12.06.2002 Novellierung der Befahrensverordnung (Revier-Nordsee)

Nachdem jeweils die drei Nordseeküstenländer ihre Nationalparkgesetze novelliert haben, steht eine Novellierung der "Verordnung über das Befahren der Bundeswasserstraßen in Nationalparken im Bereich der Nordsee" (NPNordSBefV) (sog. "Befahrensverordnung") bevor. Das hierfür zuständige Bundesverkehrsministerium wird hierzu voraussichtlich im Jahr 2003 eine Entscheidung fällen. Es ist beabsichtigt, dass die hiervon betroffenen drei Bundesländer eine gemeinsame Empfehlung unterbreiten.

Das Land Hamburg hat unter Federführung der zuständigen Nationalparkverwaltung in Zusammenarbeit mit der "Wassersportkommission", der der "Hamburger Kanu-Verband e.V." angehört, seine Arbeit abgeschlossen. Es wird u.a. empfohlen die "3-Std.-Regelung", die zu Zwecken des Küstenkanuwanderns die Befahrung in der Zeit von 3 Std. vor Niedrigwasser bis 3 Std. nach Niedrigwasser nur auf gesondertem kostenpflichtigen Antrag zulässt, zu streichen und bei Bedarf "Küstenwanderrouten für muskelbetriebene Fahrzeuge" einzurichten. Etwaige Änderungen der zeitlichen und räumlichen Grenzen der Robben-/Vogelschutzgebiete (RSG/VSG) sollen mit den betroffenen Interessengruppen zuvor erörtert und abgewogen werden. Die Ausdehnung der Zone I (Ruhezone) westlich von Scharhörnriff soll dabei nicht zu einer Beschränkung der Sportbootschifffahrt führen.

Für das Land Schleswig-Holstein führt das in Tönning ansässigen Nationalparkamt in einem extra dafür eingerichteten Arbeitskreis die Verhandlungen mit den betroffenen Verbänden (Naturschutz, Sportboote, Reederei, Fischerei u.a.). Vieles spricht dafür, dass Ergebnisse zu erwarten sind, mit denen alle Betroffenen leben können: Wegfall der "3-Std.-Regelung", entsprechende moderate Anpassung der RSG/VSG, Festlegung einheitlicher Schutzzeiten (15.04.-1.10.), Einrichtung eines "Küstenkanuwanderweges" (ein entsprechender Vorschlag wurde vom DKV/LKV-Schleswig-Holstein und der Salzwasserunion e.V. erarbeitet) westlich der Außensände von Pellworm u.a.

Nun ist das Land Niedersachsen an der Reihe. Auf Initiative des WWF trafen sich mit 9 Monate Verspätung alle betroffenen Verbände, Institutionen und Organisationen Mitte Mai bei der zuständigen Nationalparkverwaltung in Wilhelmshaven. Die Sitzung verlief recht kontrovers. Vielleicht wollten einige Beteiligten erst einmal ihre Maximalpositionen abstecken. Ob ein Kompromiss gefunden werden kann, der an den Ergebnissen der beiden anderen Küstenländer anknüpft, hängt wesentlich vom konkreten Zuschnitt der einzelnen RSG/VSG (in Zeit und Raum) ab. Bei der Suche nach einem Kompromiss wird sich der DKV an den folgenden Leitgedanken orientieren:

  1. Es ist sicherzustellen, dass auch in Zukunft durchgehend von Emden bis List/Höyer (DK) auf dem Wattenmeer gepaddelt werden darf, und zwar jeweils auf einer Schlechtwetter-Route (Wattroute) und Schönwetter-Route (Brandungsroute).
  2. Dazu ist es insbesondere erforderlich, dass die "3-Std.-Regelung" wegfällt; denn die Zone I-Gebiete sind teilweise so weit ausgedehnt geworden (betrifft Schleswig-Holstein und Hamburg) bzw. so groß (betrifft Niedersachsen), dass eine Durchquerung des Wattenmeeres in mindestens 5 Sektoren (hier: westlich von Pellworm, nordwestlich von Büsum, westlich von Trischen, westlich von Scharhörnriff, nordwestlich der Knechtsände) wenn überhaupt nur noch mit einem großen Sicherheitsrisiko möglich wäre..
  3. Es ist weiterhin dafür Sorge zu tragen, dass zumindest von jedem Hafen bzw. Siel (mit Wegeanbindung) aus die benachbarten Inseln per Kajak angefahren werden dürfen.
  4. Es ist schließlich darauf zu achten, dass auch weiterhin jede Insel mit dem Kajak umfahren werden kann.
  5. Außerdem ist darauf zu bestehen, dass die bisherigen "markierten Fahrwasser" auch in Zukunft befahren werden dürfen, und zwar ebenfalls dann, wenn die zuständigen Behörden die Kennzeichnung zurücknehmen (z.B. aus Kostengründen).
  6. Sollte durch eine Ausweitung einzelner Grenzen der RSG/VSG-Bereiche eine Befahrung im obigen Sinne nicht mehr möglich sein, ist zumindest für das Küstenkanuwandern als die sicherheitsgefährdetste Disziplin als "letzter Ausweg" anzustreben, dass - analog zu den vielen Wanderwegen durch die Naturschutzgebiete auf den Inseln - ein entsprechender "Küstenkanuwanderweg" gegebenenfalls mit einem entsprechenden "Trittstein" (zwecks Regeneration) eingerichtet wird. Dass so etwas praktikabel sein kann, ohne dass sich dadurch die anderen Wassersportler diskriminiert fühlen, zeigen die Beispiele in den Nationalparks von Schleswig-Holstein und Hamburg.

Text: Udo Beier