28.01.2014 Integrierte Steueranlage von PIETSCH & HANSEN (Ausrüstung)

 

Die Steueranlage mit dem im Unterwasserschiff integrierten Steuerblatt wurde einst Anfang der 80er Jahre von Jürgen Pietsch erfunden & entwickelt und erstmals in den „Habel“ eingebaut:

 

www.pietsch-hansen-kajaks.de/technik.htm

 

In der Zwischenzeit ist das Seekajaksortiment von PIETSCH & HANSEN ausgeweitet worden:

All diese Seekajaks sind mit einer integrierten Steueranlage ausgerüstet.

 

Optimale Steuerblattplatzierung!

 

Das Steuerblatt dieser Anlage ist etwa 50 cm vor dem Hecksteven platziert. Das hat den Vorteil, dass das Steuerblatt auch bei steilem, hohem Seegang fast immer im Wasser bleibt und dadurch effizient eingesetzt werden kann.

 

Vorsicht bei Grundberührungsgefahr!

 

Der Steuerblatt-Hochholmechanismus (è ein Draht, der in einer Halterung liegt) ist bei PIETSCH & HANSEN so konstruiert, dass er drei Stellungen für das Steuerblatt vorsieht:

Diese 3-fache Verstellung des Steuerblatts ist von Vorteil, da wir jederzeit wissen, welche Stellung das Steuerblatt gerade einnimmt. Jedoch können wir mit der Flossen-Stellung nur den Geradeauslauf erleichtern, aber keine Trimmung wie bei einem konventionellen Skeg gegen Luv- oder Leegierigkeit vornehmen.

 

Besteht die Gefahr, dass wir unterwegs mit dem Steuerblatt den Grund berühren könnten (z.B. bei Flachstellen, bei Brandung, beim Anlanden bzw. Starten), ist das Steuerblatt zumindest auf „Flossen-Stellung“ einzuziehen, anderenfalls könnte das Steuerblatt, sofern es nicht auf „Geradeaus-Fahrt“ gehalten wird, bei Grundberührung beschädigt werden bzw. beim unkontrollierten Hochklappen das Unterwasserschiff beschädigen.

 

Kielsprung schützt vor Verschmutzungen!

 

Aufgrund dessen, dass die Seekajaks von PIETSCH & HANSEN über einen Kielsprung verfügen, schleift der im Unterwasserschiff integrierte Steuerblattschlitz beim Anlanden bzw. Starten nicht ständig über den Boden (Hinweis: beim "Habel IV" und "Gröde II" ist der Kielsprung stark zurückgenommen worden!). Außerdem ist der Schlitz anfänglich sehr weit und offen. Beides führt dazu, dass weder der Schlitz noch der Drehmechanismus des Steuerblatts bei Grundberührung allzu leicht verschmutzen und folglich beim Hochziehen bzw. Herunterlassen klemmen kann.

 

Probleme beim Hochziehen

 

Da der Schlitz unten offener ist, lässt sich das Steuerblatt leichter einziehen, vorausgesetzt das Seekajak befindet sich auf Geradeaus-Fahrt! Dennoch ist nicht auszuschließen, dass der eine oder die andere in der Hektik beim Anlanden durch brechenden Seegang Schwierigkeiten hat, dass Steuerblatt ins Unterwasserschiff einzuziehen. Aus „Hektik“ wird dann leicht „Panik“; denn bei einem vollständig herausgelassenen Steuerblatt besteht ja bei Grundberührung die Gefahr, dass das Steuerblatt bzw. Unterwasserschiff beschädigt werden können.

 

Kursprobleme bei beschädigtem Steuerblatt

 

Ist das Steuerblatt eingezogen, sind die Seekajaks von PIETSCH & HANSEN (Ausnahme: "Habel IV" und "Gröde II") aufgrund ihres Kielsprungs äußerst wendig. Ist jedoch – aus welchem Grund auch immer – das Steuer defekt, dann können wir bei Wind & Welle Probleme mit dem Geradeauslauf eines solchen Seekajaks bekommen. Solange jedoch das Steuerblatt nicht abgebrochen ist, besteht aber die Möglichkeit, über die "Flossen-Stellung" den Geradeauslauf zu verbessern.

 

Fixierungsprobleme bei der Steuerblatthochholhalterung

 

Nachteilig bei dieser von PIETSCH & HANSEN bis "Modelljahr 2010" verwendeten Hochholhalterung ist, dass sich das Hochholdraht bei einer Kenterung in der Brandung oder beim Öffnen/Schließen der Spritzdecke leicht aus der Halterung lösen kann. Das Steuerblatt ragt dann wieder aus dem Unterwasserschiff heraus. Eine Beschädigung:

ist dann nicht mehr auszuschließen.

 

Insbesondere konnte es bis "Modelljahr 2009" passieren, dass nach einer Kenterung mit Ausstieg der Wasserdruck eines Brechers das Steuerblatt um mehr als 180° verdreht, was zu einer Beschädigung des im Rumpf integrierten Drehmechanismus führt. Beim Wiedereinstieg im Wasser fällt das zunächst gar nicht auf. Erst beim Weiterpaddeln merken wir dann, dass das Steuerblatt quer steht und sich nicht mehr bewegen lässt.

 

PIETSCH & HANSEN haben mir nun mitgeteilt, dass:

è http://forum.kanu.de/showpost.php?p=38673&postcount=6

 

(1) ab "Modelljahr 2010" die Seilführung zum Drehteller, der die Zugbewegung der Steuerseile in eine Drehbewegung des Steuerblatts überträgt, soweit geändert wurde, dass ein Überdrehen des Steuerblatts nicht mehr möglich ist;

 

(2) ab "Modelljahr 2011" die vorne neben der Sitzluke angebrachte "Steuerblatthochholhalterung" insoweit geänderte wurde, dass nun ein "längerer, mit einer Vertiefung versehener Edelstahlbolzen verwendet wird, hinter dem der Stahldraht (mit dem das Steuerblatt hochgezogen wird) sicher einhakt".

Nebeneffekte

 

Ansonsten hat die „integrierte Steueranlage“ einen angenehmen Nebeneffekt. Beim Schleppen eines geschwächten Mitpaddlers besteht im Gegensatz zu jenen Seekajaks, die mit einer „Heck-Umklapp-„ bzw. „Heck-Hochklapp-Steueranlage“ ausgerüstet sind, nicht die Gefahr, dass die Schleppleine sich mit der Steueranlage verheddern kann. Diesen Vorteil weisen natürlich auch „Skeg-Seekajaks“ auf. Dafür sind beim Schleppen Seekajaks mit integrierter Steueranlage leichter zu manövrieren als solche mit Skeg.

Text: Udo Beier