08.09.2014 Seekajaks: Geht’s noch kürzer? (Ausrüstung)

 

Wie kurz sollte ein Seekajak höchstens sein? Oder: Wie lang sollte es mindestens sein?

 

Das ist eine Frage, die bislang nicht im Brennpunkt der Diskussion stand. Kein Wunder, wurden doch lange Zeit nur Jahre seetüchtige Seekajaks (hier: Kajaks mit wenigstens doppelter Abschottung, mit Rettungshalteleinen, genügend Sitzhalt) angeboten, die mindestens ca. 465 cm lang waren. Das hat sich in der Zwischenzeit geändert. Mittlerweile haben einige Kajak-Hersteller auch kürzere Kajaks im Angebot, die die obigen Mindestanforderungen, die an ein Seekajak gestellt werden, erfüllen auch, wenn sie nur 440 cm oder in Einzelfällen sogar nur 410 cm lang sind.

 

Natürlich geht es kürzer als z.B. 475 cm, genauso wie es ein Stück länger geht! Letztlich hängt das von den Anforderungen ab, die wir an ein Kajak stellen, mit dem wir auf dem Meer paddeln wollen.

 

„Transporter“

 

Wollen wir überwiegend Strecke paddeln, und das mit Gepäck (hier: Zelt, Kocher, Verpflegung u.a.), dann sollte das Seekajak nicht nur etwas voluminöser, sondern auch etwas länger sein. Wir machen dabei kaum etwas falsch, wenn wir uns für ein Seekajak entscheiden, das ca. 500 – 550 cm lang und ca. 52 – 58 cm breit ist. Laut Test des us-amerikanischen SEA KAYAKER liegen bei dieser Größenordnung die Wasserwiderstandswerte (WW) (hier: Wellenwiderstand plus Reibungswiderstand) bis zu einer Geschwindigkeit bis 4 Knoten (7,4 km/h) noch sehr dicht beieinander, was „Tourenpaddler“ reichen müsste. Erst ab 5 Knoten (9,3 km/h) machen sich die Unterschiede bei den Wasserwiderstandswerten bemerkbar. Hier schneiden die Seekajaks über 550 cm (richtiger: mit über 530 cm Wasserlinienlänge) deutlich günstiger ab. Aber kaum ein „Tourenpaddler“ wird mit Gepäck auf Dauer ohne Stromunterstützung & Rückenwind in diesen Geschwindigkeitsbereich vorstoßen. Selbst die Australienumrunderin Freya Hoffmeister ist in ihrem „18X Sport“ (Epic) (549x56 cm) nur auf einen Schnitt von 5 km/h gekommen. Und die beiden Kanuten Manfred Draumann & Dushan Gardlo, die vor kurzem im „Scorpio“ (PE) (P&H) (515x56 cm) bzw. „Biskaya MV“ (Lettmann) (535x54 cm) an einem Tag von St. Peter-Ording nach Helgoland und retour (ca. 49 km) paddelte, benötigten trotz Stromunterstützung und raumen Wind 5:30 Std. für die Hinfahrt, was 8,9 km/h entspricht:

 

Wasserwiderstand bei 19 Seekajaks zwischen 500 – 550 cm (Länge über Alles):

bei 3 kn: min. WW = 0,85 kg / max. WW 0,93 kg / max. Differenz = 0,08 kg

bei 4 kn: min. WW = 1,60 kg / max. WW 1,75 kg / max. Differenz = 0,15 kg

bei 5 kn: min. WW = 3,28 kg / max. WW 4,05 kg / max. Differenz = 0,78 kg

 

Wasserwiderstand bei 12 Seekajaks zwischen 465 – 499 cm (Länge über Alles):

bei 3 kn: min. WW = 0,85 kg / max. WW 0,92 kg / max. Differenz = 0,07 kg

bei 4 kn: min. WW = 1,62 kg / max. WW 1,87 kg / max. Differenz = 0,25 kg

bei 5 kn: min. WW = 3,25 kg / max. WW 4,54 kg / max. Differenz = 1,29 kg

 

Wasserwiderstand bei 6 Seekajaks über 550 cm (Länge über Alles):

bei 3 kn: min. WW = 0,88 kg / max. WW 0,95 kg / max. Differenz = 0,08 kg

bei 4 kn: min. WW = 1,61 kg / max. WW 1,76 kg / max. Differenz = 0,15 kg

bei 5 kn: min. WW = 2,83 kg / max. WW 3,06 kg / max. Differenz = 0,23 kg

 

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Siehe hierzu die Daten in den Tabellen 1-3:

 

Tab. 1: „Transporter“ (für Mehrtagestouren / Längenmaß: 500 – 550 cm):

(sortiert nach WW bei 4 Knoten) (mit *=Wasserlinienlänge)

 

„Nordkapp LV“ (Valley): 532/485*x54cm, ca. 306 Liter Volumen

Wasserwiderstand (WW) bei 3 kn bzw 4 kn bzw. 5 kn: 0,85 kg bzw. 1,60 kg bzw. 3,51 kg

 

„Greenland T“ (Zegul): 545/454*x53cm, ca. 250 Liter Vol.

WW bei 3/4/5 kn: 0,87 / 1,62 / 3,81 kg

 

„Xplore“ (Tiderace): 547/478*x53 cm, ca. 326 Liter Vol.

WW bei 3/4/5 kn: 0,88 / 1,63 / 3,43 kg

 

„Storm“ (PE) (CurrentDesigns): 517/453*x61 cm, ca. 372 Liter Vol.

WW bei 3/4/5 kn: 0,86 / 1,63 / 3,67 kg

 

„Xcite“ (Tiderace): 530/455*x55 cm, ca. 310 Liter Vol.

WW bei 3/4/5 kn: 0,87 / 1,63 / 3,67 kg

 

„Bahiya“ (P&H): 533/452*x52 cm, ca. 299 Liter Vol.

WW bei 3/4/5 kn: 0,88 / 1,64 / 3,67 kg

 

„Cetus 176 LV“ (P&H): 532/482*x55 cm, ca. 290 Liter Vol.

WW bei 3/4/5 kn: 0,90 / 1,65 / 3,32 kg

 

„Romany Explorer“ (SKUK): 533/464*x55 cm, ca. 340 Liter Vol.

WW bei 3/4/5 kn: 0,90 / 1,65 / 3,55 kg

 

„Tempest 165“ (Wilderness): 501/443*x55 cm, ca. 294 Liter Vol.

WW bei 3/4/5 kn: 0,87 / 1,65 / 4,05 kg

 

„Solstice GTS“(Current Designs): 535/484*x57 cm, ca. 331 Liter Vol.

WW bei 3/4/5 kn: 0,91 / 1,67 / 3,28 kg

 

Kodiak(PE) (Prijon): 507/480*x58 cm, ca. 381 Liter Vol.

WW bei 3/4/5 kn: 0,91 / 1,67 / 3,38 kg

 

„Scorpio 17” (PE) (P&H): 515/467*x56 cm, ca. 380 Liter Vol.

WW bei 3/4/5 kn: 0,89 / 1,68 / 3,32 kg

 

Etain (Valley): 534/458*x55 cm, ca. 362 Liter Vol.

WW bei 3/4/5 kn: 0,90 / 1,68 / 3,58 kg

 

„Wind 505“ (Tahe): 502/467*x54 cm, ca. 327 Liter Vol.

WW bei 3/4/5 kn: 0,91 / 1,68 / 3,37 kg

 

„Quest“ (P&H): 536/456*x56 cm, ca. 337 Liter Vol.

WW bei 3/4/5 kn: 0,89 / 1,68 / 3,67 kg

 

„Aquanaut“ (Valley): 536/467*x55 cm, ca. 330 Liter Vol.

WW bei 3/4/5 kn: 0,91 / 1,69 / 3,31 kg

 

„Essence 16“ (Perception): 504/468*x57 cm, ca. 357 Liter Vol.

WW bei 3/4/5 kn: 0,90 / 1,69 / 3,62 kg

 

Oceanspirit (Tahe): 521/480*x58 cm, ca. 333 Liter Vol.

WW bei 3/4/5 kn: 0,93 / 1,71 / 3,56 kg

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“Aquanaut” (PE) (Valley): 522/456*x57 cm, ca. 341 Liter Vol.

WW bei 3/4/5 kn: 0,92 / 1,75 / 3,59 kg

 

Außerdem haben Seekajaks zwischen 500 – 550 cm Länge i.d.R. recht ausgewogene Eigenschaften. Dennoch sollte vor dem Kauf während einer Probefahrt bei realistischen Gewässerbedingungen (hier: möglichst ab 4-5 Bft. Wind) geprüft werden, ob der Sitzhalt stimmt, das Seekajak nicht zu kippelig und genügend manövrierfähig ist sowie nicht zu nass im Seegang läuft.

 

Übrigens, kleinere bzw. leichtere Personen können sich auch für Seekajaks mit einer Mindestlänge von ca. 475 cm entscheiden. Das gilt insbesondere dann, wenn sie in keinem der Seekajaks ab 500 cm genügend Sitzhalt haben. Ihnen sollte jedoch bewusst sein, dass nicht alle diese kürzeren Seekajaks so leicht laufen wie jene ab 500 cm Länge.

 

Tab. 2: „Transporter“ (für kleinere/leichter Personen / Längenmaß: 465 – 499 cm):

(sortiert nach WW bei 4 Knoten) (mit *=Wasserlinienlänge)

 

Dex (Skim): 493/453*x51 cm, ca. 280 Liter Vol.

WW bei 3/4/5 kn: 0,87 / 1,62 / 3,25 kg

 

„Eliza“ (PE) (Necky): 467/425*x57 cm, ca. 279 Liter Vol.

WW bei 3/4/5 kn: 0,88 / 1,64 / 4,20 kg

 

„Viking“ (Kajak-Sport/Miks): 498/455*x56 cm, ca. 302 Liter Vol.

WW bei 3/4/5 kn: 0,89 / 1,65 / 3,64 kg

 

„Atlantic LV(PE)(NorthShore): 482/408*x55 cm, ca. 278 Liter Vol.

WW bei 3/4/5 kn: 0,85 / 1,67 / 4,54 kg

 

„X-lite (Point 65): 470/438*x54 cm, ca. 275 Liter Vol.

WW bei 3/4/5: 0,88 / 1,68 / 3,93 kg

 

„Zephyr 160“ (Wilderness): 487/430*x58 cm, ca. 346 Liter Vol.

WW bei 3/4/5 kn: 0,88 / 1,69 / 4,28 kg

 

„Avocet“ (Valley): 492/428*x56 cm, ca. 298 Liter Vol.

WW bei 3/4/5 kn: 0,87 / 1,70 / 3,92 kg

 

Easky 15“ (Venture): 470/423*x61 cm, ca. 333 Liter Vol.

WW bei 3/4/5 kn: 0,90 / 1,71 / 4,43 kg

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Touryak (Prijon): 463/423*x61 cm, ca. 380 Liter Vol.

WW bei 3/4/5 kn: 0,90 / 1,72 / 3,37 kg

 

„Avatar 16.0“ (PE) (Perception): 488/432*x57 cm, ca. 287 Liter Vol.

WW bei 3/4/5 kn: 0,89 / 1,75 / 3,97 kg

 

“Chatham 16” (Necky): 497/409*x56 cm, ca. 316 Liter Vol.

WW bei 3/4/5 kn: 0,89 / 1,78/4,37 kg

 

Seayak (PE) (Prijon): 485/434*x58 cm, ca. 355 Liter Vol.

WW bei 3/4/5 kn: 0,92 / 1,87 / 3,95 kg

 

Racer

 

Wer überwiegend mit dem Seekajak auf Tempo (hier: mindestens 5 Knoten / 9,3 km/h) fahren möchte, sollte sich für ein Seekajak mit über 550 cm Länge entscheiden, wobei es dann nicht genügt, nur auf die „Länge-über-Alles“ zu achten; denn letztlich kommt es auf die Wasserlinienlänge (WL=*) an (hier: mindestens 530 cm); da mit höherem Tempo bei Seekajaks mit langer Wasserlinienlänge der Wasserwiderstand (WW) (hier insbesondere der Wellenwiderstand) nicht so schnell ansteigt. Auch wenn diese Seekajaks teilweise über viel Volumen verfügen, sind sie wegen der meist schlechteren Wendigkeit nur bedingt (hier: entsprechende Paddeltechnik vorausgesetzt) als „Transporter“ geeignet

 

In Frage kommen hier z.B. die folgenden Seekajaks, die alle vom SEA KAYAKER getestet wurden (s. Tab. 3):

 

Tab. 3: „Racer“ (besonders schnell / Längenmaß: ab 550 cm):

(sortiert nach WW bei 5 Knoten) (mit *=Wasserlinienlänge)

 

Taran (Rockpool): 549/534*x52 cm, ca. 370 Liter Vol.

WW bei 3/4/5 kn: 0,88 /1,61 / 2,83 kg

 

Baidarka (Zegul): 547/533*x55 cm, ca. 357 Liter Vol.

WW bei 3/4/5kn: 0,91 / 1,66 / 2,83 kg

 

„18X Sport“ (Epic): 549/540*x56 cm, ca. 369 Liter Vol.

WW bei 3/4/5 kn: 0,95 / 1,76 / 2,85 kg

 

“Inuk” (Kirton/Nelo): 550/535*x51 cm, ca. 315 Liter Vol.

WW bei 3/4/5 kn: 0,86 / 1,63 / 2,95 kg

 

„Viviane“ (KajakSport/Miks): 580/538*x55 cm, ca. 392 Liter Vol.

WW bei 3/4/5 kn: 0,90 / 1,66 / 2,99 kg

 

„Pace 18“ (Tiderace): 546/539*x54 cm, ca. 340 Liter Vol.

WW bei 3/4/5 kn: 0,93 / 1,71 / 3,06 kg

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Beispiel: Rennseekajak:

„Rapier 20“ (Valley): 607/598*x45 cm, ca. 337 Liter Vol.

WW bei 3/4/5 kn: 0,93 / 1,70 / 2,64 kg

 

Alle diese sehr langen Seekajaks zeichnen sich mit einer Ausnahme durch einen geraden Bugsteven aus. Sie unterscheiden sich gegenüber den „Transportern“ wohl noch nicht beim WW, ermittelt bei 3 bzw. 4 kn, wohl aber beim WW, ermittelt bei 5 kn. So liegen die WW (bei 5 kn) bei den „Racern“ zwischen 2,83 -3,06 kg und bei den „Transportern“ (ab 500 cm) zwischen 3,28 – 4,05 kg.

 

Natürlich lassen sich die Wasserwiderstandswerte noch verbessern. Gegebenenfalls ist dann jedoch eine höhere Kippligkeit und Windempfindlichkeit sowie eine geringere Wendigkeit in Kauf zu nehmen, z.B. trifft das für das nicht mehr von jedem Kanuten beherrschbare Rennseekajak von Valley zu: „Rapier 20“ (Valley): 607/598*x45 cm, der bei 5 kn einen WW von 2,64 kg hat.

 

„Player“

 

Wer es jedoch vorzieht, mit dem Seekajak im Seegang (hier: Brandung, Gezeitenstromkabbelung/Tiderace, Felsgärten) zu paddeln und zu „spielen“, der sollte darauf achten, dass das Seekajak zum einen wendiger ist (hier: ausgeprägter Kielsprung, nicht zu lang) und zum anderen nicht ganz so nass läuft (z.B. nicht in die Welle bohrt) (hier: mehr Bugvolumen, gefirstetes Vorderdeck, etwas nach hinten verlagerte Sitzluke). Dabei kommt es auf die Länge nicht so sehr an!? Zumindest könnten wir dies aus der Länge des von P&H entwickelten „Hammer“ ableiten, die nur 407 cm beträgt.

 

In Frage kommen hier z.B. die folgenden Seekajaks (s. Tab. 4):

 

Tab. 4: „Player“ (besonders seegangstüchtig)

(sortiert nach Länge über Alles)

 

Xtreme (Tiderace): 516/443*x55 cm, ca. 335 Liter Vol.

WW bei 3/4/5 kn: 0,88 / 1,65 / 3,96 kg

 

Xtra (Tiderace): 505/436*x55 cm; ca. 321 Liter Vol.

WW bei 3/4/5 kn: 0,86 / 1,66 / 3,93 kg

 

Delphin 155“ (PE) (P&H): 479/441*x58 cm, ca. 322 Liter Vol.

WW bei 3/4/5 kn: 0,88 / 1,65 / 3,88 kg

 

Playspirit (PE) (Tahe): 467x59 cm

„Aries 155“ (P&H): 466x57 cm; Vol. ca. 279 Liter

 

Delphin 150“ (PE) (P&H): 457x55 cm; Vol. ca. 247 Liter

 

„Aries 150“ (P&H): 457x55 cm, Vol. ca. 246 Liter

 

„Gemini SP“ (Valley): 452x56 cm (mit mehr Kielsprung als der ”ST”)

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„Hammer“ (PE) (P&H): 407x61 cm; Vol. ca. 320 Liter

 

Für welches dieser Seekajaks wir uns entscheiden, hängt ganz allein von dem von uns bevorzugtem Paddelrevier ab. Eigentlich handelt es sich hier um das „ideale“ Zweit-Seekajak, mit dem wir wohl keine wochenlangen Gepäckfahrten oder –zig Kilometer lange Wettfahrten, wohl aber „Spritztouren“ in Gewässern mit anspruchsvollerem Seegang unternehmen sollten, aber durchaus könnten, sofern die Mitpaddler ebenfalls mit solchen „Player“ paddelten. Für uns deutsche Küstenkanuwanderer kommen eigentlich diese „Player“ nicht in Frage, außer wir wohnen direkt an der Küste oder auf den Inseln (z.B. St. Peter-Ording, Ostfriesische Inseln, Sylt bzw. Ostseeküste), wo es möglich ist und sich auch lohnt, nur einmal für ein, zwei Stunden in der Brandung zu „spielen“.

 

„Cross-Border“ (Grenzgänger)

 

… und was können uns die vielen kleineren Kajaks zwischen 410 cm und 460 cm bieten? (s. hierzu Tab. 5)

 

Tab. 5: „Cross-Border“ (kleine, seetüchtige Kajaks mit einem Längenmaß von 400 – 460 cm):

(sortiert nach Länge über Alles)

 

„Focus 150“ (PE) (Wilderness): 457x58 cm, mit Steuer

„Expression 15“ (PE) (Perception): 456x61 cm, mit Steuer/Skeg

„Gemini ST“ (Valley): 452x56 cm (mit weniger Kielsprung als der „SP“), mit Skeg

„Fit 149“ (Tahe): 450x60 cm, mit Steuer

„Fit 147“ (PE) (Tahe): 445x62 cm, mit Steuer

„Lifestyle 444“ (Tahe): 444x60 cm, mit Steuer

„Focus 145“ (PE) (Wilderness): 442x57 cm, mit Steuer

“Tsunami 145” (PE/GFK) (Wilderness): 442x62 cm, mit Steuer

„Expression 14“ (PE) (Perception): 442x59 cm, mit Steuer/Skeg

Manitou 14“ (PE) (Necky): 440x61 cm, mit Skeg

“Stratos 14.5 L” (PE) (Dagger): 442x64 cm, mit Skeg

“Stratos 14.5 S” (PE) (Dagger): 440x60 cm, mit Skeg

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„Calabria“ (PE) (Prijon): 439/406*x63 cm, WW bei 3/4/5 kn: 0,90/1,75/4,72 kg, mit Steuer

Loksha 14“ (PE) (Necky): 430x62 cm, mit Steuer

Islay 14” (PE) (Venture): 427x60 cm, mit Skeg

„Tsunami 140“ (PE/GFK) (Wilderness): 427x61 cm, mit Steuer

Alchemy 14.OL” (PE) (Dagger): 427x61 cm, mit Skeg

Alchemy 14.OS” (PE) (Dagger): 427x58 cm, mit Skeg

Strait 140 XE” (Elie): 427x62 cm, mit Steuer

„Carolina 14“ (PE) (Perception): 427x62 cm

„Dayliner L“ (PE) (Prijon): 423x64 cm, mit Steuer?

Islay 14 LV“ I(PE) (Venture): 420x57 cm, mit Skeg

„Lifestyle 420“ (PE) (Tahe): 420x63 cm, mit Steuer

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„Tsunami 135“ (PE/GFK) (Wilderness): 411x58 cm, mit Steuer

 

Sie sind alle mindestens doppelt abgeschottet und verfügen über Rettungshalteleinen auf dem Vorder- und Achterdeck. Was fehlt zur Seetüchtigkeit sind insbesondere Kompass und Lenzpumpe, wobei ersteres ohne Weiteres nachrüstbar ist und letzteres – wie immer üblicher auch bei größeren Seekajaks – lose als tragbare Handlenzpumpe stets mitgeführt werden kann. Eigentlich handelt es sich bei diesen Kajaks – zumindest jenen zwischen 410 cm und 440 cm Länge - um ideale Kleinflusswanderkajaks. Aber auch mit den Kajaks zwischen 440 cm und 460 cm lässt sich – entsprechende Paddelerfahrungen vorausgesetzt – auf Kleinflüssen paddeln.

 

Natürlich gilt das auch umgekehrt: Mit den Kajaks zwischen 440 cm und 460 cm lässt sich bei entsprechenden Paddelerfahrungen auch auf dem Meer paddeln. Selbst mit jenen Kajaks zwischen 440 cm und 410 cm kann entlang der Küste gepaddelt werden. Wegen des geringeren Geschwindigkeitspotenzials müssten wir jedoch Abstriche beim „Tourenpaddeln“ machen; d.h. je kürzer das Kajak ist, desto geringer das Tempo und desto kleiner wird auch die Reichweite sein. Insbesondere bei Kajaks unter 420 cm Länge empfiehlt es sich vor Ort zu bleiben, d.h. nur die nähere Umgebung (hier: Strand, kleinere Inseln, Felsgärten) zu erkunden.

 

Letztendlich bereiten einem diese kürzeren Kajaks beim „Spielen“ im Seegang – vorausgesetzt der Sitzhalt stimmt – nicht mehr Probleme als die „Transporter“. Die Probleme tauchen jedoch auf beim Kurshalten („Kürze kurvt!“) (hier: Skeg bzw. Steuer könnten für etwas Abhilfe sorgen) und beim Tempomachen („Länge läuft!“). Ich kann mir jedoch vorstellen, dass leistungsfähige Kanuten (hier: Beherrschung der Paddeltechniken, gute Kondition) durchaus auch mit solchen kurzen Kajak nicht nur im Seegang „spielen“, sondern auch Strecke paddeln oder gar – entsprechendes Volumen vorausgesetzt - auf Gepäckfahrt gehen können. Selbst Gruppenfahrten sind möglich, … sofern alle Mitpaddler mit solchen Kajaks paddeln.

 

Ob ich als Fahrtenleiter Interessenten mit solch kurzen Kajaks mitnehmen würde, bezweifele ich jedoch …. außer ich bin von ihrer Leistungsfähigkeit überzeugt und die Tour geht nur über ein verlängertes Wochenende. Das wäre aber ein Sonderfall; denn der Regelfall ist jener, dass die Interessenten an längeren „Spritztouren“ bzw. mehrtätigen Gepäckfahrten nicht nur über längere Seekajaks (ab 475 cm, meist ab 500 cm), sondern auch über die nötigen Paddelerfahrungen verfügen. Mit denen kann dann ein Kanute, der nur ein kürzeres Kajak besitzt und i.d.R. auch weniger leistungsfähig & –bereit ist, einfach nicht mithalten. Anscheinend ahnen dies auch die Besitzer solcher kurzen Kajaks; denn bislang wollten in den letzten 10 Jahren nur drei Kanutinnen mit solch kürzeren Kajaks an meinen Kursen teilnehmen. Zwei von ihnen scheiterten während der Brandungsübungen: die eine hatte keine Lust, sich in der Brandung zu quälen, und die andere schaffte es nicht, bei Wind & Welle ihr Kajak auf Kurs zu halten. Die Dritte paddelte wohl mit ihrem knapp 440 cm kurzem Kajak von Schlüttsiel nach Amrum. Als sich dann aber die Gewässerbedingungen verschlechterten, scheiterte sie aber und musste geschleppt werden.

 

Zwei Testberichte

 

Interessant ist es, mal zu vergleichen, was Testberichte über die Großgewässertauglichkeit solch kurzer Kajaks aussagen. Zufällig ist in letzter Zeit über das kurze Kajak von DAGGER:

 

  • “Stratos 14.5 L” (PE): 442x64 cm

 

in zwei Zeitschriften berichtet worden:

 

Oceanpaddler, Nr. 42/14, S.72-73

o.V.: Frist Look. Dagger Stratos (14.5 L)

 

Kanu-Magazin, Nr. 4/14, S.60-65

N.Erdmann: Auf vollen Touren. Vier neue Wanderkajaks im Praxistest auf dem Tagliamento

 

Im OCEANPADDLER wird aufgrund einer Testfahrt entlang der britischen Küste sehr positiv über den „Stratos 14.5 L“ berichtet.

 

  • Es lässt sich sehr gut manövrieren, in kleineren Stromkabblungen gut beherrschen, ordentlich mit surfen => www.youtube.com/watch?v=6NjwyqpWd-A&feature=youtu.be
  • Es eignet sich ideal für das Paddeln in Felsgärten.
  • Bei stärkerem Wind wird mit Hilfe des verstellbaren Skegs die Luvgierigkeit verhindert.
  • Das Tempo ist für ein solch kurzes Kajak sehr angemessen („very reasonable“).

 

Dennoch fragt sich der Tester & Texter, ob dieses Seekajak von erfahrenen Sea Kayakern akzeptiert wird, ist es doch mit seiner Breite von 64 cm eher für Seeanfänger geeignet, die damit ihre ersten Erfahrungen beim Paddeln entlang der Küste machen können.

 

In KANU MAGAZIN wird aufgrund einer Testfahrt auf einem italienischen Fluss hervorgehoben, dass der „Stratos 14.5 L“:

 

  • wahlweise über „wildflusstaugliche Wendigkeit“ (wg. Kielsprung & Flachboden) oder „guten Geradeauslauf“ (wg. Skeg) und zusätzlich noch über ein „mehrtagesfahrtentaugliches Ladevolumen“ (ohne jedoch über das Gepäckvolumen zu informieren) verfügt.
  • Bemängelt wird die geringe potenzielle Höchstgeschwindigkeit, die auf den Kielsprung zurückzuführen ist.

 

Dass die Kürze (hier: 440 cm) und die ungewöhnliche Breite (hier: 64 cm) auch negativen Einfluss auf die Höchstgeschwindigkeit hat, wird jedoch nicht erwähnt. Auch wird nichts über die Seetüchtigkeit dieses Kajaks gesagt.

 

Da muss wohl jeder selber seine Schlussfolgerungen aus den Kommentaren ziehen, die über die drei übrigen getesteten Kajaks, nicht aber über den „Stratos“ geschrieben wurden:

 

  • Touryak 470 LV“ (Prijon) (470x59 cm): „geeignet für lange Gepäcktouren u.a. an geschützen Küsten; bedingt seegangstauglich, sehr schnell, spurtreu“;
  • „Jura MV“ (Venture) (488x58 cm): „reinrassiges Seekajak: Schnell, seegangstauglich, seitenwindneutral;
  • „Focus 150“ (Wilderness) (455x58 cm): „Der auf Leichtlauf und Tempo gebaute Focus ist langstreckentauglich.“

 

Text: Udo Beier