person ist, haben solche Werte zumindest bei einem Vergleich mit anderen getesteten Seekajaks – ähnlich der Werte zur „Sprintgeschwindigkeit“ - eine Aussagekraft.
  • Auch gehört zu solch einem Fahrbericht die Angabe der vorderen Sitzlukenhöhe (Innenmaß) (eine zentrale Maßgröße dafür, wie leicht wir mit den Knien in die Sitzluke rutschen können) und der hinteren Sitzlukenhöhe (Außenmaß) (eine relevante Maßgröße dafür, wie weit wir uns beim Rollen nach hinten legen können).
  • Selbst über die „Sekundärstabilität“ lassen sich objektive Werte näherungsweise ermitteln, und zwar bestimmen wir sie, indem wir im Wasser durch Krängen des Seekajaks jene Stelle in Höhe der Sitzluke ermitteln, wo es kentern will. Wer dabei Angst hat zu kentern, kann diesen Krängungsversuch ja in unmittelbarer Nähe eines Stegs oder im Flachwasser vornehmen.

 

Das war’s. Zu erwähnen ist nur, dass der in Estland ansässige Kajakhersteller TAHE OUTDOORS in der Zwischenzeit auch diesen dänischen Seekajakhersteller aufgekauft hat. Dessen Seekajaks werden ab sofort von der Tochterfirma ZEGUL hergestellt (?), zumindest vertrieben. Nunmehr gehören insgesamt die folgenden Firmen zu TAHE OUTDOORS:

 

  • TAHE MARINE (u.a. 22 Seekajaks im Sortiment),
  • TRAPPER (1 Seekajak),
  • RIOT (2 Seekajaks),
  • ZEGUL (13 Seekajaks),
  • BOREAL (CDN) (21 Seekajaks),
  • SEAWARD (CDN) (17 Seekajaks),

 

dazu kommen noch die Ausrüstungsfirmen BELUGA und EGALIS (Paddel). Es ist zu hoffen, dass diese Zusammenschlüsse nicht zu einer negativen Qualitätsveränderung führen werden und dass zumindest das ARROW-Sortiment erhalten bleibt.

 

Übrigens, damit die Aussagen eines „Fahrberichts“ über Seekajaks besser miteinander verglichen werden können, ist es zu wünschen, wenn der „Testfahrer“ stets dieselbe Person wäre. Björn Nehrhoff von Holderberg hat mit seinen Beiträgen gezeigt, dass er nicht nur gut formulieren, sondern seine Testerfahrungen auch gut analysieren kann. Das KAJAK-MAGAZIN wäre insofern gut beraten, in Zukunft im Interesse der besseren Vergleichbarkeit und zum Nutzen seiner Leser allein ihm das Testen von Seekajaks zu überlassen.

 

Text: Udo Beier

Quelle: KAJAK-MAGAZIN, Nr. 5/13, S.81 – www.kajak-magazin.com

Link: www.zegulmarine.com/kayaks/zegul-arrow-empower/