25.06.2002 Störung von Robben (Recht)

Im SEEKAJAK berichtet Carlo Schagen im dem Beitrag "Robbenstörfall Norderney: Auf Tuchfühlung mit dem Seehund" von einer Anzeige gegen einen Küstenkanuwanderer, der in der Ruhezone I des niedersächsischen Nationalparks gegen das Verbot verstoßen habe, wild lebende Tiere zu stören. Die zuständige Nationalparkverwaltung fordert auf, "unnötige Störungen vor der Robbenbank am Ostende von Norderney zu unterlassen. Das an der Robbenbank vorbeilaufende Fahrwasser darf selbstverständlich benutzt (werden). Das Anlanden an den Strand und das anschließende Lagern sei in der Ruhezone I jedoch nicht erlaubt. Der zugelassene Wanderweg verlaufe an der MTHW-(Mittleres Tiden-Hochwasser)-Linie und nicht an der Wasserkante oder am nassen Strand."

Quelle: SEEKAJAK, Nr. 82/02, S.26-27 - www.salzwasserunion.de

Anmerkung: Bei dieser Angelegenheit wird jedoch übersehen, dass wohl in der von der Nationalparkverwaltung herausgegebenen touristischen Karte von "Norderney" (Inselfaltblatt Nr. 3, 1991, 4. Auflage) der entsprechende Wanderweg entlang der MTHW-Linie führt, aber zur näheren Erläuterung mit dem folgenden Text versehen ist: "Dieser Weg verläuft je nach Wasserstand am Spülsaum". Das ist auch gut so, denn:

Der DKV wird bei den anstehenden Verhandlungen mit der Nationalparkverwaltung darauf Wert legen, dass auch in Zukunft sich die Wegführung von Wanderwegen entlang der Brandungsseite der ostfriesischen Inseln am Verlauf des aktuellen "Spülsaumes" orientieren soll. Insbesondere betrifft das all jene Wege, die vom Karteneintrag her entlang der MTHW-Linie verlaufen.

Natürlich stellt sich hier die Frage, ob ein solcher Wanderweg entlang des Spülsaumes für das Küstenkanuwandern von großem Nutzen ist, da doch häufig die dem Spülsaum vorgelagerten Wasserflächen unter besonderem Schutz stehen. Das ist richtig. Solange aber der Wanderweg und die Zufahrt zum Wanderweg in der Ruhezone - nicht jedoch im Robben-/Vogelschutzgebiet (RSG/VSG) - liegt, darf im Rahmen der "3-Std.-Regelung" (Befahrung erlaubt von 3 Std. vor Hochwasser (HW) bis 3 Std. nach HW):

1. die Zufahrt zum Wanderweg mit Kajaks befahren und

2. der Wanderweg, hier der Spülsaum, an dem der Wanderweg entlang läuft, betreten werden.

Für Norderney bedeutet dies, dass - sofern in den letzten Jahren keine Korrekturen vorgenommen wurden - der Wanderweg bis zur nördlichen Hälfte der Ostspitze entlang des Spülsaumes verläuft. In der südlichen Hälfte schwenkt er jedoch allmählich Richtung West (zum Schutz der im Süden liegenden Seehundsbank), d.h. verlässt den Spülsäumen, und führt ins Inselinnere zur von März bis Oktober besetzten Schutzhütte.

Eigentlich sollte sich jeder Küstenkanuwanderer die von der Nationalparkverwaltung in Wilhelmshaven herausgegebenen 7 Inselfaltblätter (je Insel ein Blatt) besorgen (sind auch bei den Infoständen auf den Inseln erhältlich), aber leider sind sie zur Zeit vergriffen, da wegen des novellierten Nationalparkgesetzes eine Überarbeitung fällig ist. Den Karten kann man sehr deutlich den Verlauf der Wanderwege auf den einzelnen ostfriesischen Inseln entnehmen, sodass die "Minderheit" der am "Fußwandern" interessierten Küstenkanuwanderer ihre Tour so planen kann, dass die Pausenplätze genau dort liegen, wo ein Wanderweg ins Inselinnere abzweigt. Die "fußkranke" Mehrheit der Seekajakfahrer dagegen braucht sich eigentlich nur Folgendes zu merken:

Alle ostfriesischen Inseln verfügen lt. der bislang gültigen Inselfaltblätter auf der Brandungsseite (hier: Nordseite) einen Wanderweg, der am Spülsäumen entlang läuft. Lediglich an den Ostspitzen einiger Inseln gibt es zur Vermeidung von Störungen der Natur (Seehunde, brütende Seevögel) Probleme beim Betreten des Spülsaumes, da der zugelassene Wanderweg nicht mehr am Spülsäumen verläuft. Das gilt nicht für Borkum, wohl aber für:

a) Juist (die letzten 1,5 km bis zur Ostspitze);

b) Norderney, Baltrum und Spiekeroog (jeweils das ganze südliche Ostufer),

c) Langeoog (das ganze Ostufer) und

d) Wangerooge (voraussichtlich die letzten 1,5 km bis zur Ostspitze).

Text: Udo Beier