07.08.2003 Verantwortung bei Gruppenfahrten (Recht)

In der Zeitschrift ALPIN fragt ein Leser, welche Verantwortung er hat, wenn er mit weniger erfahrenen Kameraden eine Bergtour macht. Da die rechtliche Lage dieselbe ist, egal ob eine Bergwandertour bzw. eine Küstenkanuwandertour durchgeführt wird, ist der Text auf die Problemstellung des Kanuwanderns übertragen worden:

Frage: Ich paddle seit einigen Jahren auf dem Meer und habe auch schon Kurse zum Küstenkanuwandern belegt. In meinem Freundeskreis möchten jetzt einige entlang der Küste paddeln und haben mich gebeten, sie zu begleiten, da sie unerfahren sind. Wenn jetzt jemand bei der Tour - z.B. bei der Durchfahrung einer Brandungszone - verunglückt und sich verletzt, wer haftet dafür? Die Tour hat einen privaten Charakter und ich würde keinerlei Entlohnung dafür bekommen? (M.Schneider)

Antwort: In genau dem von dir beschriebenen Fall wärest du der sog. "faktische Führer", weil du am meisten Erfahrung hast, und wärst somit auch verantwortlich. Unerfahrene Leute können oft die Gefahren (in dem Fall die Brandung) nicht einschätzen. Du als erfahrener Begleiter weißt aber um diese Gefahr und musst deshalb auch für die Sicherheit deiner Begleiter sorgen. Ob du dafür bezahlt wirst oder nicht macht in diesem Fall keinen Unterschied. Wenn einer deiner Freunde auf einem leichten Küstenabschnitt, für den man offensichtlich keine Küstenerfahrungen braucht, kentert und sich verletzt, sieht es anders aus. Da wärst du nicht haftbar, weil keine Gefahren "lauern", für die man Erfahrung braucht, um sie zu erkennen und/oder zu vermeiden. Sprich: In dem Gelände, in dem man Küstenerfahrungen braucht, bist du der "faktische Führer" und damit haftbar, in "leichten" Küstenabschnitten, die jeder Unerfahrene normalerweise ohne erkennbare Gefährdung befahren kann, "brauchen" dich deine Begleiter streng genommen nicht und damit wärst du auch nicht haftbar. (O.Perwitzschky)

Quelle: ALPIN, Nr. 7/03, S.70

Literatur:

U.Beier: Haftungsfragen bei Seekajak-Veranstaltungen. Seekajak 43/94, S.54-57.

U.Beier: Paddeln und Strafrecht. Kanumagazin 4/96, S.48-50.