08.10.2003 Kollisionsverhütungsregeln (Befahrensregelung/Recht)

In der YACHT plädiert Chr. Schumann in dem Kommentar:

"David gegen Goliath: Warum gibt nicht immer der Klügere nach?"

für eine Änderung der "Kollisionsverhütungsregeln":

".... Das Manöver des letzten Augenblicks ... ist nach den internationalen Kollisionsverhütungsregeln vom Kurshaltepflichtigen einzuleiten, wenn klar wird, dass eine Kollision durch das Handeln des Ausweichpflichtigen allein nicht mehr zu verhindern ist. Interessant in (Zusammenhang bei mehreren Kollisionen zwischen Maschinen- und Segelfahrzeug): ... die großen Schiffe liefen (trotz Kollision) weiter, als sei nichts geschehen. Das legt den Verdacht nahe, dass keiner der Wachhabenden auf der Brücke den jeweiligen Kollisionsgegner bemerkt hat. Was ein schwerer Gesetzesverstoß wäre - jeder Verkehrsteilnehmer ist verpflichtet, jederzeit gehörig Ausguck zu gehen."

Chr. Schumann fordert daher eine Gesetzesänderung: ".... (so dass) die segelnden Kleinfahrzeuge auf ihre Kurshaltepflicht prinzipiell verzichten (müssen)? Sie wären dann in jedem Fall ausweichpflichtig - die Zweifel, ob der Steuermann eines ausweichpflichtigen Dickschiffs sich regelkonform verhält, wären vorbei, und Segler würden Diskussionen über Notwendigkeit und Zeitpunkt eines Manövers des letzten Augenblicks im Wortsinn einfach aus dem Wege gehen. ... Der Klügere gibt nach, heißt es. Das finde ich besser, als wenn David nach einer Kollision klagt: Goliath hätte doch ausweichen müssen."

Quelle: YACHT, Nr. 21/03, S.35 - www.yacht.de

Anmerkung U.B.: Auch beim Küstenkanuwandern tauchen Situationen auf, wo die Kanutin bzw. der Kanute im Seekajak "Vorfahrt" hat, d.h. wo der Führer eines anderen Wasserfahrzeuges ausweichpflichtig ist, z.B.:

Übrigens:

Lt. KVR 8 (b) "... (muss jede Änderung des Kurses) so groß sein, dass ein anderes Fahrzeug optisch .... sie schnell erkennen kann; aufeinanderfolgende kleine Änderungen des Kurses und/oder der Geschwindigkeit sollen vermieden werden."

Und lt. KVR 8 (e): "... muss ein Fahrzeug, (um einen Zusammenstoß zu vermeiden oder mehr Zeit zur Beurteilung der Lage zu gewinnen,) erforderlichenfalls seine Fahrt mindern oder durch Stoppen oder Rückwärtsgehen jegliche Fahrt wegnehmen."

Lt. KVR 17 (a) (ii) "... darf der Kurshalter jedoch zur Abwendung eines Zusammenstosses selbst manövrieren, sobald klar wird, dass der Ausweichpflichtige nicht angemessen ... handelt." D.h. es ist nicht falsch, wenn man grundsätzlich davon ausgeht, dass man in seinem kleinen Seekajak nicht gesehen wird. Und es ist erst recht nicht falsch, dass man rechtzeitig bevor man zum "Kurshalter" wird, eine entsprechende Kursänderung vornimmt.